Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

1856-1991 Maschinenfabrik – Kessel- und Apparatebau Albert Knoevenagel

Albert Knoevenagel (1825-1907), geboren in Landsberg an der Warthe (heute Polen), unterschrieb, nachdem er in Berlin die Gewerbeakademie besucht hatte, am 16. Januar 1846 bei Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868) einen Arbeitsvertrag um in seiner "Eisengießerei und Maschinenfabrik" - später: HANOMAG AG, zu arbeiten. Mit einem von Egestorff unterzeichneten Arbeitszeugnis, in welchem er als besonders guter Arbeiter bezeichnet wird, begab er sich 1848 auf die Wanderschaft nach Chemnitz/Sachsen, von dort in die Schweiz und nach Südfrankreich. Danach kehrte er nach Hannover zurück.

Gründung der Maschinenfabrik

Während seiner Zeit in verschiedenen hannoverschen Betrieben reiften längst gehegte Pläne - Albert Knoevenagel machte sich selbstständig. Seine Schwester Emma gab ihm ihre Ersparnisse in Höhe von 3000 Talern und am 6. April 1856 eröffnete er seinen Betrieb mit acht Gesellen in Linden, in der Falkenstraße 11, Ecke Auf dem Kampe (heute: Eleonorenstraße). Produziert wurden Werkzeugmaschinen, Bandsägen und Geräte für die Landwirtschaft. Schon vier Jahre nach Gründung wurde der Bau von Dampfmaschinen aufgenommen. Die ersten Modelle waren sogenannte Balkendampfmaschinen, von denen die kleineren mit einfachem Muschelschieber, die größeren mit von Hand verstellbarer Meyer'scher Steuerung ausgerüstet waren.

Umzug in die Hannover-List/Oststadt und Eisenbahngüterwagenbau

Raummangel machte 1865 die Verlegung der Firma von Linden in die Hannover-List/Oststadt (Heinrichstraße 42) notwendig, wozu sich die Gelegenheit bot, die Hälfte der alten Eisenbahnwaggonfabrik von Adolph Lücke zu kaufen. Nach einigen Jahren wurde auch die zweite Hälfte der Fabrik erworben und ein Teil der "Willmer'schen Wagenfabrik" pachtweise angegliedert. Von nun an wurden Eisenbahngüterwagen gebaut, wozu die Anschaffung eines Dampfhammers notwendig wurde. 1872 beschäftigte das Unternehmen 220 Arbeiter. Der Waggonbau wurde 1873 für den Dampfmaschinenbau aufgegeben. Albert Knoevenagel hatte das Patent für die "Präcisions-Ventilsteuerung für Dampfmaschinen mit vom Regulator beeinflusster Expansion". Er hielt neben weiteren Patenten auch eines für "Transmissionen" in einer für Deutschland neuen Bauart.

Umzug nach Hannover-Vahrenwald

Albert Knoevenagel hatte schon zu Beginn der 1870er-Jahre ein Grundstück in Hannover-Vahrenwald, erworben. Dorthin verlegte er 1887 zunächst die Eisengießerei mit der Kessel- und Maschinenanlage und errichtete daneben 1894 ein massives Modellhaus, nachdem durch einen Brand in der Fabrik Heinrichstraße sämtliche Modelle verloren gegangen waren. Infolge der Neugestaltung des neben dem Hauptbahnhof (Hbf) in Hannover-Mitte gelegenen Raschplatzes verpflichtete sich die Firma gegenüber dem Magistrat der Stadt Hannover, die Fabrik bis 1900 aus der Heinrichstraße zu verlegen. Dies führte zu weiteren Neubauten in Hannover-Vahrenwald, die den bereits vorhandenen Anlagen angegliedert wurden. Der Umzug des gesamten Betriebes in die Hütten- und Emil-Meyer-Straße 20 (die Straße wurde erst 1911 angelegt) war am 1. Juli 1900 abgeschlossen. Ein eigener Gleisanschluss an die Hannoversche Staatsbahn mit zwei Drehscheiben vervollständigte das Bauprogramm.

