Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Maschpark | Rathaus | Provinzial-Museum
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Maschpark | Neues Rathaus | Provinzial-Museum

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Archiv - Maschpark | Neues Rathaus | Provinzial-Museum Kestner-Museum und Friedrichswall

Der Maschpark

Der Maschpark ist eine 10 ha große - davon ca. 2,6 ha Maschteich, in Dreiecksform angelegte Parkanlage südlich der Altstadt. Der Park umgibt das Neue Rathaus. Der Maschpark entstand um 1900 und war damit der erste kommunale Park in der Provinzhauptstadt Hannover. Mit dem Maschpark begann die Umgestaltung der Leine Aue in ein Erholungsgebiet. Die Anlage hat seither ihre ursprüngliche Form nicht verändert und ist ein seltenes Zeitzeugnis der deutschen Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Seit 1985 trägt der Maschpark den Beinamen "Park der Partnerstädte"

Im Maschpark | 24.05.1902

Maschpark u. neues Rathaus | 19.03.1913

Das Gelände des heutigen Maschparks war in früheren Jahrhunderten Überschwemmungsgebiet der Flüsse Leine und Ihme. Genutzt wurde das Gebiet als Heuwiese und hieß "Altstädter Aue". 1895 gab der Magistrat der Stadt Hannover das Gelände zur Bebauung frei. Geplant war das "Neue Rathaus", das in ein Parkgelände integriert werden sollte.

Bereits 1899 erfolgte der erste Spatenstich für den Park, nach Plänen des Landschaftsarchitekten und Stadtgartendirektor Julius Trip (1857-1907), einer der führenden Gartenkünstler seiner Zeit. 1902 war der Hauptteil des Parks fast fertiggestellt, endgültig abgeschlossen war er aber erst mit der Einweihung des "Neuen Rathauses" am 20. Juni 1913.

Für Julius Trip wurde nach seinem Tod 1907 das Trip-Denkmal aus Muschelkalk vom Bildhauer Georg Herting (1872-1851) errichtet. Es stellt Gärtner, Hirte, Quellnymphe und die Flora dar. Durch starke Kriegseinwirkungen ist das Trip-Denkmal heute nur teilweise erhalten geblieben.

Maschpark-Projekt Hannover | 06.09.1902

Maschpark | 02.02.1908

Trip-Denkmal | 29.02.1916

Das Rudolf-von-Bennigsen-Denkmal

Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen (1824-1902) war ein liberaler deutscher Politiker. Er war Reichstagsabgeordneter und Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin sowie von 1888 bis 1897 Oberpräsident der Provinz Hannover.

Am 10. Juli 1894 wurde er Ehrenbürger der Stadt Hannover. Das Denkmal wurde 1907, fünf Jahre nach seinem Tod, von der Nationalliberalen Partei (NLP) am Maschpark vor dem Provinzial-Museum (heute: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, NLMH) in Hannover errichtet. Die Einweihung fand am 3. Oktober 1907 statt. Der Architekt Otto Lüer (1865-1947) und der Bildhauer Karl Gundelach (1856-1920), beide aus Hannover schufen ein imposantes Bauwerk.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bronzeskulptur eingeschmolzen und der Rest abgebrochen. Nach Rudolf von Bennigsen ist auch das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer am Maschsee benannt worden. In Berlin-Friedenau wurde die Bennigsenstraße und später in Hamburg-Harburg eine Straße gleichen Namens nach dem Politiker benannt.

 

 

Rudolf v. Bennigsen Denkmal | 16.01.1909

Das Neue Rathaus

Am 15. März 1895 beschloss der Magistrat der Stadt Hannover den Neubau des Rathauses. Der Grundsteinlegung am 30. Juni 1904 ging ein erster Architekturwettbewerb aus den Jahren 1895/96 voran, der allerdings ergebnislos blieb. Das Neue Rathaus wurde nach zwölfjähriger Bauzeit, der Entwurf stammt aus dem zweiten Wettbewerb von 1896/97, am 20. Juni 1913 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) eingeweiht.

