Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Willi Forst
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Willy Forst (1903-1980)

Willy Frost, eigentlich Wilhelm Anton Frohs wurde am 7. April 1903 in Wien/Österreich geboren. Er war Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Sänger.

Als Schauspieler war er ein Publikumsliebling, als Regisseur einer der bedeutendsten Vertreter der musikalisch-komödiantischen Wiener Filme der 1930er Jahre. Er machte seit Mitte der 1930er Jahre zahlreiche Schallplattenaufnahmen, unter anderem für die Marke Odeon der Carl Lindström AG.

Portrait und Szenenkarten

Willi Forst wurde als Sohn eines Porzellanmalers in Wien geboren. Seine ersten Erfahrungen auf der Bühne sammelte er als Laienspieler. 1919 erhielt er, obwohl er keine professionelle Schauspielausbildung besaß, ein Engagement in Teschen. Seine erste Filmrolle erhielt er 1922 als Statist im österreichischen Monumentalfilm Sodom und Gomorrha (1922). Nach und nach stieg Willi Forst über mehrere Provinzbühnen die Karriereleiter empor und bekam 1925 als lyrischer Tenor einen Vertrag für Operetten und Revuen am Metropoltheater in Berlin. Dazwischen spielte er auch in Wien am Carltheater und am Apollotheater. Durch Max Reinhardt (1873-1943) gelangte er 1928 an das Deutsche Theater in Berlin.

Seine erste große Rolle erhielt er 1927 neben Marlene Dietrich (1901-1992) in Café Elektric (1927). Wie auch Marlene Dietrich verdankte er diese Hauptrolle dem Filmproduzenten Sascha Kolowrat-Krakowsky (1886-1927), der den beiden somit zum Durchbruch verhalf. Willi Forst wurde rasch ein Star des Wiener Films, dessen Merkmal die Ähnlichkeit zur komischen Operette war. Er spielte, häufig mit Gesangseinlagen, unterschiedliche Charaktere vom Zuhälter und Mörder über Komponisten und Artisten bis zu galanten Offizieren.

Die 1930er und 1940er Jahre bildeten den Höhepunkt seiner Filmkarriere, die er ab 1933 auch als Regisseur bestritt. Er inszenierte mit der Schubert-Biographie Leise flehen meine Lieder (1933) seinen ersten Film. Danach folgten in loser Folge seine bekanntesten und beliebtesten Spielfilme: Maskerade (1934), Burgtheater (1936), Bel Ami (1939), Operette (1940), Wiener Blut (1942) und Wiener Mädeln (1945). Mit seinen stimmungsvollen musikalischen Komödien, die häufig die Stadt Wien zur Jahrhundertwende als Hintergrund verwendeten, wurde er zum Liebling des Kinopublikums.

Ein blonder Traum mit Willi Fritsch und Lilian Harvey

Seit 1936 leitete Willi Forst eine eigene Filmgesellschaft, die Wiener Willi Forst-Film, die in Berlin eine Zweitniederlassung hatte. 1937 wurde er, der von den Nationalsozialisten sehr geschätzt wurde, in den Aufsichtsrat der verstaatlichten Tobis Tonbild-Syndikat AG und 1938 auch in den Aufsichtsrat der neu gegründeten Wien-Film GmbH berufen. Gemäß dem für die Wiener Filme vorgegebenen Motto „Kraft durch Freude (KdF)“ konnte er weiterhin unbeschwerte Komödien inszenieren. Willi Forst versuchte jedoch politische Themen aus seinen Filmen weitgehend herauszuhalten, weshalb er in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft nur vier Filme inszenierte. Dem Filmkollegen Curd Jürgens (1915-1982) soll er gesagt haben: „Curd, mach nur keinen Film, in der eine politische Situation zu zeigen ist. Du wirst eines Tages eine Antwort geben müssen“.

Nach dem Krieg erklärte er seine zu dieser Zeit inszenierten und produzierten, von der NS-Filmprüfstelle mit Filmprädikaten ausgezeichneten Filme wie Wiener Blut (1942) zum subtilen Protest: „Meine Heimat wurde von den Nationalsozialisten besetzt, und meine Arbeit wurde zu einem stillen Protest; es klingt grotesk, aber es entspricht der Wahrheit: meine österreichischsten Filme machte ich in der Zeit, als Österreich zu existieren aufgehört hatte.“

In der Nachkriegszeit blieben die großen Erfolge aus. Eine Ausnahme bildete lediglich der Film Die Sünderin (1950) mit Hildegard Knef (1925-2002) in der Hauptrolle, der durch Proteste der katholischen Kirche zum Skandal wurde, aber sieben Millionen Menschen ins Kino zog. Wien, du Stadt meiner Träume (1957) war sein letzter Film. Danach zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Im Jahr 1968 erhielt er den Bundesfilmpreis (Filmband in Gold) für sein Lebenswerk.

Nach dem Tod seiner Frau 1973 lebte er gänzlich zurückgezogen von der Öffentlichkeit, litt an Krebs und verbrachte die letzten Lebensjahre im schweizerischen Tessin. Willi Forst verstarb 11. August 1980 in Wien und wurde auf dem Neustifter Friedhof in einem Ehrengrab beerdigt. Im Jahr 1993 wurde in Wien Döbling (19. Bezirk) der Willi-Forst-Weg nach ihm benannt.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

als Schauspieler:

  • 1920: Der Wegweiser
  • 1922: Sodom und Gomorrha
  • 1922: Oh, du lieber Augustin
  • 1922: Der verwechselte Filmstar
  • 1923: Lieb' mich und die Welt ist mein
  • 1924: Strandgut
  • 1927: Die elf Teufel
  • 1927: Café Elektric
  • 1928: Amor auf Ski
  • 1928: Die blaue Maus
  • 1928: Liebfraumilch
  • 1929: Die lustigen Vagabunden
  • 1929: Atlantik (Tonfilm)
  • 1929: Die Frau, die jeder liebt, bist du!
  • 1929: Die Weißen Rosen von Ravensberg
  • 1930: Das Lied ist aus
  • 1930: Ein Burschenlied aus Heidelberg
  • 1930: Zwei Herzen im Dreiviertel-Takt
  • 1931: Die Lustigen Weiber von Wien
  • 1932: Der Prinz von Arkadien
  • 1932: Ein blonder Traum
  • 1932: So ein Mädel vergisst man nicht
  • 1932: Peter Voss, der Millionendieb
  • 1954: Weg in die Vergangenheit

 

als Regisseur:

  • 1933: Leise flehen meine Lieder (Drehbuch und Regie)
  • 1933: Brennendes Geheimnis
  • 1934: Ich kenn' dich nicht und liebe dich
  • 1934: So endete eine Liebe
  • 1934: Maskerade
  • 1935: Königswalzer
  • 1935: Mazurka
  • 1936: Burgtheater
  • 1936: Allotria
  • 1937: Serenade
  • 1938: Es leuchten die Sterne
  • 1939: Ich bin Sebastian Ott
  • 1939: Bel Ami
  • 1940: Operette
  • 1942: Wiener Blut
  • 1945: Wiener Mädeln
  • 1950: Die Sünderin
  • 1951: Es geschehen noch Wunder
  • 1952: Im weißen Rößl
  • 1954: Dieses Lied bleibt bei Dir
  • 1956: Kaiserjäger
  • 1957: Die unentschuldigte Stunde
  • 1957: Wien, du Stadt meiner Träume

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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