Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe von 1860-1870

- Auflistung mit einigen Eckdaten zu den Betrieben -

1861 Wilhelm Neuse Handel für Landwirtschaftliche Geräte, um 1890 Landmaschinen- und Maschinenfabrik Arnold Meese, später auch Landmaschinenhandel

Die Firma für Landwirtschaftliche Geräte des Kaufmanns Wilhelm Neuse befand sich laut Adressbuch von 1866 bis 1888 in der Deisterstraße 4., in Linden-Süd. Man betrieb auch ein Lager für Düngemittel. Privat wohnte Wilhelm Neuse in der Contre-Escarpe 8., in der Calenberger-Neustadt. Laut Adressbuch von 1888 wohnte er danach dann in der Falkenstraße 63 a. I. Etg. und 1897 in der Niemeyerstraße 14., I. Etg. rechts in Linden-Mitte.

um 1890-1933 Landmaschinen- und Maschinenfabrik Arnold Meese, später auch Landmaschinenhandel

Die um 1890 gegründete Landmaschinen- und Maschinenfabrik des Kaufmanns Arnold Meese befand sich laut Adressbuch von 1897 in der Deisterstraße 8 c. (Hinterhaus), in Linden-Süd. Sie ging aus dem von Arnold Meese übernommen Handel für Landwirtschaftliche Geräte des Kaufmanns Wilhelm Neuse (siehe oben) hervor. Man war unter anderem auch Generalvertreter für “John`s Volldampf-Waschmaschinen D.R.G.M.“. Privat wohnte Arnold Meese mit seiner Familie in der Deisterstraße 1.

Später zog das Unternehmen in die neuen Fabrikgebäude an der Deisterstraße 33-37., in Linden-Süd. Laut Adressbuch von 1928/29 war die Firma zu dieser Zeit eine GmbH und gehörte Julius Meese. Privat wohnte Julius Meese am Firmenstandort im Erdgeschoss, er war auch Besitzer der Immobilien.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb der Firmeninhaber mit seinem späteren Partner und Nachfolger Ernst Lampe von 1933 bis 1949 einen Einzel- und Großhandel für Landmaschinen mit einer eigenen Reparaturwerkstatt. Nachdem der Landmaschinenhandel aufgegeben wurde, zog das "Autohaus Deisterstraße GmbH." auf das Grundstück, und seit 1999 befinden sich dort die " Deisterhöfe" (Wohnungsbau-Projekt). An die Landmaschinen- und Maschinenfabrik erinnert heute nur noch der erhaltene hohe Fabrikschornstein.

Einzel- und Großhandel für Landmaschinen Ernst Lampe

1928/29 betrieb auch Ernst Lampe (Am Waterlooplatz 2. in Hannover-Mitte) einen Landmaschinenhandel. Laut Adressbuch von 1934 bis 1953 war der Betrieb später in der Deisterstraße 28. ansässig. Privat wohnte Ernst Lampe auch nach 1928/29 in der Deisterstraße 28., er war nun Besitzer der Immobilie.

John`s "VOLLDAMPF-Waschmaschine"
Niederlage bei: Arnold Messe, landwirtschaftliche Maschinen, Hannover-Linden, Deisterstrasse | 31.12.1904

1860 Rademacherei Heinrich Jacobi wird Wagenfabrik

Die Wagenfabrik Jacobi entstand aus der 1820 in der Falkenstraße 16-18., in Linden-Mitte, gegründeten Rademacher- und Stellmacherei Heinrich Jacobi. Man baute Hand-, Acker-, Geschäfts-, Kutsch- und Krankenwagen. Herrenhäuser aus ganz Deutschland waren Kunden bei Heinrich Jacobi. Für die Familie Jacobi wurde 1860 ein Wohn- und Geschäftshaus an der Falkenstraße 16. errichtet, dass heute unter Denkmalschutz steht. 1906 wurde in einem neuen Fabrikgebäude auf dem Grundstück mit dem Automobilkarossenbau für Firmen wie Dürkopp und Protos begonnen. In den 1920er-Jahren kommt noch ein Kontorhaus hinter dem Wohnhaus der Familie Jacobi hinzu. Die Wagenfabrik entwickelte sich zu einer der renommiertesten Wagen- und Luxuswagenfabriken in Deutschland.

Am 1. Januar 1951 wird ein Autohaus gegründet, das noch heute unter dem Namen Gessner & Jacobi GmbH & Co. KG - Vertragshändler für VW-Volkswagen Personenkraftwagen (PKW) und Nutzfahrzeuge in der Falkenstraße zu Hause ist. Seit Anfang Januar 1964 ist die Firma Volkswagen-Direkthändler, seit Mitte der 1970er-Jahre auch für die Marke Audi. 1998 wird das Volkswagennutzfahrzeugzentrum Hannover-West am Bauweg, am Lindner Hafen eröffnet. Das in den 1920er-Jahren errichtete Kontorhaus (Falkenstraße 16 a.) wird 2016 abgerissen, um Platz für einen Firmenneubau an der Ecke Falken- und Jacobsstraße zu schaffen.

1860-1871 Asphaltfabrik August Egestorff

Um 1730 herum wurde erstmals Asphaltgestein zwischen Ahlem und Velber, bei Hannover, an der Straße zwischen Hardenberg und Limmer, wo sich die Harenberger Straße (heute Heisterbergallee) an der Höhe senkt, entdeckt.

