Emil Jannings (1884-1950)
Emil Jannings, eigentlich Theodor Friedrich Emil Janenz wurde am 23. Juli 1884 in Rorschach am Bodensee/Schweiz geboren. Er war Schauspieler und der erste und bisher einzige deutsche Oscarpreisträger. Emil Jannings kam als Sohn des amerikanischen Kaufmanns Emil Janenz und dessen deutscher Frau Margarethe (geb. Schwabe) in Rorschach am Bodensee zur Welt. Er wuchs als deutscher Staatsbürger in der Schweiz sowie im Deutschen Reich in den Städten Leipzig und Görlitz auf. Nachdem er das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und seine Eltern ihm verboten hatten, Schauspieler zu werden, fuhr Emil Jannings als Schiffsjunge für ein Jahr zur See. Nach seiner Rückkehr nach Görlitz erlaubten ihm seine Eltern, am Theater in Görlitz, ein Schauspielvolontariat zu beginnen. Dort wurde ihm allerdings fehlendes Talent bescheinigt. Emil Jannings ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Er schloss sich diversen Wanderbühnen an und bereiste so zwischen 1901 und 1908 den gesamten deutschen Sprachraum. Sein erstes richtiges Engagement erhielt er am Stadttheater Glogau. Weitere Engagements an verschiedenen Stadttheatern folgten. 1915 gelangte er dann nach Berlin, wo er an fast allen Bühnen der Hauptstadt mit großem Erfolg spielte. Schließlich unterzeichnete er einen Vertrag mit dem Deutschen Theater in Berlin und profilierte sich dort unter der Regie Max Reinhardts (1873-1943) als Charakterdarsteller. Über Reinhardt lernt er 1915 auch Karl Gustav Vollmoeller (1878-1948) kennen. Er war außerdem Schauspielkollege von Ernst Lubitsch (1892-1947). Beide gehörten zur Berliner Gesellschaft der goldenen Zwanziger Jahre. Sie kamen mit der bekannten Berliner Gesellschaftsfotografin Frieda Riess (1890-1955) in Kontakt, die sie schließlich auch ablichtete. 1918 verkörperte er am Königlichen Schauspielhaus in Berlin den Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists (1777-1811) Der zerbrochene Krug. Mit dieser Rolle feierte er einen seiner größten Bühnenerfolge. Emil Jannings sah in der Filmarbeit nicht seine Erfüllung. Künstlerisch stellte es für ihn kein adäquates Medium für seine Schauspielerei dar, denn er konnte im Stummfilm seine variable Stimme nicht einsetzen. Zunächst spielte er in zahlreichen Filmen der expandierenden Universum Film AG (UFA), was ihm eine willkommene Geldquelle erschloss. Ab 1919 begann er, auch internationalen Ruhm zu erlangen. Er drehte eine Reihe von Historiendramen, bei denen häufig Ernst Lubitsch Regie führte und Pola Negri (1894-1987) die weibliche Hauptrolle spielte, so in Die Augen der Mumie Ma (1918) und vor allem, Madame Dubarry (1919). Darüber hinaus gewann er Anerkennung, indem er bekannte Bühnencharaktere wie Othello, Tartüffe oder Danton verkörperte. Am besten spielte er Rollen als langleidender Mann, der vom Unglück verfolgt wird und am Ende tragisch stirbt: Der letzte Mann (1924) und Varieté (1925) verhalfen ihm zum Titel Bester Schauspieler der Welt und zu einem lukrativen Vertrag bei der Paramount Pictures, wo bereits Ernst Lubitsch und Pola Negri arbeiteten. Wie schon in Deutschland wurde Emil Jannings auch in Amerika meist als Mann gezeigt, der durch die Umstände und sündhafte Frauen ins Verderben gezogen wird. Bereits sein erster Film in Amerika, The Way of All Flesh (1927) unter der Regie von Victor Fleming (1889-1949), wurde zur Vorlage für alle weiteren Filme. Der Film hatte großen finanziellen Erfolg. |
In Der Blaue Engel | D 1929/30
Emil Jannings in dem Film Der letzte Mann | D 1924 |
