Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Tätowierte | Tattoo
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Tätowierte | Tattoo-Karten

Ansichts- und Postkarten wie die hier abgebildeten wurden von den diversen Schaubuden-Freaks auf den Jahrmärkten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. als Souvenirs verkauft. „Miss Käthe“ stellte dabei unter den zahlreichen menschlichen Schauobjekten eine echte Attraktion dar, verkörperte sie doch als „tätowierte Kolossaldame“ gleich zwei beliebte Sujets in einer Person. Dabei weckte zu einer Zeit, in der die Möglichkeiten zum Ausleben der eigenen Individualität sehr begrenzt waren, bereits ein tätowierter Körper allein das Interesse des Publikums.

Zum Andenken an die tätowierte Dame ANITA | 04.07.1912

Bei diesen "Schaubuden-Freaks" handelte es sich in der überwiegenden Mehrzahl um Frauen, die damit warben, am ganzen Körper tätowiert zu sein und dies bis an die Grenzen des damals Schicklichen auch unter Beweis stellten. Dem Publikum eröffneten sich so unter dem Vorwand einer eingehenden Betrachtung der "Kunstwerke" willkommene Gelegenheiten "einen Blick zu riskieren".

 

Barnum and Bailey Limited | 20.06.1901

Viele Tätowierte präsentierten in den Schaubuden ein kleines artistisches Programm, häufig Feuerspucken oder Schlangenvorführungen. Noch mehr mögen die Besucher jedoch von den Geschichten über die angebliche Herkunft der Bilder gefesselt gewesen sein. Oftmals ging es dabei um schmerzhafte kultische Tätowierungsriten Eingeborener, die sie auf Reisen in entlegene Weltgegenden erleiden mussten.

Motive wie Jesus Christus am Kreuz oder Engel waren mit solchen Geschichten allerdings schwerlich in Einklang zu bringen. Offensichtlich fielen dem Publikum jedoch derartige Ungereimtheiten nicht auf, weil das Interesse tatsächlich weniger den bunten Bildern galt…

Tätowierte Dame in Unterwäsche auf dem Sofa ca. 1915

Im Jahr 1911 wurde in Deutschland das Verbots-Gesetz vollständig tätowierter Damen erlassen. Ab 1932 wurde mit dem "Brachtschen Erlass" endgültig das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von Tätowierten allgemein verboten.

Miss Käthe einzig reisende tätowierte Kolossal-Dame
Ohne Konkurrenz | 07.07.1907

Mia Askaria, der Stern der Kunst ca. 1910

Fräulein Marie, tätowierte Dame,
genannt Die Perle vom Rhein | 27.04.1905

Das Wort “tätowieren” stammt von dem tahitischen Wort “Tatau”, was soviel bedeutet wie “die Haut ritzen”, ab.

La Bella Angora

Sie war eine Deutsche, kunstvoll tätowierte Dame, die in verschiedenen Zirkussen und Panoptiken auftrat. La Bella Angora behauptete gegen ihren Willen von Wilden in fernen Ländern tätowiert worden zu seien. Diese Behauptung trug zu ihrer Popularität erheblich bei. Sie war so erfolgreich, dass es unzählige Fotos, Postkarten und Poster von ihr bis heute gibt.

Die Münchner Allgemeine Zeitung schrieb über ihren Auftritt, auf dem Müncher Oktoberfest im Jahr 1891: Die Haut des hübschen Fräuleins glänzt und fühlt sich wie Samt an; die Nacktheit erscheint aufgehoben.

              

      Annie Frank kunstvollst tätowierte        La bella Angora, die kunstvollst           Salome - Die einzig dastehende 
                Dame der Gegenwart                    tätowierte Dame der Erde              in 7 Farben tätovierte Schönheit:
                                                             Unstreitig die beste ihres Genres                       Ohne Konkurrenz!

                 

       Salome - Die einzig dastehende                        MADIAH SURUTH                FLORIDA IDONA, die Perle der Kunst.
       in 7 Farben tätovierte Schönheit.

Siegmund Breitbarth (1893-1925)

Siegmund Breitbarth wurde vermutlich am 22. Februar 1893 in Stryków bei Łódź/Polen geboren. Er war ausgebildeter Ringer und Artist. Er wurde als „Der Eisenkönig“ bekannt. Der strenggläubige Jude, der schon als Kind durch seine Körperkraft aufgefallen war, wurde nach einem Kurzaufenthalt in Berlin weiter in die USA geschickt, um als Ringer ausgebildet zu werden.

Zurück in Berlin ließ er sich eine Gladiatorenrüstung mit einem „goldenen“ Helm fertigen und lenkte als „Der letzte Gladiator“ eine Quadriga in Festsälen und Arenen. Er verblüffte das Publikum, indem er nicht nur von Zuschauern mitgebrachte Hufeisen zerbrach, sondern sich während seines Auftritts selbst eins schmiedete – aus kaltem Eisen und nur mithilfe seiner Fäuste. Außerdem ließ er große Steine auf seinen Kopf fallen und trieb sich Nägel in seinen Körper. Im Jahr 1923 trat er im Stummfilm „Der Eisenkönig“, Regie Max Neufeld (1887-1967) auf, der Film ist noch erhalten.

Siegmund Breitbart starb am 12. Oktober 1925 mit nur 32 Jahren in Berlin an einer Blutvergiftung, nachdem er sich bei einem Auftritt versehentlich einen Stahlbolzen ins Knie getrieben und sich die Wunde anschließend entzündet hatte. Er wurde auf dem Adass-Jisroel-Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Seine Bestattung führte zu Tumulten, da der Friedhof nicht auf die große Anzahl von Trauernden eingerichtet war. Die Beisetzung des Eisenkönigs wurde von mehreren Kamerateams festgehalten.

                

       Tatour de l`afrique | 02.07.1902       Am ganzen Körper tätowierter Mann     Eisenkönig Breitbarth II. Artist und 
                                                                               13.06.1908                       tätowierter Exzentriker aus Berlin

    

       Leute die zur See fahren wollen
    müssen tätowiert sein! | 18.02.1921

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text - ab Im Jahr 1911...
Stefan Nagel / Text - www.riesendame.blogspot.com / www.schaubuden.de
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie

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