Johann Heinrich August Egestorff (1833-1919?), ein Cousin von Johann Georg Heinrich Egestorffs (1802-1868), hatte 1860 Asphaltfelder bei Ahlem gekauft und gründete seine Asphaltfabrik. 1864 tat er sich mit Diedrich Heinrich Henning zusammen, dieser hatte gestützt auf die örtlichen Asphaltvorkommen zwischen Ahlem und Velber 1841/42 seine Asphaltfabrik, es war die erste Asphaltfabrik Deutschlands, gegründet. Schon 1852 empfahl sich die Firma im Adressbuch für sämtliche Ausführungen in Asphalt. Laut Adressbuch von 1866 und 1868 war nun der Kaufmann Johann Friedrich Andreas Geffers, verheiratet mit Sophie Luise Geffers, geb. Henning, Inhaber der Firma D. H. Henning. 1871 verkauften Egestorff und Geffers ihre Lagerstätten und Asphaltgruben an englische Investoren - die Englische The United Limmer and Vorwohle Rock Asphalt Company Ltd. wurde gegründet. 1874 wurden bereits 250 Arbeiter beschäftigt.

1860 Maschinenfabrik Mechanikus G. Th. König

G. Th. König war Köngl. Hofmechaniker. Die Fabrik befand sich in der Blumenauer Straße 23.

1860 Kesselschmiede Friedrich Schrage in Bornum

Die Kesselschmiede von Friedrich Schrage wurde 1860 in Bornum, Im Dorfe (heute: Ecke Hudeplan) gegründet. Später übernahm sein Sohn Carl Schrage (1857-1937) die Firma. Carl Schrage war mit Marie Schrage, geb. Sohns (1859-?) verheiratet. Carl Schrage wurde auf dem Lindener Bergfriedhof beerdigt, das Grab ist noch vorhanden.

Carl Schrage erweiterte den Betrieb um ein Verwaltungsgebäude (noch vorhanden) und eine Fabrikantenvilla. Sein Schwager August Struß wurde Teilhaber der Firma. Nach 1897 wurde die Firma, nun Dampfkessel und Behälterbau in die Badenstedter Straße 98-100 nach Linden/Körtingsdorf verlegt. In der Badenstedter Straße wurden Neubauten für die Produktion und Verwaltung errichtet. Carl und Friedrich Schrage waren auch Besitzer der Immobilien. Der Familienbetrieb ist noch immer am Standort in Hannover-Linden tätig.

1901 gründete Carl Schrage mit August Struß ein zweites Unternehmen. Die Dampfkesselfabrik und Apparate-Bauanstalt Schrage & Struß mit sitzt in der Empelder Straße 98 in Badenstedt.

Siehe auch: 1901 Dampfkesselfabrik und Apparate-Bauanstalt Schrage & Struß

1861 Chemische Fabrik Dr. Eugen de Haen & Cie.

Vom 1. September 1861 bis zum Sommer 1862 befand sich der erste Firmensitz der "Chemischen Fabrik Dr. Eugen de Haen & Cie.", die der Chemiker und Unternehmer Dr. Carl Johann Eugen de Haen (1835-1911) gründete, in der Falkenstraße 9, heute Falkenstraße 18., in Linden-Mitte. Man begann dort mit der Herstellung von Goldschwefel. Danach nutzte das Gelände sein Geschäftspartner, der Chemiker, Stenograf und Unternehmer Dr. phil. Julius Knoevenagel (1832-1914) für seine eigene Chemische Fabrik. Später erwarb dann die Rademacherei / Stellmacherei Heinrich Jacobi, seit 1860 Wagenfabrik und seit 1951 Autohaus Gessner & Jacobi GmbH & Co. KG, bis heute das Gelände.

Dr. Carl Johann Eugen de Haen (1835-1911), Chemiker und Unternehmer

Dr. Carl Johann Eugen de Haen wurde am 26. dezember 1835 in Duisburg/Nordrhein-Westfalen geboren. Er heiratete 1862 die aus Hannover-Hainholz stammende Mathilde de Haen, geb. Schroeder (1834–1909). Das Ehepaar hatte insgesamt zehn Kinder. Der Unternehmer ließ sich um 1870 vom Architekten Heinrich Köhler (1830-1903) eine Villa am Schiffgraben 34. in Hannover errichten. Das Gebäude ist nicht mehr erhalten. 1903: wurde er zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Dr. Carl Johann Eugen de Haen starb am 16. November 1911 in Hannover.

Dr. phil. Julius Knoevenagel (1832-1914), Chemiker, Stenograf und Unternehmer

Dr. phil. Julius Knoevenagel war Chemiker, Stenograf, Unternehmer und der jüngere Bruder des Maschinenfabrikanten Albert Knoevenagel (1825-1907). 1886 schrieb er das Buch: "Neue abgekürzte Kurrentschrift für jedermann zum Selbstunterricht und für Schulen". Verlegt wurde das Werk vom Meyer Verlag aus Hannover. Der Photografische Verein zu Hannover und Linden wurde ebenfalls durch Dr. phil. Julius Knoevenagel und den Fotografen Georg Alpers jun., als Interessenvertretung in Hannover gegründet.

1861 Feilenfabrik und Dampfschleiferei H. C. Pfuhl & Co.

Der Feilenhauer H. Conrad Pfuhl gründete 1861 die Feilenfabrik mit Dampfschleiferei. Der Betrieb in der Göttinger Straße 66., in Linden-Süd, arbeitete seit beginn an mit einer Dampfmaschine, die zwei Schleifsteine von drei Meter Höhe antrieb. 1872 kam noch eine weitere Dampfmaschine hinzu. Es wurden ca. 80 Arbeiter in der Feilenfabrik und Dampfschleiferei beschäftigt.

