La belle Irène (1862-1915) | Martin "Old Martin" Hildebrandt (1825-1890) und Nora Hildebrandt (?-1893)

La belle Irène (1862-1915), eigentlich Irene Woodward, geb. Ida Levina Lisk

"La belle Irène", eigentlich Irene Woodward, geb. Ida Levina Lisk wurde am 21. April 1857/62 in Dallas, Texas/USA geboren. Sie trat erstmals 1882 im "Bunnell’s Museum" in New York City/USA auf und danach im "Globe Dime Museum" in der Bowery, in New York City. Ab 1883 tourte sie durch den Mittleren Westen der USA und kam später zum "Barnum and Bailey Limited Circus". Über ihren ersten Auftritt wurde auch in der "New York Times" berichtet. Privat wohnte sie später in Philadelphia, Pennsylvania/USA.

"La belle Irène" behauptet, von ihrem Vater tätowiert worden zu sein, dies stimmte aber nicht. Sie wurde unter anderem vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und dessen damaligen Schüler Charles Wagner (1875-1953) tätowiert. Sie hatte sich Schmetterlinge, Insekten, Blumen, Engel, Indianer, Adler, Klapperschlangen und verschiedene Symbole tätowieren lassen. Auch Alltagsszenen, wie der Abschied nehmende Schiffer waren auf ihrer Haut zu sehen.

"La belle Irène" heiratete 1883 ihren Impresario (Manager) George E. Sterling, der seinen Namen in George E. Woodward änderte. Ihr gemeinsamer Sohn George E. Woodward (1885-?) nannte sich später George E. Barnes, of Barnes and West.

Seit 1888 war der deutsch-polnische Theatermanager und Impresario (Manager) Rosinsky aus Paris/Frankreich ihr Agent. Mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" ging sie Ende 1889 auf Europatournee. Man startete in London/England und war 1890 dann in Paris zu sehen. Im gleichen Jahr war sie in Christian Hornhardt`s Concert-Garten auf Hamburg St. Pauli zu sehen und im Juni 1890 trat sie in "Castans Panoptikum" in Berlin und ab 11. Januar 1891 in München, in Bayern auf. Die Berliner Illustrierte Zeitung (BIZ) berichtete am 5. Juni 1890 ausführlich über ihren Auftritt in "Castans Panoptikum".

Insgesamt fünf Jahre blieb "La belle Irène" in Deutschland und lebte zeitweise sogar in Dortmund, in Nordrhein-Westfalen und in Breslau, heute Wroclaw in Polen. Sie war somit die erste vollständig tätowierte Amerikanerin, die in Europa auftrat.

 

Souvenir - La belle Irène

Im Juni 1895 reiste die Familie Woodward zurück in die USA, um für die "Pawnee Bill´s Wild West Show" aufzutreten. "La belle Irène", trat 1897 wieder in Paris und 1904/05 in Russland auf. Von ihr gab es 38 Wachsfiguren in den verschiedensten Museen und Panoptiken Europas und in Übersee. Sie war somit eine der erfolgreichsten Tattoo-Schaubuden-Künstler ihrer Zeit.

Anfang/Mitte September 1915 wurde "La belle Irène" in ein Krankenhaus, in Philadelphia eingeliefert und am 9. Oktober 1915 starb "La belle Irène" - Irene Woodward mit nur 58 Jahren dort an Gebärmutterkrebs. Sie wurde am 13. Oktober 1915 auf dem Monument Cemetery in Philadelphia beerdigt. Der Friedhof (heute ein Parkplatz) wurde in den 1950er-Jahren aufgegeben.

 

Martin "Old Martin" Hildebrandt (1825-1890) und Nora Hildebrandt (?-1893)

Der deutsche Auswanderer Martin Hildebrandt, er soll mit 18 Jahren aus Hannover in Niedersachsen ausgewandert sein, arbeitet ab 1846 als reisender Tätowierer (Travelling tattoo artist) an der Ostküste der USA, wo er Soldaten beider Seiten während des Amerikanischen Bürgerkriegs tätowierte. Um 1870 betrieb er ein Atelier in der Oak Street (heute Monroe Street) in der Lower East Side, in New York City/USA. Martin "Old Martin" Hildebrandt wurde zu einem der ersten professionellen Tätowierer in den USA. Mit der Hand-Methode tätowiert er unter anderem auch Annie und Frank B. Howard (1857-1925) während ihrer Aufenthalte in New York City. Martin Hildebrandt heiratete Nora Hildebrandt (?-1893), die er zuvor auch tätowiert hatte, allerdings existiert keine offizielle Heiratsurkunde. Sie nahm aber seinen Nachnamen an und beide lebten zusammen als Ehepaar in New York City.

Nora Hildebrandt, geb. Keaton wurde um 1857 in London/England geboren und trat erstmals am 1. März 1882 in "Bunnell’s Museum" in New York City/USA vor Publikum auf. Sie soll 365 Tätowierungen auf ihrem Körper gehabt haben. Sie erzählte, wie später auch andere Tattoo-Künstler, eine abenteuerliche Geschichte über die Herkunft ihrer vielen Tätowierungen.

So soll sie während einer Reise mit ihrem Vater durch den Wilden Westen vom Indianerhäuptling Sitting Bull (um 1831-1890) gefangen genommen worden sein. Ihr Vater wurde von den Indianern gezwungen sie ein Jahr lang jeden Tag zu tätowieren, während sie an einem Baum gefesselt war. Die Schmerzen hätten sie sogar erblinden lassen. Nachdem alle Tätowiernadeln gebrochen waren, wurde ihr Vater dann von den Indianern ermordet. Nach ihrer Befreiung durch General George Cook (1828-1895) kam sie in ein Krankenhaus und wurde geheilt. In der Klinik soll sie den Sideshow- und Zirkusbesitzer Adam John Forepaugh (1831-1890) getroffen haben, der sie nach New York City brachte, um sie für sein Zirkusunternehmen unter Vertrag zu nehmen. Die Geschichte stimmte natürlich nicht, die Tätowierungen stammten wohl von Martin "Old Martin" Hildebrandt. Allerdings trat sie tatsächlich später für Adam John Forepaugh in dessen Zirkusshows auf.

Nora Hildebrandt trennte sich später von Martin "Old Martin" Hildebrandt und heiratete am 20. Januar 1889 den deutschstämmigen, tätowierten Friseur Jacob Gunther. Um 1890 ging sie mit Jacob Hildebrandt, ihr Ehemann nahm ihren Nachnamen an, und dem "Barnum and Bailey Limited Circus" auf Tournee. Das Ehepaar trat zusammen auf. Nora Hildebrandt starb am 1. April 1893 in Brooklyn, New York City .und Jacob Hildebrandt betrieb unter seinem richtigen Namen Jacob Gunther bis zu seinem Tode ein Friseurgeschäft in Brooklyn, New York City.

Martin "Old Martin" Hildebrandt starb am 16. Januar 1890 in Manhattan/New York City. Sein Beiname "Old Martin" taucht erstmals am 1. Februar 1898 in einem Zeitungsartikel der "New York Evening Post" auf.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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