Stadtdirektor Heinrich Tramm (1854-1932) verkündigte, als das Neue Rathaus von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde.

"Zehn Millionen Mark, Majestät - und alles bar bezahlt".

Zur Eröffnung ließ sich der damalige Stadtdirektor vom deutschen Maler Max Liebermann (1847-1935) porträtieren. Der Rathausvorplatz heißt seit 1917 Trammplatz.

Das Rathaus ist ein wilhelminischer schlossähnlicher Prachtbau in eklektizistischem Stil (im inneren teilweise Jugendstil) und steht außerhalb des historischen Stadtkerns. Das Bauwerk ist eingebettet in den zehn Hektar großen Maschpark.

Rohbau und Innenausbau des Neuen Rathauses

Der Rohbau für das Neue Rathaus dauerte von 1901 bis 1905, Kuppel und Türme wurden von 1906 bis 1908 errichtet. Ab 1907 erfolgte der Ausbau der Innenräume und im selben Jahr wurden die ersten Büros, obwohl noch gebaut wurde, bezogen.

Der Architekt und Bauunternehmer Max Küster (1862-1941), er war ein Schüler des Baumeisters und Hochschullehrers Conrad Wilhelm Hase (1818-1902), wurde mit dem Innenausbau und der Bauausführung, der Kuppel beauftragt. Max Küster beschäftigte bis zu 3500 Mitarbeiter in seinem Unternehmen.

Die Einweihung des Neuen Rathauses in Hannover
Parademarsch vor dem Kaiser | 28.06.1913

Rathaus-Neubau | 11.03.1908

Der Baupreis für das gesammte Gebäude betrug zehn Millionen Goldmark, das Gebäude wurde von dem Architekten Georg Peter Hermann Eggert (1844-1920) aus Burg (bei Magdeburg) in Sachsen-Anhalt und dem Architeken und Hochschullehrer Gustav Friedrich Halmhuber (1862-1936) aus Stuttgart in Baden-Württemberg auf 6026 Buchenpfählen errichtet.

Architekt Halmhuber löste 1909 aufgrund von Differenzen um die Gestaltung des Rathausinneren den Architekten Georg Peter Hermann Eggert ab und war so ab 1909 für die Gestaltung des Innenausbaus allein verantwortlich. Gustav Friedrich Halmhuber war seit 1893 Freimaurermitglied und trat 1912 der hannoverschen Freimaurerloge “Wilhelm zur deutschen Treue“ bei. Im Neuen Rathaus gibt es mehrere Freimaurersymbole, wie zu Beispiel das Winkelmaß und auch den Zirkel, zu sehen.

                       

        Neues Rathaus innen | 03.11.1913            Amtszimmer des Stadtdirektors                      Neues Rathaus innen
                                                                                     29.07.1924                            Haupteingangstür | 02.04.1928

Wangenheimpalais und "Altes Rathaus"

Das "Neue Rathaus" löste fortan das von Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) in den Jahren 1829 bis 1833 erbaute, nahe gelegene "Wangenheimpalais", an der Friedrichstraße, als Rathaus ab. Der Magistrat der Stadt Hannover erwarb 1862 das "Wangenheimpalais" und richtete nach einem Umbau 1863 hier das "neue" Rathaus ein. Diesen Zweck hatte es bis 1913 inne. Von 1954 bis 1956 wurde noch ein Erweiterungsbau an das "Wangenheimpalais", nach Plänen des Architekten Paul Wolters (1913-1998), für das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, errichtet.

