Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Tattoo-Schaubuden-KünstlerInnen und Tattoo-Attraktionen

Tätowierte - von Stefan Nagel

Ansichts- und Postkarten wie die hier im Postkarten-Archiv abgebildeten wurden von den diversen Schaubuden-Menschen auf den Jahrmärkten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. als Souvenirs verkauft. "Miss Käthe" stellte dabei unter den zahlreichen menschlichen Schauobjekten eine echte Attraktion dar, verkörperte sie doch als "tätowierte Kolossaldame" gleich zwei beliebte Sujets in einer Person. Dabei weckte zu einer Zeit, in der die Möglichkeiten zum Ausleben der eigenen Individualität sehr begrenzt waren, bereits ein tätowierter Körper allein das Interesse des Publikums. Bei diesen "Schaubuden-Freaks" handelte es sich in der überwiegenden Mehrzahl um Frauen, die damit warben, am ganzen Körper tätowiert zu sein und dies bis an die Grenzen des damals Schicklichen auch unter Beweis stellten. Dem Publikum eröffneten sich somit unter dem Vorwand einer eingehenden Betrachtung der "Kunstwerke" eine willkommene Gelegenheiten "einen Blick zu riskieren".

Miss Käthe einzig reisende tätowierte
Kolosal-Dame | 03.06.1912

Einige Tätowierte präsentierten ein artistisches Programm, häufig Feuerspucken oder Schlangenvorführungen. Noch mehr mögen die Schaubuden- und Varietébesucher jedoch von den Geschichten über die angebliche Herkunft der Tätowierungen gefesselt gewesen sein. Oftmals ging es dabei um kultische Riten Eingeborener, die, die Tätowierten auf Reisen in entlegene Weltgegenden schmerzhaft erleiden mussten.

Miss Käthe einzig reisende tätowierte
Kolosal-Dame - Ohne Konkurrenz | 07.07.1907

Motive wie Jesus Christus am Kreuz waren mit solchen Geschichten allerdings schwerlich in Einklang zu bringen. Offensichtlich fielen dem Publikum jedoch derartige Ungereimtheiten nicht auf, weil das Interesse tatsächlich weniger den Bildern galt…

Text © Stefan Nagel

Ethnische Tätowierungen

Aufgrund der vielfältigen und über die ganze Welt verstreuten Hinweise ist davon auszugehen, dass sich das Tätowieren bei den verschiedenen Völkern der Erde, selbstständig und unabhängig voneinander entwickelt hat. Früher dienten Tätowierungen der Zuordnung zu ethnischen und/oder auch religiösen Gruppen. Einige dieser Beispiele sind hier zu sehen.

                      

      An Indian Woman of Loreto (Peru).             Am ganzen Körper tätowierter                    India Caduveo (Mbayà),
                                                                    afrikanischer Mann | 13.06.1908          Rio Nabilèque, Chaco (Argentinien)

Tätowierungen in Kambodscha, Laos und Thailand.

Als Yantra-Tätowierung wird eine Form der Tätowierung bezeichnet, die vor allem in Kambodscha, Laos und Thailand, verbreitet ist. Bei der gebrauchten Schrift handelt es sich um die Schrift der alten Khmer und die buddhistische Pali-Schrift.

Der Yantra-Tätowierstil zeichnet sich durch betonende Serifen und Kanten aus. Die Schrift scheint sich bis in die Zeit des Khmer-Königreiches "Kambuja" zurückverfolgen zu lassen; zumindest kam es im Khmer-Reich zwischen dem 11. und 14. Jh. zu einer Blütezeit buddhistisch geprägter Kunstformen.

Einige Tätowierungen verbinden Elemente der buddhistischen Kunst mit Elementen der Symbolsprache präbuddhistischer oder auch schamanistischer Religionen Südostasiens. So lassen sich auch verschiedene Symbole, Muster und Ornamente auf Einflüsse des Hinduismus zurückführen. Die Motive werden daher um ihrer magischen Funktion nicht nur als Körper- oder Kleiderschmuck eingesetzt, sondern lassen sich auch - in Form von Malereien an Häusern, Autos und anderen Gegenständen finden. Sie sollen jeweils spezifische Schutzfunktionen ausüben.

Spätestens seit dem 19. Jh. gab es in Thailand auch Bücher und Lehrschriften, die sich mit der Erstellung und der Funktion von Yantra-Tätowierungen befassten.

 

Laos - Tatoueur au travail | 27.06.1907

Tätowierungen in Japan

Eine lange Tradition haben Tätowierungen in Japan, wo sie Irezumi, wörtlich "Tinte einbringen" genannt werden. Die früheste Erwähnung findet sich im chinesischen Geschichtswerk "Weizhi Worenchuan", in dem das Japan des 3. Jhs. beschrieben wird. Zu Beginn der Edo-Zeit von 1603 bis 1868 waren Tätowierungen bei Prostituierten und Arbeitern in Japan sehr beliebt.

Ab 1720 wurde die Tätowierung dann als Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt, weshalb sich "anständige" Japaner nicht mehr tätowieren ließen. Wer als Krimineller gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern, was zur Bildung einer eigenen Schicht führte: den "Yakuza". 1870 wurde diese Praxis abgeschafft und Tätowierungen wurden komplett verboten, was erst 1948 wieder aufgehoben wurde.

Athlètes Japonais | 27.07.1904

Japanischer Dorfbewohner

"Tā moko" die Tätowierungen der Māori

Als Māori werden die Ureinwohner Neuseelands bezeichnet. Ihre ursprünglich aus der pazifischen Inselwelt stammenden Vorfahren haben vermutlich im 13. Jh. und damit etwa 300 Jahre vor den europäischen Seefahrern, von Polynesien aus das unbewohnte Neuseeland als erste Einwanderer besiedelt. "Tā moko" ist die dauerhafte Verzierung des Körpers und Gesichts der Māori. Es unterscheidet sich von der allgemein verbreiteten Form der Tätowierung insofern, als es nicht mittels vieler kleiner Punkte und Stiche aufgetragen wird, sondern mit Kratz- und Schabwerkzeugen. Die Haut mit "Moko" trägt narbige Erhebungen und ist nicht mehr glatt und weich. Die Methode und die Muster sind ähnlich denen in anderen Teilen Polynesien.

                       

       Maori Chief. N.Z. Tourist Dept. Photo.     Tuari Netana, a Typical Maori Chief        Hori Ngakapa. A Chief. Rotorua, N.Z.
                          17.02.1905                              New Zealand | 25.12.1910

Bevor die Europäer nach Neuseeland kamen, trugen fast alle hochrangigen Māori ein "Moko". Māori ohne galten als solche von niedrigem sozialen Status. Das Erhalten des "Moko" kennzeichnete einen wichtigen Lebensabschnitt im Übergang vom Kind zum Erwachsen und wurde von Ritualen begleitet. Das "Moko" selbst beinhaltet eine Art Code, der Aussagen über Herkunft und Rang des Trägers zulässt. Männer trugen es vor allem im Gesicht, auf Oberschenkeln und Gesäß, manchmal auch auf Rücken und Waden. Frauen trugen "Moko" auf den Lippen und am Kinn, manchmal auch auf der Stirn sowie auf Rücken und Schenkeln.

Das Wort "tätowieren" stammt von dem tahitischen Wort "Tatau", was so viel bedeutet wie "die Haut ritzen", ab.

                     

     Océanie Francaise - Marquisien tatoué    Colonies Africa`Nes - Typ indigène
                 Französisch-Polynesien                              09.10.1922

Christian Warlich (1891-1964) "König der Tätowierer" | Erste Tätowier-Ateliers in Deutschland.

Christian Warlich, der "König der Tätowierer" oder auch "Prof. Electric. - Professional Electric Tattooing Artist" genannt, von Beruf Kesselmacher und Seemann, eröffnete um 1919 eine Gaststätte mit Tätowier-Atelier "Gaststätte Warlich - Atelier moderner Tätowierungen" in der Kieler Straße 43/44., in Hamburg St. Pauli. Das Gebäude besteht noch und heißt heute Clemens-Schultz-Straße 43.

Christian Heinrich Wilhelm Warlich wurde am 5. Januar 1891 in der ehemals selbstständigen Industriestadt Linden bei Hannover (Linden wurde 1920 nach Hannover eingemeindet = Hannover-Linden) geboren. Sein Vater....

