Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2016
Waterlooplatz | Waterloosäule | Welfenplatz
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Waterlooplatz | Waterloo-Säule | Adolfstraße | Königliche Militärlehrschmiede | Welfenplatz

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Archiv - Waterlooplatz | Waterloosäule | Adolfstraße | Königliche Militärlehrschmiede
Archiv - Welfenplatz

Waterlooplatz

Der Waterlooplatz ist eine ca. 4 ha große Rasenfläche. Auf dem Platz steht die Waterloosäule. Der Platz und die Säule entstanden im 19. Jhs. zur Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo 1815. Während die Platzanlage bei ihrer Entstehung ursprünglich ein Kasernenareal umgab, liegt sie heute inmitten des Regierungs- und Verwaltungsviertels Hannovers.

Gruss aus Hannover | 16.12.1899

Waterlooplatz | 09.03.1900

Der Platz entstand gemeinsam mit der Waterloosäule. Beides diente der Erinnerung an den Sieg, in der Schlacht bei Waterloo, am 18. Juni 1815 gegen Kaiser Napoléon I. (1769-1821). Der Platz war der erste größere Exerzier- und Militärparadeplatz in Hannover, den die hier stationierten Soldaten nutzten. Die Kasernen rund um den Waterlooplatz lagen damals noch vor den Toren der Stadt. Die bastionsartige Stadtbefestigung wurde ab 1763 entfestigt. Dabei wurden Wälle und Mauern geschleift, um die Bebauung und das Straßennetz ausdehnen zu können. Der Platz wurde am Reißbrett des Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) entworfen. Die Platzanlage erweiterte die Sichtachse des damaligen Leineschlosses (heute: der Niedersächsischer Landtag) nach Südwesten. Die Arbeiten zur Anlage von Platz und Säule dauerten von 1825 bis 1832 an. Ursprünglich war der Platz eine rechteckige Fläche mit halbrunden Stirnenden. Südlich des Platzes führte ein Graben vorbei zur Leine, der Abwässer der Kasernen entsorgte. Mit der Einführung einer Kanalisation um 1900 wurde der Graben zugeschüttet.

Waterlooplatz und Säule | 13.12.1903

Totalansicht, Blick von der Waterloosäule | 18.01.1905

Militäranlagen

Mit dem Waterlooplatz entstanden, an seinen Seiten auch zahlreiche Militärgebäude. Unmittelbar am Platz standen an der Nord-West-Seite die Infanteriekasernen II. und III. Die Kasernen wurden anfangs als Gardejäger- und Gardegrenadier-Kasernen bezeichnet. Gegenüber an der Süd-Ostseite lagen die Infanteriekaserne I, die spätere Hindenburgkaserne und das Hauptzeughaus, das spätere Artilleriedepot. Seit der Entstehungszeit bis ins 20. Jhs. waren unmittelbar am Waterlooplatz etwa 1.100 Infanteristen stationiert. Im weiteren Umfeld des Platzes lagen etwa 25 Militäreinrichtungen, wie Lazarett, Arresthaus, Bekleidungskammer und repräsentative Dienstwohnungen von Offizieren und Kommandeuren.

Hauptzeughaus | Artilleriedepot

Das Hauptzeughaus und spätere Artilleriedepot war der größte Gebäudekomplex. In ihm lagerte militärisches Gerät, wie Geschütze, Fahrzeuge, Schießpulver und Waffen aller Art. Der Zeughaus-Komplex entstand 1845 bis 1849 an der Südostseite des Waterlooplatzes. Dazu gehörte das Hauptzeughaus als 85 m langer und 18 m breiter Bau mit drei Geschossen und zwölf Zugängen. Das Haus wies zwei 40 m lange Gebäudeflügel auf. Im Erdgeschoss waren Kanonenrohre und Fahrzeuge gelagert. Im ersten und zweiten Stockwerk wurden Gewehre und Säbel aufbewahrt. Zwei weitere Nebenzeughäuser entstanden an der Ostseite des Grundstücks an der heutigen Waterloostraße gegenüber der Kriegsschule. Die beiden dreigeschossigen Gebäude waren 81 m lang und etwa 13 m breit. In ihnen waren Fahrzeuge und Geschirre untergebracht. Die Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Auf den Grundstücken befindet sich heute das Niedersächsische Justizministerium.

