Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Presse 2004-2008
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Presseberichte über das Postkarten-Archiv oder mit Bildmaterial aus dem Postkarten-Archiv | 2004-2008

Hannoversche Allgemeine Zeitung | Stadtanzeiger vom 24. Dezember 2008 (I)

Eleganter Walzer im Garten - von Gerda Valentin

Fahrgäste der Bahnlinien 4 und 5 wundern sich oft über die Haltestelle „Parkhaus" in der NORDSTADT, denn eine Garage für Autos sucht man dort vergebens. Der Name spielt auf ein Cafe im 19. Jahrhundert an.

Langsam fährt die Stadtbahn auf die Herrenhäuser Gärten zu und kommt zum Halt. „Parkhaus" vermeldet eine elektronische Stimme. Doch eine graue Wartehalle für Autos sucht man in der Umgebung der Haltestelle vergebens. Vielmehr dominieren schmucke Villen und herausgeputzte Altbauten diesen Teil der Nordstadt, und bei dem „Parkhaus" handelt es sich um das stattliche weiße Gebäude, das sich an der Ecke von Nienburger Straße und Appelstraße erhebt. Noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein beliebtes Ausflugslokal, das zugleich Raum für Tanzvergnügen bot.

Bereits 1874 entstand an dieser Stelle ein mit dekorativen Schnörkeln und Türmchen versehener Prachtbau, in dem ein Restaurant und ein Konzertsaal eröffnet wurden. Das Etablissement erhielt den Namen „Parkhaus“ weil es direkt gegenüber der Parkanlage des Georgengartens lag. Das Lokal war bereits mit der neuen Pferdestraßenbahn zu erreichen und bald sehr gefragt: In einem Reiseführer aus dem Jahr 1882 wurden die edlen Holzdecken und die schmiedeeisernen Kronleuchter gewürdigt, und zur Erbauung der Gäste spielten häufig Militärkapellen auf. 1890 erwarb der Bankier Moritz Simon das Grundstück. In der Nachbarschaft besaß er unter anderem die künstliche Burgruine am Herrenhäuser Kirchweg. Das erste „Parkhaus" aber ließ er abreißen und 1895 durch einen Neubau ersetzen. Dies ist das Gebäude, das noch heute gegenüber der Haltestelle steht. Um die Jahrhundertwende bekam es Konkurrenz durch etliche andere Ausflugslokale in Herrenhausen. Doch noch viele Jahrzehnte erfreute sich das „Parkhaus" großer Beliebtheit.

Pompös: Der Saal des Cafes „Parkhaus". Erste Adresse für Tanzvergnügen: Das Etablissement im Jahre 1916 - Sammlung Bornemann. Das Gebäude am Georgengarten gehört heute dem Land Niedersachsen und beherbergt Institute der Universität.

Die Stöckenerin Ellen Pohlmann kennt das „Parkhaus" noch aus den späten fünfziger Jahren. Zusammen mit ihrem ersten Ehemann Otto Rühmkorb betrieb sie eine Bäckerei an der Alten Stöckener Straße. „Für große Gesellschaften und Feiern haben wir unsere Waren auch an das, Parkhaus’ geliefert'", erzählt die 80-Jährige. Sonnabends und sonntags war im „Parkhaus" Kaffeezeit. Bei schönem Wetter wurden auf der Terrasse mit Blick auf den Georgengarten Kuchenstücke verspeist, und während die Erwachsenen ihren Kaffee tranken, spielten die fein herausgeputzten Kinder zwischen den Eisenstühlen. Trotz der vielen Arbeit, den die Rühmkorbs als Geschäftsleute hatten, gönnten sie sich ab und zu einen schönen Abend im „Parkhaus". Zu den Klängen von Walzer, Tango oder Foxtrott glitten sie im großen Saal über das Parkett, und ringsum auf den weiß gedeckten Tischen standen kleine Vasen mit frischen Blumen. „Das, Parkhaus’ hatte durchaus etwas Vornehmes", erinnert sich Ellen Pohlmann. Außerdem beherbergte das Gebäudee noch eine Gaststätte. Aber 1966 war es mit allem vorbei.

