Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Gartenkirche St. Marien | Gartenfriedhof
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Die Gartenkirche St. Marien | Gartenfriedhof

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Archiv - Gartenkirche St. Marien | Gartenfriedhof

Die Gartenkirche St. Marien ist die Kirche der ev. luth. Gartenkirchengemeinde mit einem 85 Meter hohen Kirchturm. Das Kirchengebäude befindet sich in der Marienstraße inmitten des Gartenfriedhofs mit klassizistischen Grabdenkmälern.

Der heutige, zweite Kirchenbau wurde 1887 bis 1891 von Rudolph Eberhard Hillebrand (1840-1924) errichtet. Der Vorgängerbau, eine barocke Saalkirche (ohne Turm, nur mit Dachreiter) war von 1746 bis 1749 von Johann Paul Heumann für die Gartengemeinde vor dem Aegidientor gebaut worden. Die zweite Gartenkirche wurde im Oktober 1943 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und in den 1940/1950er-Jahren, vereinfacht wiederhergestellt worden. Eine weitere Renovierung in den Jahren 2001 bis 2003 stellte das originale Kircheninnere im Stil der Neogotik wieder her. Das in der Kirche befindliche Chrysogonos-Relief stammt aus der um 1500 vor dem Aegidientor errichteten Liebfrauenkapelle.

Die Kirchengemeinde wurde 1746 als erste Gemeinde außerhalb der Stadtmauern für die etwa 1300 Bewohner der Gartenviertel, des Gebiets zwischen Stadtmauern und Landwehren, gegründet, die im Bereich zwischen Döhrener- und Lister Turm wohnten. Die Gartenleute waren Kleinbauern, die Hannover mit Obst und Gemüse versorgten. Ihr Land hatten sie von Bürgern gepachtet, die hier im Bereich vor dem Aegidientor zum Teil auch ihre Sommerhäuser besaßen.

Da die Gartenleute keiner der Stadt-Kirchengemeinden angehörten, wurde auf Initiative des Konsistorialdirektors Johann Peter Tappe und des Bürgermeisters Christian Ulrich Grupen (1692-1767), 1746 eine neue Gemeinde gegründet. Der Magistrat schenkte der Gemeinde einen Teil des schon vorhandenen Gartenfriedhofs als Bauplatz, wo der erste Kirchenbau 1746 bis 1749 vom Baumeister Johann Paul Heumann errichtet wurde. Es handelte sich um einen einfachen Saalbau, 110 Fuß lang, 55 Fuß breit und 21 Fuß hoch, der am damaligen Wolfsgraben (Verlauf der Marienstraße) stand.

 

Gartenkirche | 02.01.1900

Finanziert wurde der Bau durch Schenkungen von Stadt und Königshaus, aber auch durch den Verkauf von 36 Begräbnis- gewölben an wohlhabende Bürger, an die noch der Grabstein von Georg Wilhelm Ebell (1696-1770), des Abtes von Loccum und Gründers der Landschaftlichen Brandkasse in der Südwand im Inneren der heutigen Gartenkirche erinnert.

Zum ersten Pfarrer wurde Johann Hinrich Carstens ernannt und die neue Gemeinde versammelte sich am 15. September 1746 im Gasthaus Zum wilden Mann (heute: Ecke Marienstraße/Höltystraße). Der Kirchenbau hieß zunächst Die Neue Kirche vor Hannover, der Name Gartenkirche setzte sich aber schon bald durch.