1862 Hannoversche Gummi-Kammfabrik, später 1871 Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Companie., ab 1899 Hannoversche Gummi-Kamm-Companie Actien Gesellschaft Hannover-Limmer, ab 1912 Hannoversche Gummi-Werke, Excelsior-Pneumatic AG, seit 1928 Continental Gummi-Werke AG Hannover-Linden

1862-1931 Ultramarinfabrik Egestorff

Die Fabrik lag an der Davenstedter Straße 59, in Höhe des heutigen Westschnellweges. Sie wurde zur Weiterverarbeitung von Abfallprodukten der 1839 von Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868) gegründeten Chemischen Fabrik errichtet.

Ein Fabrikationszweig war die Herstellung des Ultramarinblaus. 1872 verschmolz das Unternehmen mit der neugegründeten Aktien-Gesellschaft Georg Egestorffs Salzwerke und Chemische Fabriken. 1889 beschäftigte die Ultramarinfabrik 90 Arbeiter. Verkauft wurden die Produkte im In- und Ausland. Das Unternehmen wurde 1890 von den Vereinigten Ultramarinfabriken, vormals Leverkus, Zeltner & Co. aus Köln am Rhein übernommen, und unter dem gleichen Namen weitergeführt.

Ab 1930 wurden nur noch Rohfarben produziert und ab 1931 wurde der Betrieb, wie auch die Chemische Fabrik nach Nienburg/Weser verlegt und die Gebäude geschlossen. Ein Gebäude, das Bestandteil der Ultramarinfabrik war ist noch mit der Davenstedter Straße 69 erhalten.

1862-1872 Farbenfabrik AG Egestorff

Die Fabrik befand sich in der Davenstedter Straße 15. Auch die Farbenfabrik AG Georg Egestorff fusionierte 1872 mit der Aktien-Gesellschaft Georg Egestorffs Salzwerke und Chemische Fabriken.

1864-1911 Mineralwasserfabrik Hurtzig & Feldmann

Die Mineralwasserfabrik mit Dampfbetrieb (Balancierdampfmaschine ohne Kondensation und Expansion - Dampferzeugung: Fairbairnkessel), stammte aus der Maschinenfabrik und Eisengießerei von Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868), später Hannoversche Maschinenbau AG (HANOMAG AG). Sie befand sich an der Blumenauer Straße 4 a., in Linden-Mitte. Gegründet wurde die Fabrik vom Unternehmer und Wirtschaftsführer Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig (1825-1897), kurz "Fritz" genannt und dem Apotheker Ernst Louis Albert Feldmann. Außer Mineralwässern wurden Limonaden und Kohlensäure hergestellt. Bis 1874 wurden 33 Trinkhallen in Linden und Hannover eröffnet. Ab 1890 war Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig dann Alleininhaber des Unternehmens. Die Mineralwasserfabrik wurde 1911 geschlossen.

Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig (1825-1897), Unternehmer und Wirtschaftsführer in Linden

Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig, kurz “Fritz“ genannt, wurde am 10. Juli 1825 in Linden geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Heinrich Leopold Hurtzig (1796-1858) und Rosine Eleonore Hurtzig, geb. Egestorff (1805-1838), eine Tochter von Johann Hinrich Egestorff (1772-1834). Sein Vater Heinrich Leopold Hurtzig leitete eine seit 1810 bestehende Holzhandlung und die 1823 mit seinem Schwiegervater Johann Hinrich Egestorff gegründete "Zuckersiederei Egestorff & Hurtzig" in Linden-Mitte (Blumenauer Straße, spätere Anschrift Ihmebrückstraße 9.). Hier wurde Rohrzucker aus kubanischem Zuckerrohr gewonnen.

1851 heiratete Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig in Hildesheim/Niedersachsen Dorothea Hurtzig, geb. Brandes (1827-1903), eine Tochter des Apothekers Brandes aus Hildesheim, mit der er zwei Söhne und drei Töchter hatte. Im selben Jahr stieg er in den väterlichen Betrieb ein. Nach dem Tod seines Vaters war er von 1858 bis zur Schließung 1864 Besitzer und Direktor der Zuckersiederei. Das Unternehmen hieß nun "Egestorff jun. et Hurtzig, Zuckerfabrik und Holzhandlung, Linden vor Hannover". Von 1853 bis 1858 war er einer der Direktoren, der 1853, von den Bankiers Adolph Meyer (1807-1866) und Alexander Herz Cohen, mit einem Aktienkapital von 1 Mio. Taler gegründeten "Hannoversche Baumwoll-Spinnerei und Weberei Hannover-Linden". Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig war auch Mitbegründer und Leiter des ersten Hannoverschen Aktienvereins für Flachsbereitung, der aber schon 1871 wieder aufgelöst wurde. Mit dem Celler Bankier Carl Hostmann (1799-1858) gründete er 1856 die "Bergwerks- und Hüttengesellschaft Peine" in Niedersachsen. Nach deren Pleite in der Weltwirtschaftskrise gründete er 1858 die "Ilseder Hütte" und war bis 1860 geschäftsführender Direktor und danach Mitglied des Verwaltungsrats.