Vom Voreigentümer, der städtisch Lagerbierbrauerei, ging das „Parkhaus" an das Land Niedersachsen. Heute sind darin verschiedene Institute der Leibniz Universität Hannover untergebracht. Im Treppenaufgang blieb eine Tafel erhalten, die an den Architekten Max Küster, die Bauhandwerker und den Besitzer Otto Kopp aus dem Jahr 1895 erinnert. Auf der ehemaligen Kaffee-Terrasse aber stellen Uni-Mitarbeiter heute ihre Autos ab. Ein „Parkhaus" ganz ohne Parkplatz wäre ja auch widersinnig. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung

Hannoversche Allgemeine Zeitung | Stadtanzeiger vom 24. Dezember 2008 (II)

Im katholischen Bahnhof zu Hause - von Gerda Valentin

In einem Hinterhof der Konkordiastraße in Linden-Mitte verbirgt sich ein ehemaliges Vereinshaus.

In vielen Lindener Hinterhöfen haben sich die Bewohner ein grünes Eckchen geschaffen, anderswo werkeln kleine Betriebe. Manchmal aber verbirgt sich hinter den Straßen fronten ein echtes Kleinod. An der Konkordiastraße zum Beispiel führt ein Weg an einem Hinterhaus vorbei und erst am Ende steht ein imposantes Gebäude, das der Katholische Arbeiterverein 1904 in Linden errichten ließ. Angesichts der massigen seitlichen Stützpfeiler und des acht Meter hohen Gewölbes in seinem Inneren wird das Bauwerk im Volksmund auch „Katholischer Bahnhof" genannt. Die Geschichte des Hauses geht auf die Industrialisierung im 19. Jahrhundert zurück, als viele Arbeiter von weither nach Linden zogen, um in einer der Fabriken zu Lohn und Brot zu kommen. Viele stammten aus dem katholischen Eichsfeld südlich von Duderstadt. Eine kirchliche Heimat fanden sie in der Godehardgemeinde. Aus einem katholischen Gesangverein entstand dort 1879 ein eigener Arbeiterverein.

Die meisten Arbeiter lebten damals unter miserablen sozialen Bedingungen. Mit der Zeit wandten sich daher viele den aufkommenden Gewerkschaften und den Sozialdemokraten zu. Mittels Wohltätigkeit und Bildungsarbeit wollte der katholische Arbeiterverein jedoch eine „Entfremdung von der Kirche" verhindern. Schon lange wünschten sich die Mitglieder ein eigenes Haus. 1903 ging es damit voran: Zahlreiche Katholiken aus ganz Linden zeichneten Anteilsscheine oder spendeten Geld für das neue Gebäude an der Konkordiastraße 14B. Dort schufen die Architekten Thofern und Jagielski einen hallenförmigen Bau mit großen Fensterbögen, vielen Windungen und abgerundeten Ecken. Der hannoversche Bauhistoriker Sid Auffarth ordnet das Gebäude dem späten Jugendstil zu.

So präsentiert sich das Gebäude des katholischen Arbeitervereinshauses heute (oberes Foto). Eine historische Postkarte zeigt (unteres Foto), wie es 1915 ausgesehen hat. Die Karte stammt aus der Sammlung Bornemann.

Schon nach einem Jahr Bauzeit konnten die katholischen Arbeiter ihr neues Vereinshaus eröffnen. Wie einer Chronik der Godehardgemeinde zu entnehmen ist, entwickelte sich dort ein reges Vereinsleben: Vorträge und Diskussionen standen auf dem Programm, Kinder und Erwachsene wetteiferten mit Theaterstücken und Gesangvorführungen um die Gunst des Publikums, und nicht zuletzt wurden dort zahllose Feste gefeiert.

