Königstraße | Schiffgraben | Tivoli-Konzertgarten
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Die Königstraße Die Königstraße entstand als erste Straße in der vom Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) geplanten Erweiterung der Ernst-August-Stadt jenseits der Bahnanlagen in Hannover. Der Plan wurde ab 1853 umgesetzt, als man 1859 mit der Eingemeindung der „Vorstadt-Hannover“ das Stadtgebiet Hannovers auf einen Schlag um das etwa Fünfzehnfache erweiterte. Das Gelände um die Königstraße wurde 1862 nach König Georg V. (1819-1878) „Georg-Stadt“ genannt, das Gebiet östlich des Schiffgrabens wurde nach seiner Frau der Königin Marie von Hannover (1818–1907) „Marien-Stadt“ genannt.
Königstrasse Hannover | F. Wunder | CDV Die Königstraße plante Laves als nordöstliche Verlängerung der auf das königliche Hoftheater (Opernhaus) zuführenden Theaterstraße. Sie sollte das Rückgrat bilden für ein Raster aus sich rechtwinklig kreuzenden Straßen mit Wohnbebauung, das an Bahnlinie, Bernstraße, Volgersweg und Königstraße grenzte. Ursprünglich sollten die Straßen ebenso breit wie in der Ernst-August-Stadt anlegt werden, nach dem Einspruch einiger Grundstückseigentümer reduzierte man die Straßenbreiten jedoch erheblich. Lediglich die Königstraße wurde als Avenue mit Baumreihen angelegt und wurde ab den 1860er Jahren mit gehobenen Bauten und Stilelementen der Hannoverschen Schule in Verbindung mit Rundbogenstil und gotisierenden Formen, renaissancistischen oder romanischen Elementen besiedelt. Heute findet man auch noch Bauten aus der Jahrhundertwende. Königstrasse | 06.01.1909 Königstrasse | 08.02.1914 Die Königstraße als wichtigste Verbindung von den neuen Wohnquartieren zur Innenstadt wurde als erste hannoversche Straße im Jahr 1879 mit einer Asphaltdecke versehen. Begonnen wurde mit der Asphaltierung der Zugunterführung am Thielenplatz. Die Stadtbahngleise wurden bei einem Umbau entfernt. Im Jahr 2003 wurde die Straße noch einmal aufwendig umgestaltet. |
Schiffgraben
Der Schiffgraben verläuft zwischen Aegidientorplatz und Emmichplatz wobei er die Berliner Allee kreuzt. Im Mittelalter war die heutige Straße, eine künstlich angelegte Wasserstraße, die im 19. Jhr. beim Stadtausbau in Rohre unter die Straße gelegt wurde. Der schmale Kanal, der mit einer Breite von drei bis fünf Metern eher den Charakter eines Grabens hatte, begann am Altwarmbüchener Moor und führte auf neun Kilometer Länge durch die Eilenriede zum Aegidientor. Zweck der Wasserstraße war der Transport von Torf und Holz aus dem Moor in die Stadt, wo es als Brennmaterial für eine Ziegelei benötigt wurde. Im Mittelalter gehörte der Abschnitt zwischen Steuerndieb und Altwarmbüchen zum Befestigungssystem der Hannoverschen Landwehr. Drei Kilometer des Wasserlaufes sind heute noch im Stadtwald Eilenriede erhalten.

Am Schiffgraben | 22.11.1900 Partie am Schiffgraben | 30.09.1903
Mit den Jahren verschlammte der Graben und führte häufig zu wenig Wasser, so dass er unpassierbar wurde. Im Jahr 1746 beschloss die Stadt, in den Torfhandel einzusteigen, da sich der Preis auf Grund von Brennmittelknappheit erhöht hatte. 1747 machte Hannover den Wasserweg durch den Bau von Schleusen wieder befahrbar. Die Torfbauern aus Altwarmbüchen, die ihr Brennmaterial auf hannoverschen Märkten anboten, fürchteten Konkurrenz im Torfhandel und sabotierten den Graben durch Zuschütten. Trotzdem wurde das vorhaben fertiggestellt. An den Rändern entstanden Laufwege zum Treideln (Schiffziehen durch Menschen oder Zugtiere) der Torfkähne. Jedes der damals sechs städtischen Boote konnte bis zu 5000 Torfsoden transportieren. Die Fahrt auf der neun Kilometer langen Strecke dauerte mehrere Tage. Die Torfschifffahrt wurde bereits 1751 eingestellt. Während der einjährigen Besetzung Hannovers im Jahr 1757 durch französische Truppen unter Herzog Richelieu (1696-1788) wurde der Kanal vernachlässigt, so dass er etwa zehn Jahre nach dem Ausbau erneut verschlammte.
