Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Lya di Putti
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Lya de Putti (1897-1931)

Lya de Putti wurde am 10. Januar 1897 in Vecsés/Ungarn geboren. Sie war die jüngste Tochter des ungarischen Ulanen-Offiziers italienischer Abstammung, Baron Pál Putty und dessen Ehefrau, Gräfin Lili Putty, geb. Holyos. Sie wuchs auf dem elterlichen Landsitz bei Kolozsvár (heute: Cluj, Rumänien) auf.

Dort wurde sie von Hauslehrern unterrichtet; später kam sie auf eine nahe gelegene Klosterschule. Mit 16 Jahren heiratete sie 1913 den Landrat Zoltán Szepessy. Mit ihm hatte sie zwei Töchter: Lucy (1914-?) und Judith (1916-?). Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter verließ Lya de Putti ihre Familie und ging nach Budapest/Ungarn. Gefangen in den Traditionen der konservativen Landaristokratie inszenierte ihr Ehemann die Beerdigung seiner Ehefrau. Später wurde die Ehe in aller Heimlichkeit geschieden und sie sah ihre Familie nie wieder.

In Budapest arbeitete sie einige Zeit als Krankenpflegerin und besuchte die Schauspielschule von Szidi Rákosi (1852-1935). Noch während ihres Besuchs dieser Schule trat sie in Budapest in Revueen des Royal Orpheum und Magyar Szinház auf, doch ohne wirklichen Erfolg. In dieser Zeit engagierte sie Franz Molnár (1878-1952) für sein Stück Das Märchen vom Wolf.

Durch Franz Molnár bekam sie Kontakte zu den Phönix- und Astra-Filmstudios und erhielt dort kleine Statistenrollen. Unter anderem engagierte Béla Balogh (1885-1945) sie für Die Soldaten des Kaisers (1918), eine Adaption eines Stücks von Imre Földes (1881-1958). Langsam wurde Lya di Putti bekannt und konnte sich auch neben etablierten Kollegen wie Fern Andra (1894-1974) behaupten. Da Lya an ihren künstlerischen Durchbruch in Budapest nicht mehr glaubte, ging sie nach Bukarest und wurde dort 1920 von Dolly A. Sigetti mit der Hauptrolle im Film Auf den Wogen des Glücks (1920) betraut.

Ross Verlag 1268/1

Gleich im Anschluss an diese Dreharbeiten wurde Lya noch im selben Jahr nach Berlin engagiert, wo sie in Zigeunerblut (1920) von Karl Otto Krause brillierte. Nach einigen kleineren Rollen unter der Regie von Richard Oswald (1880-1963) kam der Durchbruch durch Das indische Grabmal (1921) von Joe May (1880-1954). Anschließend war sie in zwei Filmen von Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) zu sehen. 1924 erreichte sie den Gipfelpunkt ihrer Popularität: weit vor Asta Nielsen (1881-1972) wurde sie von den Lesern der "Neuen Illustrierten Filmwoche" zur beliebtesten Schauspielerin des Jahres 1924 gewählt.

Kaum war der Film Junges Blut (1926) von Manfred Noa (1893-1930) abgedreht, kam das ersehnte Engagement nach Hollywood/USA. Adolph Zukor (1873-1976) engagierte sie für verschiedene Projekte, da Lya dort durch Varieté (1925) von Ewald André Dupont (1891-1956) bereits bekannt war. Auch der Kostümfilm Manon Lescaut (1925), in dem sie die Titelrolle übernahm, wurde ein großer Erfolg. 1926 erhielt sie einen Vertrag bei den Paramount Studios. Doch bereits der erste Film, von D. W. Griffith (1875-1948) inszeniert - The Sorrows of Satan (1926), geriet zu einem finanziellen Desaster für das Studio.

1927 kehrte Lya nach Berlin zurück, um dort 1927/28 unter Adolf Edgar Licho (1876-1944) den Film Charlott etwas verrückt (1928) zu drehen. Auch mit dieser Rolle konnte Lya de Putti nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Bei den Dreharbeiten kam es zu einem schweren Unfall, als Lya durch Unachtsamkeit aus einem Fenster fiel. Die Presse deutete dies als einen Selbstmordversuch nun verließ Lya de Putti Deutschland für immer. Es folgten Auftritte in eher minderwertigen Filmen, die bei Publikum und der Kritik auf wenig Resonanz stießen.

1929 ging Lya nach London, um unter Arthur Robison (1888-1935) den Film The Informer (dt. Titel: Die Nacht nach dem Verrat) zu drehen. Zunächst als Stummfilm begonnen, versuchte man dem Tonfilm Rechnung zu tragen, indem man Teile des Filmes mit Dialogen versah. Lya musste ihres starken Akzents wegen synchronisiert werden. Doch der Film kam beim Publikum nicht an. Kurz darauf erklärte sie ihren endgültigen Rückzug von der Leinwand. Ihr Versuch, auf der Bühne zu reüssieren, scheiterte kläglich. Die am 17. November 1930 in New York City uraufgeführte Komödie Made in France wurde schon nach wenigen Tagen wieder abgesetzt.

Lyas Leben endete auf tragische Weise. Sie verschluckte einen Hühnerknochen, der durch eine Notoperation entfernt werden musste. Durch Komplikationen kam es zu einer Blutvergiftung, die sie, bereits geschwächt durch eine Lungenentzündung, nicht überlebte. Im Alter von nur 32 Jahren starb Lya de Putti, vom Publikum vergessen, am 27. November 1931 in New York City.

Wenige Wochen nach Lyas Tod beging ihr geschiedener Mann Zoltán Szepessy Selbstmord.

Ross Verlag 3817/2

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1918: Die Soldaten des Kaisers
  • 1920: Auf den Wogen des Glücks
  • 1920: Zigeunerblut
  • 1921: Die Liebschaften des Hektor Dalmore
  • 1921: Die treibende Kraft
  • 1921: Du bist das Leben
  • 1921: Das indische Grabmal
  • 1921: Ilona
  • 1922: Othello
  • 1922: Phantom
  • 1922: Die drei Marien und der Herr von Marana
  • 1923: Die Fledermaus
  • 1923: Die Schlucht des Todes
  • 1923: S.O.S. - Die Insel der Tränen
  • 1924: Thamar, das Kind der Berge
  • 1924: Claire, die Geschichte eines jungen Mädchens
  • 1924: Im Namen des Kaisers
  • 1924: Komödianten
  • 1925: Eifersucht
  • 1925: Varieté
  • 1925: Manon Lescaut
  • 1926: Junges Blut
  • 1926: Lord Satanas (The Sorrows of Satan)
  • 1926: Prince of Tempters
  • 1926: Matrosenliebchen (God gave me twenty cents)
  • 1927: Herzensdieb (The heart thief)
  • 1928: Midnight Rose
  • 1928: Charlott etwas verrückt
  • 1928: Buck Privates
  • 1928: Die rote Lady/Das Weib in Purpur
  • 1929: Die Nacht nach dem Verrat (The Informer)

Portrait und Szenenkarten

                     

                   Ross Verlag 492/2                               Ross Verlag 1700/2                                Ross Verlag 3020/2

Junges Blut | Slezak - Lya di Putti | D 1926
Ross Verlag 1350/1

 

     

                  Ross Verlag 3020/3

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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