Annie Howard (1859-1911), eigentlich Annie Jane D. Boyle, geb. Morrison und Frank Howard (1857-1925), eigentlich Franklin Howard Packard | Samuel F. O'Reilly (1854-1909) | John Hayes (1864-?)

Annie Howard (1859-1911), eigentlich Annie Jane D. Boyle, geb. Morrison und Frank Howard (1857-1925), eigentlich Franklin Howard Packard.

Annie Howard, eigentlich Annie Jane D. Boyle, geb. Morrison wurde am 12. Januar 1859 in Providence, in Rhode Island, in den USA geboren. Sie war mit William E. Boyle verheiratet und trat als die "Tätowierte Venus" auf. Angeblich soll es 25 Jahre gedauert haben, bis sie vollständig tätowiert war. Sie hatte zu meist patriotische Motive wie "Adler mit Fahnen" auf ihrer Haut. In "Bunnell’s Museum" in New York City/USA, dort trat sie das erste Mal 1882 auf, lernte sie im gleichen Jahr den am 1. April 1857 ebenfalls in Providence, in Rhode Island geborenen Tätowierer Frank Howard (1857-1925), eigentlich Franklin Howard Packard, kennen. Auch er war am ganzen Körper tätowiert und trat neben dem Tätowieren als Tattoo-Atraktion auf. Als sie sich in den 25 Jahre älteren Mann verliebte und ihr Ehemann William E. Boyle dies erfuhr, lies er sich im November 1882 von ihr scheiden.

Zuvor, in Juni 1882 wurde sie in New York City wegen Körperverletzung verhaftet und musste für zehn Tage im Stadtteil Fulton Ferry (Brooklyn) ins Gefängnis. Ein Passant hatte sie wegen ihrer tätowierten Arme angeblich auf der Fähre nach Brooklyn beleidigt, woraufhin sie ihn geschlagen und beleidigt haben soll. Mehrere Zeitungen berichteten über den Vorfall.

Nachdem Annie Howard, vermutlich Franklin Howard Packard geheiratet hatte, es gibt keine offizielle Heiratsurkunde, traten sie gemeinsam als "Annie Howard und Frank Howard" in den USA auf. Am 23. Juli 1883 kam ihre gemeinsame Tochter Minnie Carrie Frances Packard (1883-1923) in Hammond, Indiana/USA, zur Welt. Sie trat als "Ivy Howard" mit ihren Eltern auf und wurde später eine berühmte Schlangenbeschwörerin. Nach der Geburt ihrer Tochter tourte die Familie mit verschiedenen Zirkussen durch die USA.

Ab Februar 1888 gingen sie mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" von New York City aus bis zum 22. Oktober 1888 auf USA Tournee. Am 27. Januar 1889 traten sie zur Eröffnung des "Doris`s Eighth Avenue Museums" und ab Februar 1889 im "Grand Museum", beides in New York City auf. Vom 4. Mai bis 7. Oktober 1889 tourten sie mit dem "B. E. Wallace Circus" von Benjamin E. Wallace (1847-1921) durch den Mittleren Westen der USA. In den Wintermonaten 1889 bis Anfang 1890 waren sie dann im "Doris`s Harlem Museum" in New York City zu sehen. Ab April 1895 gingen sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter und dem "Mohawk Valley Circus" auf Tour. Frank Howard war seit Mai 1895 auch als "Sideshow-Manager" für den Zirkus tätig.

 

Barnum and Bailey Limited | 24.10.1900
(links oben ist Frank B. Howard abgebildet.)