Mitte des 19. Jhs. wurde der Schiffgraben im Bereich der Innenstadt zwecks Stadterweiterung verrohrt und liegt unter der Straße. Das Wasser fließt unterirdisch weiter. Die steinerne Balustrade, die den Schiffgraben im innerstädtischen Bereich einfasste, dient seither als Begrenzungsmauer auf mehreren hundert Metern für den Stadtfriedhof Engesohde.

Schiffgraben | 16.09.1900 Schiffgraben | 30.02.1905
Das Wohnhaus Am Schiffgraben 1, der Familie Röhrs erbaute der Architekt Christian Heinrich Tramm (1819-1861) in den Jahren 1854/55. Zuvor hatte sich Tramm Am Schiffgraben 10 a. 1850/51 ein Wohnhaus für sich errichtet, beide Häuser bestehen heute nicht mehr. Um das Jahr 1870 ließ sich der Unternehmer und Kommerzienrat Eugen de Haën (1835-1911) vom Architekten Heinrich Köhler (1830-1903) eine Villa am Schiffgraben 34 errichten. Auch dieses Haus ist nicht mehr erhalten.
Schiffgraben |
18.10.1908
Schiffgraben - Herzlichen Glückwunsch z. neuen Jahre
31.12.1900
Die Gebäude am Schiffgraben 37 (Villa Goetze II. erbaut 1869), am Schiffgraben 41 (Villa Goetze I. erbaut 1866), und am Schiffgraben 43 (Villa Struckmann erbaut 1867), wurden als Ensemble nach Plänen des Architekten Otto Goetze (1832-1894) erbaut, und stehen heute genauso wie die Landeskreditanstalt am Schiffgraben 6, das Ehemalige Provinzial-Ständehaus (heute Niedersächsisches Finanzministerium), erbaut von Ferdinand Wallbrecht (1841-1905) in den Jahren 1879 bis 1881, Schiffgraben 10, die Villen am Schiffgraben 13 und 17, sowie die Wohnhäuser am Schiffgraben 23 und 27 unter Denkmalschutz.
Die Häuser am Schiffgraben 38, erbaut im Jahr 1867 von Heinrich Köhler und die Villa Drechsler am Schiffgraben 39, erbaut im Jahr 1868 von Otto Goetze, wurden 1950 zugunsten der Berliner Allee abgerissen.
Der Tivoli-Konzertgarten
Der Tivoli-Konzertgarten lag an der Königstraße 1 und Schiffgraben 48, unmittelbar hinter den Eisenbahngleisen. Wer mit der Eisenbahn von Osten oder Süden heranrollte, der suchte sich einen Platz auf der rechten Seite. Und wenn dann der Zug über die Schiffgrabenbrücke fuhr, hingen die Leute in den Fenstern, um einen Blick auf den prachtvollen Konzertgarten werfen zu können. Der Tivoli-Konzertgarten war Hannovers schönste Terrassenanlage, mit Springbrunnen, Holzbauten und Illumination.
Gruss aus Hannover - Roepke`s Tivoli | 07.06.1897 Gruss aus Hannover - Tivoli | 21.09.1899
Der hannoversche Kommissionsrat Karl Röpke erteilte 1860 dem Architekten Otto Goetze (1832-1894), den Auftrag das seit den 1840er Jahren bestehende Café zum blauen Affen, ab 1844 umbenannt in Tivoli, zwischen Königstraße und Schiffgraben auszubauen, Fertigstellung 1878. Das Lokal bestand aus einem Restaurant und einem Café, 1895 kam noch ein Saalbau hinzu. Die Anbauten, zum Beispiel die Königshalle wurden von Franz Heußner (1842-?) entworfen.
