Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Willy Fritsch
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Willy Fritsch (1901-1973)

Willy Fritsch, eigentlich Wilhelm Egon Fritz Fritsch wurde am 27. Januar 1901 in Kattowitz, heute Polen, geboren.

Portrait und Szenenkarten

Willy Fritsch war der Sohn des Inhabers der Maschinenfabrik Fritsch & Brattig, Lothar Fritsch. Nach dem Konkurs der Firma zog die Familie 1912 nach Berlin, wo der Vater seit 1910 als Betriebsleiter bei Siemens tätig war. Dort begann Willy Fritsch 1915 eine Mechanikerlehre, die er allerdings abbrach. Nach Hilfstätigkeiten am Berliner Landgericht hatte er kleine Einsätze als Komparse im Chor des Großen Schauspielhauses.

Im Jahr 1919 nahm Willy Fritsch Schauspielunterricht an der Reinhardt-Schule und erhielt bald kleinere Rollen an dessen Deutschem Theater. Ab 1920 drehte er regelmäßig Filme, vorzugsweise als jugendlicher, eleganter Liebhaber und war sehr erfolgreich in dieser Rolle mit berühmten Kolleginnen seiner Zeit, wie Henny Porten (1890-1960), Ossi Oswalda (1897-1947) und Lilian Harvey (1906-1968).

Von 1929 an drehte Willy Fritsch – meist mit Lilian Harvey – Tonfilme. Da es sich häufig um Musikkomödien handelte, nahm er auch Gesangsunterricht. In Melodie des Herzens (1929) sprach er den ersten Satz des deutschen Tonfilms: „Ich spare nämlich auf ein Pferd.“ Jetzt und in den folgenden Jahren wurden viele Melodien aus seinen Filmen zu bekannten und erfolgreichen Schlagern, wie Ein Freund, ein guter Freund aus Die Drei von der Tankstelle (1930), Das gibt's nur einmal (1931), Der Kongreß tanzt (1931) oder Wenn der weiße Flieder wieder blüht (1953). Seine Gagen erreichten Rekordhöhen. 1937 heiratete er die Schauspielerin und Tänzerin Dinah Grace, eigentlich Ilse Schmidt (1917-1963), mit der er die Söhne Michael und Thomas Fritsch (letzterer ebenfalls Schauspieler) bekam. 1939 endete seine Zusammenarbeit mit Lilian Harvey, mit dem Film Frau am Steuer (1939), da Lilian Harvey nach Frankreich emigrierte. Willi Fritsch wurde auf Druck seines Ortsverbandes NSDAP-Mitglied, blieb aber bis auf eine Ausnahme im Propagandafilm Junge Adler (1944) unpolitisch.

Als Parteimitglied wurde er Präsidialrat der Kameradschaft der deutschen Künstler. Im August 1944 nahm ihn Joseph Goebbels (1897-1945) in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für die Filmproduktion brauchte, womit Willi Fritsch vom Kriegsdienst freigestellt wurde.