Christian Warlich fuhr nach seiner Lehre, die er mit 14 Jahren vermutlich in Dortmund/Nordrhein-Westfalen als Kesselschmied begann, nach einigen Gesellenjahren zur See. Er soll dabei, auf einer Fahrt in die USA, erstmals mit einer Tätowiermaschine in Berührung gekommen sein. Nachdem er sich in Hamburg St. Pauli niederließ, heiratete er am 17. August 1914 Magdalena Maria Warlich, geb. Bönki. Das Ehepaar hatte eine Tochter namens Elli Schmidt, geb. Warlich und wohnte laut Adressbuch von 1917 in der Erichstraße 33., in Hamburg-St. Pauli.

Um 1919 eröffnete Christian Warlich im hinteren Bereich seiner Gaststätte, sein Tätowier-Atelier. In der Anfangszeit sorgte der Hamburger Theodor Vetter (1932-2004), als Koberer/Schlepper (Werber), für Kundschaft. Theodor Vetter, auch als "Tattoo Theo" bekannt, wurde 1932 in Hamburg geboren. Er ließ sich mit 16 Jahren von Christian Warlich tätowieren. Später war er auch selbst als Tätowierer tätig. Er hatte ca. 260 Tätowierungen auf seinem Körper und starb am 15. Juli 2004 in Hamburg.

Christian Warlich war vermutlich der erste Berufstätowierer Deutschlands und arbeitete auch als Erster in Deutschland mit einer elektrischen Tätowiermaschine (Tattaugraph). Er warb auf Werbekarten damit Lady Viola, eigentlich Ethel Martin Vangi (1898-1977), tätowiert zu haben. Mehr zu ihr weiter unten!

Leute die zur See fahren wollen,
müssen tätowiert sein! | 18.02.1912

Christian Warlich starb am 27. Februar 1964 in seinem Atelier an einem Gehirnschlag. Nach seinem Tod rettete Theodor "Tattoo Theo" Vetter den gesamten Nachlass aus dem Müll. So konnten 2013 im Museum für Hamburgische Geschichte, im Rahmen der Ausstellung "Wohin mit der Stadt", auch die Vorlagenbücher des Tätowierers Christian Warlich ausgestellt werden.

weitere Tätowierer

Ende der 1920er-Jahre gab es ca. 30 Berufstätowierer in Deutschland, darunter zum Beispiel Wilhelm "Willi" E. Blumberg (1877-?), der ursprünglich Tischler und Gelegenheitsarbeiter war. Er stammte aus Rudolstadt/Thüringen und betrieb bis Anfang 1932 ein kleines Atelier in Kiel/Schleswig-Holstein. Später tätowierte er dann in seiner Privatwohnung.

Johann Otto Kuchenmüller (1871-?), genannt "Hans". Er war ursprünglich Malergehilfe und stammte aus Graudenz in Westpreußen, heute Polen. Er tätowierte bis 1927 regelmäßig in Emden/Niedersachsen und war auch selbst stark tätowiert.

Albert Heinze, Spitzname "Onkel Albert" und "Peiken Albert" aus der Münzstraße am Alexander Platz in Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in der Hein-Hoyer-Straße, in Hamburg St. Pauli. Sein Atelier in Hamburg finanzierte er mit der Haftentschädigung für seine Haft im Konzentrationslager (KZ).

Anfang 1932 wurde mit dem "Brachtschen Erlass" das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von tätowierten Menschen in fast ganz Deutschland allgemein verboten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurden auch Tätowierer und Tätowierte in Konzentrationslager (KZ) verschleppt, unter anderem eben auch Wilhelm "Willi" E. Blumberg und Albert Heinze. Albert Heinze saß fast acht Jahre im Konzentrationslager (KZ). Christian Warlich wurde verschont, da die Schutzstaffel (SS) in seinem Tätowier-Atelier und in seiner Gaststätte ein und ausging.

Karl "Kuddl" Finke (1865-1935/41) und Marie Finke

Karl "Kuddl" Finke war Tätowierer, Ringkämpfer und Schausteller. Er wurde 1865 in Aschersleben/Sachsen-Anhalt geboren und war mit der "kunstvollst tätowierten Dame" Marie Finke verheiratet. Er wohnte laut Adressbuch bis 1906 in der Rothestraße 111., III. Etg. in Hamburg-Altona. Von 1907 bis 1913 war er mit seiner Frau auf Reisen. Marie Finke wurde im Februar 1911 von der Polizei verboten sich in einem angemieteten Berliner Lokal (Kommandantenstraße 61. in Berlin-Kreuzberg) zu zeigen.

Seit ca. 1914 war Karl "Kuddl" Finke mit seinem eigenen Tätowier-Atelier "Karl Finkes Tätowieranstalt" in der Großen Marienstraße 8., in Hamburg-Altona ansässig. Nun ging er nicht mehr als Ringkämpfer und Schausteller auf Tournee. Er hatte einen Sohn, der den Schaustellerbetrieb mit der Ringkampfbude übernahm und auch mit einer vollständig tätowierten Frau verheiratet war. Nachdem Karl "Kuddl" Finke um 1929 seine zweite Frau heiratete, begann er sofort damit sie vollständig zu tätowieren. Er soll 1935 gestorben sein, andere Quellen meinen er starb erst 1941. Es existiert noch ein kleines 40-seitiges Tattoo-Vorlagenbuch (Buch No. 3.) von Karl Finke in Hamburg.

Verbotsgesetz vollständig tätowierter Damen

In Deutschland wurde 1911 angeblich das "Verbotsgesetz vollständig tätowierter Damen" erlassen, somit durften sich nun die meisten Tattoo-Künstlerinnen nicht mehr öffentlich vor Publikum zeigen. Außerhalb Deutschlands war dies jedoch kein Problem. Ob dies wirklich stimmt, ist nicht belegt.

Tattoo-Schaubuden-KünstlerInnen und Tattoo-Attraktionen

Paul Schaerf (1868-1917), Verleger und Impresario

Der Verleger und Impresario Paul Schaerf wurde 1868 in Gera-Reuß/Thüringen geboren. Er gab von 1902 bis 1914 die Zeitschrift "Der Impresario" heraus. Die Publikation war die Zeitschrift reisender Impresarien, Abnormitäten, Manager und Schausteller. Er betrieb auch die Grafische Kunstanstalt Paul Schaerf, später Mucke & Schaerf in Gera-Reuß. Sein Verlag produzierte und vertrieb für viele Schaubuden-Abnormitäten und vor allem für die Tätowierten unter ihnen Ansichtskarten, Wurfkarten und Plakate. Paul Schaerf war auch als Impresario (Manager) für mehrere Künstler tätig und kreierte auch ihre fantasievollen Künstlernamen. Vermutlich fiel Paul Schaerf als Soldat im Ersten Weltkrieg. Er starb 1917 in Pilsen/Tschechien.

La bella Angora, eigentlich Emma Schuster und Don Manuelo, eigentlich Julius Becker

"La bella Angora", auch "Königin der Tätowierten" genannt, hieß eigentlich Emma Schuster. Vermutlich stammte sie aus der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts, in Deutschland. Es gibt mehrere Ansichts- und Werbekarten, auf denen "La bella Angora" als "Die Altmärkische Schönheit" beworben wird.

Sie behauptete, gegen ihren Willen von Wilden in fernen Ländern tätowiert worden zu seien. Diese Behauptung trug zu ihrer enormen Popularität erheblich bei. In Wahrheit wurde sie unter anderem von dem Hamburger Tätowierer Christoph Lein, später zog er nach Erfurt/Thüringen um, tätowiert. Sie war eine der wenigen tätowierten Damen, deren Füße auch tätowiert waren. Sie trat in Europa und in Übersee auf. Sie war kommerziell so erfolgreich, dass es unzählige Fotos, Postkarten und Werbeplakate von ihr gibt.

Die Münchner Allgemeine Zeitung schrieb über ihren Auftritt auf dem Münchner Oktoberfest 1891 folgendes:

"Die Haut des hübschen Fräuleins glänzt und fühlt sich wie Samt an; die Nacktheit erscheint völlig aufgehoben".

Verheiratet war "La bella Angora" mit ihrem Impresario (Manager) Julius Becker. Er ließ sich ab 1908 tätowieren und trat unter dem Künstlernamen "Don Manuelo“ auf.

La bella Angora, die Königin der Tätowierten

                       

          La bella Angora, die kunstvollst     La bella Angora, die Königin der Tätowierten
              tätowierte Dame der Erde                          
         Unstreitig die beste ihres Genres.             

