Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Gustav Fröhlich
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Gustav Fröhlich (1902-1987)

Gustav Friedrich Fröhlich wurde am 21. März 1902 in Hannover/Niedersachsen geboren. Er war Film- und Theaterschauspieler und Filmregisseur.

Gustav Fröhlich wuchs bei Pflegeeltern in Hannover und Würzburg/Bayern auf. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Berlin-Friedenau leistete er 1916/17 Freiwilligendienst bei der Presseüberwachung in Brüssel/Belgien und unternahm mit Groschenheften erste schriftstellerische Versuche. Er begann 1919 ein Volontariat bei der Niedersächsischen Landeszeitung in Celle/Niedersachsen, trat danach unter dem Künstlernamen „Gustav Geef“ in einem Varieté auf und schloss sich dem Mittelfränkischen Gastspiel-Ensemble in Sontheim/Bayern an.

Nach dem Schauspielunterricht in Heilbronn in Baden-Württemberg fand Gustav Fröhlich erste Engagements in Friedberg/Hessen und am Reisetheater der Schwäbischen Volksbühne. 1921 ging er nach Berlin, wo er auf Empfehlung von Paul Henckels (1885-1967) für zwei Jahre am Neuen Volkstheater engagiert wurde. Von 1923 bis 1925 spielte er an der Volksbühne am Bülowplatz und anfang der 1930er-Jahre trat er unter Max Reinhardt (1873-1943) am Deutschen Theater in Berlin unter anderem als Prinz von Homburg auf.

Ross Verlag 3600/1 | 06.02.1929

Die Nebenrolle in Theo Frenkels (1871-1956) niederländisch-deutscher Koproduktion Ein neues Leben (1922) war sein Filmdebüt. Daran schlossen sich Hauptrollen und wichtige Nebenrollen in einer ganzen Reihe von Stummfilmen an.

Nach der Einführung des Tonfilms konnte Gustav Fröhlich seine Karriere problemlos fortsetzen. Das amerikanische Filmstudio Warner Bros. (WB) verpflichteten ihn 1930/31 nach Hollywood/USA, wo er in deutschen Versionen amerikanischer Filme mitwirkte. Häufig arbeitete Gustav Fröhlich mit dem Regisseur Geza von Bolvary (1897-1961) zusammen, der ihn allein von 1931 bis 1933 sechsmal als Hauptdarsteller einsetzte. 1933 führte Gustav Fröhlich in dem Film Rakoczy-Marsch (1933) erstmals selbst Regie. Neben Camilla Horn (1903-1996) spielte er auch die Hauptrolle.

Seiner weiteren Karriere stand seine Ehe mit der jüdischstämmigen Schauspielerin Gitta Alpár (1903-1991) im Weg. Nach Angaben seiner Ehefrau verstieß er sie, als sie mit der gemeinsamen Tochter schwanger war. Während eines Empfangs beim Kulturminister Joseph Goebbels (1897-1945) ließ er sie stehen, um sich ungehindert dem Minister nähern zu können. Seine Frau musste den Saal durch den Hintereingang verlassen. Die Ehe wurde 1935 geschieden, als Gitta Alpár schon im Exil war.

                     

                        Metropolis                                              Metropolis                                           Metropolis
         Gustav Fröhlich - Brigitte Helm                   D 1927 | Ross Verlag 71/3             Gustav Fröhlich - Margarete Lanner      
            D 1927 | Ross Verlag 71/2                                                                              D 1927 | Ross Verlag 71/10

Da Gustav Fröhlich in seinen Rollen den Liebhaber, der im Kino des Nationalsozialismus besonders gefragt war – in idealer Weise verkörperte, waren ihm auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Hauptrollen in zahlreichen Filmen sicher. Als Darsteller von Polizisten, Rechtsanwälten, Offizieren, Ingenieuren und Vertretern war er meist zu sehen. Im Gegensatz zu vielen anderen prominenten Berufskollegen wurde er nach Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht freigestellt, sondern 1941 für 18 Monate zu einem Landschützen-Regiment einberufen, das er für Dreharbeiten nur jeweils vorübergehend verlassen durfte. 1941 heiratete er Maria Hajek. Mit durchschnittlich drei Hauptrollen pro Jahr zählt er neben Hans Albers (1891-1960), Willy Fritsch (1901-1973) und Heinz Rühmann (1902-1994) zu den aktivsten Stars des NS-Kinos.

Da Gustav Fröhlich nur in wenigen Propagandafilmen mitwirkte, konnte er seine Karriere auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fortsetzen. Bereits 1946 sprang er in Helmut Weiss (1907-1969) Lustspiel Sag’ die Wahrheit (1946) für den wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten noch unter Berufsverbot stehenden Heinz Rühmann ein. Gleichzeitig kehrte Gustav Fröhlich ans Theater zurück und nahm ein Engagement am Brunnenhoftheater des Bayerischen Staatsschauspiels in München/Bayern an. Er führte 1948 in dem Film Wege im Zwielicht (1948) erstmals seit Kriegsende wieder Regie.

Seine interessanteste Nachkriegsrolle war die des alternden, todgeweihten Malers Alexander in Willi Forsts (1903-1980) Film Die Sünderin (1950) mit Hildegard Knef (1925-2002), in dem ihm erstmals der Ausbruch aus der Schublade des netten, vertrauenswürdigen Charmeurs gelang.

Bis 1953 gehörte Gustav Fröhlich zum Ensemble des von Gustaf Gründgens (1899-1963) geleiteten Düsseldorfer Schauspielhauses in Nordrhein-Westfalen. Danach spielte er am Berliner Renaissance-Theater und am Schauspielhaus Zürich in der Schweiz. Bis 1956 war Gustav Fröhlich weiterhin in zahlreichen Haupt- und auch Nebenrollen zu sehen.

Ross Verlag 3018/2

Gustav Fröhlich zog 1956 in den Ort Brissago am Lago Maggiore, in der Schweiz. 1972 wurde er mit der Silbernen Plakette der Stadt Salzburg/Österreich ausgezeichnet und 1973 von der Bundesrepublik Deutschland mit dem Filmband in Gold. Er spielte bis 1976 regelmäßig Theater und starb am 22. Dezember 1987 nach einer Operation in Lugano, Kanton Tessin in der Schweiz. Seine Grabstelle befindet sich an der Urnenwand des Friedhofs Brissago am Lago Maggiore.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1922: Ein neues Leben
  • 1923: Der Weg zum Licht
  • 1925: Friesenblut
  • 1925: Die Frau mit dem schlechten Ruf
  • 1926: Metropolis
  • 1927: Die Frau die nicht nein sagen kann
  • 1927: Jugendrausch
  • 1927: Ihr letztes Liebesabenteuer
  • 1927: Der Meister von Nürnberg
  • 1927: Die elf Teufel
  • 1928: Jahrmarkt des Lebens
  • 1928: Angst – Die schwache Stunde einer Frau
  • 1928: Heimkehr
  • 1928: Eva und der Grashüpfer 
  • 1929: Das brennende Herz
  • 1929: Asphalt
  • 1929: Hochverrat
  • 1930: Liebeslied
  • 1930: Der unsterbliche Lump
  • 1930: Kismet
  • 1931: Die heilige Flamme
  • 1931: Die verliebte Firma
  • 1931: Gloria
  • 1932: Ein Mann mit Herz
  • 1932: Unter falscher Flagge
  • 1932: Mein Leopold
  • 1933: Rakoczy-Marsch - auch Regie
  • 1934: Oberwachtmeister Schwenke
  • 1934: Der Flüchtling aus Chicago
  • 1935: Stradivari
  • 1935: Es flüstert die Liebe
  • 1936: Die Entführung
  • 1936: Inkognito
  • 1937: Gabriele: eins, zwei, drei  
  • 1937: Alarm in Peking
  • 1938: Es leuchten die Sterne 
  • 1938: Frau Sixta
  • 1939: Renate im Quartett
  • 1939: Adieu Vienne
  • 1940: Herz – modern möbliert
  • 1940: Ihr Privatsekretär
  • 1941: Clarissa
  • 1941: Sechs Tage Heimaturlaub
  • 1942: Der große König
  • 1942: Mit den Augen einer Frau
  • 1943: Tolle Nacht
  • 1944: Familie Buchholz
  • 1944: Neigungsehe
  • 1945: Leb’ wohl, Christina (unvollendet) - auch Regie
  • 1944/49: Der große Fall
  • 1946: Sag’ die Wahrheit
  • 1948: Das verlorene Gesicht
  • 1949: Diese Nacht vergess ich nie
  • 1950: Dieser Mann gehört mir
  • 1951: Die Sünderin
  • 1952: Abenteuer in Wien
  • 1952: Haus des Lebens
  • 1953: Ehe für eine Nacht
  • 1954: Ball der Nationen
  • 1954: Rosen aus dem Süden
  • 1958: Das gab’s nur einmal
  • 1960: … und keiner schämte sich

Portrait und Szenenkarten

                     

                 Ross Verlag 4551/1                               Ross Verlag 5065/2                               Ross Verlag 5196/1

                     

                 Ross Verlag 5453/1                               Ross Verlag 6053/1                        Gustav Fröhlich - Brigitte Helm 
                                                                                                                                         Ross Verlag 6141/1

                     

                 Ross Verlag 7000/1                               Ross Verlag 7000/2                               Ross Verlag 7086/1

     

                 Ross Verlag 9820/1

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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