Liebeswalzer mit Lilian Harvey | Tonfilm

Nach Kriegsende zog er nach Hamburg, seine Rollen wandelten sich vom Geliebten zum Vater, wie seine Rolle als Romy Schneiders (1938-1982) Vater in deren ersten Film 1953; an die früheren Erfolge konnte er jedoch nicht mehr anknüpfen. Nach dem Tod seiner Frau 1963, zog sich Willy Fritsch bald vollständig von Film und Öffentlichkeit zurück. Seinen letzten Film drehte er an der Seite seines Sohnes Thomas Fritsch im Jahre 1964 Das hab’ ich von Papa gelernt (1964). Willy Fritsch hinterlässt ein Filmwerk von über 120 Filmen. Er starb am 13. Juli 1973 in Hamburg und wurde auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf beerdigt.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1921: Miß Venus
  • 1921: Die kleine Midinette
  • 1921: Gelbstern
  • 1921: Razzia
  • 1922: Schande
  • 1923: Die Fahrt ins Glück
  • 1923: Seine Frau, die Unbekannte
  • 1924: Guillotine
  • 1924: Mutter und Kind
  • 1925: Der Tänzer meiner Frau
  • 1925: Der Farmer aus Texas
  • 1925: Blitzzug der Liebe
  • 1925: Das Mädchen mit der Protektion
  • 1925: Ein Walzertraum
  • 1926: Die Fahrt ins Abenteuer
  • 1926: Der Prinz und die Tänzerin
  • 1926: Die keusche Susanne
  • 1926: Die Boxerbraut
  • 1926: Die sieben Töchter der Frau Gyurkovics
  • 1927: Die selige Exzellenz
  • 1927: Der letzte Walzer
  • 1927: Die Frau im Schrank
  • 1927: Schuldig
  • 1928: Der Tanzstudent
  • 1928: Die Carmen von St. Pauli
  • 1928: Ungarische Rhapsodie
  • 1928: Ihr dunkler Punkt
  • 1928: Spione
  • 1929: Melodie des Herzens
  • 1929: Frau im Mond
  • 1929: Liebeswalzer
  • 1930: Hokuspokus
  • 1930: Einbrecher
  • 1930: Die drei von der Tankstelle
  • 1931: Ihre Hoheit befiehlt
  • 1931: Im Geheimdienst
  • 1931: Ronny
  • 1931: Der Kongreß tanzt
  • 1932: Ein blonder Traum
  • 1932: Ich bei Tag und Du bei Nacht
  • 1932: Der Frechdachs
  • 1933: Saison in Kairo
  • 1933: Des jungen Dessauers große Liebe
  • 1933: Walzerkrieg
  • 1934: Prinzessin Turandot
  • 1934: Die Töchter Ihrer Exzellenz
  • 1935: Aus den Wolken kommt das Glück
  • 1936: Boccacchio
  • 1936: Glückskinder
  • 1937: Sieben Ohrfeigen
  • 1937: Menschen ohne Vaterland
  • 1937: Streit um den Knaben Jo
  • 1937: Gewitterflug zu Claudia
  • 1938: Zwischen den Eltern
  • 1938: Das Mädchen von gestern Nacht
  • 1938: Am seidenen Faden
  • 1938: Preußische Liebesgeschichte
  • 1939: Die Geliebte
  • 1939: Frau am Steuer

 

  • 1940: Die unvollkommene Liebe
  • 1940: Das leichte Mädchen
  • 1940: Die keusche Geliebte
  • 1941: Anschlag auf Baku
  • 1941: Dreimal Hochzeit
  • 1941: Frauen sind doch bessere Diplomaten
  • 1941: Leichte Muse
  • 1942: Wiener Blut
  • 1942: Geliebte Welt
  • 1943: Die Gattin
  • 1943: Liebesgeschichten
  • 1943: Der kleine Grenzverkehr
  • 1944: Junge Adler
  • 1944–1946: Die Fledermaus
  • 1947: Film ohne Titel
  • 1948: Finale
  • 1948: Hallo – Sie haben Ihre Frau vergessen
  • 1949: 12 Herzen für Charly
  • 1949: Derby
  • 1949: Kätchen für alles
  • 1950: Die wunderschöne Galathee
  • 1950: Mädchen mit Beziehungen
  • 1950: König für eine Nacht
  • 1951: Schön muß man sein
  • 1951: Die Dubarry
  • 1951: Die verschleierte Maja
  • 1951: Zwei in einem Auto /
             Du bist die Schönste für mich
  • 1951: Grün ist die Heide
  • 1952: Mikosch rückt ein
  • 1952: Ferien vom Ich
  • 1952: Am Brunnen vor dem Tore
  • 1953: Von Liebe reden wir später
  • 1953: Damenwahl
  • 1953: Wenn der weiße Flieder wieder blüht
  • 1954: Ungarische Rhapsodie
  • 1954: Maxie
  • 1954: Weg in die Vergangenheit
  • 1955: Drei Tage Mittelarrest
  • 1955: Der fröhliche Wanderer
  • 1955: Liebe ist nur ein Märchen
  • 1955: Stern von Rio
  • 1955: Die drei von der Tankstelle
  • 1956: Schwarzwaldmelodie
  • 1956: Wo die alten Wälder rauschen
  • 1956: Das Donkosakenlied
  • 1956: Solange noch die Rosen blüh'n
  • 1956: Der schräge Otto
  • 1957: Die Beine von Dolores
  • 1957: Zwei Herzen im Mai
  • 1958: Mit Eva fing die Sünde an
  • 1959: Hubertusjagd
  • 1960: Liebling der Götter
  • 1961: Isola Bella
  • 1961: Was macht Papa denn in Italien?
  • 1963: Jazz und Jux in Heidelberg /
             Verliebt in Heidelberg
  • 1964: Der Himmel kann warten
  • 1964: Das hab’ ich von Papa gelernt

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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