Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Ernst Reicher
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Ernst Reicher (1885-1933)

Ernst Reicher wurde am 19. September 1885 in Berlin geboren. Er war Schauspieler, Drehbuchautor und Filmregisseur.

Portrait und Szenenkarten

Der Sohn des Schauspielers Emanuel Reicher (1849-1924) besuchte das Landeserziehungsheim Dr. Lietz in Ilsenburg und anschließend die Hochschule für dramatische Künste in Berlin, die sein Vater leitete. Nach weiterer Ausbildung in Italien und London debütierte er 1909 an den Münchner Kammerspielen. Im Jahr 1910 spielte er in Rixdorf bei Berlin, 1911 am Neuen Theater in Frankfurt und 1912 in Berlin erstmals beim Film.

In Berlin lernte er den Regisseur Joe May (1880-1954), eigentlich Joseph Mandel, kennen, unter dessen Regie er 1913 in Heimat und Fremde (1913) zusammen mit seinem Vater auftrat und dadurch bekannt wurde. Kurz darauf verkörperte er in der Musiker-Biografie Richard Wagner den Märchenkönig Ludwig II. von Bayern. 1914 erfand Ernst Reicher die Figur des Detektivs Stuart Webbs. In dieser Rolle stand er zwölf Jahre vor der Kamera und etablierte im deutschsprachigen Bereich das Genre des Detektivfilms. Nach Streit mit der Continental-Kunstfilm GmbH gründeten Ernst Reicher und Joe May ihre eigene Produktionsfirma namens Stuart Webbs Film Company. Bereits 1915 schied Joe May aus und startete seine eigene Detektivserie um den Detektiv Joe Deebs, dargestellt von Max Landa (1873-1933) und später Harry Liedtke (1882-1945).

Stuart Webbs war ein Gentleman-Detektiv nach dem Vorbild von Sherlock Holmes, der smart und elegant auch schwierigste Fälle löste. Während des gesamten Ersten Weltkrieges war diese Kunstfigur beim deutschen Kinopublikum sehr beliebt. Erst ab 1918 wandte Reicher sich auch anderen Themen zu. Seine aufwändigste Produktion wurde der Monumentalfilm Das Buch Esther (1919) mit ihm selbst in der Hauptrolle.

Am 1. April 1919 verlegte er den Sitz seiner Filmgesellschaft nach München. Zu Beginn der zwanziger Jahre erlitt er einen schweren Autounfall, bei dem er sich einen Wirbel- und Schädelbruch zuzog. Erst ab 1926 erschien er wieder auf der Leinwand, doch konnte er nicht an frühere Erfolge anknüpfen.

 

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1912: Erloschenes Licht (Darsteller)
  • 1912: Vorgluten des Balkanbrandes (Darsteller)
  • 1913: Ein Ausgestoßener (Darsteller)
  • 1913: Richard Wagner (Darsteller)
  • 1913: Das Werk (Buch und Regie)
  • 1914: Die geheimnisvolle Villa (Buch, Darsteller)
  • 1914: Das Panzergewölbe
    (Darsteller, Co-Drehbuch, Co-Produktion)
  • 1915: Eines Mannes Schatten
    (Buch, Darsteller, Regie, Produktion)
  • 1915: Der gestreifte Domino (Darsteller, Produktion)
  • 1916: Gräfin de Castro / Die Irre
    (Buch, Darsteller, Produktion)
  • 1916: Die Reise ins Jenseits (Darsteller, Produktion)
  • 1917: Wenn's ihm zu wohl ist (Produktion)
  • 1917: Das treibende Floß (Darsteller, Produktion)
  • 1918: Der Stellvertreter (Darsteller, Produktion)
  • 1918: Wie Rolf, das Pflänzchen (Produktion)  
  • 1919: Das verschwundene Modell (Darsteller, Produktion)
  • 1919: Lyas Flirt mit dem Heiligen (Regie)
  • 1920: Die graue Elster (Darsteller, Produktion)
  • 1920: Die weiße Rose (Darsteller, Produktion)

 

 

Ernst Reicher war mit der Schauspielerin Stella Harf (1890-1979) verheiratet. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte der Jude Ernst Reicher 1933 nach Prag, wo er in Vergessenheit geriet. Ernst Reicher starb am 1. Mai 1933 in Prag/Tschechischen.

 

 

 

  • 1921: Der große Chef
    (Co-Drehbuch, Darsteller, Produktion)
  • 1921: Die Camera obscura
    (Buch, Darsteller, Produktion)
  • 1923: Im letzten Augenblick
    (Regie, Darsteller, Produktion)
  • 1924: Die Perlen des Dr. Talmadge (Darsteller)
  • 1924: Die malayische Dschonke (Darsteller)
  • 1925: Der Fluch der bösen Tat (Darsteller)
  • 1925: Das Parfüm der Mrs. Worrington (Darsteller)
  • 1926: Das Panzergewölbe (Darsteller)
  • 1927: Der große Unbekannte (Darsteller)
  • 1927: Das Geheimnis von Genf (Darsteller)
  • 1928: Haus Nummer 17 (Darsteller)
  • 1928: Hände hoch, hier Eddy Polo (Darsteller)
  • 1929: Vertauschte Gesichter (Darsteller)
  • 1930: Gigolo (Darsteller)
  • 1930: Der Weg nach Rio (Darsteller)
  • 1931: Der Zinker (Darsteller)
  • 1931: Der Raub der Mona Lisa (Darsteller)
  • 1932: Rasputin (Darsteller)

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text

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