Durch die Entwicklung Hannovers zur Großstadt vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. wuchs auch die Einwohnerzahl - schon 1870 hatte die Gemeinde 20.000 Mitglieder. So entstanden aus der Gartenkirchengemeinde mehrere Kirchengemeinden neu: 1876 die Dreifaltigkeitskirche (Oststadt), 1883 die Petrikirche (Kleefeld) und 1886 die Pauluskirche (Südstadt). Die alte Gartenkirche war im Laufe der Jahre baufällig und zu klein geworden und wurde 1886 abgerissen. In den Jahren 1887 bis 1891 wurde durch den Architekten Rudolph Eberhard Hillebrand (1840-1924) eine neugotische Hallenkirche aus Deistersandstein errichtet, die am 8. Februar 1891 eingeweiht wurde. Weitere Neugründungen erfolgten: 1907 die Nazarethkirche (Südstadt), 1908 die Markuskirche (List), 1927 die Friedenskirche (Zooviertel), 1936 die Bugenhagenkirche (Südstadt), und 1954 die Melanchthonkirche (Bult). An die acht Tochtergemeinden erinnern acht Rundfenster im heutigen Kirchenschiff der Gartenkirche.

        

    Dreifaltigkeitskirche | 28.10.1898         Nazarethkirche | 06.08.1943        Gartenkirche, Gruss aus Hannover
                                                                                                                              15.09.1900

Die Kirche war von außerordentlichen Dimensionen, sowohl außen mit ihrem fast 85 Meter hohen Turm, der Monduhr am Kirchturm (eine Halbkugel, halb mit Blattgold belegt, halb schwarz lackiert; sie zeigt die Mondphasen an und existiert noch heute), den Treppentürmen und der vielfältig gestalteten Dachlandschaft mit Dachreitern und Wimpergen. Das Haus besaß auch die größte Orgel Hannovers, gebaut von der hannoverschen Orgelbaufirma P. Furtwängler & Adolf Hammer, wodurch die Kirche zu einem der Zentren der hannoverschen Kirchenmusik in den 1930er-Jahren wurde. Alles wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 zerstört, als Bomben das Gebäude schwer beschädigten und der brennende Turmhelm auf den Friedhof stürzte. Jedoch hielt das Deckengewölbe stand, ebenso blieben Altar, Kanzel und Taufstein erhalten. Schon 1945 fasste der Kirchenvorstand den Beschluss zum Wiederaufbau der Gartenkirche.

        

          Gartenkirche | 25.02.1931            Innenansicht der Gartenkirche            Gartenkirche | 27.02.1956
                                                                          22.06.1943

Die Wiedereinweihung fand am 14. April 1949 durch Landesbischof Hans Lilje (1899-1977) statt. Der Wiederaufbau zog sich bis zum Ende der 1950er-Jahre hin. Auf die Wiedererrichtung des Turmhelms und der Dachreiter wurde verzichtet. Hinzu kamen die Buntglasfenster im Altarraum der hannoverschen Künstlerin Ruth Margraf (sie zeigen die biblischen Geschichten von Jesu Seewandel, dem Verlorenen Sohn und dem Barmherzigen Samariter).

1960 erhielt die Kirche ein neues Geläut von fünf Bronzeglocken. Die Unsachgemäßheit des Wiederaufbaus nach dem Krieg, die teilweise einer Zerstörung der Einrichtung glich, zeigte sich bei der Restaurierung und Renovierung des Kircheninneren in den Jahren 2001 bis 2003, als der Zustand des Hillebrandschen Kirchenbaus teilweise wiederhergestellt werden konnte. Auch die Orgel, erbaut von Paul Ott (1903-1991), wurde restauriert und kehrte wieder auf die Orgelempore an der Westseite zurück - bis auf das Rückpositiv, das nun um ein Bassregister erweitert als Chororgel an der Nordempore verblieb und von einem separaten Spieltisch aus funkgesteuert bespielt werden kann.

Im Inneren der Gartenkirche ist in einer Nische an der Südwand (nahe bei der Kanzel) das spätgotische Chrysogonos-Relief aus Sandstein angebracht. Es stammt aus der um 1500 vor dem Aegidientor errichteten Liebfrauenkapelle, also quasi einem Vorgängerbau der Gartenkirche. Es kam dann an die Marienkapelle, die sich ebenfalls vor dem Aegidientor (etwa im Bereich des heutigen Theaters am Aegi) befand und später wegen des Ausbaus der Stadtbefestigung abgebrochen wurde. Das leider nur noch unvollständig erhaltene Relief, das bis zur letzten Renovierung an der Außenmauer der Kirche (am ehemaligen Südeingang zur Marienstraße hin) eingemauert war, zeigt die drei Heiligen Chrysogonos, Katharina und Konrad von Konstanz (letzteren ohne Oberkörper), die Kalenderheiligen der drei Tage vom 24. bis 26. November 1490, als der Stadt Hannover die erfolgreiche Abwehr eines Überfalls des Welfenherzogs Heinrichs der Ältere gelang. Zum Dank wurden den drei Heiligen dieses Relief gewidmet, das ein Stück steingewordene Stadtgeschichte Hannovers darstellt.