Ab 1861 war er Direktor des "Hannoverschen Gewerbevereins" und ab 1862 zunächst provisorischer Leiter und später, bis 1878 Direktor der "Aktien-Zuckerfabrik Neuwerk" bei Hannover, diese besaß Fabriken in Gehrden und Sarstedt bei Hannover. 1864 gründete er mit dem Apotheker Ernst Louis Albert Feldmann die oben schon erwähnte "Mineralwasserfabrik Hurtzig & Feldmann". Von 1867 bis 1874 war er der erste Präsident der Handelskammer Hannover, heute IHK-Hannover und zeitweilig auch im Ausschuss des Deutschen Handelstages. Seit 1871 war Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig Vorsitzender des Aufsichtsrats der "Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer" und ab 1872 Mitglied des Verwaltungsrats und später dann auch noch Mitglied des Vorstands bei der "Egestorff Salzwerke AG". In den Jahren 1871 bis 1882 war er Mitglied der Lindener Gemeindeversammlung und wurde 1874 in den Kreistag des Landkreises Linden gewählt. Bis 1875 war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der 1872 gegründeten "Hannoverschen Baugesellschaft AG". Auch in weiteren Aufsichtsräten war Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig Mitglied oder deren Vorsitzender. 1886 gründete er zur Versorgung die "Hannoversche Brotfabrik AG" (Habag), die 1929 von Franz Harry (1892-1946) erworben wurde.

Am 29. Mai 1897 starb Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig mit 72 Jahren in Linden.

1864 Hannoversche Kunstwollfabrik, ab 1866 Kunstwollfabrik Ludwig Lewenstein

1866 kaufte Ludwig Lewenstein die schon vorhandene Fabrik. Der Erfolg des Unternehmens, in der Stärkestraße 15, gründete auf die Krise in der Internationalen-Baumwollindustrie. Vor 1866 betrieb er schon eine Manufakturwarengroßhandlung in der Schillerstraße 20 b, in Hannover. Privat wohnte Lewnstein in der Calenberger Straße 2 in der Calenberger-Neustadt.

1870 lieferte die Kunstwollfabrik pro Monat 50.000 kg Wolle und beschäftigte 160 Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügte auch über eine Dampfmaschine mit 40 PS Leistung und zwei Dampfkesseln. Zur Weiterverarbeitung der Kunstwolle gründet Lewenstein 1873 die Ludwig Lewenstein & Co. Kommanditgesellschaft Weberei in Linden.  

1865 Holzhandlung und Sägewerk E. Hillegeist in der Calenberger Neustadt / Linden

Am 2. Juni 1865 gründete der Kaufmann und spätere Senator Ernst Adolf Hillegeist (1838-1911) an der Ihmebrücke, an der Ohestraße 3 d. (Calenberger-Neustadt) eine Holzhandlung. Das Gelände der Holzhandlung befand sich am anderen Ihme-Ufer, gegenüber dem Gesellschaftshaus Lindenhof, heute befindet sich auf dem Gelände ein Parkplatz.

1875 wurde sein Schwager Albert Holzberger (?-1902) Teilhaber der Firma und im selben Jahr richtete man ein Rundholzlager in Oldershausen am Harz ein. 1897 gründete Senator Hillegeist zusammen mit Albert Holzberger, Peter Wilhelm Escher aus Krefeld, Friedrich Julius Schreyer (1861-1932) aus Bremen und dessen Bruder Carl Wilhelm Schreyer aus Hildesheim die Dolinaer Dampfsägewerk GmbH mit Fabrik und Anlage (Molly-Säge) in Krechowice bei Dolyna, Ostgalizien/Polen (heute Ukraine). Als Vertreter Hillegeists wurde der Kaufmann Karl Könneker (1866-1934) eingesetzt. Karl Könneker war Prokurist der Firma E. Hillegeist.

Als 1902 Albert Holzberger starb, kehrte Karl Könneker nach Hannover zurück. 1908 wurde der Betrieb in Krechowice aufgelöst. Am 30. September 1910 vertrat der Prokurist Karl Könneker die Ernst Hillegeist OHG bei der Gründung der Ladestelle Küchengarten GmbH.

Siehe auch: 1910-1920 Ladestelle Küchengarten GmbH

Anfang 1911 übernahmen Karl Könneker und Ernst Hillegeists Neffe Ernst Holzberger (?-1918) die Unternehmensführung. Im Juni 1911 starb Ernst Adolf Hillegeist in Hannover. Nach dem Ersten Weltkrieg, Ernst Holzberger war 1918 in Frankreich gefallen, sein Bruder Kurt Holzberger (?-1945), verheiratet mit Maria Holzberger, geb. Weibezahn, hatte seinen Posten übernommen, wurde 1919 das Sägewerk Echte am Harz errichtet. 1942 brannte das Sägewerk durch Funkenflug ab, wurde aber wieder aufgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend modernisiert.

1927 wurde der Betrieb in Hannover um ein Hobelwerk erweitert. Es wurden auch mehrere Zweigwerke eröffnet. 1934 starb der Prokurist Karl Könneker im alter von 68 Jahren. Seine beiden Söhne, Hans Könneker (1902-1960), verheiratet mit Liselotte Könneker, geb. Menge und Walter Könneker traten an seine Stelle. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb vollständig zerstört, nur das Wohnhaus blieb stehen. Als Kurt Holzberger im Mai 1945 im Krieg fiel, wurde seine Frau Maria Holzberger Teilhaberin der Firma.