Das "Alte Rathaus" in der Hannover-Altstadt wurde um 1230 erbaut und 1350 sowie 1505 umgebaut, vergrößert und erweitert. Von 1845 bis 1850 wurde das Gebäude nochmals um einen Flügel an der Köbelingerstraße erweitert. Seit 1863 wurde das "Alte Rathaus" nicht mehr als Hauptverwaltungssitz der Stadt genutzt. Durch den Architekten und Hochschullehrer Conrad Wilhelm Hase (1818-1902), wurde 1890/91 das Gebäude restauriert und um einen stilistisch angepassten Flügel erweitert. Heute befinden sich im "Alten Rathaus" Geschäfte, Restaurants und das Standesamt der Landeshauptstadt Hannover.

Gruss aus Hannover - Neues Rathaus
(Wangenheimpalais) | 23.07.1898

Rathaus (Altes Rathaus) | 20.09.1904

Trachtenfest im Neuen Rathaus 1914

Vom 23. bis 24. Februar 1914 fand im "Neuen Rathaus" ein Trachtenfest statt. Auch die Frau des Stadtdirektors Heinrich Tramm nahm an der Veranstaltung teil. Olga Tramm, geb. Polna (1869-1936) war Sängerin an der hannoverschen Hofbühne und ungarisch-jüdischer Herkunft, bevor sie sich 1910 taufen ließ. Am 22. Februar 1910 gründete Olga Tramm in Hannover einen Ortsverband des "Richard Wagner-Verbands".

 

Trachtenfest Hannover 1914 Neues Rathaus | 24.02.1914

Frau Stadtdirektor Tramm in Alt-Wiener Tracht
Trachtenfest 1914 | 07.03.1914

Der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs wurde das "Wangenheimpalais" ab 10. August 1914 als Kriegsfürsorgeamt genutzt. Die Aufgabe der Dienststelle war die Auszahlung von Unterstützungsgeldern an bedürftige Frauen und Familien, deren Männer für den Krieg eingezogenen wurden. Auch als Arbeitsvermittlungs- und Sachleistungsstelle diente das Kriegsfürsorgeamt der Stadt.

Treudeutsche Grüße aus Hannover
Erbeutete russ. Kanonen vor dem Rathause. | 03.11.1916

 

General von Emmich | 19.03.1917

Vor dem Neuen Rathaus wurden ab 1915 mehrere erbeutete russische Kanonen ausgestellt.

Am 25. Dezember 1915 fand im "Neuen Rathaus" die Trauerfeier für den am 22. Dezember 1915 verstorbenen Ehrenbürger Hannovers - Albert Theodor Otto von Emmich (1848-1915) statt. Otto von Emmich war General der Infanterie und kommandierender General des X. Armee-Korps Hannover. Beerdigt wurde er auf dem Stadtfriedhof Engesohde. Die Kosten der Beerdigung übernahm die Stadt Hannover. Der Emmichplatz im Zooviertel Hannovers ist seit 1933 nach ihm benannt.

Der Zweite Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das "Neue Rathaus" bei einem amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt.

Neues Rathaus | 20.09.1933

Rathaus | 21.04.1942

Hannoverscher Landtag | Niedersächsischer Landtag (NL)

Der, von der britschen Militärregierung am 23. August 1946 (eine Woche vor Gründung des Landes Niedersachsen) ernannte, Hannoversche Landtag tagte im "Neuen Rathaus". Am 9. Dezember 1946 wurde in der 38,0 Meter hohen Rathaushalle das Land Niedersachsen proklamiert. Da nach der ersten Landtagswahl 1947 die Räume im Neuen Rathaus zu klein für die 149 Abgeordneten wurden, zog man in die Stadthalle Hannover um. Die erste Sitzung fand am 13. Mai 1947 statt. In den Jahren von 1947 bis 1961 tagte der Niedersächsische Landtag (NL) nun provisorisch im "Weißen Saal" der Stadthalle. Da auch hier der Platz sehr beengt war, es gab weder Nebenräume für die Arbeit der Fraktionen und Ausschüsse noch Presse- und Publikumsbereiche zog der Landtag nach umfangreichen Aufbau- und Umbauarbeiten 1962 in das Leineschloss.