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Im Jahr darauf drehte er seinen vielleicht besten Film überhaupt: Sein letzter Befehl (1928). Josef von Sternberg (1894-1969) wirkte auf ihn ein, dass er mit einer kontrollierten Darstellung vor der Kamera agierte. Diese Darstellungsweise widerstrebte Emil Jannings. Die daraus resultierenden Meinungsverschiedenheiten gipfelten in Streitereien zwischen dem Star und seinem Regisseur. Nachdem The Street of Sin (1928) weder bei Kritik noch Publikum Anklang gefunden hatten, übernahm Ernst Lubitsch die Regie bei The Patriot (1928). Emil Jannings stellte in diesem Film den verrückten Zaren Paul I. dar, der am Ende von Lewis Stone (1879-1953), dem Patrioten des Titels, zum Besseren von Russland ermordet wird. Emil Jannings war in Amerika nicht sonderlich glücklich, denn er vermisste die Bühnenarbeit. Jedoch freundete er sich unter anderem mit Greta Garbo (1905-1990) an, die er über seinen mittlerweile zum Freund gewordenen Gönner Karl Gustav Vollmoeller kennengelernt hatte, und erwarb ein großes Vermögen, von dem er über 200.000 Dollar in bar im Kopfkissen versteckte. Darum gehörte er zu den wenigen Stars, die nicht vom Börsenkrach betroffen waren. Er gewann 1929 als erster Schauspieler einen Oscar für seine Darstellung in den beiden Filmen The Way of All Flesh und Sein letzter Befehl. Aber mit dem Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm änderte sich der Publikumsgeschmack rapide, und Emil Jannings eher exaltierte Darstellungsweise wurde rasch als veraltet angesehen. Daher kehrte er noch Mitte des Jahres nach Deutschland zurück. Unmittelbar danach hatte er sein Tonfilmdebüt unter der Regie von Josef von Sternberg in Der Blaue Engel (1929/30). Die Zusammenarbeit der beiden Streithähne ist der gemeinsamen Freundschaft von Schauspieler und Regisseur mit Karl Gustav Vollmoeller geschuldet, der als Leiter des Drehbuchteams fungierte. Emil Jannings war erneut als leidender Mann, der am Ende an seiner eigenen Gier zugrunde geht, zu sehen. Doch Star des Films war Marlene Dietrich (1901-1992), die bis dahin schon eine Reihe von Filmen gedreht hatte, jedoch mit noch keiner so anspruchsvollen Rolle. Emil Jannings drehte auch die englische Version des Films und sprach Englisch mit einer klaren Diktion, fast ohne deutschen Akzent, so dass er das Gerücht, er habe Amerika wegen seines Akzents verlassen, eindrucksvoll widerlegen konnte. Danach drehte er Liebling der Götter (1930). Nach 1933 wirkte er neben einigen anderen Filmen auch im Propagandafilm Ohm Krüger (1941) mit, neben der Hauptrolle hatte er auch die künstlerische Leitung inne, was ihm nicht wenige Kritiker übel nahmen. Seine Filme aus dieser Zeit haben nicht das Niveau seiner früheren Arbeiten, insbesondere seine Darstellung in Der zerbrochene Krug (1937) wirkte wie eine abgefilmte Bühnenaufführung und hinterließ einen statischen Eindruck, und ist dennoch als eine der gelungensten Bearbeitungen des Stücks zu betrachten, vor allem hinsichtlich der humoristischen Seite, die hier zum Ausdruck kommt. An der Qualität seines Spieles war auch in seiner Spätzeit nicht zu zweifeln, und sein darstellerisches Können bewies sich besonders in Filmen über historische Persönlichkeiten, etwa in Robert Koch – Bekämpfer des Todes (1939) und in Die Entlassung auch als Schicksalswende (1942) bekannt, worin er in der Rolle des gealterten, aber unbeugsamen Fürsten Otto von Bismarck (1815-1898) überzeugte. Dreimal verkörperten er und Werner Hinz (1903-1985) eng miteinander verbundene, jedoch konkurrierende Charaktere. In Der alte und der junge König (1935) spielten sie Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) und dessen Sohn, den späteren Friedrich II. (1712-1786), in Ohm Krüger den Burenpräsidenten Paul Krüger (1825-1904) und dessen Sohn Jan sowie in Die Entlassung den alten Fürsten Bismarck und den jungen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941). Seinen letzten Film konnte er 1945 nicht mehr vollenden, die Alliierten belegten ihn mit einem lebenslangen Auftrittsverbot. Als Begründung diente seine Nähe zu den nationalsozialistischen Machthabern. Emil Jannings starb einsam und verbittert am 2. Januar 1950 in Strobl/Österreich, an Leberkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof St. Wolfgang, in Österreich. |
Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)
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Literatur- und Quellenverzeichnis
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Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann
sich gerne beteiligen. Collector's Homepage -
www.cyranos.ch |