1949 wurde das abgebrannte Verwaltungsgebäude wieder aufgebaut und eine Lagerhalle errichtet. 1960 starb Hans Könneker, an seine Stelle trat seine Frau Liselotte Könneker, als Teilhaberin in das Unternehmen ein. Seit 1951 wurde vonseiten der Stadtverwaltung Hannover über Umzugsplänen für die E. Hillegeist OHG nachgedacht. 1965 wurden 100 Jahre E. Hillegeist gefeiert, zu diesem Anlass wurde auch eine Firmenchronik herausgegeben.

Ernst Adolf Hillegeist

Ernst Adolf Hillegeist wurde am 3. März 1838 in der Harzer Bergstadt Bad Grund geboren. Verheiratet war er mit Meta Hillegeist, geb. Holzberger, aus der Ehe gingen vier Töchter hervor. Am 14. Januar 1890 wurde er zum unbesoldeten Senator gewählt und ließ sich erst 1910 aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Senators entbinden. Am 5. Juni 1911 starb Ernst Adolf Hillegeist im Alter von 73 Jahren in Hannover.

Literatur- und Quellenverzeichnis:
Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
100 Jahre E. Hillegeist – Firmenchronik

Ich bedanke mich für die Informationen und die Recherche und den Einblick in historisches Material bei Herrn Bernd-Jürgen Könneker aus Empelde bei Hannover.

vor 1866 Sägemühle/Sägewerk Friedrich "Fritz" Knust und Karl Knust

Der Architekt und Maurermeister Friedrich Knust (1848-?), genannt "Fritz", betrieb mit seinem Bruder Karl Knust, der auch Architekt und Zimmermann war, bis ca. 1884 an der Falkenstraße 34., in Linden-Mitte, eine Sägemühle/Sägewerk. Später (um 1869) wurde aus der Falkenstraße die Davenstedter Straße 14. Heute befindet sich auf einem Teil des Grundstücks die Grundschule am Lindener Markt mit einer Turnhalle, die nach Friedrich "Fritz" Knusts Plänen 1885/86 errichtet wurde. Er war auch der Architekt, der ab 1887 erbauten Schule (Stammestraße 53.) und der Michaeliskirche in Hannover-Ricklingen, die er aber nicht vollendete.

Privat wohnten Friedrich "Fritz" Knust und sein Bruder Karl Knust, laut Adressbuch von 1866 bis 1872 in der Posthornstraße 1. und 1875 bis 1888 in der Niemeyerstraße 1., in Linden-Mitte. Ab Dezember 1888 wohnte Friedrich "Fritz" Knust in Hameln/Niedersachsen. Es gab eine Straße, die nach der Familie Knust 1874 benannt wurde, die Knuststraße in Linden-Mitte. Die Straße wurde 1892 umbenannt in Wittekindstraße. Friedrich "Fritz" Knust wird auch als Schüler des Architekten und Hochschullehrers Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) geführt. Er soll von 1864 bis 1869 in Hannover bei Conrad Wilhelm Hase Architektur studiert haben.

1866 Gummiwaren-Fabrik Otto Köhsel

Otto Köhsel verkaufte schon in den 1850er-Jahren Gummischuhe und gründete 1866 seine Gummiwaren-Fabrik an der Stärkestraße, in Linden-Nord. In seiner Fabrik gab er bis zu 120 Menschen Arbeit. 1870 gründete er die "Amerikanische Patent-Packung und Gummiwaren-Fabrik Otto Köhsel & Sohn" in Linden. Die Fabrik stellte später auch Bronze- Eisen- Messing- Stahl- Zinkbleche und Spielwaren her. Weiter wurden Galanterie- und Parkettfußböden produziert. Es gab auch eine Band- und Garnhandlung in der Marktstraße 59., in der Hannover-Altstadt. Die Unternehmen betrieb Otto Köhsel zusammen mit seinem Sohn Konrad Köhsel. Privat wohnte die Familie in der Edenstraße 2. in der Hannover-Oststadt. Am 30. Dezember 1893 musste das Unternehmen "Otto Köhsel & Sohn" Insolvenz anmelden und am 30. Juni 1894 ging die Firma in Konkurs.

Die ehemaligen Werksanlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Dort steht heute, am Ihme-Ufer das in den 1970er-Jahren erbaute Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Geblieben ist nur ein Fachwerkgebäude (Verwaltung) aus den Anfängen der Gummiwaren-Fabrik von 1870, in dem heute der "Kinderladen Stärkestraße" zu Hause ist.

1866 Eisengießerei A. G. Dickert, ab 1872 Lindener Eisengießerei A. G. Dickert

Die Fabrik wurde von Andreas-Georg Dickert gegründet. Die Firma betrieb als besondere Spezialität "Ornamentguss" und die Herstellung von Zahnrädern. Die Gießerei befand sich in der Ricklinger Straße 59 b., in Linden-Süd. Ab 1872 wurde die Fabrik in Lindener Eisengießerei A. G. Dickert umbenannt. 1874 beschäftigte er ca. 80 Mitarbeiter. Privat wohnte Andreas-Georg Dickert, vor 1868 in der Deisterstraße 57., in Linden-Süd und ab 1872 in der Von-Alten-Allee 8., in Linden-Mitte. Ab 1879 übernahmen die Unternehmer Bockelmann, Riechers & Co., die Eisengießerei.

vor 1867 Brauerei Bode

Die Brauerei Bode in der Deisterstraße 9., in Linden-Mitte, beschäftigt 1867 drei Mitarbeiter und produzierte Lagerbier. Man braute aber auch Braun - und Weißbier.