Nach dem Zweiten Weltkriegdiente das katholische Vereinshaus der St. Godehardgemeinde als Notkirche 1946 kamen auch ungewohnte Gäste: Im großen Saal versammelten sich Vertreter der „Allgemeinen Gewerkschaft", aus der bald darauf der Deutsche Gewerkschaftsbund hervorging. In den folgenden Jahrzehnten wandelten sich die Bedürfnisse. Immer mehr junge Familien wollten ihre Freizeit auf andere Weise verbringen. Als 1973 an der Posthornstraße ein neues Gemeindezentrum entstand, trennte sich St. Godehard von dem Haus an der Konkordiastraße. Eine Zeitlang beherbergte es eine spanische Diskothek, bis Mitte der achtziger Jahre ein Lindener Architekt das historische Gebäude sanierte und zu Wohnungen und Büros ausbaute. Ab und zu ist die versteckte Schönheit der Konkordiastraße auch Ziel eines Stadtteilrundgangs. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung

hallo SONNTAG vom 09. November 2008

Tod im Zuchthaus - Ein „Stolperstein“ für den Zauberkünstler Ernst Schünemann

LINDEN-NORD. Gunter Demnig, seit geraumer Zeit bundesweit in Sachen seines Kunstprojektes „Stolpersteine“ unterwegs, wird am Donnerstag, 13. November, um 15.30 Uhr an der Limmerstraße 71 einen „Stolperstein“ für den im Februar 1941 verstorbenen homosexuellen Zauberkünstler und Artisten Ernst Schünemann verlegen. Ernst Schünemann, der bis zu seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten Anfang 1939 im Haus Limmerstraße 71 gemeldet war, wurde am 3. Oktober 1939 vom Landgericht Hannover auf Grundlage der Paragraphen 175 und 175a des Strafgesetzbuches wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Noch im selben Monat transportierte man ihn in das Zuchthaus Hameln.

Zwei Jahre später, am 14. Februar 1941, wurde Ernst Schünemann mit einer schweren Lungenentzündung vom Anstaltslazaret in das Stadtkrankenhaus Hameln verlegt. Er verstarb am selben Tag im Alter von 44 Jahren. Die Patenschaft für den „Stolperstein“ Ernst Schünemanns wird der Zauberkünstler und Entertainer Detlef Simon („Desimo“) übernehmen.

Eine zeitgenössische Postkarte aus dem Archiv von Andrew Bornemann zeigt das Gebäude, in dem der Zauberkünstler Ernst Schünemann bis zu seiner Verhaftung wohnte. Es ist das zweite Haus nach dem Eckhaus auf der linken Seite der Limmerstraße.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Kunstprojekt „Stolpersteine“ an Menschen, die zu Opfern des NS-Regimes wurden. Die „Stolpersteine“ werden von Demnig dort ins Trottoir gesetzt, wo diese Menschen ihren letzten selbstgewählten Wohnort hatten. Für weitere „Stolpersteine“ in Limmer und Linden setzt sich aktuell die Geschichtswerkstatt der Otto-Brenner-Akademie ein. Sie sollen an die während der NS-Zeit ermordeten Antifaschisten und Widerstandskämpfer Franz Nause (Limmer) und Wilhelm Bluhm (Linden) erinnern.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © halloSonntag

Hannoversche Allgemeine Zeitung | Stadtanzeiger West vom 23. Oktober 2008

Genüsse aus alten Zeiten - von Karin Vera Schmidt

Bernd Oehlerking hat ein Kochbuch mit Rezepten aus der Haasemannstraße in Linden zusammengestellt.

Man nehme ein Pfund Mehl, 50 Gramm Hefe, rühre einen Teig daraus und schlage dann 350 Gramm weiches Ziehfett darin ein. Anschließend forme man drei mal vier Blatt Blätterteig daraus. Mit viel Geschick und etwas Glück können daraus im Ofen Helgoländer oder Apfeltaschen werden. Bäckermeister Armin Schlote aus der Haasemannstraße 10. war ein Könner seines Fachs. Seine Rezepte hat er nun für ein ganz spezielles kleines Kochbuch zur Verfügung gestellt, das sein Nachbar Bernd Oehlerking aus dem Haus Nummer 4. zusammengestellt hat. Außer den Rezepten sind darin alte Fotos zu sehen - darunter eins aus Schlotes Gesellenzeit.

