Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Ossi Oswalda
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Ossi Oswalda (1897-1947)

Ossi Oswalda, eigentlich Oswalda Stäglich wurde am 2. Februar 1897 in Berlin-Niederschönhausen (heute Berlin-Pankow) geboren und war einer der ersten Stars des deutschen Films.

Sie wurde als Tochter eines Gymnasiallehrers geboren. Ihr Vater starb, als sie vier Jahre alt war, sodass sie bei ihrer taubstummen Mutter aufwuchs. Nach dem Tanzunterricht bei Eva Peter als Primaballerina ging sie als Chortänzerin an ein Berliner Theater, wo sie 1916 von Hanns Kräly (1884-1950) entdeckt wurde, der sie Ernst Lubitsch (1892-1947) empfahl. Zwischen 1916 und 1920 drehte sie fast exklusiv mit Ernst Lubitsch rund ein Dutzend Filme, von denen die Mehrzahl heute als verloren gilt. Auch andere Regisseure wussten ihr Talent zu nutzen. Aufgekratzt, großspurig und schrill wurde sie zum Publikumsliebling, weshalb man sie bald schon als die deutsche Mary Pickford (1892-1979) bezeichnete. Neben Henny Porten (1890-1960) und Asta Nielsen (1881-1972) war sie einer der ersten großen weiblichen Stars des deutschen Films.

In Schuhpalast Pinkus (1916), ihrem ersten Film und der ersten Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch, hatte sie nur eine winzige Rolle als Lehrling und Tochter eines Schuhverkäufers inne und wurde auch in den folgenden Filmen zunächst nur mit kleineren Rollen bedacht. Ihre erste Hauptrolle spielte sie 1917 in Lubitschs Wenn vier dasselbe tun (1917), in der sie erstmals als Backfisch des deutschen Films in der Nachfolge der 1916 verstorbenen Dorrit Weixler (1892-1916) wahrgenommen wurde. Ossi Oswalda wurde schnell zu einer prominenten Komikerin – die wilde kreischende Jungfer, die ihren Kopf durchsetzen will gegen Väter, Vormünder und notfalls auch Ehemänner und überhaupt nicht zum bürgerlichen Wunschbild von der devoten, still duldenden Hausfrau passt.

Als ihre beste Komödie gilt Ich möchte kein Mann sein (1918), in der sie wie in mehreren Filmen Lubitschs die weibliche Hauptfigur Ossi spielt. Sie erscheint hier in der bis dahin für sie typischen Rolle der verwöhnten und frechen jungen Frau, die offenbar ohne Eltern aufgewachsen ist und sich gegen die Disziplin, die ihr der Onkel und vor allem die Gouvernante auferlegen wollen, heftig wehrt. Als Frau gibt sie sich dabei völlig ihren unweiblichen Bedürfnissen hin und raucht, trinkt, spielt Poker und geht gerne einkaufen. Sie verkörperte als erste deutsche Schauspielerin ein Frauenbild, in dem erotische Attraktion durch das Burschikose gemildert wird.

Ross Verlag 1453/2

Ich möchte kein Mann sein | Ossi Oswald u. Kurt Götz
1920 | Photochemie K.2573

Ihre Darstellung, auch in späteren Filmen wie in der Austernprinzessin (1919), hatte dabei zügellose und teilweise derbe Züge, die auch auf Ablehnung stieß. War sie in den 1910er-Jahren der Backfisch des deutschen Films, wandelte sich ihr Image in den 1920er-Jahren hin zum Berliner Girl mit mondänen Attitüden und verzückten Tanzeinlagen in extravaganten Kostümen.

Sie gründete 1921 ihre eigene Filmgesellschaft, die Ossi-Oswalda-Film-Produktions GmbH, die von ihrem damaligen Ehemann Baron Gustav von Koczian (1877-1958) geleitet wurde. Regisseur der von ihr produzierten Filme wurde ihr Filmpartner Victor Janson (1884-1960). Ab 1925 war sie bei der Universum Film AG (UFA) unter Vertrag und dort spielte sie bis 1930 in rund 50 Stummfilmen mit. Im Herbst 1925 reiste ihr Ehemann nach New York City/USA, die Ehe mit wurde ca. 1926 geschieden.

Der Tonfilm bedeutete das Ende ihrer Filmkarriere. 1943 schrieb sie noch das Drehbuch zum Film Der Vierzehnte am Tisch. Danach wurde es still um die ehemalige Stummfilmdiva. In ihren letzten Lebensjahren geriet der einst gefeierte Filmstar in Vergessenheit. Ossi Oswalda starb völlig verarmt im Alter von 51 Jahren am 17. Juli 1947 in Prag/Tschechischen Republik.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1916: Schuhpalast Pinkus
  • 1916: Leutnant auf Befehl
  • 1916: Der Tod auf Zeche Silva
  • 1917: Wenn vier dasselbe tun
  • 1917: Prinz Sami
  • 1917: Ossi’s Tagebuch
  • 1918: Dem Licht entgegen
  • 1918: Ich möchte kein Mann sein
  • 1918: Der Rodelkavalier
  • 1919: Meine Frau, die Filmschauspielerin
  • 1919: Hundemamachen
  • 1919: Die Austernprinzessin
  • 1920: Die Wohnungsnot
  • 1920: Putschliesel
  • 1920: Kakadu und Kiebitz
  • 1921: Amor am Steuer
  • 1922: Der blinde Passagier
  • 1923: Das Milliardensouper
  • 1923: Colibri
  • 1924: Niniche
  • 1924: Ein Weihnachtsfilm für Große
  • 1925: Herrn Filip Colins Abenteuer
  • 1925: Das Mädchen mit der Protektion
  • 1926: Gräfin Plättmamsell
  • 1926: Die kleine vom Varieté
  • 1927: Frühere Verhältnisse
  • 1927: Ein schwerer Fall
  • 1928: Ossi hat die Hosen an
  • 1928: Das Haus ohne Männer
  • 1929: Der Dieb im Schlafcoupée

Portrait und Szenenkarten

                       

                   Ross Verlag 474/2                   Ross Verlag 483/4 | 22.09.1922                      Ross Verlag 983/1

Ross Verlag 529/3

Photochemie K.2359

                      

                 Ross Verlag 1050/1                             Ross Verlag 1480/1                            Ross Verlag 4548/4

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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