1867 Feilen- und Werkzeugfabrik von Willer & Billerbeck

Die Fabrik befand sich in der Badenstedter Straße 44., in Linden-Mitte.

1867/69-1991 Restaurant und Kolonialwarenhandlung Warlich, später Gaststätte "Zur Tränke"

Das Restaurant und die Kolonialwarenhandlung befanden sich in der Nieschlagstraße 32., in Linden-Mitte, links das Ladengeschäft und rechts das Restaurant, dass später zur Gaststätte "Zur Tränke" wurde. Das Gebäude wurde 1867/69, noch bevor die Nieschlagstraße 1872 angelegt wurde, von Julius Albert Warlich (1838-?), genannt "Albert", er war von Beruf Vollzugsbeamter, erbaut. Auf dem Grundstück wurden später auch noch die Hinterhäuser 32 a. und 32 b. errichtet. Verheiratete war Albert Warlich mit Hanna Konradine Warlich, geb. Baumgarten (1845-?). Das Ehepaar hatte einen Sohn, Friedrich Ferdinand Emil Warlich (1869-?) und zwei Töchter, Hermine Georgine Warlich (1867-?) und Dorothea Hermine Warlich (1871-?).

Im Adressbuch von 1888 und 1897 wird Hanna Konradine Warlich als Eigentümerin der Immobilien geführt. Inhaber der Gaststätte war 1888 ein Herr Meyer und um 1897 Wilhelm Berghahn, der neben dem Lokal auch die Kolonialwarenhandlung betrieb. Nach Wilhelm Berghahn, der nicht im Haus wohnte, war wieder die Hausbesitzerin und danach ihr Sohn Betreiber des Restaurants. Er war auch Mitbegründer der 1906 gegründeten Lagerbier-Brauerei Genossenschaft Wülfel, in Hannover-Wülfel.

Vor 1934 bis nachweißlich 1939 war Waldemar Kornagel, vor 1949 Hermine (Mieze) Kornagel und 1953 nach erneuter Heirat Hermine (Mieze) Schulte-Kornagel Betreiberin der Gaststätte "Zur Tränke". Privat wohnten alle Betreiber des Lokals in der I. Etg. Am 1. Mai 1955 wird Fred Kornagel (1929-2015), der Sohn Hermine (Mieze) Schulte-Kornagels Besitzer der Immobilien und Betreiber der Gaststätte. Der gelernte Elektriker (HANOMAG AG) war mit Christa Kornagel, geb. Weber verheiratet.

Das Lokal "Zur Tränke" war Jahrzehnte lang ein beliebter Treffpunkt für Lindener Partei-Politiker aller Fraktionen. Auch der Vorstand der 1965 gegründeten "Lindener Narren - 1. Karnevalsgesellschaft Blau-Weiss-Linden von 1965 e.V. Hannover", tagte regelmäßig dort. In einem Karnevalslied: "Bei Fred Kornagel da brennt noch Licht, nach Hause gehen wir noch lange nicht …" wurde die Lindener Kult-Gaststätte besungen. Fred Kornagel wurde 1966/67 zum Ehrensenator der Lindener Narren ernannt.

Die Gaststätte wurde im November 1991 geschlossen und zu Wohnraum umgebaut, die Häuser Nieschlagstraße 32, a., und b. wurden 2014 verkauft und bestehen noch. Fred Kornagel starb am 17. April 2015 in Hannover-Davenstedt.

1869 Uniformfabrik August Jördens

Die Uniformfabrik befand sich in der Weberstraße 25-26. August Jördens fing 1869 in der Marktstraße 20., in Hannover an, Uniformen jeder Art herzustellen. 1870 erhielt er während des deutsch-französischen Krieges (1870–1871) einen Großauftrag. 1880 wurde die Firma erst Zwischenlieferant und dann Vertragslieferant der Oberpostdirektion Hannover. 1916 starb August Jördens, er war nicht nur Fabrikant sondern auch Förderer des Musiklebens in Hannover. Von 1916 bis 1932 führte die Witwe Jördens die Fabrik weiter. Der Sohn Hermann Jördens war zu dieser Zeit als Prokurist im Unternehmen tätig. 1932 zog die Firma in die Große Packhofstraße 26., danach wurde Hermann alleiniger Inhaber des Betriebes. 1943 wurde die Firma bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Ab 1945 baute Hermann den Betrieb in der Weberstraße, in Hannover-Linden wieder auf. Seit 1947 war man auch wieder Vertragslieferant der Bundespost, auch für die Polizei und Feuerwehr wurde produziert.

1869 Kohlen- Koks und Briketthandlung Klapprott & Voges

Der Groß- und Einzelhandel für Kohen, Koks und Briketts befand sich in der Blumenauer Straße 17, später in der Deisterstraße 13, dann Nummer 25. Im Oktober 1869 eröffnet Hermann Klapprott seine Kohlenhandlung, 1870 trat Wilhelm Voges in das Unternehmen ein. 1883 kaufte man ein 7000 qm großes Grundstück in der Limmerstraße 2 und baute einen Lagerplatz mit Kontorhaus. 1901 traten ihre Söhne Rudolf Klapprott und Ernst Voges in die Firma ein; die Gründer zogen sich zurück. 1910 bekam der Lagerplatz einen Gleisanschluss. 1928 zog man in die Deisterstraße 13. 1938 zog sich Rudolf Klapprott aus der Firma zurück und Ernst Voges leitete das Unternehmen allein weiter. Später zog man nochmals in die Deisterstraße 25 um.

