Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Glas- und Porzellangeschäft Arthur Manne, Limmerstraße 3-5. von Hans-Jörg Hennecke (1942-2014)

Nazi-Terror - Schleichendes Gift in Hirn und Herz.

Die Nazi-Diktatur hielt bis zum bitteren Ende, auch in Hannover-Linden. Sie war ein schleichendes Gift in Hirnen und Herzen zahlloser Menschen. Der Lindener Widerstandskämpfer August Holweg (1905-1989), späterer Oberbürgermeister von Hannover, erzählte in einer Episode, welche grauenhaften Verhaltensweisen das noch bis kurz vor Kriegsende hervorrief:

Am Küchengarten war das Glas- und Porzellangeschäft von Arthur Manne (geb. 1900). Er selbst war ein Jude, seine Frau war keine Jüdin. Diese Mischehen hatte man ja bis 1938 in Ruhe gelassen, erst danach hat man den einen oder anderen Teil ins Konzentrationslager (KZ) gebracht. Arthur Manne war neun Monate in einem Lager, hat sich in dieser Zeit nicht waschen dürfen, ist dann aber wieder herausgekommen. Kurz vor dem Zusammenbruch 1945 wurde die Behandlung von Juden in Mischehen geändert, so dass auch Arthur Manne abgeholt werden sollte, um ihn in ein KZ einzuliefern. Darüber habe ich mich mit einigen Freunden unterhalten und wir haben mit Erfolg versucht, Arthur Manne zu verstecken...

An einem Abend wurden wir vom Alarm überrascht, wir konnten uns in den Straßen nicht mehr bewegen und ich habe Arthur Manne mit in den Luftschutzkeller unseres Hauses genommen. Zwei ältere Damen, die ihn erkannten, haben unserem Hauswart erklärt, dass Herr Manne mit uns im Luftschutzkeller gewesen sei. Diesen Damen sind wir sofort mit der Bemerkung entgegengetreten: "Wie kommen sie auf diese Idee? Herr Manne ist doch schon länger im KZ." Aber die beiden Damen wollten uns nicht glauben.

Wir wohnten in einer Wohnung vom Spar- und Bauverein in der Wilhelm-Bluhm-Straße. Unser Hauswart hat dann den Damen mit aller Deutlichkeit gesagt, er möchte nicht noch einmal von ihnen hören, dass Arthur Manne bei uns im Keller gewesen sei. Er selbst hätte das nicht zugelassen und wüsste bestimmt, dass Herr Manne im KZ sei. Ihre Bemerkung könne leicht dazu führen, dass alle Hausbewohner verhört würden, um dann festzustellen, wo Herr Manne sei. "Also lassen sie solche Rederei." Arthur Manne hat diese Zeit glücklich überlebt und sein Geschäft nach 1945 wieder eröffnet.

 

Limmerstraße 3-5. ca. 1933-1943

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte
Hans-Jörg Hennecke (1942-2014) / Text
Dank an Jürgen Wessel für die Idee.

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. | 05/2006