Die Idee für das Büchlein hatte Bernd Oehlerking während der Vorbereitungen für das Straßenfest, mit dem die Anwohner jüngst das 100-jährige Bestehen der Haasemannstraße feierten. Und so zog er los und sammelte in der Nachbarschaft alte Rezepte und Bilder. Dabei heraus kam schließlich das Heft „Das is(s)t die Haasemannstraße" im Ringbuchformat. Moderne Ergüsse aus der Nouvelle Cuisine sucht man darin vergebens. Vielmehr beschreibt das Büchlein zwischen historischen Ansichten der Haasemannstraße, wie früher in der Straße gekocht wurde, wobei Dr. Oetker häufig die Zutaten diktierte. Herr Oehlerking hat sich bemüht, die handschriftlichen Aufzeichnungen ins Buch aufzunehmen - und wenn sie gar zu schwierig zu lesen waren, setzte er eine Version in Maschinenschrift dazu.

Auf vergilbtem Papier sind darin handschriftlich verfasste Rezepte für Kürbissuppe und Königsberger Klopse nachzulesen. Anweisungen aus einem alten Knorr-Kochbuch klären darüber auf, wie gefüllte Tomaten zubereitet werden. Das Rezept für einen Königlichen Apfelkuchen - eine Anspielung darauf, dass sich früher nahe der Haasemannstraße der Königliche Küchengarten befand - steuerte Katrin Möhrs aus dem Haus Nummer 5. in einer Kinderschrift von 1989 bei. Das Titelblatt zeigt eine Ansicht der Haasemannstraße aus dem Jahr 1922 Mehrstöckige Bürgerhäuser, vor denen Kinder unter alten Gaslaternen spielen. Das älteste Bild stammt aus dem Jahr 1899. Vom Lichtenbergplatz aus, der damals noch Wittekindplatz hieß, ist zu sehen, dass von der Haasemannstraße erst das Naus Nummer 2. gebaut war. Ein weiteres Bild von 1917 zeigt die vollständig bebaute Haasemannstraße vom Lichtenbergplatz aus. Dort steht noch die alte, vor einigen Jahren gefällte Kastanie. Sie ist erst etwa so hoch wie ihre Nachfolgerin heute. All die historischen Fotos konnte sich Bernd Oehlerking von dem Lindener Andreas-Andrew Bornemann ausleihen, der ein gut bestücktes Postkartenarchiv hat. Rund 50 Bestellungen für das Büchlein hat Bernd Oehlerking schon entgegengenommen. Es kostet sieben Euro. Wer noch eines haben möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse bernd.oehler-king@t-online.de melden. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung

FAZ.NET (Frankfurter Allgemeine Zeitung) vom 27. Juni 2008

Urlaubsgrüße per Postkarte sind nicht nur unter Freunden und Verwandten oft gern gesehen. So mancher hat sich ganz dem Sammeln der bunten Billets verschrieben. Zeugnisse solcher Philokartie lassen sich im Netz finden.

Zum Artikel von Jakob Strobel y Serra: -->> Internet-Tipps - www.postkarten

hallo SONNTAG vom 20. August 2006

Postkarten von Format

Bevor das Ihme-Zentrum entstand, befand sich auf dem Gelände die Mechanische Weberei zu Linden. Produziert wurden dort Lindener Samt, Wachssamt und Cord.

Historische Postkarten aus dem Jahr 1937 zeigen, wie es damals aus den Schloten der Schornsteine qualmte. Andreas Bornemann engagierter Sammler historischer Postkarten über Linden und Mitglied im Verein Lebendiges Linden, präsentiert diese und weitere historische Ansichten Lindens im Internet unter www.postkarten-archiv.de. Auf seiner Internet-Seite informiert der Sammler auch über die Geschichte der Postkarte, gibt Sammlertipps und bietet Tauschkarten an.