Blick von der Waterloo-Säule (Zeughaus) | 27.09.1913

Waterlooplatz

Infanteriekaserne I., spätere Hindenburg-Kaserne

Das Hauptgebäude der Infanteriekaserne I, die spätere Hindenburg-Kaserne wurde 1833 als 52 m langer Ziegelsteinbau an der Süd-Ostseite errichtet. Das Kasernengebäude verfügte über drei Geschosse und war unterkellert. Es war in der Länge zur Straßenfront errichtet und wies in der Tiefe des Grundstücks zwei Flügel von je 20 m Länge auf. Das Kellergeschoss hatte 27 Räume in denen sich die Küche, Waschküche, Kohlenkeller und Vorratsräume befanden. Die Mannschaftsstuben waren meist mit 10 bis 15 Soldaten belegt. Jedem Soldaten standen 17 m³ an Raum zur Verfügung, den Offizieren doppelt bis viermal so viel. Das Haus hatte ein Fassungsvermögen für 560 Soldaten, war aber um 1900 nur mit 450 Soldaten belegt. Davon hatten 420 Soldaten Mannschaftsdienstgrade, 30 waren Offiziere. Darüber hinaus bestand eine Reihe von Nebengebäuden, ein 50 m langer Bau mit Küche, Speiseraum, Krankenrevier, Baderaum und Werkstätten, wie die des Büchsenmachers, ein 38 m langes Exerzierhaus und eine Latrine. Da die Kaserne in der Leineniederung stand, trat bei Hochwasser öfters Wasser in die Keller. Um 1900 war das Gelände so weit entwässert und reguliert, dass dies nicht mehr auftrat. Heute ist in dem gut erhaltenen Gebäude die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt - Außenstelle Mitte (GDWS AST Mitte) untergebracht.

An der Kriegsschule | 09.05.1912

Waterlooplatz - Kriegsschule | 28.04.1909

Infanteriekaserne II. und III.

Die Infanteriekaserne II. an der Nord-Westseite des Platzes entstand 1831 und war als Kommandantur vorgesehen. 1839 wurde das 40 m lange Gebäude durch den Anbau eines Flügels erweitert und zur Kaserne bestimmt. Das Hauptgebäude wies drei Geschosse und Unterkellerung auf. Die Belegungsverhältnisse waren ähnlich der Infanteriekaserne II. Ebenso waren ähnliche Nebengebäude vorhanden. Das Gebäude war für 415 Mann ausgelegt, war um 1900 aber nur mit etwa 320 Soldaten belegt. Heute sind die Bauten nicht mehr vorhanden. Sie befanden sich etwa in Höhe des heutigen Finanzamts Hannover-Mitte und des Niedersächsischen Innenministeriums. Die Infanteriekaserne III. an der Nord-Westseite des Platzes entstand ab 1831 unmittelbar neben der Kaserne II. Das 52 m lange Hauptgebäude aus Ziegelsteinen wurde dreigeschossig mit Keller errichtet. Es verfügte über zwei Gebäudeflügel. Die Kaserne war um 1900 mit etwa 400 Soldaten belegt. Die Belegungsverhältnisse waren ähnlich der Infanteriekaserne I. Ebenso waren ähnliche Nebengebäude vorhanden. Die Kaserne ist heute nicht mehr vorhanden; sie befand sich ebenso, etwa in Höhe des heutigen Finanzamts Hannover-Mitte.