Auf Julius Beckers Rücken war eine große Kampf-Szene mit einem Adler und gekreuzten Flaggen tätowiert. Auf seiner Brust waren Abbildungen von Indianern, Segelschiffen und Frauenportraits zu sehen. Auch er stellte sich in Panoptiken, Varietés und Zirkussen zur Schau. Zeitweilig trat er und "La bella Angora" auch gemeinsam auf.

Julius Becker trat nicht nur selbst auf, er managte auch andere tätowierte und galt in den 1920er und 1930er-Jahren als führender Impresario tätowierter Künstler in Deutschland. Als ständige Adresse seiner Künstleragentur wurde die Deichstraße 11., in Stendal/Sachsen-Anhalt angegeben, wo das Paar wahrscheinlich auch wohnte. Das Ehepaar ließ sich später scheiden und Julius Becker heiratete danach noch einmal.

 

                        

                      Don Manuelo                             Don Manuelo, der muskulöseste
     Der wirklich kunstvoll besttätowierte           und besttätowierte Mann der Erde.
         Mann in prächtigen Farbtönen

Miss Arabella

"Miss Arabella", ihr richtiger Name ist unbekannt, trat als "kunstvollst tätowierte Dame“ oder auch nur als "Arabella", auf Jahrmärkten und in verschiedenen Varietés und Zirkussen in Europa und Übersee auf.

Angeblich soll sie mit 1.000.000 Nadelstichen von verschiedenen Tätowierern, tätowiert worden sein. Auf ihrem Dekolleté waren Portrait-Abbildungen international bekannter Persönlichkeiten und Sterne zu sehen. Weitere Motive auf ihrem Körper waren die Kreuzigung Christi, verschiedene Blumen und Tiere sowie Ornamente.

Um 1907/8 konnte man "Miss Arabella" auch als Programmteil in einigen Kinematografen-Aufführungen (Kinovorführungen) sehen. 1912 trat sie als Attraktion im Gasthaus "Hotel Krone" in Elgg im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz auf. Es gab zahlreiche Motivkarten, auf denen "Miss Arabella" abgebildet wurde. Es soll auch Karten aus den 1930er-Jahren geben, auf denen sie zu sehen ist. Wann und wo "Miss Arabella" geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

"Arabella"

                          

    Ms. Arabella, kunstvollst tätowierte Dame                      Arabella                         Ms. Arabella, kunstvollst tätowierte Dame

Djita Salomé "Das blaue Weib"

"Djita Salomé" behauptete sie wäre Ägypterin, tatsächlich wurde sie in Deutschland geboren. Sie war außer im Gesicht, auf der Brust und den Händen ganzkörpertätowiert. "Djita Salomé" hatte 14 verschiedene Farben auf ihrem Körper. Die Tätowierungen wurden angeblich mittels Feingold-Nadeln von Sioux-Indianern des Dakotastamms in den USA ausgeführt. Ihre Tätowierungen sollen 30.000 Mark gekostet haben und wer mehr Farben vorzuweisen hätte dem würde sie sofort 10.000 Mark zahlen.

                             

           Salome - Die einzig dastehende              SALOME - Die einzig dastehende                           DJITA-SALOMÉ 
           in 7 Farben tätowierte Schönheit.            in 7 Farben tätowierte Schönheit:                 LA POLYCHROMO VIVANTE
                                                                                  Ohne Konkurrenz!

Es gibt Karten, auf denen "Djita Salomé" als "Das blaue Weib" und "La Salomé" betitelt wird. Sie trat in ganz Europa auf. 1900 war sie in "Castans Panoptikum" und 1912 im "Berliner Passage-Panoptikum" zusehen, beide befanden sich in der Friedrichstraße in Berlin. Weitere Auftritte gab es 1912 in Frankreich, im "Luna Park Paris" und im "Luna Park Lyon". Um 1913 war ihr Impresario (Manager), für ihre Internationalen Tourneen, F. Cornélio aus Oldham (World`s Fair Office) in England.

Sie war eine der wenigen Schaustellerinnen, die eine eigene Schaubude besaßen, mit der sie auf Jahrmarkt- und Zirkusveranstaltungen zusehen war. Sie wurde unter anderem in Berlin, Paris/Frankreich, London/England, New York City/USA und St. Petersburg/Russland für ihre Tätowierungen prämiert. Wann und wo "Djita Salomé" starb ist leider nicht bekannt.

 

                           

            SALOMÉ, die einzig dastehende                        H. DJITA-SALOMÉ                                    Djita Salomé
           in 7 Farben tätowierte Schönheit.

La belle Irene (1862-1915/16), eigentlich Irene Woodward

"La belle Irene", eigentlich Irene Woodward wurde am 21. April 1857/62 in Dallas, Texas/USA geboren. Sie trat erstmals 1882 im "Bunnell’s Museum" in New York City/USA auf und danach im "Globe Dime Museum" in der Bowery, in New York City. Ab 1883 tourte sie durch den Mittleren Westen der USA und kam später zum "Barnum and Bailey Limited Circus". Über ihren ersten Auftritt wurde auch in der "New York Times" berichtet. Privat wohnte sie später in Philadelphia, Pennsylvania/USA.

"La belle Irene" behauptet, von ihrem Vater tätowiert worden zu sein, dies stimmte aber nicht. Sie wurde unter anderem vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und dessen damaligen Schüler Charles Wagner (1875-1953) tätowiert. Sie hatte sich Schmetterlinge, Insekten, Blumen, Engel, Indianer, Adler, Klapperschlangen und verschiedene Symbole tätowieren lassen. Auch Alltagsszenen, wie der Abschied nehmende Schiffer waren auf ihrer Haut zu sehen.

1883 heiratete "La belle Irene" ihren Impresario (Manager) George E. Sterling, der seinen Namen in George E. Woodward änderte. Ihr gemeinsamer Sohn George E. Woodward (1885-?) nannte sich später George E. Barnes, of Barnes and West.

Seit 1888 war der deutsch-polnische Theatermanager und Impresario (Manager) Rosinsky aus Paris/Frankreich ihr Agent. Mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" ging "La belle Irene" ab Ende 1889 auf Europatournee. Man startete in London/England und war 1890 dann in Paris zu sehen.

"La belle Irene", trat im Juni 1890 in "Castans Panoptikum" in Berlin und ab 11. Januar 1891 in München/Bayern auf. Die Berliner Illustrierte Zeitung (BIZ) berichtete am 5. Juni 1890 ausführlich über ihren Auftritt in "Castans Panoptikum".

Souvenir - La belle Irène

Insgesamt fünf Jahre blieb "La belle Irene" in Deutschland und lebte zeitweise sogar in Dortmund, in Nordrhein-Westfalen und in Breslau, heute Wroclaw in Polen. Sie war somit die erste vollständig tätowierte Amerikanerin, die in Europa auftrat.

Im Juni 1895 reiste die Familie Woodward zurück in die USA, um für die "Pawnee Bill´s Wild West Show" aufzutreten. "La belle Irene", trat 1897 wieder in Paris und 1904/05 in Russland auf. Von ihr gab es 38 Wachsfiguren in den verschiedensten Museen und Panoptiken Europas und in Übersee. Sie war somit eine der erfolgreichsten Tattoo-Schaubuden-Künstler ihrer Zeit.

Anfang/Mitte September 1915 wurde "La belle Irene" in ein Krankenhaus, in Philadelphia eingeliefert und am 9. Oktober 1915 starb "La belle Irene - Irene Woodward" mit nur 58 Jahren dort an Gebärmutterkrebs. Sie wurde am 13. Oktober 1915 auf dem Monument Cemetery in Philadelphia beerdigt. Der Friedhof (heute ein Parkplatz) wurde in den 1950er-Jahren aufgegeben.

Miss Carmen | Miss Carma, eigentlich Nandl Koritzky

Nandl Koritzky, trat als "Nandl die fesche Tirolerin aus Innsbruck" auf. Sie tourte auch als "Miss Carmen" und "Miss Carma" durch Europa. Nandl Koritzky hatte Porträts deutscher Komponisten, Musiker und Literaten, sowie Seerosen, Blumenranken und Blattgewinde auf ihrem Körper tätowiert. Während ihrer Auftritte spielte ihr Ehemann Zither. Auch ihre Schwester soll mit der Südtirolerin aufgetretten sein. Im November 1907 war sie als "Miss Carma" in Luxemburg und 1915 in der Schweiz zu gast.

