Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Ehemalige Luftschutzanlagen in Hannover-Linden von Guido Janthor

Stadtgebiet Vorweg: der überwiegende Anteil der Informationen in diesem Beitrag beziehen sich auf den Stadtteil Hannover-Linden, nicht aber auf das gesamte Hannover. Mit Ausnahme der Einleitung (Die Zeit vor dem Bunkerbau).

Die Zeit vor dem Bunkerbau

Als am 1. September 1939 durch den Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, war der Krieg in Hannover noch weit weg. Erste Bombenangriffe auf Hannover erfolgten erst im Mai/Juni 1940 und so wurden in den ersten Monaten des Krieges lediglich in öffentlichen Grünanlagen sogenannte Deckungsgräben angelegt. Darüber hinaus wurden in fast allen Wohnhäusern im Rahmen des sogenannten Selbstschutzes Luftschutzkeller angelegt. Die Decken der Luftschutzkeller wurden mit Hilfe von einfachen Holzstempeln abgestützt, und die Kellerfenster zum Beispiel mit Hilfe von Sandsäcken gegen Splitter geschützt. Ende 1939 bis Anfang 1940 wurden dann auch damit begonnen, Luftschutzkeller in öffentlichen Gebäuden herzurichten, wie zum Beispiel der Keller im Amtsgericht Volgersweg und der Fahrradkeller im Neuen Rathaus. Zum Beginn des Bunkerbaus in Hannover gibt es unterschiedliche Angaben. Laut einem Bericht des Stadtbaurats Karl Elkart (1880-1959), der während des Krieges die Bauleitung und Planung für die Luftschutzbunker in Hannover inne hatte, wurde bereits 1939 mit dem Bau der ersten Luftschutzbunker in Hannover begonnen. Um welche Objekte es sich dabei gehandelt hat, ist bisher unklar. Jedoch nach der Nacht vom 25. auf den 26. August 1940 als die britische Royal Air Force (RAF) einen Luftangriff auf Berlin flog, wurde der Bunkerbau in den gefährdeten Deutschen Städten forciert. Spätestens jedoch nach dem „Führer“-Erlass, dem sogenannten „Führer-Sofortprogramm“ vom 10. Oktober 1940 der den Luftschutzbunkerbau im gesamten „Deutschen Reichsgebiet“ regelte, wurde auch verstärkt mit dem Bau von Bunkern in Hannover begonnen.

Bau von Luftschutzbunkern

In Hannover-Linden existieren heute noch vier von fünf gebauten Luftschutzbunkern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Stadtteil Linden-Mitte entstanden zwei Bunker als eine Mischform aus Tief- und Hochbunker, dies waren die Luftschutzbunker in der Blumenauer Straße (erbaut ca. 1940, wahrscheinlich unmittelbar vor dem Bau des Ihme-Zentrums abgerissen), sowie der Bunker in der Rampenstraße (erbaut ca. 1940), der nach dem Krieg noch um ein Geschoss aufgestockt wurde, in dem sich heute ein Fitnessstudio befindet. Es folgte dann in Linden-Nord der Hochbunker Leinaustraße bzw. Pfarrlandplatz (1941). In Linden-Süd der Rundbunker am Deisterplatz (1941), der letzte in Hannover-Linden fertiggestellte Bunker war der Hochbunker in der Tonstraße bzw. Ricklinger Straße (1943).

Hinweis: Als „Luftschutzbunker“ bzw. „Bunker“ wurden im Krieg grundsätzlich „nur“ Bombensichere Bauwerke, die auch gegen einen direkten Volltreffer einer Bombe Schutz boten, bezeichnet. Deckungsgräben, Luftschutzkeller usw. galten lediglich als „Splitter“-sicher. Ein direkter Treffer hatte meistens den Tod sämtlicher Insassen zur Folge.

Luftschutzbunker in Hannover-Linden

Luftschutzbunker Blumenauer Straße

Über den Luftschutzbunker ist so gut wie nichts bekannt. Einzige Information: es soll sich um einen fast baugleichen Luftschutzbunker wie den Luftschutzbunker Rampenstraße handeln. Der ehemalige Standort lag etwa auf halber Länge des Gilde Carrees in der Blumenauer Straße, auf der Seite des Ihme-Zentrums.

Luftschutzbunker Deisterplatz

Bei dem Luftschutzbunker handelt es sich um einen Rundbunker der unter Denkmalschutz steht. Erbaut 1941. Er hat einen Durchmesser von 14,16 m und ist 32,55 m hoch. Er besitzt einen Keller, wo sich ein Aufenthaltsraum befand und zwei spiralförmig angeordnete Treppenaufgänge. Ebenfalls spiralförmig um den Turm zwischen Außenwand und Treppenhaus angeordnet befanden sich mehrere etwa 5-6 m² große Räume. Es gab in diesem Luftschutzbunker keine richtigen Etagen. Die Räume waren versetzt angeordnet, und zwar je einer eine Halbtreppe tiefer bzw. höher und einer auf der gleichen Höhe wie der Verbindungsgang, von dem man den zweiten Treppenaufgang erreichen konnte und von dem je rechts/links die Toiletten für Männer/Frauen abgingen. Wenn man diese „Ebene“ als Etage zählt, dann ergeben sich sechs Etagen, sowie eine weitere Etage, die als Funktionsraum diente. Hier stand u.a. die Luftfilteranlage.

