Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Ich bin ein Butjer von Dieter Oberndorf

Der Begriff "Butjer" hat in Hannover eine lange Tradition.

Früher wurden all jene damit bezeichnet, die „von buten rinkamen, also von außen in die Stadt gelangten. Das waren dann, anfangs abwertend gemeint, die Butjer. Zwangsläufig gab es natürlich durch den durch die Industrialisierung bedingten Zuzug viele Butjer. So machte man aus dem Schmähbegriff dann eine Art Ehrentitel. Man wollte sich damit auch von den Stadt-Hannoveranern abgrenzen und war stolz darauf, ein Butjer zu sein.

Man möge mich belehren, falls die nachfolgenden Äußerungen nicht ganz korrekt sind. Die bekanntesten Butjer waren die, die aus dem späteren Stadtteil Linden kamen, die Lindener Butjer. Die Lütjen aber aus dem Stadtteil Ricklingen, dem fidelen Dörp, das waren die Ricklinger Butjer. Und genau so einer, war ich.

Wer nun der Original-Butjer war, konnte man schlecht sagen. Die Lindener behaupteten, sie wären die Butjer. Aber auch die Ricklinger waren die Butjer. Und so kam es, daß man vorsichtig sein mußte, wenn man sich der Grenze zwischen Ricklingen und Linden näherte. Schnell kam es zu einem Butjer-Krieg und zum Schluß zog sich jeder mit einem blauen Auge in seinen Stadtteil zurück. In jener Zeit, in der ich aufwuchs, wurden die kleinen Jungs Butjer genannt. Jeder kleine Junge entwickelte sich zum Butjer; eben zum Lausbuben.

    

          Lindener Büttjer | Kampfhähne              Lindener Büttjer | Der Pfiffikus | 04.09.1920

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten
Dieter Oberndorf / Text

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. | 10/2007