                         

                           Miss Carma                   Nandl, die fesche Tirolerin aus Innsbruck     

Maud Arizona (1888-1963), eigentlich Genoveva Forst | Monsieur Roustan "Der König der Tätowierten"

"Maud Arizona", eigentlich Genoveva Forst wurde 1888 in Deutschland geboren. Sie wurde 1921/22 vom deutschen Maler und Grafiker Otto Dix (1891-1969), nachdem er sie in einer Düsseldorfer Kneipe, in Nordrhein-Westfalen kennenlernte, porträtiert. Otto Dix nannte sein Bild "Suleika, das tätowierte Wunder". "Maud Arizona" konnte sich schon mit 20 Jahren ihr eigenes Wohnhaus, durch ihre weltweiten Auftritte leisten. Sie gehörte zu den bekanntesten tätowierten Damen Europas.

Maud Arizona

Mit dem tätowierten Monsieur Roustan und dem "Zirkus Sarrasani" ging sie um 1930 in Argentinien auf Tournee und war in der "Galeria Sarrasani de Fenomenos" zu sehen. 1935 trat sie mit der "Cumberlandschau" als "Das blaue Wunder" auf. Weitere Auftritte waren in Frankreich, im "Luna Park Paris" und im "Luna Park Lyon" - sie starb 1963.

Souvenir de Maud Arizona |

Monsieur Roustan "Der König der Tätowierten"

Monsieur Roustan, der vermutlich Franzose oder Tscheche war, trat als "Der König der Tätowierten" auf. Angeblich haben ihn zwei Hindus aus Indien 674 Tage lang in einem Kriegsgefangenlager während des Ersten Weltkriegs tätowiert. Es soll 66 Millionen Stiche gebraucht haben, bis er vollständig tätowiert war. Roustan musste sich angeblich unter Drogen tätowieren lassen, da die Schmerzen sonst unerträglich waren. Um 1930 ging er mit dem "Zirkus Sarrasani" in Argentinien auf Tournee.

                       

           Roustan - Le Roi des Tatouès                Roustan - Le Roi des Tatouès
                   Unique au Monde                         Unique au Monde (Rückseite)

Annie Frank

Annie Frank trat als "kunstvollst tätowierte Dame der Gegenwart" auf und stammte angeblich aus England. Ob dies stimmt, ist nicht belegt. Sie hatte zu meist patriotische Motive wie zum Beispiel "Adler mit Fahnen" oder auch "Miss Liberty" (New Yorker - Freiheitsstatue) auf ihrer Haut. Annie Franks Impresario (Manager) war Albert Scheuer aus Hamburg-Altona, später Hamburg-Stellingen. Er war Schausteller und betrieb unter anderem "Scheuers Puppenbühne und Liliputaner-Theater" in Hamburg. (siehe auch: Liliputaner und Liliputaner-Schauen.).

Anfang Dezember 1904 war Annie Frank auf dem Hamburger Dom in Hamburg St. Pauli zu sehen. Sie soll sich später auch in Hamburg, ins Privatleben zurückgezogen haben. In den Archivaufzeichnungen des Tätowierers und Fotografen Herbert Hoffmann (1919-2010) ist zu lesen, dass Annie Frank 1953 noch in Hamburg war. Wann und wo sie starb ist leider unbekannt.

                         

    Annie Frank, kunstvollst tätowierte Dame                      Annie Frank                         Annie Frank kunstvollst tätowierte
                           19.09.1908                                                                                        Dame der Welt. | 21.06.1902

George B. Bunnell (1835-1911), Museumsdirektor und Sideshow-Manager

George B. Bunnell wurde am 4. August 1835 in Fairfield County, Connecticut/USA geboren, er war Museumsdirektor und Sideshow-Manager beim späteren Zirkuskönig Phineas Taylor Barnum (1810-1891). Verheiratet war George B. Bunnell seit dem 13. Februar 1877 mit Caroline H. Bunnell (1852-1938), geb. Beardsley, genannt "Carrie". Sie wurde ebentfalls in Fairfield County, Connecticut geboren. Mit Phineas Taylor Barnum als stillen Teilhaber eröffnete George B. Bunnell 1876 das "New American Museum" (Bunnell’s Museum) in der Bowery Street 103-105, in Manhattan/New York City/USA. Drei Jahre später zog das Museum 1879 in größere Räume, in die Bowery (Bowery Street 298) um, und am 2. Juni 1879 brannte es komplett ab.

Danach eröffnete George B. Bunnell ohne Phineas T. Barnum am 8. Dezember 1880 ein neues Museum am Broadway 711 in Manhattan. Das "Bunnell’s Museum" zeigte nun neben den üblichen Wachsfiguren und anderen Kuriositäten auch zahlreiche, lebende Schaubuden-Abnormitäten, wie zum Beispiel Albinos, Bartdamen, Kolossal-Menschen, Liliputaner, Riesen, Siamesische Zwillinge und vor allem in den Wintermonaten Tätowierte. Das Museum zog noch mehrmals um und wurde auch immer wieder umbenannt. George B. Bunnell starb mit 76 Jahren am 3. Mai 1911 in Greens Farms, Fairfield County, Connecticut/USA.

Annie Howard, eigentlich Annie Boyle | Frank Howard (1857-1925)

Annie Howard, eigentlich Annie Boyle war mit William E. Boyle verheiratet. Angeblich soll es 25 Jahre gedauert haben, bis sie vollständig tätowiert war. Annie Boyle hatte zu meist patriotische Motive wie zum Beispiel "Adler mit Fahnen" auf ihrer Haut. Im "Bunnell’s Museum" in New York City/USA, dort trat sie das erste Mal 1882 auf, lernte sie im gleichen Jahr den aus Providence in Rhode Island/USA stammenden Tätowierer Frank Howard (1857-1925), auch er war am ganzen Körper tätowiert, kennen. Sie verliebte sich in den 25 Jahre älteren Mann. Als William E. Boyle dies erfuhr lies er sich im November 1882 von seiner Frau Scheiden. Sie wurde zuvor in Juni 1882 in New York City wegen Körperverletzung verhaftet und musste für zehn Tage im Stadtteil Fulton Ferry (Brooklyn) ins Gefängnis. Ein Passant hatte sie wegen ihrer tätowierten Arme angeblich auf der Fähre nach Brooklyn beleidigt, woraufhin sie ihn geschlagen und beleidigt haben soll. Mehrere Zeitungen berichteten über den Vorfall.

Samuel F. O'Reilly (1854-1909)

Zu dieser Zeit wurde Annie Boyle, wie auch andere Tattoo-Schaubuden-Künstlerinnen in New York City vom irischstämmigen Tätowierer Samuel F. O'Reilly, er wurde im Mai 1854 in Waterbury, New Haven, Connecticut/USA geboren, tätowiert. Sein Tätowier-Studio befand sich um 1885 am Chatham Square 11, in Chinatown, nahe der Bowery Street in Manhattan. Das Studio übernahm er vermutlich von einem Tätowierer, der dort schon seit einigen Jahren ein Studio betrieb. Am 11. Dezember 1889 heiratete er Jennie O'Reilly, geb. Abrams in New York City. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Harold O'Reilly (1902-?).

Samuel F. O'Reilly war nicht nur Tätowierer, sondern auch Erfinder. Er meldete am 8. Dezember 1891 in New York City ein Patent (US-Patent Nr. 464801) für eine elektrische Tätowiermaschine (Tattaugraph) an. Die Maschine basierte auf dem elektrischen Stift von Thomas Alva Edison (1847-1931). Samuel F. O'Reilly starb am 29. April 1909 in Brooklyn, New York City/USA, als er aus dem Fenster fiel, während er sein Haus anstrich. Er wurde am 3. Mai 1909 auf dem Holy Cross Friedhof in Brooklyn beerdigt. Sein Studio wurde von seinem Schüler Charles Wagner (1875-1953) bis zu dessen Tod weiter geführt.

Nachdem Annie Boyle, vermutlich Frank Howard geheiratet hatte, es existiert keine offizielle Heiratsurkunde, gingen sie zusammen in den USA auf Tournee. Sie trat nun unter dem Namen "Annie Howard" auf. Im Juli 1883 kam ihre gemeinsame Tochter Ivy Howard (1883-?) in Hammond, Indiana/USA, zur Welt. Ivy Howard wurde später eine berühmte Kornett Solistin und Schlangenbeschwörerin. Nach der Geburt ihrer Tochter Ivy tourten sie mit verschiedenen Zirkussen durch die USA.

