Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Pola Negri
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Pola Negri (1894/97-1987)

Pola Negri, eigentlich Barbara Apolonia Chałupiec wurde am 31. Dezember 1894 oder 1897 in Lipno/Polen geboren.

Portrait und Szenenkarten

Pola Negri stammte aus Lipno in Polen. Ihr Vater, ein ungarischer Roma, war Klempner, ihre Mutter, die einen kleinen Laden in die Ehe einbrachte, kam aus der polnischen Mehrheitsbevölkerung. Pola Negri, die arm in Warschau groß wurde, begann zunächst mit einer Ballettausbildung, die sie abbrechen musste, weil sie an Tuberkulose erkrankte. Sie wechselte zur Schauspielschule in Warschau und debütierte 1913 als Theaterschauspielerin in einem Stück von Henrik Ibsen (1828-1906). Kurz nach ihrem Debüt erhielt sie ein Engagement am Nationaltheater in Warschau.

Mit 17 war sie bereits ein Star des Warschauer Theaters und protegierte den polnischen Tango in den Warschauer Varietés. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach ihre Karriere. Pola Negri und ihre Mutter lebten einige Jahre unter finanziellen Schwierigkeiten, bis die Filmproduktionsfirma Sphinx ihr 1914 eine Rolle in dem Stummfilm Sklavin der Sinne (1914) anbot.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eröffnete sich für Pola Negri die Chance ihres Lebens. David Ordynski (?-?), ein polnischer Regisseur, der mit Max Reinhardt (1873-1943) in Berlin am Deutschen Theater arbeitete, entdeckte sie und engagierte sie direkt für die polnische Premiere von Reinhardts Theaterstück Sumurun, das später auch verfilmt wurde. Der internationale Durchbruch gelang ihr aber erst als Carmen (1918) und als Madame Dubarry (1919) jeweils unter der Regie von Ernst Lubitsch (1892-1947).

Es folgten weitere Filme unter der Regie von Ernst Lubitsch. Auf dem Höhepunkt des Erfolges ging sie mit einem lukrativen Vertrag der Paramount Pictures Corp. nach Amerika. Sie wurde vom Studio als mögliche Konkurrentin von Gloria Swanson (1899-1983) aufgebaut. Ihre Filme in Amerika erreichten meist nicht das Niveau ihrer Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch. Nach einigen enttäuschenden Produktionen ließ das Studio die beiden 1924 wieder gemeinsam für Forbidden Paradise (1924) arbeiten, mit Pola Negri als Zarin Katharina die Große. Dies sollte der letzte finanzielle Erfolg für die Schauspielerin sein. Mit Ausnahme von Hotel Imperial (1927), den sie mit Mauritz Stiller (1883-1928) drehte, lehnten Publikum und Kritik ihre weiteren Filme ab. Mit dem Tonfilm ging auch ihre amerikanische Karriere zu Ende. Ihr starker Akzent kam beim Publikum nicht an.

Bekannt wurde Pola Negri jedoch hauptsächlich durch ihre Schlagzeilen über Romanzen mit Charlie Chaplin (1889-1977) und Rudolph Valentino (1895-1926). So soll sie, aufgebracht von der Nachricht, dass Rudolph Valentino tot sei, direkt vom Drehort eines ihrer Filme nach New York City zur Beerdigung aufgebrochen sein, um sich dramatisch über den Sarg des Schauspielers zu werfen. Ihre Ehe mit dem adligen Serge Mdivani (1903-1936) passte in ihre Selbstinszenierung als „Grande Dame“.

Infolgedessen geriet Pola Negri in finanzielle Schwierigkeiten. Sie ging zurück nach Europa und drehte auf Einladung Willi Forsts (1903-1980) einige Filme für die Universum Film AG (UFA). Ihr bekanntester Film wurde 1935 Mazurka (1935), der zwei Jahre später unter dem Titel Confession mit Kay Francis (1905-1968) in den USA als Remake gedreht wurde. Pola Negri nahm einige Filmschlager in Deutsch und teilweise auch in Englisch auf Schellackplatten auf. Ihre Version von Peter Kreuders (1905-1981) Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt wird von einigen Kritikern als beste Interpretation gepriesen. Ihre zweite Karriere in Deutschland litt unter der Wiederholung der ständig gleichen Rollen, und so ging sie 1938 wieder in die USA.