Waterlooplatz - Kgl. Kriegsschule | 21.01.1905

Partie a. d. Maschpark mit neuem Polizeipräsidium
14.10.1905

Königliche Kriegsschule

Eine weitere militärische Einrichtung war die Königliche Kriegsschule. Sie entstand 1842/43 an der heutigen Waterloostraße 11 als Königliche Kadettenanstalt. Architekt war der hannoversche Architekt und Bauinspektor Ernst Ebeling (1804-1851). Das Hauptgebäude war 60 m lang und wies in der Tiefe des Grundstücks zwei 20 m lange Seitenflügel auf. Daran wurden 1893/94 durch den Flensburger Architekten und Baurat Hans Nissen Andersen (1848-1929) ein Zwischenbau sowie ein etwa 25 langes Lehrgebäude angesetzt. Die Häuser waren unterkellert und wiesen drei Geschosse auf. Die Fassaden waren im Rundbogenstil gehalten. Nebengebäude waren eine überdachte Reitbahn, ein Fecht- und Turnschuppen, Latrine, Geschützschuppen, eine Kegelbahn und Pferdeställe. In der Schule waren 120 Kriegsschüler untergebracht. Ihnen stand bei der Unterbringung ein Raum von 52 m³ pro Person zur Verfügung, was mehr als das doppelte für Soldaten anderer Kasernen war. Dies wurde durch die außergewöhnliche Geschosshöhe von 5 m erreicht, was die Heizfähigkeit stark beeinträchtigte. Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch die Preußen (1866) wurde 1867 die Einrichtung in Preußische Kriegsschule umbenannt.

Am Freitag den 18. Juni 1915 wurde mit einer Gedächtnisfeier an den 100. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo gedacht. Während der Feier wurde die Waterloo-Säule festlich angestrahlt. Es sollen fast 100.000 Menschen an den Feierlichkeiten auf dem Waterlooplatz teilgenommen haben.

Reserve-Lazarett V.

Während es Ersten Weltkriegs diente die Preußische Kriegsschule bis zum 1. Juli 1919 als Reserve-Lazarett V.

Der jüdische Arzt, Philosoph, Publizist und Sozialist Prof. Dr. Theodor Lessing (1872-1933) betreute von 1914 bis 1918 als Lazarettarzt verwundete Kriegsgefangene im Reserve-Lazarett.

Von Anfang Februar bis April 1929 veröffentlichte Theodor Lessing als achtteilige Artikelfolge seine Erinnerungen, an seine Lazarettzeit im überregionalen "Prager Tagblatt", unter dem Titel "Das Lazarett". Theodor Lessing wurde am 8. Februar 1872 in Hannover geboren und wurde am 31. August 1933 in Marienbad/Tschechien durch nationalsozialistische Attentäter ermordet. Er gilt als das erste Opfer der Nazis in Tschechien.

Königl. Kriegsschule Hannover | 16.06.1912

Polizeipräsidium | Polizeidirektion Hannover

Seit 1919 gehören die Bauten der ehemaligen Kriegsschule dem damaligen Polizeipräsidium und der heutigen Polizeidirektion Hannover, die auf dem Nachbargrundstück 1903 einen Neubau errichtet hatte. Das Hauptgebäude der Kriegsschule wurde durch Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt. Erhalten geblieben ist das Erdgeschoss, das noch die ursprüngliche Eingangstür zur Straßenfront aufweist. Das Lehrgebäude der Kriegsschule blieb vollständig erhalten.

Heute wird der Waterlooplatz für Heißluftballonstarts, Veranstaltungen und Zirkusvorführungen genutzt. 2006 wurde eine Arena aufgebaut, in der eine öffentliche Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf einer Großleinwand stattfand.

Waterloosäule

Die Waterloosäule ist eine 46,31 m hohe Siegessäule. Sie wurde auf dem Waterlooplatz in den Jahren von 1825 bis 1832 nach einem Entwurf des Architekten und Stadtplaners Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) errichtet. Gekrönt wird die Säule mit einer Statue der Victoria. Der Stil der Säule, ist der klassischen Antike nachempfunden und orientiert sich an der dorischen Säulenordnung. In der römischen Mythologie ist Victoria die vergöttlichte Personifikation des Sieges (lat. victoria), Schutzgöttin des römischen Kaisers und jungfräuliche Hüterin des Reiches. Sie ist die Entsprechung der griechischen Göttin Nike.

Waterloosäule | 14.04.1926

Waterlooplatz am Abend

Acht Bürger gründeten 1816 eine Kommission für ein vaterländisches Monument zum Andenken an die bei Waterloo gefallenen Hannoveraner. Das Denkmal erinnert an den Sieg in der Schlacht bei Waterloo, auch Schlacht bei Belle-Alliance genannt, den England, Hannover und Preußen am 18. Juni 1815 gemeinsam gegen Kaiser Napoléon I. (1769-1821) errangen.