Ab Februar 1888 gingen sie mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" von New York City aus bis zum 22. Oktober 1888 auf USA Tournee. Am 27. Januar 1889 traten sie zur Eröffnung des "Doris`s Eighth Avenue Museums" und ab Februar 1889 im "Grand Museum", beides in New York City auf. Vom 4. Mai bis 7. Oktober 1889 tourten sie mit dem "B. E. Wallace Circus" von Benjamin E. Wallace (1847-1921) durch den Mittleren Westen der USA. In den Wintermonaten 1889 bis Anfang 1890 waren sie dann im "Doris`s Harlem Museum" in New York City zu sehen. Ab April 1895 gingen sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter und dem "Mohawk Valley Circus" auf Tour. Frank Howard war seit Mai 1895 auch als "Sideshow-Manager" für den Zirkus tätig.

Die Familie Howard verließ im Dezember 1897 die USA um für den "Barnum and Bailey Limited Circus" bis 1901 in Europa aufzutreten. Nachdem sie in die USA zurückkehrten und einige Zeit in Bosten, Massachusetts/USA verbrachten, gingen sie ab 1903 wieder in den USA auf Tournee. Aus dieser Zeit existieren Karten, auf denen Annie und Frank Howard als tätowiertes Geschwisterpaar beworben werden, dies stimmt natürlich nicht. Frank Howard eröffnete 1907 in Boston, Massachusetts/USA, in der Court Street 153 sein eigenes Tattoo-Studio. Annie Howard verließ mit ihrer Tochter Ivy 1911 ihren Ehemann. Er heiratete am 6. Oktober 1914 die aus St. Helens in England stammende Louisa Howard, geb. Morris und starb im November 1925.

Annie Howard soll sich später ins Privatleben zurückgezogen haben. Über das Schicksal ihrer Tochter Ivy ist nichts bekannt.

John Hayes (1864-?)

Auch der vermutlich 1864 in Ansonia, Connecticut/USA geborene Tattoo-Künstler John Hayes wurde vom irischstämmigen New Yorker Tätowierer Samuel F. O'Reilly (1854-1909) und anderen Tätowierern tätowiert. Seine Eltern waren arme Einwanderer aus Irland. Mit 14 Jahren soll er in die US-Armee eingetreten sein, und dort als Trommler gedient haben. Ab 1880 trat er als Tattoo-Attraktion für den "Barnum and Bailey Limited Circus" in dessen Sideshow auf und behauptete von Apachen-Indianern entführt und gegen seinen Willen tätowiert worden zu sein, dies stimmte allerdings nicht. John Hayes soll angeblich 780 Motive auf seinem Körper gehabt haben. Wann und wo John Hayes starb ist leider nicht bekannt.

Horace Leonard Ridler (1882-1969) "The Great Omi" oder auch "The Zebra Man"

Horace Leonard Ridler wurde am 26. März 1882 in der Nähe von London/England geboren. Er trat als "The Great Omi" und "The Zebra Man" auf. Seine Eltern waren wohlhabend, sodass er auf Privatschulen ging und die Welt bereisen konnte. Es gibt Quellen, die meinen er wäre später auf die Universitäten in Oxford oder in Cambridge, beides in England, gegangen. Dort hätte er ein Studium mit Auszeichnung bestanden, oder er wäre in die britische Armee eingetreten und Major geworden.

Nach dem Tod seines Vaters soll Horace Leonard Ridler ein größeres Vermögen geerbt haben, welches er aber schnell wieder durch Glücksspiel und falsche Investitionen verloren haben soll. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde er ausgezeichnet und am 9. September 1915 zum Leutnant befördert. Am Ende des Krieges hatte er den Rang eines Majors und bekam somit eine kleine Soldatenrente, von der er allerdings nicht leben konnte.

Horace Leonard Ridler ließ sich ab 1922 tätowieren und trat später, um seine Rente aufzubessern, in kleineren Sideshows auf. Zwischen 1927 und 1934, als er im Londoner Stadtteil Mitcham lebte, nahm er Kontakt zu dem bekannten, englischen Tätowierer George Burchett (1872-1953) auf. Von ihm ließ er sich am ganzen Körper als "The Zebra Man" tätowieren. Es soll angeblich 150 Stunden gedauert und 3000 $ gekostet haben. Von nun an tourte er als "The Great Omi" und "The Zebra Man" durch England und Frankreich.

Nach seiner Rückkehr nach England ließ er seine Ohren durchbohren, trug Ohrringe und begann aufwendige Kostüme zu tragen. Er erzählte während seiner Auftritte dem Publikum, er sei von Eingeborenen auf der Pazifikinsel "New Guinea", heute Papua-Neuguinea, gefangen genommen worden und gegen seinen Willen tätowiert worden zu seien, dies stimmte natürlich nicht. Diese Behauptung trug allerdings zu seiner Popularität erheblich bei.

                        

                       The Great Omi                                       The Great Omi
                                                                        The most amazing Tattooing
                                                                          The World has ever seen

Während der Weltausstellung in Queens, New York City/USA trat Horace Leonard Ridler 1939 im "John Hix Odditorium" auf. Zu dieser Zeit war er schon mit Gladys Ridler - Künstlername "Omette" verheiratet. Nach der Weltausstellung trat er dann in "Ripleys Odditorium Theater", in New York City als Hauptattraktion auf. Der berühmte Comiczeichner, Radioreporter und Weltreisende Robert Leroy Ripley (1890-1949) ließ "The Great Omi" sechs Monate in seinem Theater auftreten, die längste Zeit, die jemals ein Künstler von ihm präsentiert wurde. Es besuchten täglich 1600 Besucher die zehn Vorführungen.

Ab 1940 tourte er mit dem "Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus" durch die USA und trat als "The Zebra Man" in dessen Sideshow als Hauptattraktion für eine Saison auf. Anfang 1941 tourte er durch Australien und Neuseeland. In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 trat er in Vancouver/Kanada auf und beendete das Jahr in San Diego, Kalifornien/USA. Das Ehepaar Ridler verließ im Frühjahr 1942 die USA und ging zurück nach England. Horace Leonard Ridler versuchte während des Zweiten Weltkriegs wieder in die britische Armee aufgenommen zu werden, wurde allerdings abgelehnt. 1950 beendete das Ehepaar Ridler seine Karriere im Showgeschäft. "The Great Omi" starb 1969 in einem kleinen Dorf in Sussex, in England.

Martin Hildebrandt und Nora Hildebrandt (?-1893)

Der deutsche Auswanderer Martin Hildebrandt, er soll mit 18 Jahren vermutlich aus Hannover in Niedersachsen ausgewandert sein, arbeitet ab 1846 als reisender Tätowierer (Travelling tattoo artist) an der Ostküste der USA, wo er Soldaten beider Seiten während des Amerikanischen Bürgerkriegs tätowierte. Um 1870 betrieb er ein Atelier in der Oak Street (heute Monroe Street) in der Lower East Side, in New York City/USA. Martin Hildebrandt wurde zu einem der ersten professionellen Tätowierer in den USA. Mit der Hand-Methode tätowiert er unter anderem auch Annie und Frank Howard während ihrer Aufenthalte in New York City. Martin Hildebrandt heiratete Nora Hildebrandt (?-1893), die er zuvor auch tätowiert hatte, allerdings existiert keine offizielle Heiratsurkunde. Sie nahm aber seinen Nachnamen an und beide lebten zusammen als Ehepaar in New York City.

Nora Hildebrandt (?-1893) wurde um 1857 in London/England geboren und trat erstmals am 1. März 1882 in "Bunnell’s Museum" in New York City/USA vor Publikum auf. Sie soll 365 Tätowierungen auf ihrem Körper gehabt haben. Sie erzählte, wie später auch andere Tattoo-Künstler, eine abenteuerliche Geschichte über die Herkunft ihrer vielen Tätowierungen.

So soll sie während einer Reise mit ihrem Vater durch den Wilden Westen vom Indianerhäuptling Sitting Bull (um 1831-1890) gefangen genommen worden sein. Ihr Vater wurde von den Indianern gezwungen sie ein Jahr lang jeden Tag zu tätowieren, während sie an einem Baum gefesselt war. Die Schmerzen hätten sie sogar erblinden lassen. Nachdem alle Tätowiernadeln gebrochen waren, wurde ihr Vater dann von den Indianern ermordet. Nach ihrer Befreiung durch General George Cook (1828-1895) kam sie in ein Krankenhaus und wurde geheilt. In der Klinik soll sie den Sideshow- und Zirkusbesitzer Adam John Forepaugh (1831-1890) getroffen haben, der sie nach New York City brachte, um sie für sein Zirkusunternehmen unter Vertrag zu nehmen. Die Geschichte stimmte natürlich nicht, die Tätowierungen stammten wohl von ihrem angeblichen Ehemann, dem Tätowierer Martin Hildebrandt. Allerdings trat sie tatsächlich später für Adam John Forepaugh in dessen Zirkusshows auf.

