Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

1852 Brauerei Brande & Meyer, seit 1871 Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer, seit 1921 Lindener Aktien-Brauerei (LAB), seit 1968 Lindener Gilde Bräu AG, seit 1988 Gilde Brauerei AG

Die Brauerei Brande & Meyer wurde 1852 von Dr. med. August Brande und dem Kaufmann Eduard Meyer an der Blumenauer Straße in Linden-Mitte gegründet.

Der praktische Arzt Dr. med. August Brande (1820-1875) gründete 1852, nachdem er sich bereits 1848 in Hannover niederließ, mit seinem Schwager, dem Kaufmann Eduard Meyer, die gleichnamige Brauerei Brande & Meyer. Dr. August Brande war mit Auguste Brandes, geb. Meyer verheiratet. Der hannoversche Maler Johann Gottfried Edmund Koken (1814-1872) fertigte für das Ehepaar Brandes ein Porträtpaar, das jeweils Auguste und August Brande zeigt, an. Beide Bilder sind heute im Besitz des Historischen Museum Hannover (HMH). Von 1855 bis 1866 war Dr. August Brande Mitglied der Gemeindevertretung Lindens und von 1867 bis 1870 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Ab 1874 wurde er Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahlkreis Provinz Hannover 9 (Springe-Hameln-Eldagsen), für die Nationalliberale Partei (NLP). Dr. August Brande starb am 23. Dezember 1875 in Hannover. In Hannover-Waldhausen wurde um 1890 nach ihm die Brandestraße benannt.

Der Absatz des beliebten Lagerbiers nach Bayerischer Brauart erforderte eine ständige Erweiterung der Betriebsräume, dabei wurden die neuesten Erfindungen verwertet, sodass die Brauerei schon bald dass 25fache ihrer ursprünglichen Produktion leistete, ca. 25 000 hl. Die Brauerei wurde 1859 für ihr untergäriges Lagerbier auf der Gewerbeausstellung ausgezeichnet und installierte 1864 eine Eiskühlanlage.

Die in der Nähe des Güterbahnhofs Küchengarten (Blumenauer Straße 15-17., in Linden-Mitte) gelegenen Brauereiräume umfassten die Kessel, die Dampfmaschinen und das Sudhaus, sowie alle weiteren Betriebsstätten. Getrennt von den Brauanlagen befanden sich drei Felsenkeller (Eiskeller) am Lindener Berg. Die Keller sind heute noch vorhanden.

Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer

Im 1. Juni 1871 wurde die Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer gegründet, und man übernahm dabei die Brauerei von Brande & Meyer. Der Unternehmer Johann Georg Friedrich Adolph Hurtzig (1825-1897), kurz "Fritz" genannt, er betrieb unter anderem eine Holzhandlung, ab 1864 die Mineralwasserfabrik Hurtzig & Feldmann und ab 1858 die "Zuckersiederei Egestorff jun. et Hurtzig", war ab 1871 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Brauerei. Der Unternehmer und Wirtschaftsführer war von 1867 bis 1874 der erste Präsident der Handelskammer Hannover, heute IHK-Hannover - und auch Mitglied in weiteren Aufsichtsräten und deren Vorsitzender.

Lindener Actien-Brauerei vorm. Brande & Meyer
16.04.1923

Das Unternehmen produzierte 1891 bereits jährlich 130 000 hl. Lindener Bier, mit 80 Mitarbeitern. Die Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer wurde nicht nur über Bahngleise beliefert, sondern lieferte auch teilweise mit Straßenbahnen der Hannoverschen Verkehrsbetriebe ihr Bier aus. Die Waggons wurden bis ca. 1914, über eine tragbare Drehscheibe am Güterbahnhof-Küchengarten vom Straßenbahngleis zum Anschlussgleis der Brauerei an die Bahn umgegleist. Der Güterwagenpark der Straßenbahnbetriebe verfügte für den Transport über zwei Bierwagen, Nr. 1003 / 1004. Die Brauerei erwirbt 1914 den Parkhaus-Konzertgarten am Georgengarten in Hannover-Herrenhausen, mit Konzertsaal und Tanzlokal.

Lindener Actien Brauerei (Bierwagen mit Bremse)

 

Email Schild der LAB - Lindener Flaschenbiere

Fusion mit der Schloß-Brauerei Schöneberg AG | Lindener Aktien-Brauerei (LAB)

Das Unternehmen fusionierte 1921 mit der Schloß-Brauerei Schöneberg AG, in Berlin-Schöneberg. Am 29. März 1921 wurde der Firmenname in Lindener Aktien-Brauerei (LAB) geändert. Die Braugilde Hannover erwarb 1925 die Mehrheit am Grundkapital der Lindener Aktien-Brauerei (LAB). Die LAB kaufte 1927/28 das Hofbräuhaus Hannover in der Hinüberstraße 8 (Hannover-Mitte). 1934/35 wird die Restauration Lister Mühle und ein Niederlassungsgrundstück in Goslar/Niedersachsen erworben. In den folgenden Jahren wurde modernisiert, 1936/37 in eine neue Filteranlage und einen Maischefilter, 1938/39 folgte der Umbau eines Malz-Silos, des Hefekellers und des Sudhauses, 1941/42 erfolgte die Anschaffung einer neuen Eiserzeugungsanlage. Am 20. Januar 1943 fand die letzte ordentliche Hauptversammlung der Lindener Aktien-Brauerei (LAB) statt. 1968 fusionierte die Lindener Aktien-Brauerei (LAB) mit der Braugilde Hannover zur Lindener Gilde Bräu AG.

Hofbräuhaus (Hinüberstr. 8) | 13.01.1904

Städt. Lagerbier Brauerei Hannover
(Hildesheimer Straße 73) | 03.08.1926

1988 wurde der Name in Gilde Brauerei AG geändert, unter dem auch heute noch das bekannte Lindener Spezial gebraut wird. Der Braubetrieb am Küchengarten in Linden-Mitte wurde 1997 eingestellt. Danach verlagerte die Gilde Brauerei AG die Produktion des Lindener Spezial auf ihr Stammhaus an der Hildesheimer Straße 73. Nachdem Sudkessel und Reste der Brauerei verkauft waren, wurden im August 2000 die Gebäude auf dem Gelände in der Blumenauer Straße abgerissen.

Nach einigen Jahren Stillstand baute die Hannoversche OSTLAND Wohnungsbaugenossenschaft eG. das "Gilde Carre" mit Einfamilienhäusern, Geschosswohnungen für betreutes Wohnen und zwei Büro- und Geschäftsgebäude. Im Januar 2003 zogen die ersten Mieter und Hausbesitzer ein. Anfang 2009 war dann das neue Wohnquatier fertig.

Die im 16. Jh. gegründete Gilde-Brauerei in Hannovers Südstadt, an der Hildesheimer Straße, wurde 2002 ihrerseits von der belgischen Brauerei Interbrew, inzwischen umbenannt in InBev und weltgrößter Brauereikonzern, aufgekauft.

Lindener Spezial
Schöne Grüsse von Hannovers Lieblingsbier

Die Inbev gibt der Produktion überregionaler Biermarken den Vorrang und nimmt die hannoverschen Traditionsmarken zunehmend vom Markt. Im Februar 2008 wurde der Verkauf vom Lindener Spezial als Fassbier eingestellt.

Literatur- und Quellenverzeichnis

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Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
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Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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