La bella Angora, eigentlich Emma Schuster und Don Manuelo, eigentlich Julius Becker

"La bella Angora", auch "Königin der Tätowierten" genannt, hieß eigentlich Emma Schuster. Vermutlich stammte sie aus der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts, in Deutschland. Es gibt mehrere Ansichts- und Werbekarten, auf denen "La bella Angora" als "Die Altmärkische Schönheit" beworben wird. Auf ihrem Körper war ein großer Brustadler und eine mehrfach juwelenbesetzte Halskette tätowiert. Sie war eine der wenigen tätowierten Damen, deren Füße auch tätowiert waren.

"La bella Angora" behauptete, gegen ihren Willen von Wilden in fernen Ländern tätowiert worden zu seien. Diese Behauptung trug zu ihrer enormen Popularität erheblich bei. In Wahrheit wurde sie allerdings unter anderem von dem Hamburger Tätowierer Christoph Lein, später zog er nach Erfurt/Thüringen um, tätowiert. Sie trat in Europa und in Übersee auf. Sie war kommerziell so erfolgreich, dass es unzählige Fotos, Postkarten und Werbeplakate von ihr gibt.

Die Münchner Allgemeine Zeitung schrieb über ihren Auftritt auf dem Münchner Oktoberfest 1891 folgendes:

"Die Haut des hübschen Fräuleins glänzt und fühlt sich wie Samt an; die Nacktheit erscheint völlig aufgehoben".

Verheiratet war "La bella Angora" mit ihrem Impresario (Manager) Julius Becker. Er ließ sich ab 1908 tätowieren und trat unter dem Künstlernamen "Don Manuelo“ auf.

 

Auf "Don Manuelo - Julius Beckers" Rücken war eine Erschießungs-Szene mit einem großen Adler und gekreuzten Flaggen tätowiert. Auf seiner Brust waren Abbildungen von Indianern, Segelschiffen und Frauenportraits zu sehen. Auch "Don Manuelo“ stellte sich in Panoptiken, Varietés und Zirkussen zur Schau. Zeitweilig trat er und "La bella Angora" auch gemeinsam auf.

"Don Manuelo“ trat nicht nur selbst auf, er managte auch andere tätowierte und galt in den 1920er und 1930er-Jahren als führender Impresario tätowierter Künstler in Deutschland. Als ständige Adresse seiner Künstleragentur wurde die Deichstraße 11., in Stendal/Sachsen-Anhalt angegeben, wo das Paar wahrscheinlich auch wohnte. Das Ehepaar ließ sich später scheiden und "Don Manuelo“ heiratete danach noch einmal.

La bella Angora, die Königin der Tätowierten

Don Manuelo - Der wirklich kunstvoll
besttätowierte Mann in prächtigen Farbtönen

La bella Angora, die kunstvollst
tätowierte Dame der Erde. Unstreitig
die beste ihres Genres. | 08.06.1908

Don Manuelo, der muskulöseste
und besttätowierte Mann der Erde

La bella Angora,
die Königin der Tätowierten

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Auftritt auf dem Münchner Oktoberfest 1891 | Münchner Allgemeine Zeitung | 10/1891
Das blaue Weib und andere Zirkusfrauen. Theoretische Aspekte von Tätowierungen unter besonderer Berücksichtigung von "Tätowierten Damen" in Zirkus und Schaubuden untersucht am Beispiel der Sammlung Walther Schönfeld | Igor Eberhard | Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien (MAGW) | 2011
Körperbemalen, Brandmarken, Tätowieren | Walther Schönfeld | Alfred Hüthig Verlag | 1960
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten. Ein Versuch zur Erfassung ihrer Formen und ihres Bildgutes | Adolf Spamer | Verlag: G. Winters Buchhandlung, Fr. Quelle Nachf. | 1934
Show Freaks und Monster. Sammlung Felix Adanos | Hans Scheugl | DuMont Buchverlag | 1978
Zeichen auf der Haut - Die Geschichte der Tätowierung in Europa | Stefan Oettermann | Syndikat Autoren- und Verlagsges. | 1979
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