Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010
Georg Egestorff | Das Egestorff-Mausoleum
http://www.postkarten-archiv.de/georg-egestorff-das-egestorff-mausoleum.html

© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010

Georg Egestorff | Das Egestorff-Laporte Mausoleum und das Egestorffsche Erbbegräbnis.

Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868)

wurde am 7. Februar 1802 in Linden geboren, er hatte infolge von Krankheit die Schule nur unregelmäßig besucht und war 1816 als Böttcher (Fassbinder) in die Lehre nach Hildesheim gekommen. Noch keine 16 Jahre alt wurde Georg in den Betrieb seines Vaters Johann Heinrich Egestorff (1772-1834), der Kalkjohann genannt wurde (1803 übernahm Vater Egestorff eine Kalkbrennerei und zog in das Kalkbrennerhaus, weshalb er fortan spöttisch „Kalkjohann“ gerufen wurde) nach Linden zurückgerufen, um für die ausgedehnten Geschäfte seines Vaters eine bis dahin fehlende Buchführung einzurichten. Unter seiner Mitwirkung ging es mit den Geschäften aufwärts.

Vater und Sohn schlossen sich in Bremen zu einer Kommanditgesellschaft (KG) zusammen und erweiterten den Betrieb der einzelnen Unternehmen. Georg gründete 1831 am Lindener Berg die Saline Egestorffshall bei Badenstedt. Damit fügte er zum Lindener Kalk das Lindener Salz hinzu. Er heiratet am 1. März 1827 Johanne Dorothee Haase. Als Georgs Vater am 30. März 1834 nach einem Schlaganfall im Alter von 62 Jahren starb, übernahm er die Leitung aller Geschäfte.

Am 6. Juni 1835 eröffnet Georg Egestorff, nach dem das Königlich-Großbritannische-Hannoversche Ministerium die Genehmigung erteilt hatte, eine Eisengießerei und eine mechanische Werkstatt, aus der die spätere HANOMAG AG hervorging, dort baute Egestorff Dampfmaschinen, Kessel und auch Maschinen für industrielle Zwecke, seit dem Jahr 1845 wurden dort auch Lokomotiven gebaut.

Als die Eisenbahnstrecke von Hannover nach Hildesheim am 4. Juni 1846 eröffnet wurde zog die erste Lokomotive, sie erhielt den Namen „Ernst August” den Zug. Diese Lokomotive wurde von Georg Egestorff aus seiner Fabrik in Linden geliefert. Aus der Fabrik gingen in der Folge die hydraulischen Kräne für Geestemünde und die großen Pumpwerke für Hannover, Herrenhausen und Braunschweig hervor. 1839 errichtete Georg Egestorff eine chemische Fabrik, speziell für die Herstellung von Soda und dessen Nebenerzeugnissen. Während der Märzrevolution im Jahr 1848 streiken die Arbeiter der Maschinenfabrik 3 Tage lang für kürzere Arbeitszeiten, können sich aber nicht durchsetzen. Genau 20 Jahre später, im August 1868 gründen Arbeiter in Linden und Hannover die Metallarbeitergewerkschaft „Vulkan-Union”.

Feier der Fertigstellung der 5000. Lokomotive 15.06.1907

Im Jahr 1856 wird die Ultramarinfabrik gegründet (die Fabrik wurde im Volksmund auch die Blaue genannt) und 1860 die Wagenfabrik von Jacobi, die Mineralwasserfabrik von Eduard Hurtzig und dem Apotheker Feldmann sowie die Asphaltfabrik von August Egestorff (1833-1919 ?).

1861 gründet Georg Egestorff eine Zündhütchenfabrik und schenkt 1862 der Lindener St. Martins Kirchengemeinde ein Stück Land auf dem Lindener Berg. Da der bisherige Martinskirchen-Friedhof nicht mehr ausreichte und am 16. November 1906 als Beerdigungsplatz geschlossen wurde, brauchte die Stadt Linden einen neuen Friedhof. Dafür bekam Egestorff von der Kirchengemeinde das Recht, mit seinen Salzwagen die Badenstedter Straße befahren zu dürfen, so entstand der Lindener Bergfriedhof.

