Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Hans Albers (1891-1960)

Hans Philipp August Albers wurde am 22. September 1891 in Hamburg-St. Georg geboren. Er war Schauspieler und Sänger.

Hans Albers wurde als Sohn des Schlachtermeisters Philipp Albers (genannt "Schöner Wilhelm“) und dessen Ehefrau Johanna Dorothea Albers, geb. Rathjen in der Langen Reihe 71., in Hamburg St. Georg als jüngstes von sechs Kindern geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Hamburg-Uhlenhorst, wurde allerdings nach einem tätlichen Konflikt mit einem prügelnden Lehrer der Schule verwiesen. Ähnliches erlebte er auch in der St. Georgs-Realschule.

Hans Albers begann in der Folge eine Kaufmannslehre und war in einer Seidenfirma in Frankfurt am Main, in Hessen tätig. Seine Theaterkarriere begann er am dortigen Neuen Theater, anfangs mit mäßigem Erfolg. Er hatte ohne Wissen seines Vaters mit heimlicher finanzieller Unterstützung seiner Mutter privaten Schauspielunterricht genommen.

Nachdem er 1915 zur Armee eingezogen worden war, wurde Hans Albers als Soldat im Ersten Weltkrieg an der Westfront schwer verwundet. Ihm drohte eine Beinamputation, die er – so die Erzählung – energisch ablehnte. Nach dem Ersten Weltkrieg spielte er an verschiedenen Berliner Theatern und an der Komischen Oper in Berlin vor allem komische Rollen.

Sein erster großer Erfolg war die Rolle des "Kellners Gustav Tunichtgut" im Stück "Die Verbrecher" von Ferdinand Bruckner (1891-1958). Sein Lehrer und Förderer war der jüdische Film- und Theaterschauspieler Eugen (Hirschburg) Burg (1871-1944).

Odeon | Ross Verlag

Nach über hundert Stummfilmrollen spielte Hans Albers 1929 im ersten deutschen Tonfilm Die Nacht gehört uns (1929) und danach an der Seite von Marlene Dietrich (1901-1992) in Der blaue Engel (1930). Die Rolle des "Artisten Mazeppa" in diesem Film war seine einzige Nebenrolle in einem Tonfilm. Sein Schauspielerkollege Emil Jannings (1884-1950) hatte dafür gesorgt, dass entscheidende Szenen mit Hans Albers aus der fertigen Fassung herausgeschnitten wurden. 1930 drehte er unter der Regie des späteren Präsidenten der Reichsfilmkammer, Carl Froelich (1875-1953), die Komödie Hans in allen Gassen (1930).

 

In den letzten Jahren der Weimarer Republik war Hans Albers neben sehr erfolgreichen Filmen wie Bomben auf Monte Carlo (1931) oder F.P.1 antwortet nicht (1932) erneut in großen Theaterrollen zu sehen, wie mit Fritz Kortner (1892-1970) in Rivalen oder in Franz Molnárs (1878-1952) Liliom. Letzteres wurde zu seiner Leibrolle, die er bis zur Absetzung des Stücks durch die Nationalsozialisten (da Molnár Jude war) und dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg spielte; hier singt er das Rummelplatz-Ausruferlied Komm auf die Schaukel, Luise.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten drängte man ihn zur Trennung von seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Hansi Burg (1898-1975), der Tochter seines jüdischen Mentors. Nach einiger Zeit gab er nach und trennte sich zwar offiziell von ihr, lebte jedoch weiter mit ihr am Starnberger See. Dort besaß er seit 1933 in Garatshausen bei Tutzing eine Villa mit einem 27.000 ;m² großen Grundstück. Hans Albers drehte weiterhin erfolgreich Filme, wenngleich er bis 1945 nicht mehr ans Theater ging, um sich dem Einfluss der Nationalsozialisten zu entziehen. Für Hansi Burg wurde Deutschland zu gefährlich. Hans Albers wollte seine Lebensgefährtin in Sicherheit bringen und sorgte dafür, dass sie 1939 über die Schweiz nach England emigrierte. Sie kehrte 1946 nach Garatshausen zurück. Hans Albers trennte sich von seiner zwischenzeitlichen Freundin. Er blieb ledig und kinderlos.