Nora Hildebrandt trennte sich später von Martin Hildebrandt und heiratete am 20. Januar 1889 den tätowierten Friseur Jacob Gunther. Um 1890 ging sie mit Jacob Hildebrandt, ihr Ehemann nahm ihren Nachnamen an, und dem "Barnum and Bailey Limited Circus" auf Tournee. Das Ehepaar trat zusammen auf. Nora Hildebrandt starb 1893 und Jacob Hildebrandt betrieb unter seinem richtigen Namen Jacob Gunther bis zu seinem Tode ein Friseurgeschäft in Brooklyn, New York City/USA.

Frank Marwood und vermutlich Lena Marwood

Frank Warwood war komplett bis auf sein Gesicht, seine Hände und seine Füße tätowiert. Auf seinem Bauch waren mehrere Engel zu sehen. Im April 1905 trat er in der "Buffalo Bill - Wild West Show" in Frankreich auf. Die Europatournee Buffalo Bills (1846-1917), eigentlich William Frederick Cody, startete 1903 und dauerte vier Jahre. Davor und auch danach war die Show schon mehrmals durch Europa getourt. Auch in anderen Zirkussen in Europa und Übersee trat Frank Marwood auf. Er war vermutlich mit der tätowierten Lena Marwood verheiratet. Sie tourte 1909 mit ihm und der "Buffalo Bill Show" durch Europa.

                       

         Frank Marwood, tätowierter Mann,               Unbekannte tätowierte Frau,             
             Buffalo Bill Wild West Show                      vermutlich Lena Marwood                

William Boston (1864-?), eigentlich Anton Höffels

Anton Höffels wurde vermutlich 1864 geboren. Als Kind lebte er mit seiner Familie auf Schloss Myllendonk in Korschenbroich nahe der Stadtgrenze zu Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Sein Vater war im Schloss als Hausmeister angestellt und bewohnte mit seiner Familie die Hausmeisterwohnung. Mit 16 Jahren soll Anton Höffels dann mehrere Jahre zur See gefahren sein und blieb einige Jahre in China. Vermutlich lies er sich auf seinen reisen am ganzen Körper tätowieren. Später tourte er unter seinem Künstlernamen “William Boston“ mit dem "Barnum and Bailey Limited Circus" durch Europa und die USA. Anton Höffels warb auf Ansichts- und Postkarten mit seinen aus Afrika stammenden Tätowierungen. Mit 42 Jahren heiratete er und hatte mit seiner Frau insgesamt sieben Kinder, drei Jungen und vier Mädchen. Wann er starb, ist leider nicht bekannt.

                       

         Tatouer de l`afrique | 02.07.1902                    Tatouer de l`afrique
          (William Boston - Anton Höffels)

Literatur- und Quellenverzeichnis:
Ich bedanke mich bei Frau Petra Heckers für die Informationen über ihren Urgroßvater Anton Höffels.

Miss Cärri/Kärri

"Miss Cärri" wurde vermutlich in Finnland geboren. Es gibt Karten auf denen sie als "La belle Kärri" bezeichnet wird. Angeblich wurde sie als junges Mädchen von Indianern in den USA entführt und gegen ihren Willen tätowiert. Nach ihrer Befreiung hätte eine Japanerin ihre Tätowierungen dann vervollständigt. Sie trat wahrscheinlich im Februar 1904 als "La belle Kärri" im Siegburger Hof, in Siegburg/Nordrhein-Westfalen auf. Der Saal fasste fast 1000 Personen und die Bühne war 17,0 Meter breit.

"Miss Cärri" soll auch im "Homes-Fey-Theater" in London/England aufgetreten sein. Laut dem Hamburger Fremdenblatt vom 29. Februar 1907 hatte sie auf einem ihrer Ellenbogen den "deutschen Michel" (eine in der frühen Neuzeit entstandene nationale Personifikation der Deutschen) tätowiert, den sie durch strecken lachen und durch beugen weinen lassen konnte.

                       

                            Miss Cärri                                                                                                       Miss Cärri

Benn-abu-Bekier | Cesar Franelli, eigentlich Hugo Schmidt-Wölfers

Der Fakir, Salonrezitator, Sänger, Tattoo-Künstler und Tätowierer Hugo Schmidt-Wölfers trat unter seinen Künstlernamen "Benn-abu-Bekier" und "Cesar Franelli" auf. Er durchstach seine Haut vor Publikum mit langen Nadeln und hatte auf seinem Rücken die Darstellung der Kreuzigung Jesu Christi mit der Überschrift: "Lerne Leiden, ohne zu klagen" tätowiert. Auf seiner Brust, unter einem großen Stern war die nackte "Göttin Fortuna", mit erhobenen Flügeln abgebildet. Hugo Schmidt-Wölfers war auch gelegentlich als Tätowierer auf Anfrage, ohne ein eigenes Atelier tätig. Seine ständige Adresse war die Moritzstraße 60. in Zwickau/Sachsen.

Hugo Schmidt-Wölfers warb auf seinen unterschiedlichen Karten unter anderem als "Benn-abu-Bekier - Besttätowierter Mann - Medizinisches Rätsel - Unverwundbarer deutscher Fakir" und als "Cesar Franelli, Kunstvolle Tätowierungen - Größtes Phänomen moderner Auto-Suggestion".

Cesar Franelli
Kunstvolle Tätowierungen - Größtes Phänomen moderner
Auto-Suggestion | 20.11.1919

Benn-abu-Bekier - Besttätowierter Mann
Medizinisches Rätsel - Unverwundbarer deutscher Fakir

Ben-abu-Bekier | Benedutti Bellini oder auch Mr. William

"Ben-abu-Bekier", oder "Benedutti Bellini", oder auch "Mr. William" trat zusammen mit seinem ganzkörpertätowierten, mexikanischen Präriehund und als indischer Fakir auf. Er soll angeblich Amerikaner gewesen sein, es ist aber davon auszugehen, dass er aus Deutschland stammte.

Sein Auftreten und die Namensähnlichkeit zu Hugo Schmidt-Wölfers (Benn-abu-Bekier / Cesar Franelli) ist sehr groß, doch hatte dieser ganz andere Tätowierungen auf seinem Körper. Außerdem war "Mr. William" muskulöser und hatte unter anderem auf seinem rechten Oberarm eine "nackte Venus" tätowiert. Auch er durchstach sich auf der Bühne seine Haut mit langen Nadeln und warb als "Ben-Abu-Bekier, der Beherrscher des Blutes. Phänomenaler psychologischer Akt der Autosuggestion", als "Ben-Abu-Bekier, indischer Fakir", "Mr. William the americain Fakir with his tättooed Dog" und auch als "Benedutti Bellini".

 

Mr. William
the best tattooed Man on earth,
der beste Tätowirte der Welt,
mit seinem tätowirten mexikanischen Prairiehund
Original ohne Concurrenz am Continent.

                        

                       Ben-abu-Bekier                                   Benedutti Bellini                                      Mr. William
                                                                                                                        the americain Fakir with his tättooed Dog
                                                                                                                            mit seinem tätowirten Prairiehund
                                                                                                                     Original Tric, ohne Concurrenz am Continent
                                                                                                                               hieb=, stich= und kugelsicher.

Madiah Surith, später Mademoiselle Burilian und Lady Suritha

Madiah Surith wurde vermutlich in Russland geboren und trat, bevor sie sich tätowieren ließ, erfolgreich als Bauchtänzerin und Schlangenbeschwörerin in Varietés und Zirkussen auf. Sie war 1910 als "Miss Madiah Surith, the Star of the Orient" mit einer Boaschlange im "The London Coliseum" in London/England und am 18. April 1910 in der "La Grande Revue" im "Olympia Theatre Paris" in Paris/Frankreich zu sehen. Sie führte auf der Bühne auch den "Tanz der sieben Schleier - Tanz der Salome", aus dem Theaterstück (Einakter Drama) "Salome" des irischen Dramatikers und Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900) auf.

Madiah Surith war auch als Werbemodel, zum Beispiel für Zigarettenwerbung sehr gefragt. Nachdem sie sich am ganzen Körper tätowieren ließ, nannte sie sich auch weiterhin Madiah Surith sowie "Mademoiselle Burilian" und "Lady Suritha".