1864 wurde die nach einem Entwurf von Conrad Wilhelm Haase (1818-1902) erbaute Kapelle eingeweiht und 1871 erweitert. 1884 wurde ein Brunnen mit Sandsteinfigur (Friedensengel) vom Lindener Bildhauer Karl Gundelach (1856-1920) im Zentrum des Friedhofs errichtet. Gut 100 Jahre später 1965 wurde der Friedhof geschlossen. Seitdem ist er öffentliche Grün- und Parkfläche, und ist unter Denkmalschutz gestellt.

Verwaltungsgebäude der Hannoverschen Maschinenbau AG vormals G. Egestorff | 02.04.1906

Für seine Arbeiter schuf Georg Egestorff Kranken-, Unter- stützungs- und Sterbekassen, eine Volksspeiseanstalt, einen Kindergarten sowie eine Kinderbewahranstalt. Auch finanzierte Egestorff ab 1863 in der Hohe Straße 9 eine Freischule für ca. 80 Arbeiterkinder. Am Ihme-Ufer, am Wohnhaus der Familie Egestorff betreute Georg in der Gründungszeit des hannoverschen Zoos (1865) in einem Provisorium die Tiere, die bereits vor der Eröffnung eingetroffen waren; er selbst hatte eine Vogelsammlung, die auch für die Lindener Bevölkerung zugänglich war. Georg Egestroff unterstütze auch finanziell die Gründung des Zoologischen Garten Hannover im Jahr 1865.

Der Kunstgärtner Johann Georg Heinrich Egestorff (1835-1882), ein Verwandter Georg Egestorffs eröffnete 1867 in der Hinüberstraße 16. das erste eigenständig betriebene See- und Süßwasser-Aquarium Deutschlands. Es war auch zugleich das größte Aquarium Europas, es hatte täglich geöffnet, abends mit Gasbeleuchtung. Architekt war Wilhelm Lüer (1834-1870), der auch die Anlagen des Zoos entworfen hatte und für das Aquarium erstmals den Grottenstil einsetzte.

Am 27. Mai 1868 um 4:30 Uhr am Morgen starb Georg Egestorff im alter von 66 Jahren. Die Trauerbotschaft verkündigte noch am gleichen Abend, der "Hannoversche Courier", auf einer halben Seite. Mehr als 3000 Personen umfasste der Trauerzug, der sich von der Ihme-Brücke bis zum Fischerhof bewegte. Fackel- und Fahnenträger, Musik- und Sängercorps, die Arbeiter aus seinen Fabriken, nach Betrieben und Abteilungen geordnet, viele Honoratioren aus Hannover und Linden, die Familienangehörigen, Turner und Kinder, die Palmen- und Zypressenzweige trugen, sowie viele weitere Hannoveraner und Lindener bildeten den Trauerzug.

Georg Egestorff - 1802-1868

Georg Egestorffs Leitspruch lautete:
Gemeinnütziges industrielles Wirken - mein Leben

Eisengießerei u. Maschinenfabrik Georg Egestorffs

Die Aufstellordnung des Trauerzuges zur Beerdigung von Georg Egestorff am 29. Mai 1868

Rathaus mit Egestorfstr. | 17.07.1915

Nach Johann Georg Heinrich Egestorff ist im Jahr 1892 die Egestorffstraße in Linden-Mitte benannt worden.

Die Eisengießerei und Maschinenfabrik wurde im Jahr 1868 für 700 000 Taler vom Eisenbahnkönig Dr. Bethel Henry Strousberg (1823-1884) den Egestorff-Erben abkauft und bedeutend erweitert, sie ging 1871 aber wie die übrigen Unternehmungen von Georg Egestorff, in die Hände von Aktiengesellschaften über. Das Wohnhaus des Vaters Johann Heinrich Egestorff stand noch bis in die 1950/60 Jahre an der Blumenauer Straße, spätere Anschrift Ihmebrückstraße, dann Am Schwarzen Bären. Heute befindet sich auf dem Grundstück ein Teil des Ihme-Zentrums.

Das Egestorff-Laporte Mausoleum

Das Mausoleum, mit dem großen Gruftgewölbe wurde noch zu Lebzeiten von Georg Egestorff (1802-1868) in Auftrag gegeben. Der Grabbau aus dem 19. Jhs. wurde aufwendig gestaltet. Wer der Architekt und Ausführende Handwerker war ist nicht bekannt. Auch ist nicht bekannt wann das Egestorff-Laporte Mausoleum genau errichtet wurde.

