Stolpersteine in Linden
Ein Stolperstein für den Drogisten Herbert August Erhardt (1901–1942) von Rainer Hoffschildt
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Herbert August Ehrhardt wurde am 27. Januar 1901 in Gehrden bei Hannover geboren. In den 1930er Jahren wohnte er in der Deisterstraße 16 in Hannover-Linden und betrieb eine gut gehende Drogerie. Eine Zeitzeugin, die Anfang der 1950er Jahre die Drogerie übernahm, beschrieb sein Äußeres: Er erschien ihr groß, etwas stämmig und beleibt. Sein Haar war schon grau. Sie hielt ihn für hilfreich. Ein anderer Zeitzeuge, ein Geschäftsnachbar, beschrieb ihn als gutmütigen Typ und wusste auch von seiner Homosexualität, die er wohl auch kaum verbarg. Wegen seiner Homosexualität wurde er noch vor dem Zweiten Weltkrieg verhaftet und verurteilt. Seine Schwester, die die Drogerie weiterführte, besuchte ihn noch im Gerichtsgefängnis. Im Mai 1941 kam Herbert August Ehrhardt in das KZ Natzweiler und erhielt die Nummer 170. Vorher muss er noch in einem weiteren KZ gewesen sein, denn es wird die weitere Häftlingsnummer 35.845 angegeben. 1942 traf ihn ein Bekannter aus Hannover im KZ Natzweiler, in Frankreich wieder. Beide waren wegen ihrer Homosexualität hierher gekommen. Er beschrieb ihn als einen fürsorglichen, femininen Typ betulicher Art, der andere gerne verwöhnt. Durch diesen Zeitzeugen, der mehrere Konzentrationslager überlebte, ergaben sich erste Hinweise auf Ehrhardt. Er berichtete über die furchtbaren Verhältnisse im KZ und dass täglich mehrere Häftlinge an den Haftbedingungen starben; er wusste auch, dass Herbert August Ehrhardt dort starb. |
Das Foto (ca. 1990 aufgenommen) zeigt das Haus Deisterstraße 16, in dem sich die Drogerie befand. |
Neben den Eintragungen im Adressbuch Hannovers fand sich eine Notkarte des Meldeamtes im Stadtarchiv. Auf ihr war die Meldung des Sonderstandesamtes in Arolsen verzeichnet, wonach Herbert August Ehrhardt am 15. November 1942 in Natzweiler verstorben war. Er wurde nur 41 Jahre alt, die Sterbeurkunde nennt als angebliche Todesursache „Uraemie“, also Harnstoffvergiftung.
Am 03. März 2009 wurde durch den Künstler Gunter
Demnig in der Deisterstraße 16 der * Stolperstein gesetzt. |
Stolpersteine für die Familie Speier-Goldschmidt und Wilhelm Bluhm (1898-1942)
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Es wurden am 03. März 2009 noch weitere Stolpersteine in Hannover-Linden verlegt. In der Blumenauer Straße 10 wurden sechs Steine für die jüdische Familie Speier-Goldschmidt gesetzt. Für Johanna Goldschmidt geb. Neuberg (Jg. 1878, Flucht in den Tod am 25. August 1939), die Eheleute Hella Goldschmidt geb. Wolffs (Jg. 1913, Deportiert 1941 nach Riga, verstorben 1945 in Schlewe/Pommern) und Hans Goldschmidt (Jg. 1902, Deportiert 1941, verstorben in Salaspils). Für das Ehepaar Else Speier geb. Goldschmidt (Jg. 1898, Deportiert 1941, verstorben in Riga) und Ludwig Speier (Jg. 1887, Deportiert 1941, verstorben in Riga) sowie deren Tochter Lore Speier (Jg. 1923, Deportiert 1941, verstorben in Riga). Die Verlegung der Stolpersteine wünschte sich Tamar Feuchtwanger aus Jerusalem, in Israel für ihre Familienangehörigen. Frau Feuchtwanger ist eine Hannoveranerin, geboren 1916 in der Eichstraße 1, in der List.