Der Gartenfriedhof

 

Der Gartenfriedhof wurde 1741 angelegt und liegt an der 1749 erbauten Gartenkirche. Friedhof und Kirche sind nach der hier ansässigen Gartengemeinde außerhalb des Stadtmauerrings vor dem Aegidientor benannt worden. Der Friedhof, der noch heute eine Vielzahl klassizistischer Grabdenkmäler vor allem aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. beherbergt, wurde 1864 bei Anlage des neuen Stadtfriedhofs Engesohde geschlossen. Er ist heute ein mitten in der Innenstadt Hannovers gelegener Park.

Die Gräber von Charlotte Kestner (1753-1828), der Astronomin Caroline Herschel (1750-1848) und des Malers Johann Heinrich Ramberg (1763-1840), um nur die drei wichtigsten zu nennen, sind hier zu finden. Sehenswert ist auch der alte Baumbestand, darunter ein als Naturdenkmal geschützter Ahorn, der teilweise waagerecht gewachsen ist.

Der Friedhof liegt an der Marienstraße, zwischen Warmbüchenstraße und Arnswaldtstraße. Der Name Gartenfriedhof weist auf die Entstehung des Friedhofs aus der Gartengemeinde des 18. Jhs. hin.

 

Gartenfriedhof, Das geöffnete Grab | 02.08.1912

Die heutige hannoversche Südstadt lag damals noch vor der Stadtmauer und vor dem Aegidientor und wurde von den sogenannten „Gartenleuten“ überwiegend für Acker- und Gemüsebau genutzt. Die Gemüsebauern versorgten mit ihren Produkten die Stadt Hannover. Für die Bewohner der Gartenvorstadt legte die Stadt 1741 den „Neuen Kirchhof vor dem Aegidientor“ an. Architekt war Johann Paul Heumann. Zu Beginn des 19. Jhs. wurde der Friedhof jedoch nicht nur von den Gartenleuten genutzt, sondern auch von der bürgerlichen Bevölkerung der Mitte des 18. Jhs. erbauten, nahe gelegenen „Aegidien-Neustadt“, den Familien der Beamten, Militärs, Ministern, Professoren und Hofräten, wovon noch heute die Aufschriften der Grabsteine zeugen. Diese aufwendigen Grabmale repräsentieren mit ihrem künstlerischen Aufwand an klassizistischen Stilelementen gerade diese bürgerliche Schicht. Die Grabsymbole dieser Zeit wie Urne, Tränenkrüglein, die sich in den Schwanz beißende Schlange = Unendlichkeit, Schmetterling = Metamorphose und erloschene Fackel sind in vielerlei Variationen auf dem Gartenfriedhof zu entdecken.

Ein schönes Beispiel für solch wunderbare „Gesamt-Grabkunstwerke“ ist der von Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) entworfene Grabstein mit Akanthusblättern und Palmetten für Charlotte Kestner oder dem von vier Sphingen getragenen Steinsarkophag des Grafen Carl Rudolph Adolph von Kielmannsegge (1777-1856).

