Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Presse 2011-2012
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012

Presseberichte über das Postkarten-Archiv oder mit Bildmaterial aus dem Postkarten-Archiv | 2011-2012

Katholische Kirchengemeinde St. Godehard - Gemeinsam | Frühjahr 2012

STADTTEILGESCHICHTE

Hier pulsiert das pralle Leben: Linden-Nord

Geografisch wird Linden-Nord durch die Fössestraße und die Spinnereistraße im Süden, durch die Leine und Ihme im Norden und Osten und durch den Westschnellweg im Westen abgegrenzt. Von der „Champs-Élysées“ Lindennords aus, der Limmerstraße, lassen sich viele interessante Geschäfte und ehemalige Fabriken erkunden. 1861 erhielt die Straße ihren Namen und war bereits zu der Zeit Angelpunkt von vielen Geschäften, wie etwa der Leinaufabrik (Tapetenherstellung), einer Seifenfabrik, der Gummiwerke und weiterer Geschäfte, die in Linden bedeutend waren.

Eine Institution, die sich direkt im oberen Teil der Limmerstraße befindet, ist bis heute das Apollokino. Es wurde 1908 gegründet und ist somit eines der ältesten noch bestehenden Lichtspieltheater. Schlendert man nun die Limmerstraße entlang Richtung Leinaustraße und biegt dann rechts ab, stößt man auf unsere St. Benno-Kirche. 1901 wurde sie erbaut und 1906 durch Bischof Adolf Bertram geweiht. St. Benno ist im neo-gotischen Backstein-Stil nach den Plänen des Architekten Christoph Hehls realisiert worden. Gerade durch das selbstbewusste Auftreten von Pastor Offenstein und Pastor Bank gewann die Gemeinde während der Jahre bis 1945 ein regimekritisches Profil und konnte dann auch in der Nachkriegszeit bei der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen wertvolle Hilfe leisten. Nicht unweit der Kirche befindet sich das Kulturzentrum FAUST auf dem ehemaligen Gelände der Bettfedernfabrik Werner& Ehlers, die 1861 gegründet wurde, aber erst 1890 nach Linden kam. Hauptaufgaben der Fabrik waren die Reinigung und das Sortieren der Federn. Nach ihrer Schließung wurden im Frühjahr 1989 Überlegungen zur Umnutzung angestellt – die Geburtsstunde der FAUST. Über aktuelle Themen berichtet von jeher der lokale Radiosender Radio Flora, der 1993 gegründet und seit 1997 „on Air“ ist. Er befindet sich direkt neben der FAUST. Da dem Sender, der aufgrund eines Modellversuchs entstanden ist, die Lizenz entzogen wurde, sendet Radio Flora seit März 2009 via Internet. E. Sch.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Katholische Kirchengemeinde St. Godehard

Katholische Kirchengemeinde St. Godehard - Gemeinsam | Sommer 2011

STADTTEILGESCHICHTE

Limbere

Vielleicht ahnen Sie es ja schon, um welchen Stadtteil es diesmal geht? - Limmer.

Limmer geht auf die Burg (Castrum Limbere) des Grafen Conrad I von roden zurück. 1187 wurde die Burg das erste Mal erwähnt, jedoch nicht genau lokalisiert. Das Castrum Limbere schien eine ehren- und wehrhafte Burg zu sein, nannten sich doch viele Nachkommen des Grafen nun nicht mehr von roden (ebenfalls nach einer Burg benannt), sondern von Limmer. Im mittelalter, nachdem die Burg zerfallen war, galt Limmer eher als ein armes Dorf. Seine Situation verbesserte sich erst im 18. Jhd., als Asphaltkalk und eine Schwefelquelle entdeckt und alsbald fleißig abgebaut wurden. über der Schwefelquelle errichtete Limmer einen Heilbadebetrieb. Lehm war in und um Limmer ebenfalls zahlreich vorhanden, so dass Sprachwissenschaftler vermuten, dass der Name „Limmers“ von „Lehmberg“ stammt.

Zu Ruhm kam das Dorf maßgeblich durch das Wirken des Geistlichen Jacobus Sackmann (1643-1718), der es verstand die Menschen mit seinen predigten anzusprechen und zahlreich in die St. Nikolaikirche zu locken. Gefürchtet war er lediglich von den adligen, da er ihr Fehlverhalten in seinen predigten schonungslos kritisierte. Durch die, schon in anderen Stadtteilartikeln erwähnte, Kopfsteuer im Jahre 1689 ergab sich für Limmer eine Einwohnerzahl von 167. Zum Vergleich: Heute sind es 5.915.