Am 10. Dezember 1950 wurde im historischen Hodler-Saal des "Neuen Rathauses" der Deutsche Sportbund (DSB) gegründet. Seit 1961 befindet sich auf dem Trammplatz die Skulptur des Bogenschützen. Das Kunstwerk wurde 1961 vom Waterlooplatz zum Trammplatz versetzt. Der Bogenschütze wurde 1939 durch den Bildhauer Ernst Moritz Geyger (1961-1941) geschaffen.

Rathauskuppel und Kuppelaufzug

Die Höhe der Rathauskuppel mit ihrer Aussichtsplattform beträgt knapp 100 m. Einzigartig in Europa ist der Aufzug, der einen bogenförmigen (parabelförmig der Kuppel folgend) Fahrverlauf aufweist. Der Aufzug wurde 1913 errichtet. Der Fahrkorb wurde in dampfgebogenen Eichenschienen geführt. Die zwei Tragseile legen sich während der Fahrt nach unten auf drei Doppelrollen in der Schachtwand auf. Der Aufzug war witterungsbedingt im Winterhalbjahr nicht benutzbar.

Vom Aufzugausstieg führt eine Wendeltreppe zu den Aussichtsebenen. 2005 besuchten über 90.000 Besucher den Rathausturm. In 2007/08 wurde ein neuer Aufzug installiert, die letzte Fahrt des alten Aufzuges fand im November 2007 statt.

Der neue Kuppelaufzug wurde am 27. April 2008 in Betrieb genommen. In einem Winkel von bis zu 17° steigt der Aufzug in dem 50 m langen Schacht zur Kuppelgalerie auf, dabei versetzt der Aufzug horizontal um über acht Meter.

Der "Freundeskreis Hannover e.V." wurde 1988 im "Neuen Rathaus" gegründet und vom 20. bis 23. Juni 2013 wurde das 100-jährige Bestehen des "Neuen Rathauses" gefeiert.

Gott mit uns - Für Kaiser u. Reich | Rathaus | 01.10.1915

Provinzial-Museum

Das Provinzial-Museum (heute: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, NLMH) befindet sich am Maschpark gegenüber dem Neuen Rathaus. 1895 wurde ein Wettbewerb ausgelobt, den der aus Berlin stammende Architekt Hubert Stier (1838-1907) gewann. Er entwarf das Museumsgebäude im Stil der Neorenaissance. Eröffnet wurde es 1902, gebaut wurde von 1897 bis 1901. 1933 wurde das Museum in Landes-Museum umbenannt und im Zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel zerstört.

Provinzial-Museum | 06.09.1910

Provinzial-Museum | 17.11.1909

Von 1995 bis 2000 erfolgten umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Innern des historischen Hauses. Die Wiedereröffnung fand am 13. Mai 2000 statt. Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover (NLMH) umfasst heute eine Gemälde- und Skulpturensammlung, die Landesgalerie mit Kunstwerken aus dem Mittelalter bis zum frühen 20. Jh. sowie Exponate aus der Archäologie und der Natur- und Völkerkunde. Das Museum beherbergt darüber hinaus auch ein Vivarium mit Fischen, Amphibien und Reptilien.

Wotan-Denkmal

Die Wotan-Gruppe wurde von Friedrich Wilhelm Engelhard (1813-1902) erschaffen. 1888 vollendete er die Skulptur für den germanischen Gott Wotan in Kalkstein. Das Denkmal zeigt den germanischen Gott mit seinen beiden Wölfen. Die sehr aufwendig gestaltete Skulptur wurde 1901 in der Planckstraße hinter dem Provinzial-Museum (heute: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, NLMH) aufgestellt. 1943 wurde das Denkmal entfernt und 1987 wieder am Standort aufgestellt.

Wotan-Gruppe am Provinzial-Museum | 08.02.1913

Wotangruppe | 25.10.1903

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte Niedersachsens Band 4: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs | Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen e.V. | Wallstein Verlag GmbH Göttingen | 2016
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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