Am 20. November 1916 wurde Frau Senatorin Johanne Dorothee Luise Laporte (1837-1916), eine Tochter Georgs, in der Gruft bestattet. Dorothee Laporte war seit 1866 mit Onno Wilhelm Laporte (1833-1900), Senator, Justizrat und Obergerichtsanwalt verheiratet. Zur Unterhaltung der Grabanlage wurden im Jahr 1917 von den Angehörigen fast 3500,00 Mark an die Lindener Friedhofsverwaltung gezahlt.

Das Mausoleum wurde in der Nacht zum 22. September 1943 bei einem Luftangriff zusammen mit der St. Martinskirche durch eine Luftmine zerstört. Die Grabstätte wurde im August 1944 erneut mutwillig zerstört, die Täter haben sogar mehrfach die Gruft aufgebrochen und die Särge geöffnet.

Heute ist nur noch das Gruftgewölbe erhalten. Der Grabstein des Vaters Johann Heinrich Egestorff (1772-1834), mit Bienenkorb wurde erst später vom Friedhof der St. Martins Kirchengemeinde (Martinskirchhof) auf das Gruftgewölbe seines Sohnes umgesetzt. Der Stein ist stellenweise stark verwittert und beschädigt. Dieser Grabstein, ist der letzte Grabstein des alten Friedhofs der St. Martinsgemeinde.

Dem Andenken | des geliebten Gatten | und Vaters | J. Egestorff | geb. a. 22. Octbr 1772 | gest. am 30. März 1834 | gewidmet | von seinen dankbaren | Hinterbliebenen

Johann Heinrich Egestorff - genannt Kalkjohann war im aus- gemauerten Erbbegräbnis der Familie Egestorff, etwa in der Mitte des Friedhofs gelegen, im Jahr 1834 begraben worden. Auch sein Bruder Jasper Hinrich Egestorff (1775-1834), er leitete ab 1805 die Zweigniederlassungen in Bremen wurde im gleichen Jahr, am 6. Juli 1834 hier bestattet. Der Bruder Georg Egestorffs, Johann Carl Ernst Egestorff (1811-1884), Fabrikbesitzer und von 1856-1871 Gemeindevorsteher in Linden, wurde ebenfalls im Erbbegräbnis begraben.

Jaspers Grabstein, bestehend aus einem Sockel in Würfelform mit aufgesetzter Vase war nur umgestürzt und nicht groß beschädigt worden. Zur Unterhaltung der gesamten Grabanlage wurden im Jahr 1908 von den Angehörigen 1000,00 Mark an die Lindener Friedhofsverwaltung gezahlt.

Das Egestorffsche-Erbbegräbnis mit der St. Martinskirche. Veröffentlicht am 9. August 1913 in der Illustrierten Rundschau Nr. 32 - Linden bei Hannover.

Am 16. November 2006 berichtete der HAZ Stadt-Anzeiger West über die Egestorff-Gruft. Die Überschrift lautete:"Eine Gruft wird aufpoliert". Am 11. Dezember 2006 hatte die Firma Könecke-Bau die Mauereinfriedung, den Grabstein Georg Egestorffs und seiner Angehörigen mittels Hochdruckreiniger von Graffiti-Schmierereien befreit.

Die Martinskirche mit Mausoleum | 08.08.1941

Lageskizze der Grabstellen vom 12. August 1946

Mausoleum der Familie Egestorff-Laporte (I), ausgemauertes Erbbegräbnis der Familie Egestorff (II), Mausoleum der Familie Haspelmath (III)

Heute ist nur noch das Gruftgewölbe und der Grabstein des Vaters Johann Heinrich Egestorff vorhanden.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Ausschnitt Illustrierten Rundschau Nr. 32 / Lageskizze / Postkarten / Text
Harald Bange
/ Abbildung Trauerzug
Jürgen Wessel
/ Foto - Gruftgewölbe und Grabstein

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

Eisen, Dampf und Samt | Geschichtswerkstatt Hannover e.V. | 1991
Honovere von Wilhelm Winkel | Robert Hille | Hannoverland-Verlag | 1952
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.