1808 veränderte ein Großbrand das Dorfbild Limmers und auch die Industrialisierung Lindens ließ den ländlichen Charakter des Dorfes zunehmend verblassen. Die wichtigste Fabrik, neben der Firma Stichweh, war die Gummi-Kamm-Fabrik (heute Excelsior), die 1898 bereits tausend Beschäftigte hatte und Jahre später mit der Continental Gummi- Werke Ag fusionierte. Doch zuvor wurde Limmer in Linden 1909 eingemeindet.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Katholische Kirchengemeinde St. Godehard

Südstadt Nachrichten 07 | 01. Juli 2011

Seit 1845 Hildesheimer Straße

Seit 1845 existiert die Hildesheimer Straße, die heute als eine der großen hannoverschen Hauptverkehrsstraßen vom Aegidientorplatz in der Südstadt bis nach Laatzen hinein (Ecke Urnenfeldstraße) führt. Zur weiteren Geschichte nachfolgend ein Auszug aus dem Buch „Die Südstadt in Hannover – Ein Beitrag zur Geschichte und Entwicklung eines Stadtteiles aus der Sicht eines Südstädters“ von Helmut Jacob:

„Die Hildesheimer Straße, seit 1845 so bezeichnet und seit 1750 auf alten Karten als Chaussée nach Hildesheim, Braunschweig und Goslar angegeben, führte bis 1860 durch die Höltystraße. Es war der alte Postweg nach diesen Städten, wobei der Postweg nach Braunschweig in Döhren etwa bis 1850 auf der heutigen Peiner Straße abzweigte.

Der Döhrener Turm steht seit 1382 an der Einmündung der Alten Döhrener Straße in die Hildesheimer Chaussee, damals als äußerster Wachtposten an der südlichen Stadtgrenze. Mancher Hannoveraner kennt noch aus der Heimatkunde in der Volksschule die Geschichte vom Überfall des Braunschweiger Herzogs Heinrich des Älteren, der von 1486 bis 1491 versuchte, Hannover einzunehmen. 1486 ließ er durch ein gelegtes Feuer die Turmwächter ob im Turm umkommen. Ob sich das 1486 oder 1490 ereignet hat, ist nicht mehr nachweisbar, genauso wie die Anzahl der umgekommenen Wächter. Am südlichen Pfeiler der Aegidienkirche ist das Ereignis mit sieben Wächtern dargestellt. Nach dem Erstellen der Bebauungspläne entwickelte sich eine enorme private wie auch ein paar Jahre später öffentliche Bautätigkeit. Um 1860 baute man die Hildesheimer Chaussee aus, um eine möglichst geradlinige, durchgehende Nord-Süd- Verbindung von Herrenhausen über die Georgstraße bis nach Döhren zu bekommen. Zu den ersten Häusern an der Hildesheimer Straße: Die erste Nummerierung der Grundstücke ca. ab 1843 ging bis zum heutigen Altenbekener Damm durchlaufend rechts ab Aegidientorplatz von Nr. 1 bis 32 und auf der östlichen Seite von Nr. 33 bis Nr. 54 wieder zurück bis Aegidientorplatz.

Haus Nr. 54 (Höhe Siebstraße) beherbergte eine große Tischlerei mit Werkstätten im Hinterhaus. Sehr viele Grundstücke der nachfolgend bebauten ersten Straßen waren mit Hinterhäusern meist nur ein- bis zweigeschossig besetzt. Vom Aegidientorplatz bis zum Altenbekener Damm waren von 32 Grundstücken sieben nicht bebaut. Größere Mietshäuser und kleinere zweigeschossige wechselten ab.