Klapprott & Voges | Kohlenhandlung | 13.11.1897         ...ein weiteres historisches Dokument

1869 Glasfabrik und Glasfärberei H. Heye

Die Glasfabrik und Glasfärberei befand sich am Bauweg 12.

1869 Neuwäscherei Gelind

Die Firma Gelind befand sich in der Hengstmannstraße 21.

Klapprott & Voges | 12.05.1909

1869-1910 Amerikanische Dampfziegelei von Ferdinand Wallbrecht, 1872 Hannoversche Baugesellschaft AG

Der Architekt, Bauunternehmer, Senator und nationalliberale Politiker (NLP) Ferdinand Wallbrecht (1840-1905) errichtet 1869, an der Davenstedter Straße, in Linden-Mitte, eine Amerikanische Dampfziegelei. Der Betrieb produzierte jährlich 15. Millionen Hintermauersteine, Form- und Deckensteine. Es wurden auch Dachpfannen hergestellt. Das Unternehmen war im Bereich Immobilien und Ziegeleien tätig, und betrieb Asphalt- und Bergwerke.

Ab 1872 wurde die Amerikanische Dampfziegelei in die Hannoversche Baugesellschaft AG umgewandelt. Inhaber der Aktiengesellschaft (AG) waren Ferdinand Wallbrecht und der Architekt Hägemann. Das Unternehmen wurde 1874 noch um eine Baufabrik erweitert. Schon im Gründungsjahr 1872 beschäftigte die Gesellschaft fast 100 Mitarbeiter. 1876 entstand am Bauweg eine Arbeitersiedlung der Hannoverschen Baugesellschaft AG.

Vorsitzende der Hannoverschen Baugesellschaft AG

Anton Leopold Abel (1824-1907)

Der hannoversche Obergerichtsanwalt und Geheime Justizrat Anton Leopold Abel wurde am 8. Januar 1824 in Steinbrück (Söhlde) im Landkreis Hildesheim, in Niedersachsen geboren und starb am 20. Oktober 1907 in Hannover. 1872 wurde er Vorsitzender der Hannoverschen Baugesellschaft AG. Laut den Adressbüchern von 1855/58 wohnte der Jurist in der Steintorstraße 16., 1866/68 in der Schmiedestraße 14., II. Etg. in der Hannover-Altstadt und 1888 in der Kanalstraße 4., Erdg. und I. Etg. in Hannover-Mitte. Anton Leopold Abel wohnte 1897/98 privat in der Bergmannstraße 1., Erdg. und I. Etg. in der Calenberger-Neustadt. Sein Anwaltsbüro befand sich 1898 in der Großen Packhofstraße 26., II. Etg. in Hannover-Mitte. Noch zu seinen Lebzeiten wurde 1876 in Hannover-Mitte die Leopoldstraße nach ihm benannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straße 1952 in Johannssenstraße umbenannt, nach dem Landesökonomierat und Direktor der Landwirtschaftskammer Hannover, Peter Johannssen (1858-1941).

Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig (1825-1897)

Der Unternehmer und Wirtschaftsführer Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig, kurz "Fritz" genannt, er betrieb unter anderem eine Holzhandlung, die "Mineralwasserfabrik Hurtzig & Feldmann" und die "Zuckersiederei Egestorff jun. et Hurtzig" war ebenfalls von 1872 bis 1875 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hannoverschen Baugesellschaft AG. Von 1867 bis 1874 war er der erste Präsident der Handelskammer Hannover, heute IHK-Hannover - und auch Mitglied in weiteren Aufsichtsräten und deren Vorsitzender.

Ferdinand Wallbrecht (1840-1905)

Der Architekt, Bauunternehmer, Politiker und Senator Ferdinand Wallbrecht wurde am 7. April 1840 in Elze bei Hildesheim, in Niedersachsen geboren. Er gründete 1872 die Hannoversche Baugesellschaft AG und wurde 1883 Königlicher Baurat. Neben zahlreichen Bauten war sein wichtigstes städtebauliches Projekt in Hannover der Straßendurchbruch der Karmarschstraße durch die hannoversche Altstadt in zwei Bauabschnitten von 1879 bis 1881 und von 1889 bis 1890. Er war an weiteren Bauvorhaben beteiligt, darunter an der Kanalisation, dem Nordstadt-Krankenhaus, der Markthalle, dem Maschpark, dem Lister Turm sowie den Anfängen des Neuen Rathauses in Hannover. 1892/93 betrieb er die Erschließung der Lübecker Vorstadt St. Gertrud in Schleswig-Holstein, indem er aus eigenen Mitteln die Moltkebrücke über die Wakenitz errichten und die Moltkestraße in Lübeck anlegen ließ.

Ferdinand Wallbrecht war Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen hannoverschen Unternehmen. Ab 1885 war er Bürgervorsteher, 1890 Wortführer und ab 1891 Senator in Hannover. Für die Nationalliberale Partei (NLP) saß er seit 1891 als Abgeordneter im Provinziallandtag und von 1903 bis 1905 im Deutschen Reichstag als Abgeordneter des 9. Wahlkreises der Provinz Hannover (Hameln, Linden-Land, Springe). Dort betrieb er in seinen letzten Lebensjahren vor allem die Vorbereitungen zum Bau des Mittellandkanals. Ferdinand Wallbrecht starb am 1. April 1905 in Hannover und wurde auf dem Stadtfriedhof Engesohde beerdigt. Sein Grab ist noch vorhanden.