Ross Verlag 6373/1

1943 hatte der zum 25-jährigen Jubiläum der Universum Film (UFA) mit großem Aufwand produzierte Farbfilm Münchhausen (1943) einen außergewöhnlichen Publikumserfolg. Zu den Nationalsozialisten hatte er ein sehr distanziertes Verhältnis: er zeigte sich nie an der Seite hochrangiger NS-Funktionäre. So verzichtete er auf die Entgegennahme eines Schauspielpreises aus der Hand von Joseph Goebbels (1897-1945) Dennoch war Hans Albers bei Goebbels als Publikumsmagnet sehr geschätzt und konnte daher hohe Gagen fordern und erhalten. Andererseits beteiligte er sich 1941 an einem NS-Propagandafilm über den Afrikakolonialisten Carl Peters (1856-1918), indem er die Hauptrolle und sogar die Produktion übernahm. Weitere Propagandafilme unter seiner Mitwirkung waren Flüchtlinge (1933) und Henker, Frauen und Soldaten (1935).

Quick | Hans Albers - Lilian Harvey
D 1932 Tonfilm | Ross Verlag 141/1

Quick | Lilian Harvey - Hans Albers
D 1932 Tonfilm | Ross Verlag 141/2

Hans Albers drehte 1943 gemeinsam mit Ilse Werner (1921-2005) unter der Regie Helmut Käutners (1908-1980) den Farbfilm Große Freiheit Nr. 7 (1943). Die Dreharbeiten mussten wegen der Bombenangriffe auf Potsdam-Babelsberg und Berlin, wo die Dreharbeiten begonnen hatten, in Prag/Tschechien fortgesetzt werden. Der Film wurde jedoch wegen seiner düsteren Stimmung - abgesehen von seiner Ur- und weiteren Aufführungen in Prag - erst nach Kriegsende öffentlich vorgeführt. Die deutsche Uraufführung im September 1945 im Westteil Berlins war die erste Filmpremiere nach dem Zweiten Weltkrieg. Kurz vor Kriegsende begannen die Dreharbeiten zu Shiva und die Galgenblume (1945) einem Kriminalfilm in Farbe, der nicht fertiggestellt werden konnte. Unter der Regie des Regisseurs Hans Steinhoff (1882-1945) wurde in Prag gedreht. Das Heranrücken der Roten Armee führte zum Abbruch der Dreharbeiten und zur Flucht von Stab und Schauspielern gen Westen.

Hans Albers erste Produktion nach Kriegsende war der 1947 gedrehte und in Berlin spielende Film … und über uns der Himmel (1947), der ihn als Kriegsheimkehrer zeigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Hans Albers seine Filmkarriere fortsetzen, unter anderem in dem erfolgreichen Streifen Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (1954) mit Heinz Rühmann (1902-1994). Auch mit seinen Liedern hatte Hans Albers großen Erfolg. In ihnen stellte er sich schon seit 1932 als Haudegen (Flieger, grüß’ mir die Sonne), als Seemann (Der Wind und das Meer) und als Kavalier (Komm auf die Schaukel, Luise) dar.

In den 1950er-Jahren war seine Alkoholabhängigkeit ein Problem. Er versuchte sie stets zu verschleiern. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1956 wurde er mit dem Goldenen Bären als Bester Darsteller für den Film Vor Sonnenuntergang (1956) ausgezeichnet. 1957 spielte er im Staatstheater am Gärtnerplatz in München/Bayern den alten Karl Knie in der Musical-Version des Seiltänzerstücks "Katharina Knie" von Carl Zuckmayer (1896-1977). Mit dieser Rolle verabschiedete sich Hans Albers von der Theaterbühne.