In Nr. 12 befand sich das erste und älteste 1856 eröffnete Restaurant namens Winter. In Nr. 18 wohnte der beliebte und bekannte Schauspieler Carl-August Devrient (gest. 1872), am Hoftheater seit 1839. Zwischen Hermann- (heute Bürgermeister-Fink-Straße) und Freytagstraße standen schon hübsche dreigeschossige Häuser mit 7-Zimmer-Wohnungen, Remisen für Kutschen und Pferdeställen mit Kutscherwohnung hinter den Häusern. Eine frühere alte Bewohnerin konnte sich daran erinnern. Sie selbst ist in einem dieser Häuser, heutige Nr. 66, aufgewachsen. In dem Eckhaus hatte ein Maurermeister seinen Betrieb mit einem dahinter liegenden Bauplatz. Auf der gleichen Seite befand sich das erste Café. Zwischen dem Altenbekener Damm und dem Döhrener Turm lagen Felder.

Auf der Höhe der Heinrich-Heine-Straße gab es zwei große viergeschossige Häuser. An der Ecke der seit 1875 angelegten Bandelstraße stand ein sogenanntes Kosakenhaus. Zwischen Krausen- und Feldstraße befand sich die Kornbrennerei Peters.

Insgesamt standen in der Hildesheimer Straße 49 Häuser, davon waren zehn Villen und neun dreigeschossige, große Mietshäuser. Die restlichen Häuser waren kleiner, praktisch Doppelreihenhäuser mit zwei bis drei Wohnungen. Es waren 160 Haushalte registriert. Die geschilderte Entstehung der Hildesheimer Straße darf nicht abgeschlossen werden, ohne die Straßenbahn zu erwähnen. 1872 wurde die erste Pferdebahnlinie vom Steintor zum Döhrener Turm eingerichtet. Gleichzeitig wurden dem Turm gegenüber Pferdeställe, Remisen, Personalwohnungen etc. gebaut. Nach der Erfindung des dynamoelektrischen Prinzips durch Werner von Siemens fuhren 1893 in Hannover die ersten elektrischen Triebwagen, allerdings mit Akkubetrieb. Ab 1892 wurden dann die Strecken systematisch ausgebaut und auf Oberleitungsbetrieb umgestellt.

Ab 1899 fuhr die vielen Älteren noch gut in Erinnerung gebliebene Rote 11 in 80 Minuten jede Stunde über Rethen und Sarstedt nach Hildesheim, eine Strecke von 29 Kilometern.“

Quellen: Die Südstadt in Hannover, Helmut Jacob
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Südstadt Nachrichten

Lister Nachrichten 10 | 20. Mai 2011

Seit 1904 Podbielskistraße

Die Podbielskistraße ist mehr als nur eine der wichtigen Ein- und Ausfallstraßen Hannovers. Sie ist mit ihrer wechselvollen Geschichte, mit dem Mix aus Tradition und Moderne gleichzeitig auch eine Art Kaleidoskop für die Entwicklung der Stadt in den vergangenen gut 100 Jahren. Kaum anderswo in der Stadt ist beispielsweise der Wandel Hannovers vom industriellen Standort zu einem der norddeutschen Dienstleistungszentren so nachzuzeichnen wie hier. Selten sonst findet sich in Hannover das Wechselspiel zwischen klassischer Gründerzeitarchitektur und moderner Wohnkultur so prägnant wie auf den gut fünf Kilometern beidseits dieser Straße. Und kaum deutlicher als hier lassen sich die besonderen Kontraste Hannovers als moderne Metropole mit einzigartigem Grünwert festmachen wie im Wechselspiel zwischen verdichteter Bauweise und angrenzendem Erholungsgürtel der Eilenriede. In drei entscheidenden Entwicklungsschritten wird der Strukturwandel an der Podbielskistraße sichtbar: nämlich in den Abschnitten der Gründerzeit, der Umnutzung in den 1990er Jahren und der Umsetzung städtebaulicher Projekte einschließlich der noch bevorstehenden Projekte und ihren Entwicklungspotenzialen. Dabei konnten sieben charakteristische Standorte ehemaliger Industrie- und Gewerbebrachen erhalten und mit qualitätvoller Architektur ergänzt werden. Besonders erfreulich ist, dass dies auch für die dortigen historischen Industriebauten gilt, die als prägend für das Stadtbild und die geschichtliche Entwicklung an der Podbielskistraße gelten müssen.