1869/70 Kunstdüngerfabrik H. A. Meyer

Die Kunstdüngerfabrik von H. A. Meyer befand sich in der Göttinger Straße 2. Man produzierte jährlich 5000 t Phosphate und war mit einer Säurefabrik verbunden. Je nach Saison beschäftigte man 30 bis 50 Arbeiter. Am 1. Juli 1872 gründete der Kommerzienrat und Speditionsunternehmer H. A. Meyer mit Dr. Hugo Riemann noch eine zweite Fabrik (Schwefelsäurefabrik H. A. Meyer & Riemann, später H. A. Meyer & Riemann Chemische Werke AG) in der Davenstedter Straße 14.

Siehe auch: 1872-1933 Schwefelsäurefabrik H. A. Meyer & Riemann

1870-1993 August Voges Wagenbau KG in Hannover-Bornum

Der Stellmachermeister August Voges sen. (1843-1921) gründete 1870 in der Hohe Straße in Linden-Mitte seine Stellmacherei. Dort wurden Pferdekutschen und später auch Last- Speditions- und Lieferwagen produziert, auch Luxusfahrzeuge wurden gefertigt.

August Voges sen. hatte vier Söhne, Karl Voges, Otto Voges (1881-?), August Voges jun. und Rudolf Voges. Die Söhne wurden im väterlichen Betrieb ausgebildet und übernehmen später zusammen die Wagenfabrik ihres Vaters. August Voges jun. betrieb zusätzlich in der Haspelmathstraße in Linden-Süd, eine Werkstatt mit Schmiede.

Die Wagenfabrik produzierte neben Kraftfahrtzeug-Anhängern auch Aufbauten für Omnibusse, Lastkraftwagen (LKW) und Lieferwagen in verschiedenen Ausführungen. Man exportierte nach auch Skandinavien, Südamerika und Afrika. Ein 20 000 pm großes Grundstück wurde 1918 an der Hamelner Chaussee 10 gekauft und 1921 verstarb August Voges sen. mit 78 Jahren. Am 30. September 1993 wurde die Firma aus dem Handelsregister ausgetragen und somit erlosch das Unternehmen.

1870 Chemisch-Technische Fabrik Christian Meyer, 1873 Chemisch-Technische Fabrik Gebr. Meyer

Am 1. März 1870 gründet Christian Meyer, in Einbeck/Niedersachsen die Chemisch Technische Fabrik Christian Meyer. Er baute den Betrieb weiter aus und nahm 1873 seinen jüngeren Bruder J. Wilhelm Meyer in die Firma auf. Der Firmenname lautete nun Chemisch-Technische Fabrik Gebr. Meyer.

Gebrüder Meyer - Oel- und Fettwaarenfabrik | 27.08.1895

Christian Meyer und J. Wilhelm Meyer trennten sich geschäftlich 1890. Christian Meyer erwarb im damaligen Dorf Ricklingen ein Grundstück und baute dort, an der Göttinger Chaussee 109 unter dem Namen Chemisch-Technische Fabrik Gebr. Meyer sein eigenes Unternehmen auf. Die ersten Patenteintragungen folgten 1898. Die Fabrik stellte Bohnerwachs und Schuhcreme der Marken "LAVALIN" und "ELCA" her. Es wurden auch Lederfette, Ofenglanzpaste, Fahrrad- und Nähmaschinenöle sowie Maschinenfette und Maschinenöle hergestellt. Seit 1902 gab es auch Produktionsstätten im Ausland, in Nordfrankreich, Belgien und ab 1914 in Mailand/Italien und Spanien.

Als Betonskelett-Industriegebäude wurde 1904 eine neue Bohnerwachsfabrik auf dem vorhandenen Grundstück in Hannover-Ricklingen errichtet. Das Gebäude mit Putzdekor, Jugendstil-Elementen und dem Fahrstuhl-Turm ist heute eines der ältesten Betonskelett-Industriegebäude Niedersachsens. 1909 wurde in Amsterdam/Niederlande ein Verkaufsbüro eröffnet und im gleichen Jahr wurde der Betrieb in Hannover-Ricklingen durch ein Großfeuer schwer beschädigt. Um 1925 ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft (AG), Chemisch-Technische Fabrik Gebr. Meyer AG.

1994 wurde die Firma in LAVALIN Gebr. Meyer Chemisch-Technische Fabrik GmbH & Co. KG umbenannt. 2000 wurde die Bohnerwachsfabrik (Betonskeletthalle) zu modernen Loft-Büroräumen umgebaut.

Die Lindener Industrie von 1871-1879

Literatur- und Quellenverzeichnis

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Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900
| Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
Ausstellungskatalog: Der Novemberpogrom 1938 in Hannover | Dr. Wolf Dieter Mechler, Carl Philipp Nies MA. | Historisches Museum Hannover (HMH) | 2008
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Namen und Schicksale der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Hannover | Peter Schulze | Verein zur Förderung des Wissens über jüdische Geschichte und Kultur e.V. Hannover | 1995
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
Projekt - www.lebensraum-linden.de
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wir aus der Kochstraße. Die Geschichte einer Straße im Arbeiterstadtteil Linden in Hannover - Landeshauptstadt Hannover, Freizeitheim Linden (Hrsg.) | 1986
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