Seit den 1950er Jahren lebte sie in San Antonio, Texas, als Grundstücksmaklerin. Sie drehte nur noch zwei Filme, 1943 und 1964. Kurz kam sie noch einmal ins Gespräch für die Besetzung der Norma Desmond in Boulevard der Dämmerung (1950) von Billy Wilder (1906-2002). Billy Wilder berichtete, Pola Negris Akzent habe eine Besetzung unmöglich gemacht. Andere Quellen behaupten, sie selbst hätte es als Affront empfunden, einen ehemaligen Star zu spielen.

So erinnern auch ihre berühmten Worte auf dem Sterbebett 1987 in San Antonio an diesen berühmten Film. Der junge Arzt, der sie betreute, wusste nicht, wer sie einmal war. Sie setzte sich auf und sprach empört wie Norma Desmond: „You don't know who I am?“ 1970 erschien ihre von einem Ghostwriter verfasste Autobiografie „Memoirs of a Star“.

Pola Negri starb am 1. August 1987 in San Antonio, Texas/USA.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1914: Sklavin der Sinne
  • 1915: Zona
  • 1916: Studentenliebe
  • 1917: Bestia
  • 1917: Das Geheimnis des Hotel X
  • 1917: Arabella
  • 1917: Wanda Barska (Pokój nr 13)
  • 1917: Seine letzte Tat
  • 1917: Zügelloses Blut
  • 1917: Nicht lange täuschte mich das Glück
  • 1917: Küsse, die man stiehlt im Dunkeln
  • 1917: Die toten Augen
  • 1917/18: Rosen, die der Sturm entblättert
  • 1918: Wenn das Herz in Haß erglüht
  • 1918: Surogaty lyubvi
  • 1918: Mania - Die Geschichte einer Zigarettenarbeiterin
  • 1918: Die Augen der Mumie Ma
  • 1918: Der gelbe Schein
  • 1918: Carmen
  • 1919: Das Karussell des Lebens
  • 1919: Kreuziget sie!
  • 1919: Vendetta
  • 1919: Madame Dubarry
  • 1919: Komtesse Dolly
  • 1920: Die Marchesa d'Armiani
  • 1920: Arme Violetta
  • 1920: Sumurun
  • 1920: Das Martyrium
  • 1920: Die geschlossene Kette
  • 1921: Sappho
  • 1921: Die Bergkatze

 

  • 1922: Die Flamme
  • 1923: Bella Donna
  • 1923: Die spanische Tänzerin
  • 1924: Die Schatten von Paris
  • 1924: Cleo, das Mädchen der Straßen
  • 1924: Die Frau des Kommandeurs
  • 1924: Das verbotene Paradies (Forbidden Paradise)
  • 1925: Opfer des Blutes
  • 1925: Mariposa, die Tänzerin
  • 1925: Königin der Nacht
  • 1925: Eine mondäne Frau
  • 1926: Die Lügenkönigin
  • 1926: Wie werde ich meine Frau los?
  • 1927: Hotel Stadt Lemberg (Hotel Imperial)
  • 1927: Stacheldraht
  • 1927: Qualen der Ehe
  • 1928: Das Geheimnis einer Stunde
  • 1928: Das zweite Leben
  • 1928: Die Liebschaften einer Schauspielerin
  • 1928: Die Dame aus Moskau
  • 1929: Die Straße der verlorenen Frauen
  • 1932: Um eine Fürstenkrone
  • 1933/34: Fanatisme
  • 1935: Mazurka
  • 1936: Moskau – Shanghai
  • 1937: Madame Bovary
  • 1937: Tango Notturno
  • 1938: Die fromme Lüge
  • 1938: Die Nacht der Entscheidung
  • 1943: Hi Diddle Diddle/Diamonds and Crime
  • 1964: Der Millionenschatz

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text

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