Die Waterloosäule konnte erst nach knapp zehnjähriger Diskussion und Planung verwirklicht werden. 1825 wurde das Projekt zur Staatsangelegenheit. Baubeginn war 1829 und die Einweihung fand am 18. Juni 1832, dem 17. Jahrestag der Niederlage statt. Das Bauwerk erhebt sich über einem sechsstufigen Sockel samt würfelförmigem Unterbau mit der Widmungsinschrift: „DEN HELDEN VON WATERLOO DAS DANKBARE VATERLAND“. Namenstafeln der Gefallenen sowie erbeutete Kanonen ergänzen das Ensemble. Durch den hohlen kannelierten Schaft der Säule, mit einem Durchmesser von 3,75 m führt eine Treppe bis zu einer quadratischen Aussichtsplattform mit der auf einem Tambour und einer Kugel stehenden Figur der Victoria. Die Statue wurde im Auftrage des Herzogs von Cambridge (1774-1850) für den Preis von 200 Louis d’or (frz. Goldmünzen) unter Verwendung von 10 Zentnern Kupfer nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Ludwig August Hengst (1796–1868) von dem hannoverschen Hofspengler Konrad Beckmann (1780–1850) und seinem Sohn Franz Beckmann (1811–?) gefertigt.

              

        Waterloo-Säule | 11.06.1909                Waterloosäule | 30.12.1909                  Waterloosäule | 27.03.1912

Adolfstraße | Garnisonlazarett und Hilfslazarett

Die Adolfstraße ist benannt nach Herzog Adolph Ferdinand von Cambridge (1774-1850), dem jüngsten Bruder des Königs Ernst August I. von Hannover (1771-1851). Die Straße wurde, gemeinsam mit der Molthanstraße und der Kommandanturstraße, im zweiten Viertel des 19. Jhs. angelegt, anstelle eines Teils der ehemaligen Stadtbefestigung. Erst nach einer Teil-Zuschüttung des Grabens am Adolfswall begann die Besiedelung, zunächst mit ergänzenden Bauten für die schon um den Waterlooplatz errichteten Militärbauten, später auch mit anspruchsvollen Wohngebäuden. Die Straße sollte eine direkte Verbindung zwischen der Altstadt und dem Vorort Linden herstellen, der nur über die Brücke, über den Ihme-Fluß am Schwarzen Bären erreichbar war. Am Beginn der Straße stand der schon zuvor 1790 errichtete Leibniztempel an der Esplanade des Waterlooplatzes.

Das Kronprinzenpaar Georg, später König Georg V. (1819-1878) und Marie von Sachsen-Altenburg (1818–1907) bezog 1846 das Ernst-August-Palais, in der Adolfstraße 2-3. Das Palais ist heute nicht mehr vorhanden. Von 1852 bis 1856 baute der Architekt, hannoversche Baubeamte und Geheime Regierungsrats Hermann Hunaeus (1812-1893) unter Mitwirkung von Louis Stromeyer (1804-1876) das General-Militärhospital, um sich hier 1856/57 dann ein eigenes Wohnhaus zu errichten, beide Bauten sind nicht mehr erhalten.

Villa Victoria (Pensionat Stock) Adolfstrasse 7 | 09.11.1900

Palais des comm. Generals, Adolfstrasse | 13.10.1909

Dem General-Militärhospital gegenüber, an der heutigen Adolfstraße 8. wurde 1859/60 ein neues Gebäude für die sogenannte Militär-Bekleidungskommission errichtet. Aus farblich abgesetztem Backstein schuf Hermann Hunaeus ein Bauwerk im damals typischen Rundbogenstil der "Hannoverschen Architekturschule". Nach einigen Jahren wurde das Haus zum Hilfslazarett umgebaut. Nach der Annexion des Königreichs Hannover 1867 kamen hier preußische Armeeange unter. Noch bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude für den Sanitätsdienst genutzt. Das Militärkrankenhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; das ehemalige Hilfslazarett indes wurde nur wenig beschädigt. In den 1950er-Jahren befand sich dort das Landesversorgungsamt für Behinderte, später auch das Prüfungsamt der Universität Hannover. Mitte der neunziger Jahre erwarb die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA), die Erwachsene Fort- und weiterbildet, das denkmalgeschützte Gebäude. Noch heute besteht das Treppenhaus aus Holz. Mit einem quadratischen Grundriss verbreitet es den Eindruck perfekter Symmetrie. Ringsum ziehen sich mehrere Galerien. Mit Schnitzereien verzierte Säulen und Wandkonsolen stützen die jeweils nächsthöhere Etage; Treppengeländer in gedecktem Weiß und Graublau und ein weites Oberlicht verbreiten Eleganz.

