Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden
http://www.postkarten-archiv.de/fritz-ahrberg-1896-1992.html

© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Lindener | Limmer Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

1896-1992 Wurst-, Aufschnitt- und Fleischkonservenfabrik Fritz Ahrberg, seit 1922 Fritz Ahrberg AG

Am 18. Mai 1866 wird der spätere Fleischermeister und Unternehmer Fritz Ahrberg (1866-1959), als ältester Sohn eines Schneidermeisters in Egestorf bei Barsinghausen am Deister, in Niedersachsen geboren. Nachdem er 1883 erfolgreich seine Fleischerlehre in Gehrden bei Hannover in Niedersachen absolvierte und seinen Militärdienst leistete, heiratete er am 18. Mai 1895 Louise Ahrberg, geb. Meier (1868-1948). Am 10. Oktober 1896 eröffnete Fritz Ahrberg in der Deisterstraße 63., in Linden-Süd seine erste Fleischerei. Die Fleischerei in der Deisterstraße war der Grundstein für die spätere, "Wurst-, Aufschnitt- und Fleischkonservenfabrik Fritz Ahrberg". Schon 1902 gab es eine Ahrberg-Filiale am Schwarzen Bären in Linden.

Fritz Ahrbergs Produkte wurden 1904 jeweils in Berlin und im heutigen französischen Metz mit einer Goldmedaille prämiert. Der "Hannoversche Wirteverein" prämierte das Unternehmen 1905 mit einer Goldmedaille und dem Ehrenpreis des Wirtevereins.

Da die Fleischereien bald zu klein für Fritz Ahrbergs unternehmerisches Geschick wurden, erwarb er 1911 das Gelände des heutigen Ahrbergviertels in Linden-Süd. Dort entstand 1912 in der Deisterstraße 81-87. (zwischen Deisterkreisel, Charlotten- und Haspelmathstraße) die "Wurst-, Aufschnitt- und Fleischkonservenfabrik Fritz Ahrberg". Gebaut wurde die moderne Fabrikanlage nach Plänen des Bauingenieurs Paul Muschiol. In Betrieb genommen wurde die Wurstfabrik 1913. Fritz Ahrberg selbst zog mit seiner Familie in die Villa des ehemaligen HANOMAG-Unternehmers Dr. Bethel Henry Strousberg (1823-1884), neben dem Werksgelände. Das Wurstwarenunternehmen entwickelte sich zur bedeutendsten Fleischwarenfabrik Deutschlands, mit mehreren Fleischereien in Linden, Hannover und der Region. Zu dieser Zeit wurden zehn Ahrberg-Filialen betrieben. Auch auf dem Schützenfest in Hannover war das Unternehmen regelmäßig mit mehreren Wurstbuden und auch Zelten vertreten.

Fritz Ahrberg - Fabrik ff. Wurst- und Aufschnittwaren
Hannover-Linden | 18.05.1912

Fritz Ahrberg - Fabrik feiner Wurst-, Aufschnittwaren
und Fleischkonserven. Hannover-Linden | 18.04.1913

Dampfkochanlagen von Voß aus Hannover

Besonderes Interesse weckten die Dampfkochanlagen, die von der Firma Voß aus Sarstedt bei Hannover stammten. Die Dampfmaschine wurde von der Augsburg Maschinenfabrik AG geliefert. Es war eine Dampfmaschine des Typs C4c mit 120 PS und einem Kolbenhub von 740 mm, einem Zylinderdurchmesser von 340 mm und einem Dampfdruck von 7,5 bar.

Auch die Ausstattung der Betriebsräume war modern. Die Wände waren komplett mit weißen Fliesen verkleidet, die Arbeitstische aus weißem Marmor und der Fußboden aus Terrazzo. Es konnten jährlich 50.000 bis 60.000 Schweine in der Fabrik, verarbeitet werden. Geschlachtet wurde auf dem Fabrikgelände in der heutigen Ahrbergstraße jedoch nicht.

In den Jahren 1914 bis 1924 wurde die Wurstfabrik ständig erweitert. 1918 entstand das Kesselhaus als Kraftzentrale mit einem 58,0 Meter hohen Schornstein, außerdem diente es als Rauchkammer zum Räuchern der Wurstwaren. Mitte der 1920er-Jahre beschäftigte das Unternehmen 800 Mitarbeiter.

Während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 betrieb die benachbarte HANOMAG AG eine sogenannte Kriegsküche. Die Fleischeinlage für die Durchschnittlich 1400 ausgegebenen Mahlzeiten lieferte die Wurstfabrik von Fritz Ahrberg.

1920 erfolgt die Markteinführung der Ahrberg-Bouillonwurst.