                      

            Madiah Surith (ohne Tattoos)            Madiah Surith (Zigarettenwerbung)            Madiah Surith (mit Schlange)

Madiah Surith trat 1913 in Samuel W. Gumpertz (1868-1952) "Dreamland Circus" im Lunapark, auf Coney Island/Brooklyn, bei New York City/USA, auf. Für den "Dreamland Circus" im Lunapark trat sie bis 1929 immer wieder auf. Für den "Barnum and Bailey Limited Circus" wurde sie 1918 engagiert und trat am 25. Mai 1918 in dessen Sideshow in Pittsfiled, Massachusetts/USA auf. Manager der Sideshow war der bekannte Sideshow-Manager Clyde Nigalls (1876-1940). 1923 war sie mit dem "Sells-Floto Circus" in den USA auf Tournee. Der Artist und Zauberkünstler Wilhelm Geilen (1880-1974), er trat als "Melachini", "Melo Surith" und "Dr. Caligari" auf, engagierte Madiah Surith 1925 als Assistentin für seine Zaubershows. Unter dem Namen "Madiah und Melo Surith" waren beide mit einer Zaubernummer auf Bühnen in Deutschland und England zu sehen. Madiah Surith starb vermutlich an einer Kopfgrippe, wann und wo sie starb, ist nicht bekannt. Auch wo sie beerdigt wurde, ist unbekannt.

                       

                      MADIAH SURITH                         MADIAH SURITH | 20.08.1913

Fräulein Marie "Die Perle vom Rhein" | Sabella Anitta | Irma Senta, eigentlich Irma Sarth | Lady Marga

Fräulein Marie "Die Perle vom Rhein"

"Fräulein Marie" nannte sich "Die Perle vom Rhein" und hieß mit Nachnamen vermutlich Theissen. Sie trat wahrscheinlich im November 1907 in Hamburg St. Pauli als Marie Theissen auf dem Spielbudenplatz und in verschiedenen Varietés entlang der Reeperbahn auf. Wann und wo "Fräulien Marie" geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

Sabella Anitta

Sabella Anitta trat als "Das Blaue Weib, jüngste und bestreisende tätowierte Dame der Jetztzeit" auf. Sie hatte unter anderem auf ihrem Dekolleté, ihren Namen und einen Adler mit mehreren Flaggen tätowiert. Auf ihrem linken Bein war ein großes Frauenportrait zu sehen. Sabella Anitta trat auch als Athletin und Ringerin auf. Auf dem Schützenfest in Erfurt/Thüringen war sie 1903 zusehen. Am 27. September 1918 trat Sabella Anitta in einer Varieté-Vorstellung in Lübeck/Schleswig-Holststein auf.

                          

          Fräulein Marie, tätowierte Dame,             "Sabella Anitta" Das Blaue Weib,                           Irma Senta  
genannt "Die Perle vom Rhein" | 27.04.1905    jüngste und bestreisende tätowierte
                                                                      Dame d. Jetztzeit. | 27.09.1918

Irma Senta, eigentlich Irma Sarth

"Irma Senta", eigentlich Irma Sarth kam aus Deutschland und war mit dem Tätowierer Gustav Sarth verheiratet. Das Ehepaar wohnte in Gelsenkirchen/Nordrhein-Westfalen. Sie hatte auf ihrem Rücken eine Zirkusmanege mit Artisten tätowiert. Wann und wo sie geboren wurde oder wann sie starb, ist nicht bekannt.

Lady Marga

"Lady Marga" oder auch nur "Marga", stammte vermutlich aus Deutschland. Sie trat im Oktober 1914 in Hamburg St. Pauli auf. Sie warb auf verschiedenen Motivkarten unter anderem als "Das lebende Mosaik" und als "Das lebende Gemälde".

Gruß von Marga! Das lebende Mosaik

 

Froeken Ingeborg

Froeken Ingeborg wurde vermutlich in Dänemark geboren, es gibt auch Karten, auf denen steht, dass sie wohl aus Schweden stamme. Sie hatte eine Tochter, die sie später mit auf Reisen nahm. Froeken Ingeborg warb als "Die lebende Bildergalerie", "Das lebende Kunstgemälde" und als "Der Stern des Nordens" auf ihren Karten. Sie wurde mehrmals für ihre Tätowierungen ausgezeichnet. In der "Leipziger Zeitung" suchte sie 1933 für sich und ihre Tochter ein Engagement, obwohl zu dieser Zeit mit dem "Brachtschen Erlass" angeblich das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von tätowierten Menschen in Deutschland schon verboten war.

                        

        Froeken Ingeborg, tätowierte Dame.          Miss Ingeborg, tätowierte Dame.
   "Die lebende Bildergalerie" aus Dänemark.

Suleika, eigentlich Emmy | Rosella, eigentlich Frau Laubach

Suleika, eigentlich Emmy

"Suleika", eigentlich Emmy trat als "Die tätowierte Schönheit" auf. Sie hatte vornehmlich Damen und Herren Portraits auf ihrem Körper tätowiert. Als "Miss Emmy" stand sie Anfang September 1906 auf dem Schützenfest in Emden/Niedersachsen, zusammen mit ihrem ganzkörpertätowierten Wunderhund, er war bis auf den Kopf und Schwanz rasiert, auf der Bühne. Der Hund kam angeblich aus Indien und soll dort auch tätowiert worden sein. Es gibt Karten, auf denen "Miss Emmy" zusammen mit ihrem Hund abgebildet ist. Ihr Impresario (Manager) war A. Scheuer aus Hamburg-Altona, später Hamburg-Stellingen. Als "Suleika" war ihr Impresario Heinrich Sinemus aus der Bergstraße 3., 1928/29 Mittelstraße 10., beides in Hannover (Calenberger-Neustadt).

Rosella, eigentlich Frau Laubach

"Rosella" war ein Künstlername. Die Dame hieß mit Nachnamen Laubach und war die Großmutter von Peter Laubach der seit 1983 in München/Bayern das Tattoo-Studio "Rainbow Tattoo" betreibt. Schon sein Großvater war Schausteller und Tätowierer, er gründete 1902 ein Studio in Köln/Nordrhein-Westfahlen. Peter Laubachs Großmutter wurde von ihrem Ehemann am ganzen Körper tätowiert. Sie trat als “Rosella, die in 4 Farben tätowierte Kolossal-Dame“ in Schaubuden, Varietés und Zirkussen auf.                   

                        

   Suleika, tätowierte Schönheit. | 15.08.1911          Rosella die in 4 Farben                 
                                                                         tätowierte Kolossal-Dame                     

Ellis van Dyk

Ellis van Dyk ist in Holland geboren und wurde vom Tätowierer Jos. Cappelmann aus Köln/Nordrhein-Westfalen tätowiert. Er tätowierte mit einer Tätowiermaschine und war auch ihr Impresario (Manager). Ihre ständige Adresse war die Kempanerstraße 65., in Köln-Nippes. Ellis van Dyk warb unter anderem als "Die Blaue Dame", "Die schöne Holländerin", "Kunstvollst tätowierte Dame der Welt" und als "Weltschau Attraktion". Sie soll 37 Portrait- und drei Pferdedarstellungen auf ihrem Körper gehabt haben. Wann und wo sie genau geboren wurde oder starb, ist unbekannt.

                         

        Die Blaue Dame - Die Holländerin            Die Holländerin Ellis van Dyk, die
               Ellis v. Dyk | 03.07.1914              kunstvollst tätowierte Dame der Welt....
                                                                                    01.01.1914

Miss Angelica, eigentlich Anna Schwarz

Anna Schwarz trat als "Miss Angelica, kunstvollst tätowierte Dame", als "Melanie, mit ihrem 3köpfigem Babi" und einfach als "Colorierte Dame" auf. Sie stammte vermutlich aus Weimar in Thüringen. Anna Schwarz hatte vor allem Tiere, Schmetterlinge und Blumen auf ihrem Körper tätowiert. Am Hals hatte sie eine Kette mit einem Herz-Medaillon und jeweils fünf Streifen rechts und links tätowiert. Zeitweise trat sie auch mit einer 3-köpfigen Babypuppe auf. Anna Schwarz soll 1903 als "Melanie, mit ihrem 3köpfigem Babi" auf einem Jahrmarkt in Erfurt/Thüringen aufgetreten sein. Wo und wann sie starb, ist unbekannt.