Albert Knoevenagel wurde 1870 zum Mitgründer und Vorstandsmitglied im Bezirksverband des "Vereins Deutscher Ingenieure (VDI)", von dem er 1880 zum Vorsitzenden gewählt und 1905 zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Auch war er zusammen mit dem Fabrikanten und Ingenieur Louis Eilers (1844-1917) - Mitbegründer des "Vereins zur Überwachung von Dampfkesseln", dem Vorläufer des "Technischen Überwachungsvereins (TÜV)". Er wurde 1873 zu dessen Vorsitzenden gewählt und behielt diese Funktion 34 Jahre lang bis zu seinem Tode inne. Albert Knoevenagel war von 1883 bis 1893 der 1. Vorsitzende des "Lindener Bürgervereins von 1883". Daneben war er auch bürgerlicher Senator der Stadt Hannover.

Die Maschinenfabrik und ihr Inhaber wurden mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. 1860 erhielt man eine Medaille während einer Ausstellung in Besançon (Frankreich) für ein Sägegatter und 1862 ebenfalls eine Medaille auf der Weltausstellung in London. 1885 erhielt man die Goldmedaille auf der Weltausstellung in Antwerpen und 1890 dann eine Silbermedaille auf der Gewerbeausstellung in Bremen.

Knoevenagel-Villen in der Hannover-Nord- und Oststadt

Albert Knoevenagel baute sich in der Hohenzollernstraße 4., in der Hannover-Oststadt eine Villa (noch vorhanden) als Wohnhaus. Verheiratet war er mit Mina Knoevenagel, geb. Niemeyer (1827-1907). Sein Sohn Max Knoevenagel (1856-1951), verheiratet mit Adele Knoevenagel, geb. Uhlenhuth (1871-1949), war ab 1892 Mitinhaber der Firma. Albert Knoevenagel war der ältere Bruder des Chemikers, Stenografen und Unternehmers Dr. phil. Julius Knoevenagel (1832-1914). 

Albert Knoevenagel kaufte 1892 eine 1887 errichtete neugotische Backsteinvilla (noch vorhanden) in der Alleestraße 36., in der Hannover-Nordstadt. Die Villa wurde für den Chemiker Prof. Dr. Heinrich August Wilhelm Ferdinand Fischer (1862-1916) durch den Architekten und Hochschullehrer Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) errichtet. Albert Knoevenagel schenkte noch im selben Jahr seinem Sohn Max Knoevenagel die Villa. Das Gebäude wurde bei Luftangriffen während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und in den Jahren von 1949 bis 1950 nach Plänen des Architekten Wilhelm Ernst Friedrich Kröger (1882-1938) verändert wieder aufgebaut.

Am 27. Mai 1907 starb Albert Knoevenagel in Hannover. Er wurde auf dem Stadtfriedhof Engesohde neben seiner Ehefrau im Familiengrab beigesetzt. Auch sein Sohn Max Knoevenagel und dessen Ehefrau wurden dort beerdigt. In Hannover-Hainholz wurde 1956 der Knoevenagelweg nach Albert Knoevenagel benannt.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Im April/Mai 1941 erschütterten die ersten Bomben das Werk, und im Laufe der folgenden Kriegsjahre führten insgesamt 17 Luftangriffe zu Verwüstungen. Am 28. März 1945 lag die Fabrik in Schutt und Asche, nach amtlicher Feststellung waren 85% der Anlagen zerstört. Doch schon am 2. Mai 1945 wurde die Arbeit mit 52 Mitarbeitern wieder aufgenommen.

Die Maschinenfabrik Knoevenagel GmbH & Co. KG wurde 1991 nach 135 Jahren für immer geschlossen. Seit 1993 befindet sich die gemeinnützige "Musikzentrum Hannover GmbH" in der ehemaligen Modellhalle und baute sie für ihre Zwecke mit Übungsräumen sowie einem Tonstudio um. Die ehemalige Produktengarage wurde zum Musiktheater für Konzerte umgebaut.

Dr. phil. Julius Knoevenagel (1832-1914), Chemiker, Stenograf und Unternehmer

Dr. phil. Julius Knoevenagel war Chemiker, Stenograf, Unternehmer und der jüngere Bruder des Maschinenfabrikanten Albert Knoevenagel. 1886 schrieb er das Buch: "Neue abgekürzte Kurrentschrift für jedermann zum Selbstunterricht und für Schulen". Verlegt wurde das Werk vom Meyer Verlag aus Hannover. Der Photografische Verein zu Hannover und Linden wurde ebenfalls durch Julius Knoevenagel und den Fotografen Georg Alpers jun., als Interessenvertretung in Hannover gegründet.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900 | Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
100 Jahre Maschinenfabrik, Kessel- und Apparatebau Knoevenagel 1856-1956 | Festschrift | 1956
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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