Ruhestätte von Charlotte Kestner
auf dem Gartenkirchhofe| 28.03.1907

Charlotte Kestner`s Wohnhaus
(Aegidienstraße 4) | 05.05.1898

Seit den 1950er Jahren war der Gartenfriedhof starkem Verfall ausgesetzt, vor allem was die Grabsteine aus Sandstein und die eisernen Umfassungsgitter betreffen. Luftverschmutzung und Vandalismus trugen das ihre dazu bei. Da der alte Friedhofszaun während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen worden war, wurde seit 1984 das ehemalige Gitter der Kanalbrücke aus Hannover-Vinnhorst hierher versetzt und als Zaun montiert. Gemeinsame Bemühungen verschiedener kultureller Vereine führten schließlich zur Wiederherrichtung der Anlage. So bietet jetzt auch eine bronzene Orientierungstafel im Eingangsbereich, gestiftet vom Rotary Club Hannover-Leineschloss, die Möglichkeit eines Rundgangs über den Friedhof entlang der wichtigsten noch erhaltenen Grabdenkmäler. Die Nummern auf der Tafel sind identisch mit denen des Friedhofführers.

Auswahl einiger Grabdenkmäler

  • Ernst August Rumann (1745–1827),
    Geheimrat, Justizminister
  • Rudolph Wilhelm Rumann (1784–1857),
    Politiker und Stadtdirektor
  • Christian Philipp Iffland (1750–1835), Bürgermeister
  • Johann Philipp Conrad Falcke (1724–1805),
    Jurist und Kanzleidirektor
  • Ernst Friedrich Hector Falcke (1751–1809), Justizrat und Bürgermeister
  • August Ulrich von Hardenberg (1709–1778), Geheimrat
  • Georg Friedrich Grotefend (1775–1853), Schuldirektor, Entzifferer der Keilschrift
  • Ludwig Friedrich von Beulwitz (1726–1796)
  • Magdalene Sophie Friederique von Beulwitz,
    geb. von Kipe (1740–1801)
  • Claus von der Decken (1742–1826), Minister
  • Sophie von der Decken,
    geb. von Hanstein (1757–1798)
  • Johann Benjamin Koppe (1750–1791), Hofprediger
  • Heinrich Andreas Jakob Lutz (1728–1764), Hofzimmermeister
  • Johann Christoph Salfeld (1750–1829), Prediger
  • Heinrich Philipp Sextro (1746–1838),
    Professor und Theologe
  • Carl Klop (1805-1840), Pastor der Gartenkirche
  • Carl Rudolph Adolph Graf von Kielmannsegge (1731–1810), Minister
  • Ida Arenhold (1798–1863), erste Vorsteherin
    des Friederikenstifts
  • Johann Daniel Ramberg (1733–1820), Hofrat
  • Johann Heinrich Ramberg (1763–1840), Maler
  • Christian Heinrich Tramm (1819–1861), Architekt
  • Heinrich Bernhard Röhrs (1776–1835), Kaufmann
  • Caroline Herschel (1750–1848), Astronomin
  • Johann Anton Lammersdorff (1758–1822), Arzt
  • Friedrich Wilhelm Christian von Dachenhausen (1791–1855), Gründer des Gewerbevereins
  • Christoph Ludwig Albrecht Patje (1748–1817), Beamter
  • Ludwig Albrecht Friedrich Wilhelm Gottfried
    von Werlhof (1818–1836)
  • Ernst August von Werlhof (1778–1857), Geheimrat
  • Friedrich Krancke (1782–1852), Mathematiklehrer
  • Georg Wilding Fürst von Butera Radali
    (1790–1841), Offizier und Diplomat
  • Charlotte Kestner (1753–1828)
  • Georg Ludwig Compert (1797–1859), Landesbaumeister
  • Christian Ludwig August von Arnswaldt
    (1733–1815), Minister
  • Henriette Juliane Caroline von Rüling
    (1756–1782)
  • Georg Charlotte von Hinüber (1764–1828), Oberpostdirektor
  • Eberhard Ludwig Reichsfreiherr von Gemmingen-Hornberg (1719–1782), Minister
  • Georg Wilhelm Ebell (1696–1770), Abt in Loccum, Gründer der Landschaftlichen Brandkasse
  • Ernst Anton Heiliger (1729–1803), Hofrat,
    Altstadt-Bürgermeister

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V. Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
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Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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