Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Georg Egestorff | Das Egestorff-Mausoleum
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Georg Egestorff | Das Egestorff-Laporte Mausoleum und das Egestorffsche Erbbegräbnis.

Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868)

wurde am 7. Februar 1802 in Linden geboren, er hatte infolge von Krankheit die Schule nur unregelmäßig besucht und war 1816 als Böttcher (Fassbinder) in die Lehre nach Hildesheim gekommen. Noch keine 16 Jahre alt wurde Georg in den Betrieb seines Vaters Johann Hinrich Egestorff (1772-1834), der Kalkjohann genannt wurde (1803 übernahm Vater Egestorff eine Kalkbrennerei und zog in das Kalkbrennerhaus, weshalb er fortan spöttisch „Kalkjohann“ gerufen wurde) nach Linden zurückgerufen, um für die ausgedehnten Geschäfte seines Vaters eine bis dahin fehlende Buchführung einzurichten. Unter seiner Mitwirkung ging es mit den Geschäften aufwärts.

1819 kaufte der Hofarchitekten Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) dem Vater das Grundstück Deisterstraße 2 (heute: Schwarzer Bär 2) ab um sich ein Wohnhaus zu bauen. Im Jahr 1913 wurde das Laves-Haus wieder abgerissen und das Grundstück bis zum Bau des Capitol-Hochhauses in den Jahren 1929 und 1930 als Lagerplatz genutzt.

Vater und Sohn schlossen sich in der Hansestadt Bremen zu einer Kommanditgesellschaft (KG) zusammen und erweiterten ihre einzelnen Betriebe. Georg Egestorff heiratet am 1. März 1827 Johanne Dorothee Haase (1807-1880) aus Hainholz bei Hannover, die Tochter des Unternehmers Rudolph Wilhelm Haase. Dorothee Haase war auch die Enkelin des Gastwirts Wilhelm Christian Friedrich Haase, Eigentümer des British Hotel, 1746 als Neue Schänke erbaut, am Neustädter Markt.

Georg Egestorff gründete im Jahr 1831 die Saline Egestroffshall bei Badenstedt. Damit fügte er zum Lindener Kalk das Lindener Salz hinzu. Als Georgs Vater am 30. März 1834 nach einem Schlaganfall im Alter von nur 62 Jahren starb, übernahm Georg Egestorff die Leitung sämtlicher Geschäfte.

Georg Egestorff - 1802-1868

Georg Egestorffs Leitspruch lautete:
Gemeinnütziges industrielles Wirken - mein Leben

Am 6. Juni 1835 eröffnet Egestorff, nach dem das Königlich-Großbritannische-Hannoversche Ministerium die Genehmigung erteilt hatte, eine Eisengießerei und eine mechanische Werkstatt, aus der die spätere HANOMAG AG hervorging, dort baute Georg Egestorff Dampfmaschinen, Kessel und auch Maschinen für industrielle Zwecke, seit dem Jahr 1845 wurden dort auch Lokomotiven gebaut. Er ließ ab 1841, die überwiegend privat finanzierte Bahnstrecke von Linden nach Haste anlegen, nach dreijähriger Bauzeit wurde die Bahnstrecke 1871 fertiggestellt und 1872 in Betrieb genommen. Als die Eisenbahnstrecke von Hannover nach Hildesheim am 4. Juni 1846 eröffnet wurde, zog die erste Lokomotive, sie erhielt den Namen „Ernst August” den Zug. Diese Lokomotive wurde von Georg Egestorff aus seiner Fabrik in Linden geliefert. Aus der Fabrik gingen in der Folge die hydraulischen Kräne für Geestemünde und die großen Pumpwerke für Hannover, Herrenhausen und Braunschweig hervor.