Der Verein Lebendiges Linden sieht sich als Förderer des Stadtteils. Damit Liebenswertes erhalten bleibt und nicht in Vergessenheit gerät, treffen sich die Mitglieder regelmäßig zum Gedankenaustausch. Die Förderung des Kulturlebens steht dabei im Vordergrund. Die Bürger sollen stärker an ihren Stadtteil gebunden werden, ehrenamtliches Engagement der Bewohner im Stadtteil soll öffentlich Anerkennung finden. Neben dem Verein Lebendiges Linden engagieren sich unter anderem auch der Präventionsrat Linden-Limmer die Arbeitsgemeinschaft Limmerscher Vereine, das Atelier 38 Süd, die Aktion Limmerstraße und der Sportverein von 1907 für einen aktiven Stadtteil. (jc)

 

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von © hallo SONNTAG

Hannoversche Allgemeine Zeitung | Stadtanzeiger West vom 23. April 2004

Die Zeitreise führt zu Schloss und Schloten - von Gerda Valentin

Eine private Initiative setzt sich zur Zeit dafür ein, dass der Schwarze Bär - wie berichtet - eine lebensgroße Bärenskulptur aus schwarzem Stein bekommt. Den Lindener Andreas-Andrew Bornemann hat dies so angeregt, dass er auf seine Weise etwas für die Geschichte seines Stadtteils unternommen hat. Als Inhaber des Sicherheitsdienstes Luchs Security Service ist seine Firma auch im Internet zu finden - und genau dort hat er jetzt eine Seite mit alten Postkarten aus Linden platziert. "Ich sammle schon seit vielen Jahren Postkarten aus Linden und Hannover", verrät Herr Bornemann.

Einige der schönsten historischen Lindener Motive hat er für das weltweite Netz ausgesucht. Die Auswahl reicht aus der Zeit vor mehr als 100 Jahren bis in die jüngere Vergangenheit. So zeigt sich dem Betrachter das Schloss im Von Alten Garten aus dem Jahre 1905; auch die prachtvolle Jugendstilfassade der früheren Restauration am Schwarzen Bären, die "Bärenhöhle" im Erdgeschoss, ist zu bewundern. Auf dem Lindener Marktplatz und in der Beethovenstraße stehen junge Bäume akkurat in Reih‘ und Glied, und die Martinskirche ist eingebettet in üppiges Grün, das aus der Perspektive des Fotografen fast an ein Mittelgebirge denken lässt. Ein seltenes Bild zeigt einen Vorgängerbau des Krankenhauses Siloah. Allein auf weiter Flur ragt 1906 die neue Bethlehemkirche empor. "Diese Karte ging sogar an einen Konsul der deutschen Botschaft in Paris", erzählt Herr Bornemann. Eine völlig andere Ansicht fängt 1929 ein Stück Alltagsleben an der Ecke Limmerstraße / Kötnerholzweg ein: Die Kreuzung ist dicht belebt, und vor dem Haus, in dem sich heute das Lokal "Notre Dame" befindet, räumen Arbeiter gerade irgendwelchen Unrat weg.

Ein Blick reicht über die Ihme hinweg auf die Schornsteine der städtischen Gasanstalt; auch eine Gesamtansicht der Schlote und Dächer von Linden ist zu finden. Industrielles Leben blüht auch im "neuen Werkhof" der Hanomag. In der Nähe dieser Fabrikanlagen stehen fünf Lindener 1941 auf dem sonst völlig leeren Deisterplatz. Eine Fülle von Motiven präsentiert schließlich die Errungenschaften der sechziger Jahre: die Uhlhorn-Kirche mit ihrem schlanken Turm, die Mittelschule im Fössefeld und immer wieder voller Stolz das moderne Fössebad - oft alles auf einer Karte vereint. Auch das frisch renovierte Leinewehr bei Limmer war dem Fotografen einen Schnappschuss wert.

Doch die schönste der Lindener Postkarten stammt aus dem Jahr 1911: Dargestellt ist ein Mädchen, das mit Blumen im Haar und einem Blumenkörbchen im Arm vor dem Lindener Nachtwächterbrunnen steht - im Hintergrund das Lindener Rathaus, damals eines der beliebtesten Motive überhaupt. "Der Kinder Bestes ist des Volkes Wohl" steht unter dem Bildchen geschrieben. Ein Hinweis auf eine Wohltätigkeitsaktion? "Genaueres ist leider nicht mehr bekannt", bedauert Herr Bornemann. (val)

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der © Hannoversche Allgemeine Zeitung