Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Die Flusswasserkunst und der Brunnen am Himmelreich

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Archiv - Flusswasserkunst und Brunnen am Himmelreich

An der Stelle, der 1226 erstmals erwähnten Klickmühle, an der Leine nahe dem Leineschloss (heute: Niedersächsicher Landtag), am Friederikenplatz befand sich bis 1962/63 die Hannoversche Flusswasserkunst. Im Mittelalter war dort die erste öffentliche Wasserstelle Hannovers, an der es zahlreiche Wasserturmbauten gab die ständig um und ausgebaut wurden, bis dann schließlich 1896 die nach dem Krieg abgerissene Flusswasserkunst entstand.

Die Gründe für diesen letzten Neubau lagen im Bevölkerungszuwachs Hannovers und des hohen Preises für Trinkwasser, der durch Wassermangel verursachte Preisanstieg sollte durch eine leistungsfähigere Pumpe, aus der Fabrik, der Hannoverschen Maschinenbau-Actien-Gesellschaft (später HANOMAG AG) von Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868) gedrückt werden.

Der Eisenbahningenieur Heinrich Kirchweger (1809-1899) entwarf die Pläne für die gebauten Maschinen und Pumpen der Flusswasserkunst. Die Wasserkunst lieferte aber doch kein Trinkwasser, sondern nur Wasser für die Brunnen der Stadt.

      

        Flusswasserkunst - Alte Klickmühle | 28.07.1898                Neue Wasserkunst mit Brunnen | 10.08.1900

1892 gab die Stadtverwaltung die Planung für den Neubau der Flusswasserkunst in Auftrag. Man war sich der Bedeutung der Planung durchaus bewusst, dass es sich hierbei um einen exponierten Standort handelte, zwischen dem Leineschloss, dem Wagenheim-Palais und dem Neuen Rathaus. Die Wasserkunst sollte bautechnisch als ein Tor zur Altstadt verstanden werden.

Der Neubau wurde öffentlich ausgeschrieben und ein Architektenwettbewerb ausgelobt. Die Gewinner waren der aus Berlin stammende Architekt Hubert Stier (1838-1907) und der Hannoversche Bildhauer Karl Gundelach (1856-1920). Mit dem Entwurf „Alles fließt“ überzeugte Hubert Stier die Jury. Der Turm wurde laut Jury auch der geforderten Torfunktion gerecht, sodass die Wasserkunst in den Jahren 1896 bis 1898 im Neorenaissance-Stil mit schlossartigem Turm und Renaissance-Giebel errichtet werden konnte. Das Gebäude wurde als Wohn- und Pumpenhaus und der Turm als Wasserturm genutzt. Im Zuge des Brückenausbaus und der Verbreiterung der Straße wurde der Fluss an dieser Stelle erheblich überdeckt, sodass ein großer Brunnen vor der Flusswasserkunst errichtet wurde. Am 27. Januar 1900 wurde der Brunnen am sogenannten Himmelreich, in der Verlängerung der heutigen Kramarschstraße in Betrieb genommen. Das Brunnenbecken hatte einen Durchmesser von 13 m. Auch eine Freitreppe in den Park, direkt vor dem Leineschloss (heute: NdS. Landtag), am Leine-Ufer wurde mit angelegt.

      

         Brunnen an der Fluss Wasserkunst | 20.06.1906                 Partie an der Flusswasserkunst | 07.03.1914

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Flusswasserkunst nahezu unbeschadet. Nach dem Krieg war die Frage nach dem zukünftigen Sitz der Landesregierung aufgekommen. Es wurde vom Rat der Landeshauptstadt Hannover vorgeschlagen das Gelände rund um den Waterlooplatz und auch das Leineschloss zu nutzen, für welches die Stadt noch die Nutzungsrechte innehatte, die dann an das Land Niedersachsen abgetreten wurden. Die Landregierung lobte einen Architektenwettbewerb für ein neues Landtagsgebäude aus, dessen Fläche sich auch auf das Gelände der Flusswasserkunst erstreckte. Die Vorschläge reichten vom kompletten Abriss des Leineschlosses, über die Erhaltung weniger älterer Bausubstanz bis hin zur vollständigen Erhaltung und lediglichem Umbau des Schlosses. Aber die Wasserkunst sollte in jedem Entwurf erhalten bleiben, zumal das Gebäude, die Stadt weiterhin mit Trinkwasser versorgte. Im Zuge des Landtagsneubaus wurde dann angeregt die Wasserkunst doch abzureißen, um den Blick auf das nunmehr neu gebaute Landtagsgebäude freizugeben.

      

                 An der Flußwasserkunst | 11.10.1915                                   Flusswasserkunst | 27.02.1917

Der damalige Architekt und Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht (1910-1999), einige Stadt- und Landtagsabgeordnete, die „diese Schranke“ entfernen wollten um den Straßenzug Friedrichswall, Leibnizufer und Waterlooplatz zur vollen Geltung kommen zu lassen, setzten sich für einen Abriss ein. Hillebrecht wollte das Leineschloss mit dem Wagenheim-Palais in Verbindung bringen und „das pseudo-mittelalterliche Gebäude“ entfernen. Er plante bereits eine neue Wasserkunst, die dann auch 1963 in Betrieb genommen wurde und die Aufgaben der alten, abgerissenen vollständig übernahm, welche 1998 auch wieder aufgeben wurde.

Am 14. August 1963 erteilte die Stadtverwaltung die Genehmigung zum Abbruch der alten Wasserkunst. Allein der Keller blieb aus Kostengründen erhalten, da man nicht auch noch das Stauwehr abreißen wollte. Als Argumente für den Abriss wurden angebliche Kriegsschäden, sowie die Nutzlosigkeit im Zuge des Baus der neuen Wasserkunst am Friedrichswall genommen. Hinzu kam, dass die Stadtverwaltung das Gebäude für architektonisch nicht erhaltenswert hielt. An der heutigen Wasserkunst am Friederikenplatz sind noch die fünf Flussgötter-Köpfe von Carl Dopmeyer (1824-1899) aus dem Jahr 1890 übriggeblieben.

Da der Platz als trostlos und langweilig galt, gab es zahlreiche Belebungs- und Umbau versuche die allesamt fehlgeschlagen sind. Unter anderem gab es Planungen für einen Ort der Begegnung mit einer hohen Säule und Sitzgelegenheiten, der aber scheiterte. In jüngster Zeit wurde versucht durch das heutige Denkmal der Göttinger Sieben diesen Stadtraum zu reparieren. Die Reparatur ist offensichtlich nicht gelungen, sodass der Ort seiner geschichtlichen Bedeutung in keiner Weise gerecht wird.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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