1839 errichtete Georg Egestorff eine chemische Fabrik, speziell für die Herstellung von Soda und dessen Nebenerzeugnissen. Während der Märzrevolution 1848 streiken die Arbeiter der Maschinenfabrik drei Tage lang für kürzere Arbeitszeiten, können sich aber nicht durchsetzen. Genau 20 Jahre später, am 30. August 1868 gründen Arbeiter im Gasthaus Zum Schwarzer Bären, in Linden die Metallarbeitergewerkschaft „Vulkan-Union” für Linden und Hannover, mit Louis Schulze als Vorsitzenden.

Eisengießerei u. Maschinenfabrik Georg Egestorffs

Feier der Fertigstellung der 5000. Lokomotive | 15.06.1907

1856 gründet Egestorff seine Zündhütchenfabrik, erst werden Tontauben produziert, dann Zündkapseln für Sprengungen in seinen Steinbrüchen und später auch Zündsätze. 1860 wird die Wagenfabrik von Jacobi, die Mineralwasserfabrik von Fritz Hurtzig und dem Apotheker Ernst Louis Albert Feldmann sowie die Asphaltfabrik von August Egestorff (1833-1919?), ein Bruder Georgs, gegründet. Im Jahr 1862 wird von Georg Egestorff die Ultramarinfabrik gegründet.

Georg schenkt im gleichen Jahr der Lindener St. Martins Kirchengemeinde ein Stück Land auf dem Lindener Berg. Da der bisherige Martins-Kirchen-Friedhof nicht mehr ausreichte und am 16. November 1906 als Beerdigungsplatz geschlossen wurde, brauchte die Stadt Linden einen neuen Friedhof. Dafür bekam Egestorff von der Kirchengemeinde das Recht, mit seinen Salzwagen die Badenstedter Straße befahren zu dürfen, so entstand der Lindener Bergfriedhof. 1864 wurde die nach einem Entwurf von Conrad Wilhelm Haase (1818-1902) erbaute Kapelle eingeweiht und 1871 erweitert.

1884 wurde ein Brunnen mit Sandsteinfigur (Friedensengel) vom Lindener Bildhauer Karl Gundelach (1856-1920) im Zentrum des Friedhofs errichtet. Gut 100 Jahre später 1965 wurde der Friedhof geschlossen. Seitdem ist er öffentliche Grün- und Parkfläche und ist unter Denkmalschutz gestellt.

Verwaltungsgebäude der Hannoverschen Maschinenbau AG vormals G. Egestorff | 02.04.1906

Für seine Arbeiter schuf Egestorff Kranken-, Unterstützungs- und Sterbekassen, ab 1855 eine Volksspeiseanstalt, einen Kindergarten und ab 1. Mai 1839 eine Kinderbewahranstalt (Warteschule Linden). Er finanzierte ab 1863 in der Hohe Straße 9 auch eine Freischule für 80 Arbeiterkinder.

Am Ihme-Ufer, am Wohnhaus der Familie Egestorff betreute der Kunstgärtner Johann Georg Heinrich Egestorff (1835 bis nach 1882), wohnhaft am Schiffgraben 26, ein Vetter Georg Egestorffs, in der Gründungszeit des hannoverschen Zoos in einem Provisorium die Tiere, die bereits vor der Eröffnung eingetroffen waren. Georg Egestorff selbst hatte eine private Vogelsammlung, die auch für die Lindener Bevölkerung zugänglich war. Er unterstütze auch finanziell die Gründung des Zoologischen Gartens Hannover im Jahr 1865.

Johann Georg Heinrich Egestorff eröffnete im Jahr 1867 in der Hinüberstraße 16 das erste eigenständig betriebene See- und Süßwasser-Aquarium Deutschlands, es war zugleich das größte Aquarium auf dem europäischen Kontinet.

