Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Lilian Harvey
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Lilian Harvey (1906-1968)

Lilian Harvey, eigentlich Lilian Helen Muriel Pape wurde am 19. Januar 1906 in London/England geboren. Sie war Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin.

Portrait und Szenenkarten

Während des Ersten Weltkriegs hielt sich Familie Pape in Magdeburg auf, konnte und wollte deshalb nicht nach England zurückkehren. Der Vater war Kaufmann und stammte aus Magdeburg. Das Mädchen Lilian wurde in die Schweiz nach Solothurn zur Tante geschickt. 1923 machte sie ihr Abitur in Berlin, wo sich die Familie inzwischen niedergelassen hatte.

Danach löste Lilian Pape sich von der häuslichen Umgebung. Sie besuchte die Ballettschule der Deutschen Staatsoper und erhielt erste bezahlte Auftritte als Tänzerin in Ungarn und Österreich. Zugleich nahm Lilian Pape nun auch den Geburtsnamen ihrer Mutter Harvey an.

Im Februar 1924 erhielt sie eine erste Rolle in Robert Lands (1887-?) Der Fluch (1924), wo sie die junge Jüdin „Ruth“ spielte. Sie agierte in mehreren Stummfilmen und erhielt 1925 im Film Leidenschaft (1925) als Partnerin von Otto Gebühr (1877-1954) die Hauptrolle. Mit Willy Fritsch (1901-1973), mit dem sie später noch elf weitere Filme drehte, stand sie erstmals 1926 in der Operettenverfilmung von Die keusche Susanne (1926) vor der Filmkamera.

1930 kam der entscheidende Durchbruch, als Lilian Harvey in dem romantischen Komödienfilm Liebeswalzer (1930) mit Fritsch zum Traumpaar des deutschen Films avancierte.

Lilian Harvey selbst wurde in der Folgezeit zum süßesten Mädel der Welt, wie die Presse schrieb. 1931 erschien der Film Der Kongreß tanzt (1930), in dem sie in einer Szene „Christels Lied“, besser bekannt als Das gibt's nur einmal singt, das bis heute ein Evergreen geblieben ist. Die nachfolgenden Filme wurden auch in England und Frankreich synchronisiert, teilweise wurden sie sogar, wie damals nicht unüblich, gleich mehrsprachig mit unterschiedlichen Partnern gedreht, dadurch wurde Lilian Harvey auch im Ausland bekannt. Sie wurde nach Hollywood eingeladen und drehte dort vier nicht sehr erfolgreiche Filme.

1935 kehrte sie in das politisch veränderte Deutschland zurück. Sie versuchte ihren Freund und Regisseur Paul Martin (1899-1967) zu protegieren, doch längst kontrollierten die Nationalsozialisten die Kultur. Nachdem bekannt wurde, dass sie noch immer jüdische Kollegen in ihrem Haus empfing, wurde sie von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) beobachtet und galt als unzuverlässig. Lilian Harvey verließ Deutschland und emigrierte nach Juan-les-Pins, in Frankreich. Nach der Besetzung Südfrankreichs ging sie 1941 abermals nach Hollywood. Zuvor war sie vor französischen Soldaten und in der Schweiz in Programmen für die Stärkung der Kriegsmoral aufgetreten. 1943 erkannte das NS-Regime ihre Staatsbürgerschaft ab.

Nach dem Krieg kehrte Lilian Harvey 1946 nach Paris zurück. In den folgenden Jahren unternahm sie Gesangstourneen durch Skandinavien und Ägypten. Auch in Deutschland, wohin sie 1949 zurückkehrte und wo sie Theaterrollen annahm, wurde sie begrüßt. Sie musste wegen einer Lungenerkrankung einen längeren Sanatoriumsaufenthalt in der Schweiz hinnehmen. 1955/56 lernte sie auf einer Gastspielreise Else Wirth (1907-2007) kennen, die von nun an ihre Lebensgefährtin und Mitarbeiterin wurde. Von der Bundesrepublik Deutschland erhielt sie eine Entschädigung in Rentenform für ihr, in der Nazizeit eingezogenes Vermögen. 1965 erhielt sie das Filmband in Gold für ihre Verdienste für den deutschen Film, 1967 den Bambi.

Lilian Harvey, die zeitlebens depressiv und psychisch sehr zerbrechlich wirkte, starb am 27. Juli 1968 zurückgezogen in ihrem eigenen Hotel in Juan-les-Pins/Frankreich an einer verschleppten Gelbsucht. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Robiac im benachbarten Antibes. An ihrem Wohnhaus in Berlin, Düsseldorfer Straße 47 in Berlin-Wilmersdorf, wurde eine Gedenktafel angebracht. Dort wohnte bis 1925 auch der Komponist Leon Jessel (1871-1942).

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1924: Der Fluch
  • 1924: Die Motorbraut
  • 1925: Leidenschaft
  • 1925: Liebe und Trompetenblasen
  • 1925: Die kleine vom Bummel
  • 1926: Prinzessin Trulala
  • 1926: Die keusche Susanne
  • 1926: Vater werden ist nicht schwer
  • 1927: Die tolle Lola
  • 1927: Eheferien
  • 1927: Du sollst nicht stehlen
  • 1928: Eine Nacht in London
  • 1928: Ihr dunkler Punkt
  • 1929: Adieu, Mascotte
  • 1929: Das Modell von Montparnasse
  • 1929: Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst
  • 1930: Liebeswalzer
  • 1930: Hokuspokus
  • 1930: Die Drei von der Tankstelle
  • 1930: Einbrecher
  • 1931: Princesse, à vos ordres

 

  • 1931: Nie wieder Liebe!
  • 1931: Der Kongreß tanzt
  • 1932: Zwei Herzen und ein Schlag
  • 1932: Quick
  • 1932: Ein blonder Traum
  • 1933: Ich und die Kaiserin
  • 1933: Meine Lippen lügen nicht
  • 1933: My Weakness
  • 1933: Ich bin Susanne
  • 1935: Leise kommt das Glück zu Dir
  • 1935: Invitation to the Waltz
  • 1935: Schwarze Rosen
  • 1936: Glückskinder
  • 1937: Sieben Ohrfeigen
  • 1937: Fanny Elssler
  • 1938: Capriccio
  • 1939: Ins blaue Leben
  • 1939: Frau am Steuer
  • 1940: Serenade (Sérénade)
  • 1940: Miquette
  • 1958: Das gab's nur einmal

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text

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