Die Podbielskistraße (benannt nach dem königlichpreußischen Generalleutnant Victor Adolf Theophil von Podbielski, * 26. Februar 1844 in Frankfurt (Oder); † 21. Januar 1916 in Berlin) – bis 1904 „Celler Chaussee“ – hat sich bis heute zur wichtigsten Ein- und Ausfallstraße für den Stadtteil List und das östliche Stadtgebiet entwickelt. Sie ist städtebaulich nicht nur eine der bedeutendsten, sondern auch eine der längsten Straßen Hannovers. Geht man zurück in die Gründerzeit, befand sich vor 1900 an der Podbielskistraße bis auf den historischen Lister Turm von 1898 und vereinzelte Hofstellen keine Bebauung. Die heute vorhandenen Zeilen und Blöcke mit begrünten Innenhöfen entwickelten sich, ausgehend vom Lister Platz, erst nach 1900.

Der Bau der Straßenbahn 1897 und die Anbindung an die elektrische Versorgung der Stadt gehörten zu den Voraussetzungen für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. Die Podbielskistraße gewann an Bedeutung, um so mehr, als in der Nähe der neuen Arbeitsstätten in den 1920-er und 1930-er Jahren große zusammenhängende Wohngebiete entwickelt wurden. Beispiele dafür sind Quartiere wie Im Kreuzkampe oder Liststadt. Die Industriebauten der Gründerzeit waren weit davon entfernt, nur reine Zweckbauten zu sein. Sie waren vielmehr Zeugnis eines unternehmerischen „Zeitgeistes“, einer lebensreformerischen, sozialen und kulturellen Verantwortung für die Gemeinschaft. Dies spiegelt sich wider im Bau von architektonisch bedeutsamen Industriegebäuden wie Bahlsen, Pelikan, Grammophon oder Geha. Mit den historischen Industriebauten wurden Adressen für die Podbielskistraße geschaffen. Diese historischen Bauwerke geben bis heute einen hohen Standard vor, an dem sich auch die modernen Bauten unserer Tage messen lassen müssen: Das Prinzip des Nebeneinanders von qualitätvollem Alt- und Neubau ist bis heute Maßstab für die neue Architektur geblieben.

Ab den 1990-er Jahren wurden die Industriestandorte aufgegeben und der Beginn der Umwandlung der Flächen zu gemischt genutzten Quartieren begann. Die Bebauung entlang der Straße hat den Stadtkern über die Jahrzehnte vom Lister Platz aus weiter stadtauswärts verschoben. Mit der Nähe zu Autobahnkreuz und Flughafen sowie dem Bau der Stadtbahn gewann die Straße an Standortattraktivität für Büro- und Gewerbenutzungen sowie Dienstleistungen, verbunden mit modernen Wohn- und Freizeitangeboten zwischen Mittellandkanal und Eilenriede. Dies hat in den 1960-er und 1970-er Jahren wiederum zu vielen Neuansiedlungen weiterer Unternehmen geführt. Heute ist die List insgesamt ein attraktives und bei der Einwohnerschaft beliebtes Wohngebiet. Auch für die Zukunft werden entlang der Podbielskistraße Standorte für Wohnungsbau gesichert.

Die Bahlsen-Keksfabrik

Gegründet 1889 in der Friesenstraße, ließ sich die Keks-Fabrik Bahlsen 1893 an der Lister Straße nieder und dehnte sich in den folgenden 20 Jahren bis an die Podbielskistraße aus. Die älteren Bauten stammen von der Baufirma Riesle & Rühling. Für die Erweiterung von 1910/11 zog man die Brüder Siebrecht hinzu, unter deren Regie Hauptgebäude (Stammhaus) und Feuerwache an der Podbielskistraße sowie das Fabrikationsgebäude an der Lister Straße entstanden. Die Gebäude stehen seit 1978 unter Denkmalschutz.

Das Stammhaus zählt zu den architektonisch herausragendsten Zeugnissen des Jugendstils in Hannover. Mehrfach tauchen an der repräsentativen Travertinfassade Darstellungen des Leibniz-Kekses auf – des weltberühmten Butterkekses mit den 52 Zähnen. Vom Fabrikationsgebäude blieben die Massenverteilung des Baukörpers, die Fassadengliederung in den drei unteren Geschossen das aparte Farbenspiel des Ziegelmaterials und der Terrakottaschmuck von G. Hertling erhalten. An auffälliger Stelle über dem Tor befinden sich Fries und Hexe, die in Beziehung zu dem Hänsel-und-Gretel-Brunnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen (Stifter Bahlsen, Architekt Siebrecht, Bildhauer Hertling).