Garnisonlazarett und Hilfslazarett | 14.03.1911

Standort-Lazarett-Hannover (Adolfstraße) | 01.04.1930

Das Haus der heutigen Blindow-Schule wurde 1860 als Kriegsministerium und 1939 als Standort-Lazarett-Hannover genutzt. Es gehörte 1960 zur Oberfinanzdirektion Hannover. In der Adolfstraße 2 befand sich das Stabsgebäude des X. Armeekorps, und die Stadtkommandantur war gleich nebenan in der Adolfstraße 4 untergebracht. Die denkmalgeschützten Häuser mit den Hausnummern 5, 6, 7 und 8 a. entstanden erst nach der Annexion des Königreichs Hannover durch die Preussen.

Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude in der Adolfstraße zerstört. An der Humboldtstraße 1, Ecke Adolfstraße befand sich die bekannte Photographische Anstalt (Fotoatelier) von Wilhelm Nordahl - und um 1900 hatte der Adressen-Verlag von Ernst Schilaskij, in der Adolfstraße 23 sein Verlagshaus. Man bot die Postfertige Ablieferung von Massenversendungen und die Lieferung von Drucksachen aller Art an.

Gottfried Benn (1886-1956)

Gottfried Benn, Facharzt für Haut und Geschlechtskrankheiten, Dichter und Essayist, war von 1935 bis 1937 als Oberstabsarzt in Hannover unter anderem Chef des Standortlazaretts in der Adolfstraße 9. Gottfried Benns Büro als Leiter der Abteilung IV b des Sanitätswesens im Bereich der Wehrbezirkskommandos Hannover, Braunschweig, Celle, Göttingen, Goslar, Hameln und Hildesheim, befand sich in der Wehrersatzinspektion, in der Adolfstraße 2-3, dem alten Ernst-August-Palais. Das Palais ist nicht mehr vorhanden, dort befindet sich heute ein Parkplatz, der in den nächsten Jahren bebaut werden soll.

Heimisch ist Gottfried Benn in Hannover nie geworden, die Erzählungen „Weinhaus Wolf“ und „Doppelleben“ sowie die „Stadthallen-Elegien“ - darunter das bekannte Gedicht „Astern“ - bieten einige Impressionen seines Hannover-Aufenthaltes.

Königliche Militärlehrschmiede

Die Königliche Militärlehrschmiede befand sich an der Humboldtstraße 3., in der Calenberger-Neustadt.

In Preußen wurde die erste Militärlehrschmiede in Berlin 1868 gegründet. Ab 1870 wurden die Straßenzüge Humboldstraße und Goethestraße in Richtung Goetheplatz in der Calenberger-Neustadt angelegt. Die Lehrschmiede an der Humboldstraße wurde 1885 als Teil eines sich weiter ausbreitenden militärischen Komplexes errichtet. Die Anlage bestand aus einem Wirtschaftsgebäude mit Büros, der Lehrschmiede, einer Kaserne und dem Küchen-, Kantinen und Unterrichtsgebäude.

Die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg überstand nur das Verwaltungsgebäude der Militärlehrschmiede. In den 1970er Jahren wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, jedoch zugunsten des von 1996 bis 1998 errichteten Gebäudekomplexes „Calenberger Esplanade“ abgebrochen.

Kgl. Militairlehrschmiede Hannover | 25.10.1904

Welfenplatz

Der Welfenplatz ist ein 6 ha großes Parkgelände, der Platz entstand 1856 als Militärgelände vor den Toren Hannovers. Benannt ist er nach dem Geschlecht der Welfen, das zur Entstehungszeit des Platzes das Königreich Hannover (1814-1866), regierte. 1866 wurden die Welfen nach der Niederlage in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 von den Preußen entthront.

