Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Lil Dagover
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Lil Dagover (1887-1980)

Lil Dagover, eigentlich Martha Seubert wurde am 30. September 1887 in Madioen, Ost-Java/Niederländisch-Indien, heute: Madiun, Java/Indonesien geboren.

Portrait und Szenenkarten

Die Tochter eines Forstbeamten in niederländischen Diensten wurde in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz erzogen. Erst als Zehnjährige kam sie nach Deutschland, um in Tübingen die Schule zu besuchen. Später ging sie nach Weimar. Ihr Geburtsname war Martha Seubert. Andere Vornamen wie Marie, Antonia, Siegelinde und Lilitt entsprangen ihrer Fantasie.

1913 heiratete sie den österreichischen Schauspieler Fritz Daghofer (1872-1936) und wandelte aus dessen Nachnamen ihren Künstlernamen Dagover ab. Durch ihren Ehemann kam sie zum Film und hatte ihren ersten Filmauftritt 1913. Sieben Jahre später ließ sie sich von Fritz Daghofer scheiden. Im Jahr 1914 wurde ihre Tochter Eva geboren.

Lil Dagover trat 1919 in zwei Filmen von Fritz Lang (1890-1976) auf. Von Robert Wiene (1873-1938) wurde sie für die weibliche Hauptrolle in Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) engagiert. Danach drehte sie mit Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) und anderen in künstlerisch anspruchsvollen Stummfilmen, die ihr Image als „vornehme Dame“ prägten. 1926 heiratete sie den Produzenten Georg Witt (1899-1972).

Da sie neben ihrer Filmkarriere auch zu einer angesehenen Theaterschauspielerin avancierte, bedeutete der Wechsel vom Stumm- zum Tonfilm für sie keinen Karriereknick. Lil Dagover spielte an Max Reinhardts (1873-1943) Deutschem Theater oder auch bei den Salzburger Festspielen.

Auch während der Zeit des Nationalsozialismus blieb Lil Dagover ein gefeierter UFA-Star, der in den Jahren 1933 bis 1944 mit insgesamt 23 Rollen zu den bekanntesten und beliebtesten Leinwanddarstellern des deutschen Films gehörte. Obwohl die Nationalsozialisten sie hofierten, tat sie sich politisch nicht hervor. 1937 wurde ihr der Titel Staatsschauspielerin verliehen, und 1944 erhielt sie für ihren Einsatz bei der Truppenbetreuung und ihre Auftritte in Fronttheatern das Kriegsverdienstkreuz.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in zahlreichen Filmen zu sehen und wurde mit Preisen bedacht, so 1954 mit dem Bundesfilmpreis für die beste weibliche Hauptrolle in Königliche Hoheit (1953). 1962 erhielt sie das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Großen Erfolg hatte sie 1961 mit dem Edgar Wallace Film Die seltsame Gräfin (1961), in dem sie die Titelrolle spielte. Lil Dagover trat bis Ende der 1970er Jahre in weiteren Filmen auf.

Lil Dagover starb am 23. Januar 1980 in ihrem Haus in Grünwald-Geiselgasteig bei München. Sie ruht auf dem Waldfriedhof in Grünwald. In Berlin-Hellersdorf gibt es eine Lil-Dagover-Gasse, in Grünwald wurde der Lil-Dagover-Ring nach ihr benannt.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1913: Schlangentanz
  • 1916: Die Retterin
  • 1916: Das Rätsel der Stahlkammer
  • 1919: Die Spinnen, 1. Der goldene See
  • 1919: Harakiri
  • 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari
  • 1920: Der Richter von Zalamea
  • 1921: Der müde Tod
  • 1922: Luise Millerin
  • 1922: Phantom
  • 1924: Komödie des Herzens
  • 1925: Zur Chronik von Grieshuus
  • 1925: Tartüff
  • 1926: Die Brüder Schellenberg
  • 1928: Der Graf von Monte Christo
  • 1928: Ungarische Rhapsodie
  • 1929: Spielereien einer Kaiserin
  • 1930: Der weiße Teufel
  • 1931: Der Kongreß tanzt
  • 1931: Elisabeth von Österreich
  • 1932: The Women of Monte Carlo
  • 1932: Die Tänzerin von Sans Souci
  • 1934: Ich heirate meine Frau
  • 1935: Der höhere Befehl
  • 1935: Der Vogelhändler

 

  • 1935: Lady Windermeres Fächer
  • 1936: Schlußakkord
  • 1936: Fridericus
  • 1936: August der Starke
  • 1937: Kreutzersonate
  • 1938: Es leuchten die Sterne
  • 1940: Friedrich Schiller – Triumph eines Genies
  • 1940: Bismarck
  • 1948: Die Söhne des Herrn Gaspary
  • 1949: Man spielt nicht mit der Liebe
  • 1950: Es kommt ein Tag
  • 1953: Königliche Hoheit
  • 1954: Schloß Hubertus
  • 1955: Der Fischer vom Heiligensee
  • 1955: Rosen im Herbst
  • 1955: Die Barrings
  • 1956: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe
  • 1957: Unter Palmen am blauen Meer
  • 1959: Buddenbrooks
  • 1961: Die seltsame Gräfin
  • 1973: Der Fußgänger
  • 1974: Karl May
  • 1975: Tatort: Wodka Bitter-Lemon
  • 1975: Der Richter und sein Henker
  • 1979: Geschichten aus dem Wienerwald

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text

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