Mit Beginn der 1970-er Jahre machte Bahlsen den Schritt ins internationale Geschäft. 1976 zog die Firmenverwaltung aus dem Hauptgebäude in ein neues Bürogebäude auf dem Firmengrundstück am Mittellandkanal. 1987 wurde die Produktion vom Werk 1 in Hannover aus Platzmangel ins Werk 3 nach Barsinghausen ausgelagert. Ein Investor kaufte das Gelände 1990. 2001 wurde der Firmensitz wieder in das alte Stammhaus zurückverlegt. Der Abriss des Bürogebäudes am Mittellandkanal erfolgte 2002. Dort entstand seit 2002 das Wohngebiet „Lister Blick“.

Der Enkel des Unternehmers, Werner Michael Bahlsen, ließ das Stammhaus ab 1990 von dem Architekten Bünemann für rund fünf Millionen Euro umbauen. Ziel war es, den Industriebau behutsam in ein Bürogebäude umzuwandeln. Die Mitte des Bahlsen-Bauwerks erhielt ein Glasdach. Die weitere Umnutzung erfolgte durch die Architekten Lindner+Böge. Die Architektur des Podbi-Parks mit dem 1995 gebauten Rundbau eines Vier-Sterne- Hotels bekam den Preis des BDA (Bund Deutscher Architekten) Niedersachsen. Der Schornstein, Wahrzeichen der ehemaligen Keksfabrik, blieb als Industriedenkmal erhalten.

2000 war die Umnutzung auf dem ehemaligen Gelände der Keks-Fabrik Bahlsen zu einem Geschäfts-, Büro- und Hotelzentrum mit 50.000 Quadratmetern Nutzfläche abgeschlossen, die Geschäftspassage im Podbi-Park wurde eröffnet. Dort befinden sich heute gastronomische Einrichtungen, Einzelhandel, Jugend- und Stadtbibliothek und eine siebengeschossigen Tiefgarage. 1997 zog das erste Bürgeramt der Stadt im Podbi-Park ein. Seit 2006 gibt es auch einen Fabrikladen von Bahlsen. Weiter entstand im Anschluss an das ehemalige Werksgebäude Lister Straße / Ecke Waldstraße ein attraktiver Geschosswohnungsbau mit 161 Wohnungen und Reihenhäusern im entkernten Innenhof des ehemaligen Fabrikgeländes. Bei der Sanierung konnten begrünte Innenhöfe geschaffen werden. Im denkmalgeschützten ehemaligen Industriekomplex an der Lister Straße ist ein Branchenmix mit Dienstleistungen, Büronutzungen, Arztpraxen, Medien, Design, Krankenkasse, bis hin zu Wissenschaftszentrum Hannover-List und TÜV Nord vertreten.

Das Pelikan-Viertel

Die 1838 gegründete Firma Pelikan zog 1906 vom Engelbosteler Damm an die Nordseite der Podbielskistraße. Dort war seit 1904 nach den Plänen des Architekten Taaks auf freiem Feld das Fabrikgebäude gebaut worden. Hier entstand rund 20 Jahrespäter der kleckssichere Füllfederhalter, wegen seiner grünschwarzen Streifen auch „Stresemann“ genannt. Anders als die Brüder Siebrecht, die bei Bahlsen auf vorhandene Gebäude Rücksicht nehmen mussten, konnte der Architekt hier eine Gesamtanlage schaffen. Er gruppierte die von der Straße zurückliegenden Fabrikationsgebäude als U-förmige Anlage in Stahlbetonbauweise mit unterschiedlich langen Flügeln um einen nach Süden offenen Hof. Die Südflügel wurden in Richtung der Podbielskistraße durch 43 Meter hohe turmförmige Kopfbauten akzentuiert. In der Mitte befand sich das zentrale Heiz- und Maschinenhaus. Vorgelagert waren villenartige Werkswohnungen und eine kleine Gartenanlage mit einem Teich für Pelikane, den Markentieren der Firma.