In der Nedderfeldtstraße 8 wurde ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Wilhelm Bluhm (1898-1942) gesetzt. Seit 1934 war Wilhelm Bluhm Mitglied der Sozialistischen Front (SF), die sich zu einer der größten Widerstandsorganisationen im Dritten Reich, entwickelte und verteilte die von den Nationalsozialisten verbotene Zeitung Sozialistische Blätter. Nach der ersten größeren Verhaftungswelle gegen Mitglieder der Organisation übernahm er im Frühjahr 1935 die Leitung der vierten Abteilung Linden-Nord. 1936 wurde die Sozialistische Front zerschlagen, nachdem es der Gestapo (Geheime Staatspolizei) gelungen war, einen Spitzel einzuschleusen. Wilhelm Bluhm wurde am 15. September 1936 in seiner Wohnung in der Nedderfeldstraße 8 festgenommen und zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Hameln absaß. Nach Ende der Strafe nahmen ihn die Nationalsozialisten erneut in Schutzhaft und transportierten ihn, gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Sozialistischen Front, in das KZ Sachsenhausen, bei Berlin. Dort starb Wilhelm Bluhm am 25. Juli 1942 mit nur 44 Jahren. Der Stolperstein wurde auf Initiative der Otto-Brenner-Akademie und der Lindener Geschichtswerkstatt verlegt. |
Stolpersteine für Max und Margarethe Rüdenberg
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Die Rüdenbergs errichteten und betrieben ab 1896 eine Bettfedernfabrik (Import und Reinigung chinesischer Bettfedern und Daunen), mit eigenen Niederlassungen in China, an der Wunstorfer Straße 18 in Limmer. In der Fabrik fanden 1916 etwa 60 Menschen Arbeit. Max Rüdenberg war Gründungsmitglied und gehörte als Schatzmeister zum Vorstand des Warteschulvereins-Limmer, der von 1904 bis 1906 das heutige Kinderheim Limmer baute, wo damals viele Kinder, während ihre Eltern als Binnenschiffer oder in den Fabriken arbeiteten, umsorgt wurden. Herr Rüdenberg war ab 1909 nach der Eingemeindung Limmers in die Stadt Linden bis Ende 1919 Limmers gewählter Bürgervertreter im Lindener Magistrat, und von 1920 bis 1925 Mitglied des Rates der Stadt Hannover. Mit anderen gründete er im Jahr 1916 die Kestnergesellschaft. Max Rüdenberg besaß eine wertvolle Sammlung “ostasiatischer Kunstgegenstände“. Die Rüdenbergs waren Juden. Anlass genug, dass sie ab 1933 angefeindet wurden, so dass ihre Kinder Ernst und Eva 1936 und 1939 nach Kapstadt und England emigrierten. Die Eltern blieben jedoch in Hannover und wurden zum Verkauf ihres Vermögens (die Stadt Hannover kaufte am 21. Februar 1942 unter Wert das Grundstück der Schwanenburg in der Wunstorfer Straße 18) genötigt. Um trotzdem auf dem verbleibenden Restgrundstück wohnen bleiben zu können, baute Max Rüdenberg das Obergeschoss eines alten Sortier- und Lagerhauses zu einer 2-Zimmer-Wohnung mit Balkon in der Wunstorfer Straße 16 a aus. Dieses Haus wurde im September 1941 zu einem der 15 Judenhäuser in Hannover deklariert. Im Dezember 1941 wurden 41 Bewohner des Hauses nach Riga deportiert. Mit Verfügung vom 01. Juli 1941 ging das gesamte Vermögen der Rüdenbergs in den Besitz des Deutschen Reiches über. Am 23. Juli 1942 werden die Rüdenbergs und weitere 22 Bewohner des Hauses Wunstorfer Straße 16 a ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Max Rüdenberg stirbt am 26. September 1942 im Alter von 79 Jahren, Margarethe Rüdenberg stirbt am 29. November 1943 im Alter von 64 Jahren. Die Rüdenbergs starben wahrscheinlich an den Folgen der unzureichenden Ernährung und medizinischen Versorgung in Theresienstadt.
Am 13. November 2008 wurden zum Gedenken an die Eheleute Max und Margarethe Rüdenberg an der Wunstorfer Straße 16 a. in Hannover-Limmer zwei Stolpersteine verlegt. |
Ein Stolperstein für den Zauberkünstler Ernst Schünemann (1897–1941) von Rainer Hoffschildt
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Der * Zauberkünstler Ernst Schünemann wurde am 11. Februar 1897 in Hannover geboren. [1] Seit seiner Geburt war er mit einigen Unterbrechungen in der Limmerstraße 71 angemeldet. Nach der Schule lernte er Koch. Als Freiwilliger zog er in den Ersten Weltkrieg, kam in Kriegsgefangenschaft und wahrscheinlich erst 1920 wieder frei. Zunächst arbeitete er wieder in seinem erlernten Beruf, trat dann aber ab 1924 als Artist und Zauberkünstler auf. Verhaftung 1939 - Verurteilung - Zuchthaus in Hameln Anfang 1939 wurde Ernst Schünemann verhaftet und am 07. Februar 1939 im Gerichtsgefängnis Hannover inhaftiert. Er wurde im März 1939 vom Luftwaffengericht Berlin mit drei weiteren Zeugen aus Hannover nach Magdeburg angefordert. Einer von ihnen war der am 07. Mai 1903 in Hannover geborene Richard Lange, der noch 1939 in Hannover verurteilt wurde, 1941 in polizeiliche Vorbeugungshaft genommen wurde und 1942 als §-175-Häftling im KZ Mauthausen II in Österreich starb. Zu dieser Gruppe gehörte unter anderem auch dessen langjähriger Freund. Einer der Beteiligten hat bei der Luftwaffe gedient. Es handelte sich offensichtlich um einen schwulen Freundeskreis in Hannover. Noch im selben Monat kamen sie nach Hannover zurück. Am 03. Oktober 1939 stand Ernst Schünemann dann selbst vor Gericht. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn aufgrund der Paragraphen 175 und 175a Strafgesetzbuch wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Zuchthaus. Zur Last gelegt wurden ihm 13 Fälle homosexueller Handlungen, darunter auch zwei „Versuche“, die ebenfalls strafbar waren. Weil er anscheinend ein „gewöhnlicher“ Schwuler war, merkte das Nazi-Gericht die selten geäußerte Meinung an: „Der Angeklagte ist auf dem Gebiet der Unzuchtshandlungen mit Männern zwar ein Gewohnheitsverbrecher, aber kein gefährlicher Gewohnheitsverbrecher ...“ Er war nicht vorbestraft. Noch im selben Monat transportierte man Ernst Schünemann in das Zuchthaus Hameln. Dort wurde er im Februar 1941 mit einer Lungenentzündung in das Anstaltslazarett eingeliefert. Seine Krankheit verschlimmerte sich. Am 14. Februar 1941 teilte die Anstalt seiner Mutter in Hannover mit, dass ihr Sohn in das Stadtkrankenhaus Hameln verlegt worden sei. Am selben Tag verstarb er im Alter von nur 44 Jahren. Sein Tod dürfte auch durch die schrecklichen Haftbedingungen im Zuchthaus Hameln verursacht worden sein. Am 13. November 2008 wurde durch den Künstler Gunter Demnig in der Limmerstraße 71 der Stolperstein gesetzt. Die Patenschaft für seinen * Stolperstein hat Detlef Simon, der Zauberkünstler und Entertainer Desimo, übernommen. Die zeitgemäße Postkarte zeigt das Haus, in dem der Artist und Zauberkünstler Ernst Schünemann wohnte. Es ist das zweite Haus nach dem Eckhaus auf der linken Seite der Limmerstraße in Hannover-Linden. |
Tod im Zuchthaus - Ein „Stolperstein“ für den Zauberkünstler Ernst Schünemann
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halloSonntag vom 09. November 2008 LINDEN-NORD. Gunter Demnig, seit geraumer Zeit bundesweit in Sachen seines Kunstprojektes „Stolpersteine“ unterwegs, wird am Donnerstag, 13. November, um 15.30 Uhr an der Limmerstraße 71 einen „Stolperstein“ für den im Februar 1941 verstorbenen homosexuellen Zauberkünstler und Artisten Ernst Schünemann verlegen. Ernst Schünemann, der bis zu seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten Anfang 1939 im Haus Limmerstraße 71 gemeldet war, wurde am 3. Oktober 1939 vom Landgericht Hannover auf Grundlage der Paragraphen 175 und 175a des Strafgesetz- buches wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Noch im selben Monat transportierte man ihn in das Zuchthaus Hameln. Zwei Jahre später, am 14. Februar 1941, wurde Ernst Schünemann mit einer schweren Lungen- entzündung vom Anstaltslazaret in das Stadtkrankenhaus Hameln verlegt. Er verstarb am selben Tag im Alter von 44 Jahren. Die Patenschaft für den „Stolperstein“ Ernst Schünemanns wird der Zauberkünstler und Entertainer Detlef Simon („Desimo“) übernehmen. |