Fritz Ahberg Wurst-, Aufschnitt- und Fleischkonserven-Fabrik Hannover-Linden. Filialen in allen Stadtteilen.
AHRBERGS Würstchen werden überall gelobt und mit Vorliebe gegessen | 26.07.1913

Fritz Ahrberg AG

Am 20. März 1922 wird die Wurst-, Aufschnitt- und Fleischkonservenfabrik Fritz Ahrberg in die Fritz Ahrberg AG umgewandelt. Mitglied des Gründungsaufsichtsrates war der Deutsche-Bank-Vorstand Dr. h. c. Paul Millington-Herrmann (1858-1939). Die Aktiengesellschaft (AG) wurde Mitte der 1930er-Jahre aufgelöst. Auch eine weitere Betriebserweiterung erfolgte in den 1930er-Jahren, bei der Gebäude einer benachbarten Bettfedernfabrik, die sich auf dem Gelände befanden, übernommen wurden. 1930 betrieb man 74 Ahrberg-Filialen in und um Hannover, sowie weitere Fleischereien in Norddeutschland und auch in Hamburg.

Von den Folgen des Zweiten Weltkriegs, in dem ein Teil der Fabrikgebäude durch Bombentreffer zerstört wurden, erholte sich die Wurstfabrik schnell und erhöhte die Anzahl ihrer Filialen, die sich nun auch in anderen Städten Niedersachsens befanden, auf etwa 50. Die Produkte wurden aufgrund ihrer hohen Qualität im gesamten Bundesgebiet und auch ins nahe Ausland, sowie nach Übersee, verkauft. Auf dem Höhepunkt der Firmengeschichte waren 1.200 Mitarbeiter im Unternehmen tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Firma ab Mitte Juli 1945 schon wieder 350 Mitarbeiter in Hannover-Linden-Süd.

Fritz-Ahrberg-Stiftung und Sponsor

Fritz Ahrberg hatte zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der Fleischwirtschaft und der Forschung die auch noch heute aktive "Fritz-Ahrberg-Stiftung" gegründet. Die Stiftung unterstützt die Forschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) auf dem Gebiet der Fleischverarbeitung. Auch als Sponsor war Fritz Ahrberg aktiv. So spendete er 1921 zusammen mit der Familie Laporte die Kirchenglocken für die Ev.-luth. Zionskirche, heute Erlöserkirche, an der Ricklingerstraße in Linden-Süd.

Nach Fritz Ahrbergs Tod

Nach dem Fritz Ahrbergs am 1. April 1959 an Altersschwäche im Krankenhaus Siloah, in Linden-Süd starb, geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1991 an das saarländische Unternehmen Hans Höll Feine Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus Saarbrücken verkauft. Unter dem Namen Fritz Ahrberg Handelsgesellschaft mbH firmiert noch ein eigenständiges Unternehmen in Hannover-Linden.

Fritz Ahrberg, der sich neben seiner unternehmerischen Tätigkeit auch für die Förderung des Schützenwesens in der Region einsetzte, wurde für seine Leistungen mehrfach geehrt.

In den 1950er-Jahren finanzierte er für die Volksschule seines Geburtsortes Egestorf den Bau einer Turnhalle, die seinen Namen trägt. Ihm wurde auch die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Sportplatz - Verein für ...
Ahrberg

Fritz Ahrberg erhielt von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) die Ehrenauszeichnung, und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse wurde ihm am 17. Februar 1954 verliehen. Fritz Ahrberg wurde auf dem Stadtfriedhof Hannover-Ricklingen beerdigt.

Die 1856 angelegte Konradstraße neben dem ehemaligen Fabrikgelände, die Konradstraße wurde nach dem Grundbesitzer und Viehverschneider Heinrich Konrad Haspelmath (1787-1870) benannt, wurde 1975 in Ahrbergstraße umbenannt. Die noch vorhandenen Fabrikgebäude wurden 1997 in ein Wohn- und Geschäftsviertel unter dem Namen "Ahrbergviertel" umgewandelt.

Die 1953 gründete "Landschlachterei Gramann GmbH" aus Pattensen bei Hannover übernahm 2011 die Ahrbergrechte und verkauft seit dem unter dem Namen "Ahrberg" weltweit einige ihre Produkte.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Belege / Postkarten / Text

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900
| Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
Ausstellungskatalog: Der Novemberpogrom 1938 in Hannover | Dr. Wolf Dieter Mechler, Carl Philipp Nies M.A. | Historisches Museum Hannover (HMH) | 2008
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927 | Walter Gerlach Verlag Leipzig | 1927
Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954 | Adolf Sponholz Verlag Hannover | 1954
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Kopie der Sterbeurkunde des Standesamt Hannover für Fritz Ahrberg vom 2. April 1959.
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie