Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe
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1870 Güterbahnhof-Küchengarten |
Küchengarten Platz 1910-1920 Ladestelle Küchengarten GmbH |
Güterbahnhof-Küchengarten | Küchengarten Platz
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Der Güterbahnhof am Küchengarten wurde um 1870 auf dem Gelände des ehemaligen Königlichen Küchengartens (1652 von Herzog Georg Wilhelm (1624-1705) als Lust- und Küchengarten angelegt) angelegt. Der Unternehmer Bethel Henry Strousberg (1823-1884), der 1868 die Eisengießerei und Maschinenfabrik Georg Egestorff, den Egestorff-Erben abgekauft hatte ließ um 1872/73 den Bahnhof als Sackbahnhof errichten. Der Güterbahnhof diente vor allem der verkehrstechnischen Anbindung der Lindener Industriebetriebe und der Versorgung der Hannoverschen Gasanstalt auf der anderen Seite des Ihmeflusses. |
Blick von der Ihmebrücke auf die Englische Gasanstalt in Hannover, an der Glocksee ca. 1920 |
Mechanische Weberei zu Linden | 05.08.1916 |
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Ein Gleisanschluss querte die noch unbefestigte Fössestraße, um über das damalige Betriebsgelände der Kohlenhandlung, der Familie Stephanus, die Mechanische Weberei, die Lindener Baumwollspinnerei sowie die Weberei und andere Fabriken mit Brennholz und Kohlen zu versorgen. Auch die Kohlenhandlung Stephanus war mittels eigener Gleise mit dem Güterbahnhof-Küchengarten verbunden. Die Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer wurde nicht nur über Bahngleise beliefert, sondern lieferte auch teilweise mit Straßenbahnen der Hannoverschen Verkehrsbetriebe ihr Bier aus. Die Waggons wurden bis ca. 1914, über eine tragbare Drehscheibe am Küchengarten vom Straßenbahngleis zum Anschlussgleis der Brauerei an die Bahn umgegleist. Der Güterwagenpark der Straßenbahnbetriebe verfügte für den Transport über zwei Bierwagen, Nr. 1003/04. |
Die Güterwaggons wurden über den Lindener Bahnhof-Fischerhof, um den Lindener Berg herum, zum Küchengarten geführt. Die Strecke war 3,6 km lang. Am Güterbahnhof angekommen wurden die Waggons dann von Bahnarbeitern in die umliegenden Fabriken weitergeleitet. Der Güterbahnhof und die Gleisanlagen wechselten mehrmals ihren Besitzer. Im Jahr 1879 übernimmt die Preußische Staatsbahn den Bahnhof von Bethel Henry Strousberg, ab 1920 die Deutsche Reichsbahn und 1930 die Lindener Hafenbahn GmbH. 1910 kaufte die Stadt Hannover einen Teil der Bahnanlagen um das Gelände in die Städtische Bebauung einzubeziehen. Die Gleisanlagen wurden daraufhin reduziert. Am 30. September 1910 trafen sich zwanzig Unternehmer aus Linden, zur Gründung der Ladestelle Küchengarten GmbH. Im Neuen Lindener Rathaus wurde die Gesellschaft beurkundet. Siehe weiter unten: 1910-1920 Ladestelle Küchengarten GmbH. |
Lindener Actien-Brauerei (Bierwagen mit Bremse) |
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Nachdem die Gleisanlagen ab 1910 reduziert wurden, lobte die Stadtverwaltung einen Planungswettbewerb aus, den der Lindener Architekt Alfred Sasse (1870-1937) 1911 gewann. Alfred Sasse baute das Gelände zu einem repräsentativen Eingangsplatz mit einem Pavillon (Zeitungsladen mit Bedürfnisanstalt) um. Im gleichen Jahr erhielt der Platz offiziell den Namen „Am Küchengarten“. 1917 wird der Lindener Hafen eröffnet und erhält einen Gleisanschluß. Über einen Abzweig des Mittellandkanals brachten Schiffe ihre Güter in den Hafen. Vom Hafen transportierte die Hafenbahn dann das Gut zu den Fabriken. Der Wagenladungs- und Stückgutverkehr wurde Ende der 1930er Jahre auf dem Küchengarten eingestellt. |
Der Stadtbaurat Prof. Karl Elkart (1880-1959) errichtete im Jahr 1927, an der Stirnseite des Straßenblocks Stephanus- und Haasemannstraße die Städtischen Bäder (seit 1987 Theater am Küchengarten). Bis 1983 waren die Wannen- und Duschräume noch in Betrieb. Im gleichen Jahr entstand, auf dem Gelände der früheren Kohlehandlung Stephanus (Fössestraße 3-12), der U-förmige Gebäudekomplex mit den in der Limmerstraße beginnenden Hausnummern 3-5 und denen der Fössestraße 4-12. Den Denkmalgeschützen, viergeschossigen Gebäudezug in Klinkerbauweise für Wohn- und Gewerberäume entwarf der Architekt Friedrich Hartjenstein (1881-1941). Ab 7. September 1939 wurden auf dem Küchengarten Platz, wie auch an anderen öffentlichen Plätzen mit Grünanlagen in Hannover, sogenannte Splittergräben angelegt. Die Mitglieder der Technischen Nothilfe (TN) legten die zwei Meter tiefen Splittergräben im Zickzack an, um Passanten während der Luftangriffe auf Hannover schnellen Schutz zu bieten. |
Platz am Küchengarten u. Badeanstalt | 09.06.1942 |
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Nachdem Krieg wurde der Küchengarten zum Verkehrsreichsten Platz Hannovers und gleichzeitig ein Unfallschwerpunkt. Der Platz wurde im Oktober 1950 daraufhin zu einem Rundverkehr ohne Ampeln (Kreisel) umgebaut. Nur noch die Straßenbahnen überquerten nun den 50 Meter breiten Küchengarten Platz. |
Küchengarten und Limmerstraße | 22.09.1950 |
Küchengarten und Limmerstr. | 29.06.1953 |
Anfang der 1970er Jahre wurde das Ihme-Zentrum gebaut und auch der Küchengarten wurde nochmals in den Jahren 1973/74 umgestaltet. Nun gab es keinen Kreisel mehr, dafür aber die Fußgängerhochbrücke des Ihme-Zentrums, die 1977 bis zur Limmerstraße erweitert wurde. Über die verbliebenen Gleisanlagen wurden bis 1990 noch Feuerungskohlen vom Lindener Hafen angeliefert, als Energienachschub für das 1961 errichtete Heizkraftwerk Linden. Der Umschlag erfolgte über ein Gebäude, von dem die Kohlen über lange Fließbänder unterirdisch zu den Stadtwerken transportiert wurden. Jährlich wurden 250.000 t Kohle in 18 Selbstentladewagen angeliefert. Im Rahmen des Hannoverschen Stadtplatzprogramm wurde 2003/04 er Platz nochmals umgebaut. Von den Gleisanlagen finden sich heute noch Schienen in dem zu einem Grün- und Erholungsstreifen umgestalteten Bereich zwischen dem Platz Am Küchengarten und der Fösse- und Rampenstraße. Die Gleise unterqueren die Brücke an der Nieschlagstraße, bis zum Lindener Hafen. Bis Mitte der 1990er Jahre führte eine Fußgängerbrücke von der Dieckbornstraße zur Fössestraße. Eine kleine Rampe mit Treppe am Anfang Dieckbornstraße erinneret heute noch an die damalige Brücke. |
Blick auf das Fernheizwerk und Ihmezentrums |
1910-1920 Ladestelle Küchengarten GmbH
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Am 30. September 1910 trafen sich zur Gründung der Ladestelle Küchengarten GmbH, im Neuen Lindener Rathaus um 20:00 Uhr, im Beisein des amtlich bestellten Vertreters, des Königlichen Notars, der Rechtsanwalt Dr. jur. Walter Geise und folgende zwanzig Lindener Unternehmer, um die Gründung der Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu beurkunden. Der Fabrikant und Chemiker Ferdinand Sichel (Sichelwerke), der Fabrikant August Werner jun. (Bettfedernfabrik Werner & Ehlers), der Fabrikant Max Rüdenberg (Bettfedernfabrik Rüdenberg GmbH), der Prokurist Louis Wertheim (Hannoversche Aktien Gummiwarenfabrik), die Direktoren Josef Stein und Richard Müller (Lindener Aktien-Brauerei vorm. Brande & Meyer), die Direktoren Gustav Bartel und Wilhelm Siercke (Hannoversche Gummi-Kamm-Companie Actien Gesellschaft Hannover-Limmer), der Direktor Ludwig Thoma (Hannoversche Brotwarenfabrik AG - Habag), der Prokurist Otto Wittenberg (Chemische Fabrik Königswarter & Ebell), die Inhaber Eduard Lüderitz und Wilhelm Pretzsch (Pretzsch & Lüderitz OHG), der Gründer und Inhaber Heinrich Eppers (Kornbranntweine Eppers), der Prokurist Otto Schenk (Kesselfabrik Conrad Engelke), der Inhaber Philipp Haasemann (C. Haasemann & Söhne OHG), die Kartoffelhändler Friedrich Branding und Friedrich Heise, die Prokuristen Dr. Otto Jordan und Adolf Droste (Georg Egestorffs Salzwerke und Chemische Fabriken Hannover AG), der Kaufmann und Inhaber Richard Stephanus (Firma Hermann Stephanus), der Straßenbauer und Steinbruchbesitzer Georg Berneburg (Straßenbaufirma & Steinbruch Berneburg), der Prokurist Dr. Hilderich Hartmann (Hartmann & Hauers OHG), der Inhaber Wilhelm Flentje (Firma Flentje) und der Prokurist Karl Könnecker für die E. Hillegeist OHG. Es wurde ein Gesellschaftervertrag mit dem Ziel für die Dauer von zehn Jahren eine Ladestelle Küchengarten GmbH, direkt am Bahnhof-Güterbahnhof Küchengarten, zugründen beurkundet. Der Sitz der Gesellschaft war in Linden. Der Gegenstand des Unternehmens war die Empfangnahme eingehender und die Versendung abgehender Güter der einzelnen Gesellschafter. Das Stammkapital betrug 42,000 Mark und wurde in Bar, in unterschiedlicher höhe von den einzelnen Gesellschaftern geleistet. Als Geschäftsführer wurde der Fabrikant Max Rüdenberg (Bettfedernfabrik Rüdenberg GmbH) bestellt. Als jährliche Vergütung wurden dem Geschäftsführer 500,00 Mark in vierteljährlichen Raten von 125,00 Mark gezahlt. Bekannt gemacht wurde die Gesellschaft im Deutschen Reichsanzeiger und im Lindener Lokalanzeiger. Die Gesellschaft wurde am 30. September 1920 wieder aufgelöst. Die Beurkundung durch den Rechtsanwalt Dr. jur. Geise kostete insgesamt 159 Mark und 80 Pfennige. Auf den Lindener Bahnhöfen wurden zeitweise doppelt so viele Waren und Rohstoffe umgeschlagen wie auf dem Bahnhof in der Stadt Hannover. Mit der Errichtung der Güterumgehungsbahn nach Seelze verlor der Bahnhof-Güterbahnhof Küchengarten an Bedeutung. Im Jahr 1930 wurde der Wagenladungs- und Stückgutverkehr eingestellt. Die einzigen Gleise die erhalten geblieben sind waren noch bis Anfang der 1990er Jahre für den Transport der Kohle zum Heizkraftwerk-Linden in Betrieb. |
Literatur- und Quellenverzeichnis
Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text
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1800-1900 | Ludwig Hoerner | Reichold
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1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954
| Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus
Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag |
1994
1939. Hannovers Weg in den Zweiten Weltkrieg | Wolfgang
Steinweg | Verlagsgesellschaft Madsack Hannover | 1989
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann
| Verkehrs-Verein Hannover e.V. Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon |
Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th.Schäfer
2. Heft Hannover | 1910
Der Königliche Küchengarten in Linden | Lindener Geschichtsblätter
Heft 2-3 | Wilfried Dahlke, Jonny Peter
Quartier e.V. | 2004
Kopie des Gründungsprotokoll für Max Rüdenberg vom 5.
November 1910. Aus der Aktenkopie der Polizei- und
Landesverwaltung, der Stadt Linden, Bereich Bahnhof Küchengarten
1910-1927.
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische |
Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19.
Jahrhundert | Walter Buschmann
August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Plätze in Hannover. Früher und heute | Harald Koch, Rudolf
Zankl | TAK-Verlag Hannover | 1998
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart |
Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein
Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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