                       

           Colorierte Dame | 03.07.1911          Angelica Schwarz, tätowierte Dame.
                                                                                 17.02.1903

Ruth Sylvia/M. Ruth Sylvia

Ruth Sylvia, oder auch M. Ruth Sylvia stammte wahrscheinlich aus Deutschland und trat schon vor 1908 als "M. Ruth Sylvia" auf. Sie war 1927 unter anderem in München/Bayern zu sehen.

Ruth Sylvia führte ähnlich, wie auch Madiah Surith (siehe weiter oben), den "Tanz der sieben Schleier - Tanz der Salome", aus dem Theaterstück (Einakter Drama) "Salome" des irischen Dramatikers und Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900) auf.

Ruth Sylvia

M. Ruth Sylvia | 04.05.1909

Ruth Sylvia trat nachweislich bis 1930 in Europa und den USA auf. Ob es danach auch noch weiter Auftritte von ihr gab, oder ob sie sich ins Privatleben zurück zog, ist nicht bekannt. Auch wann und wo Ruth Sylvia starb ist ebenfalls nicht bekannt.

                      

                         Ruth Sylvia

Florida Idona "die Perle der Kunst"

Florida Idona warb für sich als “die Perle der Kunst“ und als “die Göttin der Farbenpracht“. Wann und wo sie genau geboren wurde oder starb, ist unbekannt. Auch ihr richtiger Name ist nicht bekannt.

                       

      FLORIDA IDONA, die Perle der Kunst                       Florida Idona                      

Miss Helio, tätowierte Kolossaldame | Annette Nerona | Olly Esky

Miss Helio, tätowierte Kolossaldame

Miss Helio trat als tätowierte Kolossaldame und Wahrsagerin auf. Sie warb als "Miss Helio, tätowierte Kolossaldame und beste Wahrsagerin". Später war sie als Masseurin in Görlitz/Sachsen tätig. Wo sie geboren wurde und ihr echter Name ist unbekannt.

Annette Nerona

Annette Nerona stammte vermutlich aus Deutschland. Sie hatte unter anderem Portrais von Otto von Bismarck, Richard Wagner, Wilhelm II, Friedrich Schiller und Wolfgang von Goethe tätowiert. Sie soll auch als Athletin, Musikvirtuosin, Schlangenbändigerin und Zauberin aufgetreten sein.

                     

      Miss Helio, tätowierte Kolossaldame         Frl. Annette die tätowierte Dame          Olly Esky, das lebende Bilderbuch
                                                                                   10.03.1902

Olly Esky

Olly Esky trat als "das lebende Bilderbuch" auf. Sie war auf verschiedenen Jahrmärkten und in Varietés und Zirkussen in Deutschland und Europa zu sehen. Wann und wo Olly Esky geboren wurde oder starb, ist unbekannt.

Lady Viola, eigentlich Ethel Martin Vangi (1898-1977)

"Lady Viola", eigentlich Ethel Martin Vangi (1898-1877) wurde am 27. März 1898 in Covington, Kentucky/USA geboren.

Ihr erstes Tattoo soll sie 1914 mit 16 Jahren bekommen haben. Wer sie tätowierte, ist allerdings nicht bekannt. Später wurde sie unter anderem von Frank George Graf (1888-1946) und Christian Warlich (1891-1964), dem sogenannten "König der Tätowierer" oder auch "Prof. Electric. - Professional Electric Tattooing Artist“ und anderen namhaften Tätowierer tätowiert.

"Lady Viola" wurde als "Die schönste tätowierte Frau der Welt" bekannt. Sie hatte Porträts berühmter Persönlichkeiten wie zum Beispiel Charles "Charlie" Chaplin (1889-1977) auf ihrer Haut, und auf ihrer Brust waren sechs amerikanische Präsidenten zu sehen. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie in Coney Island/Brooklyn, bei New York City/USA.

Sie bekam mit 17 Jahren im Dezember 1915 ihren ersten Sohn George R. Owenburg (1915-1991) und heiratete 1916 den Vater ihres Kindes. Ihr Ehemann George Michael Owenburg (1881-?) war ein polnisch-russischer Einwanderer. Anfang der 1930er-Jahre heiratete sie den italienischen Zimmermann Vincenco Vangi (?-1969). Ihr neuer Ehemann brachte fünf Kinder mit in die Ehe und drei Kinder bekamen sie später noch zusammen. Insgesamt hatte das Ehepaar somit neun Kinder.

 

"Lady Viola" trat in verschiedenen Varietés und Zirkussen, wie zum Beispiel im Barnum and Bailey Limited Circus oder auch 1932 im Ringling Brothers Circus auf. Um 1960 soll sie auch als Tätowiererin tätig gewesen sein. Bis zu ihrem Tod am 25. April 1977 war sie im Thomas Joyland Circus zu sehen. "Lady Viola" wurde in Fulton County, Pennsylvania/USA beerdigt.

Mia Askaria | Käthe Trumpfheller | Miss Mary | Anita | Hilde Petersen | Elvira | Vasantasena

                         

        Mia Askaria, der Stern der Kunst          Käthe Trumpfheller, die kunstvollst             Zum Andenken an Miss Mary
                                                                      tätowierten Dame der Welt.
                                                                        gen.: "Der blaue Stern".

Zum Andenken an die tätowierte Dame ANITA | 04.07.1912

Hilde Petersen die kleinste in 14 Farben
tätowierte Dame der Welt.

                      

    Elvira, die kunstvoll tätowierte Dame                   Vasantasena, tätow.
                                                                         indische Barfußtänzerin

L' Homme Tatoué | L' Homme Tatoué | Fred Markoff "Der König der Tätowierten"

                       

                   L' Homme Tatoué                              L' Homme Tatoué                                        Fred Markoff
                                                                                                                                 Der König der Tätowierten

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text ab Verbots-Gesetz vollständig tätowierter Damen...

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

A Meandering Story with a Sad End - The Death of La Belle Irene/Irene Woodward | Amelia Klem Osterud | 2013
The Billboard Magazin | 11/1914
Buzzworthy Tattoo History | Carmen Forquer Nyssen - www.buzzworthytattoo.com
Das blaue Weib und andere Zirkusfrauen. Theoretische Aspekte von Tätowierungen unter besonderer Berücksichtigung von "Tätowierten Damen" in Zirkus und Schaubuden untersucht am Beispiel der Sammlung Walther Schönfeld | Igor Eberhard | Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien (MAGW) | 2011
Das Buch der Wunder in Barnum & Bailey's größter Schaustellung der Erde mit vollen Beschreibungen der menschlichen Kuriositäten und seltenen Tiere | Clarence L. Dean | Verlag Barnum and Bailey Limited Berlin | 1900
Die Flucht der Zeit | Hugo Ball | 1927
Kings Avenue "Nachlass Warlich - A research project on the German tattooist Christian Warlich (1891-1964)“ | Vortrag von Ole Wittmann bei Kings Avenue Tattoo - New York City/USA - www.youtu.be/if5IfbGbnsg | 02/2017
König der Stecher | Julika Pohle | DIE WELT - WeltN24 GmbH | 07/2016
Körperbemalen, Brandmarken, Tätowieren | Walther Schönfeld | Alfred Hüthig Verlag | 1960
Das Leben des "Königs der Tätowierer" in Hamburg | Annette Stiekele | Hamburger Abendblatt | 02/2017
Münchner Allgemeine Zeitung | 10/1891
Der Nachlass von Christian Warlich - Forschungs- und Ausstellungsprojekt | Ole Wittmann - Stiftung Historische Museen Hamburg - Museum für Hamburgische Geschichte - www.christian-warlich.org
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten. Ein Versuch zur Erfassung ihrer Formen und ihres Bildgutes | Adolf Spamer | Verlag: G. Winters Buchhandlung, Fr. Quelle Nachf. | 1934
The Rich Mingins Collection (GB) | Rich Mingins (1916-1968)
Schlange auf der Stirn | DER SPIEGEL - SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG. | 10/1951
Tattoo: Secrets of a Strange Art | Albert Parry | Dover Publications | 2006
The Tattooed Lady: A History | Amelia Klem Osterud | Taylor Pub Verlag | 2014
Tollkühne Frauen: Zirkuskünstlerinnen zwischen Hochseil und Raubtierkäfig | Brigitte Felderer & Helma Bittermann | Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG | 2014
Zeichen auf der Haut - Die Geschichte der Tätowierung in Europa | Stefan Oettermann | Syndikat Autoren- und Verlagsgesellschaft | 1979

Stefan Nagel / Text (Tätowierte) - www.riesendame.blogspot.com / www.schaubuden.de
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