Eine zeitgenössische Postkarte aus dem Archiv von Andreas-Andrew Bornemann zeigt das Gebäude, in dem der Zauberkünstler Ernst Schünemann bis zu seiner Verhaftung wohnte. Es ist das zweite Haus nach dem Eckhaus auf der linken Seite der Limmerstraße. Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Kunstprojekt „Stolpersteine“ an Menschen, die zu Opfern des NS-Regimes wurden. Die „Stolpersteine“ werden von Demnig dort ins Trottoir gesetzt, wo diese Menschen ihren letzten selbstgewählten Wohnort hatten. Für weitere „Stolpersteine“ in Limmer und Linden setzt sich aktuell die Geschichtswerkstatt der Otto-Brenner-Akademie ein. Sie sollen an die während der NS-Zeit ermordeten Antifaschisten und Widerstandskämpfer Franz Nause (Limmer) und Wilhelm Bluhm (Linden) erinnern.
Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © halloSonntag |
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Ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Franz Nause (1903-1943) in Hannover-Limmer
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Der Metallarbeiter Franz Nause wurde am 15. Februar 1903 in Achtum bei Hildesheim geboren und kam in frühen Jahren nach Hannover-Limmer. Er war der engste Mitarbeiter und Vertraute von Werner Blumenberg (1900-1965), Blumberg war der Gründer und Koordinator, der Sozialistischen Front (SF). Noch während seiner Schlosserlehre 1919 trat Franz Nause in die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), und 1921 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. 1931 trat er dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, einer Schutzorganisation der Weimarer Republik gegen die Nationalsozialisten bei. Von 1921 bis 1932 war er als Arbeiter bei der Excelsior-Pneumatic AG, später: Continental Gummi-Werke AG Hannover-Linden in Limmer beschäftigt, und wurde dann im Sommer 1932 arbeitslos. Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler (1889-1945) im Jahr 1933 war Franz Nause vier Tage in Haft. Danach baute er als technischer Leiter die Organisation der Sozialistischen Front (SF) auf. Am 30. Juni 1936 verhaftete ihn die Gestapo erneut, ein Jahr später, am 23. September 1937 wurde er als Rädelsführer wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei Jahre verbrachte er im Zuchthaus Hameln, dann starb Franz Nause am 20. März 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Göhrden an den Folgen der Folterungen und jahrelanger Unterernährung. Seine Urne wurde im April 1943 auf dem Stadtfriedhof Ricklingen in der Abteilung U 43, Nr. 29. beigesetzt. Heute ist sein Grab, ein Ehrengrab der Landeshauptstadt Hannover. 1950 wurde in Limmer der ehemalige Gartenweg in Franz-Nause-Straße umbenannt. STEIN FOTO Am Montag, den 22. März 2010 wurde an der Kesselstraße 19, dem letzten Wohnort Franz Nauses vor seiner Verhaftung, durch den Künstler Gunter Demnig der Stolperstein gesetzt. Der Stolperstein wurde auf Initiative der Otto-Brenner-Akademie und der Lindener Geschichtswerkstatt verlegt. |
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Netzwerk Erinnerung und Zukunft Region Hannover | www.erinnernundzukunft.de |
Literatur- und Quellenverzeichnis
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Andreas-Andrew Bornemann / Fotos / Postkarte /
Text - Stolpersteine für Max und Margarethe Rüdenberg, Familie
Speier-Goldschmidt, Wilhelm Bluhm und Franz Nause Stadtarchiv Hannover [1] 1. Haftakte, Niedersächsisches
Hauptstaatsarchiv Hannover Hann. 86 Hameln 143/90, 1939/260; * Von Ernst Schünemann ist nach derzeitigem Kenntnisstand kein Foto erhalten. * Stolpersteine erinnern an Menschen, die Opfer
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. 11/2008 | 02/2009 |