Gruss aus dem Tivoli -
Spiegel-Terrasse |
27.01.1905
Königshalle Concerthaus Tivoli
Inh. W. Mussmann | 29.03.1909
In den Anbauten wurden auch Kabarett und Theaterstücke aufgeführt. Die Tivoligarten-Gala-Festbeleuchtung mit ihren 40 000 Gasglühlampen war bei den Gästen besonders beliebt, auch der Spiegelsaal in der Königshalle war berühmt. Die Musikmuschel war für Marschmusik und sogenannte Abonnementkonzerte reserviert, die vom kaiserlichen Musikdirektor Bruno Hilpert, Direktor Hilpert war von 1893 bis 1911 auch Dirigent des Hannoverschen Instrumentalvereins und leitete den Hilpertschen Damenchor, oder vom königlichen Musikdirigenten Carl Merkel geleitet wurden.
Philharmonisches Tivoli-Orchester. Begründer und
Direktor: |
Capelle des I. Hannov. Inf.-Reg. Nr. 74 im
Tivoli, |
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Mehrmals war der Deutsche Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) Gast im Tivoli-Konzertgarten. Da der Konzertgarten zwischen der sich ausdehnenden Eisenbahnlinie und der städtischen Bebauung immer mehr eingeengt wurde, verlor das Tivoli bald an Attraktivität. Aus dem bürgerlichen Konzertgarten wurde ein Spezialitätentheater und danach ein Varieté. Am 21. September 1901 wird das Tivoli zwangsversteigert, den Zuschlag bekam Wilhelm Mussmann (1870-1940), der auch Hotelbesitzer war. 1923 stellte Kurt Schwitters (1887-1948) im Tivoli-Konzertgarten seine erste MERZ-Matinee mit großem Erfolg vor. Es traten unter anderem der berühmte Clown Grock, eigentlich Charles Adrien Wettach (1880-1959), die drei Rivels, der international gefeierte italienische Jongleur Enrico Rastelli (1892-1931), die Kabarettisten Frank Wedekind (1864–1918) und Otto Reutter (1870–1931) im Tivoli-Konzertgarten auf. In den Jahren 1924, 1926, 1932 und 1933 fanden im Konzertgarten internationale Ringkampfveranstaltungen statt. Veranstalter war der Internationale-Ringer-Verband (IRV Berlin).
Tivoli Beer Garden Hanover - Bert Underwood Publishers New York | Stereofoto | 1904 Im Juli 1930 trat das „Harry Fleming and His Blue Bird’s Symphonic Jazz Orchestra“ im Tivoli auf, bevor es danach weiter, nach Hamburg, ins Hansa Theater auf dem Steindamm in St. Georg fuhren. Im Jahr 1937 geht das Grundstück mit allen Gebäuden in den Besitz der Deutschen Reichsbahn über und wird daraufhin bald abgebrochen. Von 1899 bis 1999 gab es die Tivolistraße. Heute ist vom Tivoli nur noch ein Bodenmosaik mit dem Namenszug in einer Garage, in der Königstraße zu sehen. |
Tivoli | 03.10.1900
Monstre Concert im Tivoli | 13.05.1904
Tivoli | 02.04.1913
Tivoli-Concertgarten | CDV
Tivoli-Musikpavillon - Römmler & Jonas | CDV
Tivoli-Concerthaus - Atelier Georg Reese
Tivoli-Concerthaus - Atelier Georg Reese |
Tivoli-Hannover | 03.03.1902
Tivoli Konzert-Etablissement | 19.11.1911
Tivoli-Concerthaus - Inh. W. Mussmann | CDV | 1889
Tivoli-Concerthaus - Atelier Georg Reese
Fotaine im Tivoli | CDV |
Literatur- und Quellenverzeichnis
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Andreas-Andrew Bornemann / CDV / KAB / Postkarten / Text Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann
sich gerne beteiligen. Adress- und Fernsprechbücher der
Stadt Hannover |








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