Die Aufstellordnung des Trauerzuges zur Beerdigung von Georg Egestorff am 29. Mai 1868

Die Anlage war täglich geöffnet, abends mit Gasbeleuchtung. Architekt war Wilhelm Lüer (1834-1870), der auch die Anlagen des Zoologischen Gartens in Hannover entworfen hatte und für das Aquarium erstmals den Grottenstil einsetzte. 1877 konnten direkt am Austernbassin Austern gekauft werden. Nachdem Johann Georg Heinrich Egestorff nach 1882 in Russland als verschollen galt musste das Aquarium wegen Insolvenz noch im gleichen Jahr geschlossen werden.

Am 27. Mai 1868 um 4:30 Uhr am Morgen starb Georg Egestorff im alter von 66 Jahren. Die Trauerbotschaft verkündigte noch am gleichen Abend, der "Hannoversche Courier", auf einer halben Seite. Mehr als 3000 Personen umfasste der Trauerzug, der sich von der Ihme-Brücke bis zum Fischerhof bewegte. Fackel- und Fahnenträger, Musik- und Sängercorps, die Arbeiter aus seinen Fabriken, nach Betrieben und Abteilungen geordnet, viele Honoratioren, die Familienangehörigen, Turner und Kinder, die Palmen- und Zypressenzweige trugen, sowie viele weitere Hannoveraner und Lindener bildeten den Trauerzug.

Nach Georg Egestorffs Tod übernahmen seine Schwiegersöhne, der kaufmännische Direktor Alfred Charl Houget (1826-1885) und der Geheime Kommerzienrat, er war auch Direktor der Zündhütchenfabrik Johann Friedrich August Buresch (1821-1885), die Unternehmen. Houget war mit Georgs Tochter Dorothee Eleonore Georgine (1827-1876) verheiratet und Buresch seit 1848 mit Tochter Sophie Therese (1930-1855). Zusammen mit der Witwe Egestorffs beschlossen sie die Eisengießerei und Maschinenfabrik im Jahr 1869 für 700 000 Taler an den Eisenbahnkönig Dr. Bethel Henry Strousberg (1823-1884) zu verkaufen, und die anderen Unternehmen in Aktiengesellschaften umzuwandeln.

Dr. Strousberg erweitert die Eisengießerei und Maschinenfabrik beachtlich, bevor sie am 10. März 1871 in die Hände von Aktiengesellschaften überging. Das Wohnhaus des Vaters Johann Hinrich Egestorff stand noch bis in die 1950/60er Jahre an der Blumenauer Straße, spätere Anschrift Ihmebrückstraße, dann Am Schwarzen Bären. Heute befindet sich auf dem Grundstück ein Teil des Ihme-Zentrums.

Rathaus mit Egestorfstr. | 17.07.1915

Nach Johann Georg Heinrich Egestorff ist im Jahr 1892 die Egestorffstraße in Linden-Mitte benannt worden.

Das Egestorff-Mausoleum

Das Mausoleum, mit dem großen Gruftgewölbe wurde von Georg Egestorff (1802-1868) geplant, in Auftrag gegeben und bezahlt. Der Grabbau aus dem 19. Jhs. wurde aufwendig gestaltet. Wer die ausführenden Handwerker waren ist nicht bekannt. Auch ist nicht bekannt wann das Egestorff-Mausoleum genau errichtet wurde.

Am 20. November 1916 wurde Frau Senatorin Johanne Dorothee Luise Laporte (1837-1916), eine der Töchter Georgs, in der Gruft bestattet. Dorothee Laporte war seit 1866 mit Onno Wilhelm Laporte (1833-1900), Senator, Justizrat und Obergerichtsanwalt verheiratet.

Die weiteren Töchter hießen Dorothee Eleonore Georgine (1827-1876), verheiratet seit 1851 mit dem Oberingenieur Alfred Charl Houget (1826-1885), Sophie Therese (1930-1855), verheiratet seit 1848 mit dem Geheimen Oberbaurat Ernst Johann Otto Wilhelm Buresch (1817-1892), Georgine Wilhelmine (1836-1904), verheiratet seit 1856 mit dem Geheimen Kommerzienrat und Direktor der Zündhütchenfabrik Johann Friedrich August Buresch (1821-1885) und Johanne Auguste (1839-1927), verheiratet mit seit 1856 dem Kaufmann Heinrich Servatius Joseph Rigaux (1827-1897). Es gab auch einen Sohn, der aber schon nach zwei Jahren verstarb. Johann Rudolf Leopold (1834-1836). Zur Unterhaltung der Grabanlage wurden im Jahr 1917 von den Angehörigen fast 3500,00 Mark an die Lindener Friedhofsverwaltung gezahlt.