1958, zwei Jahre vor seinem Tod, war er noch in drei Filmen zu sehen: Der Greifer (1958), Der Mann im Strom (1958), eine Literaturverfilmung nach Siegfried Lenz (1926-) und Dreizehn kleine Esel und der Sonnenhof (1958). Sein letzter Film Kein Engel ist so rein (1960) kam 1960 in die Kinos. Er schließt mit dem von Hans Albers gesprochenen Satz: Das ist das Ende.

Am 23. Juni 1960, einen Monat vor seinem Tode, erhielt er das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Quick | Lilian Harvey - Hans Albers
D 1932 Tonfilm | Ross Verlag 141/6

Im Alter von 69 Jahren brach Hans Albers während einer Theateraufführung mit schweren inneren Blutungen zusammen und starb drei Monate später am 24. Juli 1960 in einem Sanatorium in Kempfenhausen am Starnberger See, in Bayern. Er wurde eingeäschert und die Urne auf dem Hauptfriedhof Hamburg-Ohlsdorf in seiner Geburtsstadt Hamburg beigesetzt.

Kaum jemand wusste, dass seine berühmten blonden Haare nicht echt waren. Über Jahrzehnte hinweg trug er in der Öffentlichkeit stets ein Toupet. Um ein wenig jünger zu wirken, behauptete Hans Albers in späteren Jahren gerne, er sei nicht 1891, sondern 1892 geboren. Hans Albers erwarb 1951 einen dunklen Cadillac Typ 62 (5,4-Liter-V8-Motor, 165 PS), der im Automobilmuseum in Wolfegg/Baden-Württemberg ausgestellt ist. Kurz vor seinem Tod ließ er sich von seinem Chauffeur in dem Wagen noch einmal um den Starnberger See fahren. "Ich glaube, das war meine letzte Ausfahrt", sagte er danach.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1915: Jahreszeiten des Lebens
  • 1917: Die Tochter der Gräfin Stachowska
  • 1918: Der Mut zur Sünde
  • 1919: Aus eines Mannes Mädchenjahren
  • 1920: Das Grand Hotel Babylon
  • 1922: Menschenopfer
  • 1923: Fräulein Raffke
  • 1924: Das Testament des Joe Sivers
  • 1925: Das Mädchen mit der Protektion
  • 1926: Die Gesunkenen
  • 1926: An der schönen blauen Donau
  • 1927: Eine Dubarry von heute
  • 1928: Frauenarzt Dr. Schäfer
  • 1929: Die Nacht gehört uns
  • 1930: Der blaue Engel
  • 1930: Der Greifer
  • 1930: Hans in allen Gassen
  • 1931: Bomben auf Monte Carlo
  • 1932: Quick
  • 1932: F.P.1 antwortet nicht
  • 1933: Flüchtlinge
  • 1934: Peer Gynt
  • 1935: Henker, Frauen und Soldaten
  • 1936: Savoy-Hotel 217
  • 1937: Der Mann, der Sherlock Holmes war
  • 1938: Sergeant Berry
  • 1939: Wasser für Canitoga
  • 1940: Trenck, der Pandur
  • 1941: Carl Peters
  • 1943: Münchhausen
  • 1944: Große Freiheit Nr. 7
  • 1947: …und über uns der Himmel
  • 1950: Vom Teufel gejagt
  • 1951: Blaubart

Bomben auf Monte Carlo | Hans Albers - Anna Sten
D 1931 Tonfilm | Ross Verlag 6112/1

 

  • 1952: Nachts auf den Straßen
  • 1953: Käpt'n Bay-Bay
  • 1954: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
  • 1955: Der letzte Mann
  • 1956: Vor Sonnenuntergang
  • 1957: Der tolle Bomberg
  • 1957: Das Herz von St. Pauli
  • 1958: Der Greifer
  • 1958: Der Mann im Strom
  • 1958: 13 kleine Esel und der Sonnenhof
  • 1960: Kein Engel ist so rein

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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