Welfenplatz - Artilleriekaserne | 15.10.1905

 

Welfenplatz - Kaserne des Infanterie Regiments Nr. 74
(1. Hannoversches) | 25.07.1908

Der Welfenplatz entstand auf freiem Feld als Exerzierplatz. Um 1850 kaufte das Hannoversche Kriegsministerium den Bauern des Dorfes List, eine größere Weidefläche auf sandigem, unfruchtbarem Boden ab. 1857 begann der Bau von drei Kasernen an der Nordseite des Platzes für Soldaten des Königreichs Hannover. 1867 ließ der preußische Staat an der Ostseite des Platzes zwei weitere Kasernen errichten. Alle Kasernenbauten wurden in rotem Backstein auf einem hellen Sandsteinsockel errichtet. Gegen ende des 19. Jhs. war der Bereich um den Welfenplatz ein Militärviertel. Seine Kasernen für Infanterie- und berittene Artillerieeinheiten beherbergten ca. 2.000 Soldaten, 500 Pferde und 50 Feldgeschütze.

Die Kasernengebäude hatten mit jeweils 100 m Straßenfront und bis zu 30 m Gebäudehöhe für die damalige Zeit enorme Ausmaße. Für die Soldaten herrschte im Inneren drangvolle Enge, da bis zu 28 Soldaten in einem 40 m² großen Raum untergebracht waren. Den Pferden in den weitläufigen Stallungen stand weit mehr Platz zur Verfügung.

Welfenplatz - Kaserne des Infanterie Regiments Nr. 74
(1. Hannoversches) | 15.05.1915

 

Welfenplatz | 20.02.1910

Auf dem Welfenplatz wurden regelmäßig Wochenmärkte abgehalten. Es wurde Leder-, Leinen-, Vieh- und Wolle und ab Mitte der 1920er-Jahre auch Gemüse verkauft.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden am 2. August 1914, dem 1. Mobilmachungstag, die aus ihrer Kaserne marschierenden Soldaten des 1. Bataillon des Inf.-Rgts. 74. von einer jubelnden Menschenmenge in den Krieg verabschiedet.

Die Volksmenge auf dem Welfenplatz am
1. Mobilmachungstage. 2. August 1914. Im vordergrunde das aus der Kaserne marschierende 1. Bataillon des Inf.-Rgts. 74.

Antreten der 3. Kompanie des Inf.-Rgts. 74 auf dem Kasernenhofe vor dem Abrücken ins Felde am 1. Mobilmachungstage, 2. August 1914.

Welfenplatz | 17.09.1917

Welfenplatz | 03.07.1918

Vom 24. bis 25. Mai 1930 fand der Stahlhelmbund (Bund der Frontsoldaten) Landesverbandstag in Hannover statt. Es gab auch Veranstaltungen auf dem Welfenplatz. Der Kalkstein-Obelisk an der Ostseite des Welfenplatzes wurde 1885 von der Vahrenwalder Heide an den Welfenplatz verlegt. Er erinnert an die gefallenen Soldaten, die einst in den Kasernen stationiert waren. Sie gehörten zum Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10. und zum 6. Artillerie-Regiment der Reichswehr. 1937 wurde die Widmung für die gefallenen Soldaten des Artillerie-Regimentes 19. der Wehrmacht erweitert.

Stahlhelmbund Landesverbandstag auf dem Welfenplatz
vom 24.-25. Mai 1930

Während des Zweiten Weltkrieges entstand auf dem Welfenplatz ein Hochbunker gegen feindliche Luftangriffe. Sein schräges, ziegelgedecktes Dach war nur Attrappe, um angreifenden Bombern ein Wohngebäude vorzutäuschen. Bei den Luftangriffen vom 25. und 28. März 1945 mit je 600 Bombern wurden drei der fünf Kasernen so stark beschädigt, dass nur ein Abriss infrage kam. Die Hälfte des Platzes wurde 1945 als Gemüsemarkt genutzt. Seit dem Krieg nutzt das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) die früheren Kasernenflächen. In der unbeschädigt gebliebenen Kaserne (Infanteriekaserne IV) an der Nordseite des Platzes wurde ein Polizeirevier eingerichtet. In den Stallungen der Artilleriekaserne XI an der Ostseite residiert seither die Reiterstaffel der Polizeidirektion Hannover. Auf den Trümmergrundstücken der zerstörten Kasernen entstanden 1953 die Werner von Siemens Schule und 1959 die Albrecht Dürer Schule. Später kam noch ein Kindergarten, eine Tankstelle hinzu.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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