Das Mausoleum wurde in der Nacht zum 22. September 1943 bei einem Luftangriff zusammen mit der St. Martinskirche durch eine Luftmine zerstört. Die Gruft wurde danach mit einer Steinplatte verschlossen. Die Grabstätte wurde im August 1944 erneut mutwillig zerstört, die Täter haben sogar mehrfach die Gruft aufgebrochen und die Särge geöffnet.

Heute ist nur noch das Gruftgewölbe erhalten. Der Grabstein des Vaters Johann Hinrich Egestorff (1772-1834), mit Bienenkorb wurde erst später vom Friedhof der St. Martins Kirchengemeinde (Martins-Kirchhof) auf das Gruftgewölbe seines Sohnes umgesetzt. Der Stein ist stellenweise stark verwittert und beschädigt. Dieser Grabstein ist der letzte Grabstein des alten Friedhofs der St. Martinsgemeinde.

Dem Andenken | des geliebten Gatten | und Vaters | J. Egestorff | geb. a. 22. Octbr 1772 | gest. am 30. März 1834 | gewidmet | von seinen dankbaren | Hinterbliebenen

Johann Hinrich Egestorff - genannt Kalkjohann war im aus- gemauerten Erbbegräbnis der Familie Egestorff, etwa in der Mitte des Friedhofs gelegen, im Jahr 1834 begraben worden. Auch sein Bruder Jasper Hinrich Egestorff (1775-1834), er leitete ab 1805 die Zweigniederlassungen in Bremen wurde im gleichen Jahr, am 6. Juli 1834 hier bestattet. Der Bruder Georg Egestorffs, Johann Carl Ernst Egestorff (1811-1884), Fabrikbesitzer und von 1856-1871 Gemeindevorsteher in Linden, wurde ebenfalls im Erbbegräbnis begraben.

Jaspers Grabstein, bestehend aus einem Sockel in Würfelform mit aufgesetzter Vase war nur umgestürzt und nicht groß beschädigt worden. Zur Unterhaltung der gesamten Grabanlage wurden im Jahr 1908 von den Angehörigen 1000,00 Mark an die Lindener Friedhofsverwaltung gezahlt.

Das Egestorffsche-Erbbegräbnis mit der St. Martinskirche. Veröffentlicht am 9. August 1913 in der Illustrierten Rundschau Nr. 32 - Linden bei Hannover.

Die Martinskirche mit Mausoleum | 08.08.1941

Lageskizze der Grabstellen vom 12. August 1946

Mausoleum der Familie Egestorff (I), ausgemauertes Erbbegräbnis der Familie Egestorff (II), Mausoleum der Familie Haspelmath (III)

Heute ist nur noch das Gruftgewölbe und der Grabstein des Vaters Johann Heinrich Egestorff vorhanden.

Am 16. November 2006 berichtete der Stadt-Anzeiger West der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung über die Egestorff-Gruft. Die Überschrift lautete:"Eine Gruft wird aufpoliert". Die Firma Könecke-Bau hatte die Mauereinfriedung, den Grabstein Georg Egestorffs und seiner Angehörigen mittels Hochdruckreiniger von Graffiti-Schmierereien befreit.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Ausschnitt Illustrierten Rundschau Nr. 32 / Lageskizze / Postkarten / Text
Harald Bange
/ Abbildung Trauerzug
Jürgen Wessel
/ Foto - Gruftgewölbe und Grabstein

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