 

Die Familie verließ im Dezember 1897 die USA um für den "Barnum and Bailey Limited Circus" bis 1901 in Europa aufzutreten. Nachdem sie in die USA zurückkehrten und einige Zeit in Bosten, Massachusetts/USA verbrachten, gingen sie ab 1903 wieder in den USA auf Tournee. Aus dieser Zeit existieren Karten, auf denen Annie und Frank Howard als tätowiertes Geschwisterpaar beworben werden, dies stimmt natürlich nicht. Frank Howard eröffnete 1907 in Boston, in der Court Street 153 sein eigenes Tattoo-Studio. Annie Howard verließ mit ihrer Tochter 1911 ihren Ehemann. Frank Howard heiratete drei Jahre später, am 6. Oktober 1914, die aus England stammende Louisa Ann Howard (1877-1967), geb. Morris und starb am 18. November 1925 in Boston, Massachusetts.

Annie Howard soll sich später ins Privatleben zurückgezogen haben. Ihre Tochter "Ivy Howard" starb am 18. November 1923 im alter von nur 40 Jahren als Minnie Carrie Frances Mcmanus, geb. Howard in Providence, in Rhode Island.

Samuel F. O'Reilly (1854-1909)

Annie Howard wurde unter anderem, wie auch andere Tattoo-Schaubuden-Künstler in New York City vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly, er wurde im Mai 1854 in Waterbury, New Haven, Connecticut/USA geboren, tätowiert. Sein Tätowier-Atelier befand sich um 1885 am Chatham Square 11, in Chinatown, nahe der Bowery Street in Manhattan. Das Studio übernahm er vermutlich von einem Tätowierer, der dort schon seit einigen Jahren ein Studio betrieb. Am 11. Dezember 1889 heiratete er Jennie O'Reilly, geb. Abrams in New York City. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Harold O'Reilly (1902-?).

Samuel F. O'Reilly war nicht nur Tätowierer, sondern auch Erfinder. Er meldete am 8. Dezember 1891 in New York City ein Patent (US-Patent Nr. 464801) für eine elektrische Tätowiermaschine (Tattaugraph) an. Die Maschine basierte auf dem elektrischen Stift von Thomas Alva Edison (1847-1931). Samuel F. O'Reilly starb am 29. April 1909 in Brooklyn, New York City/USA, als er aus dem Fenster fiel, während er sein Haus anstrich. Er wurde am 3. Mai 1909 auf dem Holy Cross Friedhof in Brooklyn beerdigt. Sein Studio wurde von seinem Schüler Charles Wagner (1875-1953) bis zu dessen Tod weiter geführt.

John Hayes (1864-?)

Auch der wohl 1864 in Ansonia, Connecticut/USA geborene Tattoo-Schaubuden-Künstler John Hayes wurde von Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und anderen Tätowierern tätowiert.

Seine Eltern waren arme Einwanderer aus Irland. Mit 14 Jahren soll er in die US-Armee eingetreten sein, und dort als Trommler gedient haben. Ab 1880 trat er als Tattoo-Attraktion für den "Barnum and Bailey Limited Circus" in dessen Sideshow auf und behauptete von Apachen-Indianern entführt und gegen seinen Willen tätowiert worden zu sein, dies stimmte allerdings nicht. John Hayes soll angeblich 780 Motive auf seinem Körper gehabt haben. Wann und wo John Hayes starb, ist leider nicht bekannt.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Find a Grave - Online-Datenbank für Friedhöfe und Grabstätten | www.findagrave.com
Körperbemalen, Brandmarken, Tätowieren | Walther Schönfeld | Alfred Hüthig Verlag | 1960
Show Freaks und Monster. Sammlung Felix Adanos | Hans Scheugl | DuMont Buchverlag | 1978
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten. Ein Versuch zur Erfassung ihrer Formen und ihres Bildgutes | Adolf Spamer | Verlag: G. Winters Buchhandlung, Fr. Quelle Nachf. | 1934
The Tattooed Lady: A History | Amelia Klem Osterud | Taylor Pub Verlag | 2014
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Zeichen auf der Haut - Die Geschichte der Tätowierung in Europa | Stefan Oettermann | Syndikat Autoren- und Verlagsges. | 1979