Der 1906 bezogene und heute unter Denkmalschutz stehende Neubau, umfasste rund 21.000 Quadratmeter Büro- und Produktionsflächen. In einem zweiten Bauabschnitt wurde das Gebäude in den Jahren 1913/14 um 25.000 Quadratmeter Nutzfläche erweitert. Nachdem das Werk an der Podbielskistraße nicht mehr zu erweitern war, wurde die Schreibgeräteproduktion 1973 nach Peine/Vöhrum verlagert. An der Podbielskistraße blieben noch Vertrieb, Verwaltung und Marketing. 1989 wurde die Stilllegung des Geländes unumgänglich, 1991 das Gelände der Pelikan- Werke mit Stammhausgebäude und weiteren Produktionsgebäuden an einen Investor verkauft. Mit der Umnutzung der ehemaligen Werksgebäude verfolgte die Stadt die Idee, neben der Revitalisierung des historischen Bereichs ein neues innenstadtnahes Stadtviertel auf einer Fläche von etwa zehn Hektar zu schaffen.

Es sollte sich durch eine hochwertige und vielfältige Nutzungsmischung von Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Erholen auszeichnen und zu einer neuen Adresse entwickeln. Durch die gute Verkehrsanbindung, der sonstigen bereits vorhandenen Infrastruktur und den nahegelegenen Wald- und Grünflächen hatte das zukünftige Pelikan- Viertel alle Voraussetzungen, sich zu einem eigenständigen Wohn- und Büroquartier in einem gewachsenen Stadtteil zu etablieren. Die großflächige Industriebrache bot die Chance zu einer inneren Entwicklung des Viertels. Aus einer Vielzahl von Varianten entstand in Zusammenarbeit von Stadtplanungsamt und dem Architekten Neikes das Konzept „Pelikan-Viertel“. Die historischen denkmalgeschützten Bauwerke wurden auf einer Fläche von rund vier Hektar ab 1994 als dominanter Bestandteil einer gelungenen Gesamtkonzeption behutsam renoviert. Die Gebäude gelten heute noch als ein bedeutendes Zeugnis für den Industriebau um die Jahrhundertwende.

Der 1995 fertig gestellte historische Teil des neuen Stadtquartiers verfügt über Büro und Verwaltungsräume, in denen unter anderem bis 2003 die Vertrieb- und Marketingbereiche von Pelikan ihren Sitz hatten, bevor sie ins Bürocenter am Lister Yachthafen umzogen. Ein Schlüsselprojekt war die frühzeitige Integration eines Vier-Sterne-Hotels im denkmalgeschützten Altbestand. Konferenzräume und ein Boardinghouse ergänzen das Angebot.

Quellen: Landeshauptstadt Hannover Fachbereich Planen und Stadtentwicklung
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Lister Nachrichten

Südstadt Nachrichten 05 | 06. Mai 2011

Der Maschsee wird 75 Jahre alt | Die Geschichte des Maschsees in Hannover

Entstehung und Entwicklung des Maschsees

Die Maschwiesen, oder auch die „Altstädter Masch“ genannt, waren zu Kaisers Zeiten ein beliebtes Naherholungsgebiet der Hannoveraner. Im Sommer weidete hier Vieh, im Herbst ließen die Kinder Drachen steigen. Im Winter wurden die Maschwiesen dann mit Wasser der nahen Leine geflutet, denn Eislaufen war für Jung und Alt in Mode gekommen, und so hatte man für diese neue Art der Freizeitbeschäftigung eine ideale Fläche geschaffen.

Das große Problem der Maschwiesen waren jedoch die ständigen Überschwemmungen durch den nahen Fluss, die Leine. Die Fläche stand häufig unter Wasser und die Altstadt sowie die nahe gelegenen Stadtteile Hannovers hatten ständig mit Überflutungen zu kämpfen. So gab es bereits seit 1904 Pläne durch eine Kommission, die Maschwiesen zu fluten und einen künstlichen See anzulegen, um so das Leinewasser über den See in die tiefer gelegene Ihme abzuleiten. Der hannoversche Tischler und Ruderer Carl Thiele, an den noch heute der Weg am Westufer des Maschsees vom Strandbad bis zum ehemaligen Casino (heute Hotel Courtyard by Marriott Hannover-Maschsee) erinnert, war damals der größte Fürsprecher für die Anlage dieses Projekts. Doch weder der Magistrat der Stadt noch die Bürger waren davon überzeugt, und so wurden die Pläne der Kommission wieder auf Eis gelegt.

Ab 1925 gab es dann erneute, konkretere Pläne durch den damaligen Oberbürgermeister Arthur Menge. Es gab nun Vorfälle in der Stadt, die durchaus bei einer breiteren Bevölkerung für die Anlage eines künstlichen Sees sprachen. So musste wegen Überschwemmungen der Leine im Jahre 1926 sogar das Schützenfest in Hannover abgebrochen werden, weil die Wassermassen die Festzelte wegzureißen drohten. 1932 dann wurde der Plan für den See dann in Auftrag gegeben.

In der Zeit des Dritten Reiches, genauer: in den Jahren 1934 bis 1936, führte man dann durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme den Bau des Maschsees durch. 1.650 sogenannte „Notstandsarbeiter“ waren daran beteiligt. Am 26. November 1935 wurde die ausgehobene Fläche geflutet. Die feierliche Übergabe des neu entstandenen Sees an die hannover-schen Bürger erfolgte am Himmelfahrtstag 1936 durch den bereits erwähnten Oberbürgermeister Arthur Menge, nach dem das Arthur- Menge-Ufer benannt ist.

Der Maschsee ist 78 ha groß, hat eine Wasserfläche von 7,48 Quadratkilometern, ist 2,4 km lang, 2 m tief, liegt 53,2 m über NN und der Grund des Sees befindet sich oberhalb des Grundwasserspiegels. Das Wasser der Leine floss ursprünglich über die sogenannte Maschsee-Quelle am Westufer des Sees ein, heute wird der See durch das Wasser der Ricklinger Masch gespeist. Die beim Bau des Sees ausgehobene Erde (800.000 Kubikmeter) wurde zum Bau von Deichen an der Leine und Ihme verwendet. Die Stadt war nun mit dem dringenden Hochwasserschutz ausgestattet. Damit das Wasser im Maschsee nicht versickern kann, ist die Seesohle mit einer Ton und Lehmschicht abgedichtet.´Zusätzlich befindet sich zum Schutz dieser Schicht noch eine 8 cm dicke Kiesdecke darüber.

Diverse Skulpturen und Plastiken schmücken die Plätze rund um den Maschsee. Am imposantesten ist hier wahrscheinlich der sogenannte „Fackelträger“ am Nordufer, ein 18 Meter hoher Pfeiler, gestiftet von Fritz Beindorff, auf dessen Spitze eine viereinhalb Meter hohe vergoldete Bronzefigur mit einer Fackel in der Hand thront - zur Zeit des Dritten Reiches ein Symbol für den Olympia- Gedanken (Olympiade 1936 in Berlin).

Der See ist ein Fischzuchtgebiet, welches verpachtet ist. Hier werden Karpfen, Schleie, Hechte, Barsche, Plötzen und Karauschen gefangen. Sehr bekannt und beliebt sind die Silvester- Karpfen aus dem Maschsee. Im Sommer finden hier viele bunte Veranstaltungen für Jung und Alt statt. Wassersportliches wie Ruder- und Segelregatten oder Drachenbootrennen – aber natürlich auch das alljährliche Maschseefest (in diesem Jahr vom 27. Juli bis 14. August), welches mit Kleinkunst, Kulinarischem, Feuerwerk und viel Musik von internationalen Künstlern den Maschsee für drei Wochen zu einem Tummelplatz für Groß und Klein macht.

Am Südufer kann sich die hitzegeplagte Bevölkerung im Maschsee- Strandbad eine Abkühlung verschaffen. Das ehemalige städtische Freibad wurde im Jahr 2007 von der Firma Aspria übernommen. Die Runde um den Maschsee ist eine bei Joggern beliebte Laufstrecke. Im Jahr 2005 wurde eine 6,0 km lange Strecke um den Maschsee vom Deutschen Leichtathletik- Verband im Auftrag der Stadt Hannover mit dem Jones-Counter vermessen. Diese Strecke verläuft auf dem unbefestigten Fußweg, also näher am Wasser als der asphaltierte Radweg. Um das Laufen über Treppenstufen zu vermeiden, verläuft die Strecke an der Löwenbastion auf dem breiten Fußweg und am Pumpenhaus auf dem Radweg. Im Juni 2007 wurde die Strecke alle 500 Meter mit sogenannten Meilensteinen versehen. Seit Mai 2003 ist der Radweg rund um den Maschsee offiziell für Inline-Skating freigegeben.

75 Jahre Maschsee in Hannover: Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“

Quellen: www.maschsee-hannover.de / wikipedia
Fotos: postkarten-archiv.de

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Südstadt Nachrichten