        

            Luftschutzbunker Deisterplatz | 01.12.2003                           Luftschutzbunker Deisterplatz - Treppe
                                                                                                                    Innen | 22.06.2004

Luftschutzbunker Leinaustraße

Bei diesem Bunker handelt es sich um einen Hochbunker mit 3 Etagen. Erbaut 1941. Die Außenwandstärke beträgt 1,10 m und die der Decke 1,40 m. Seine Maße (lxbxh): 16,20 m x 15,50 m x 12,50 m. Der Bunker wurde nach dem Krieg entfestigt (es wurde ein Loch in die Außenmauer gesprengt), und soll sich heute in Privatbesitz befinden.

Luftschutzbunker Rampenstraße

Bei dem Bunker handelt es sich um einen Mischtyp aus Tief- und Hochbunker. Erbaut ca. 1940/41. Er besteht aus Keller und Erdgeschoss. Die Außenwände sind 1,10 m bzw. 1,20 m und das Dach soll eine Deckenstärke von 1,40 m gehabt haben. Bei einer Panik vor dem Eingangsbereich des Bunkers kamen am 18. Oktober 1944 insgesamt 11 Menschen ums Leben. Die näheren Umstände sind unklar. Heute befindet sich der Luftschutzbunker in Privatbesitz.

       

           Luftschutzbunker Leinaustraße | 09.12.2003                     Luftschutzbunker Rampenstraße | 09.12.2003

Luftschutzbunker Ricklinger Straße / Tonstraße

Der Luftschutzbunker bildet den Abschluss eines Wohnblocks. Ob hier vorher schon ein Haus stand, das evtl. durch einen Luftangriff zerstört wurde, ist unklar. Erbaut 1943. Seine Maße (lxbxh): 35,75 m x 19,74 m (bzw. 22,00 m) x 11,86 m. Die Stärke der Außenwand beträgt: 1,60 m, und die der Decke: 1,40 m. Der Luftschutzbunker befand sich bis zur Aufgabe des sogenannten „Schutzraum-Konzepts“ im Mai 2007 in sogenannter Zivilschutz-Bindung.

       

Luftschutzbunker Ricklinger Straße / Tonstraße | 01.12.2003            Luftschutzbunker Deisterplatz - Schriftzug
                                                                                                                   Innen | 22.06.2004

Weitere Luftschutzanlagen:

Die Lindener Luftschutz-Stollen

Im Laufe des Jahres 1943 wurde der alte Eiskeller auf dem Lindener Berg in einen Luftschutzstollen (soweit mir bisher bekannt) für 7000 Menschen umfunktioniert. Der Stollen besteht aus drei parallel laufenden etwa 50 m langen Röhren. Etwas früher bereits wurde unter dem Schulhof des Kaiserin-Auguste-Viktoria Gymnasiums (heute: Helene Lange Gymnasium) zwei ebenfalls parallel verlaufende Stollen (soweit bekannt: aus Fertigbetonteilen) angelegt. Inwieweit diese genutzt wurden, ist allerdings bisher unklar, da das Hauptgebäude beim Großangriff auf Hannover 1943 zerstört wurde, und der Schulunterricht anschließend in diversen Schulen im gesamten Stadtgebiet von Hannover statt fand. Im Hauptgebäude der Schule befand sich ebenfalls ein ausgebauter Luftschutzkeller. Zu diesem Zweck wurden auch die Kellerfenster mit Splitterschutzblenden verschlossen. Die Rahmen der Splitterschutzblenden sind noch vorhanden.

Luftschutzkeller

In Hannover-Linden finden sich noch unzählige Hinweise auf ehemalige Luftschutzkeller. An den Hauswänden finden sich noch oft sogenannte Luftschutz-Pfeile verbunden zum Beispiel mit dem Schriftzug „D“ (für „Durchbruch“), „L.u.K.“ oder „LK“ (für Luftschutzkeller). Diese Pfeile dienten den Rettungsmannschaften zum schnellen Auffinden von Menschen die in den Kellern nach einem Bombenangriff durch Trümmer eingeschlossen waren.

       

           Hinweis Luftschutzkeller KGS | 29.07.2005                           Hinweis Luftschutzkeller SuS | 12.01.2003

Weitere Luftschutzbauprogramme

Neben dem zivilen Luftschutzbauprogramm gab es zum Beispiel auch Luftschutzanlagen die von Betrieben angelegt und finanziert wurden, den sogenannten Werkluftschutz. Diese Luftschutzanlagen waren meistens der Belegschaft vorbehalten. In Hannover-Linden zum Beispiel bei der Firma HANOMAG AG. Bei der HANOMAG AG wurde für alle Waffengattungen produziert. Hier entstanden zum Beispiel die schweren Flakgeschütze für die Flaktürme in Berlin, Hamburg und (wahrscheinlich) auch Wien. Der Betrieb war nicht nur deswegen als Kriegswichtiges Unternehmen eingestuft. Nur diese Tatsache wirkte sich auch auf die errichteten Luftschutzmaßnahmen aus.

Der Eisenbahnluftschutz der Deutschen Reichsbahn

Auch die Deutsche Reichsbahn (DR) hatte ein eigenes Luftschutzprogramm. In Hannover-Linden wurde auf dem Bahnhofsgelände des Bahnhofs Fischerhof zuerst ein einfacher Deckungsgraben errichtet. Später im Verlauf des Krieges wurde dieser dann durch einen Deckungsgraben aus Stahlbeton ersetzt. Neben den Deckungsgräben wurden in mehreren Gebäuden, die Keller zu Luftschutzkellern ausgebaut. Einige Splitterschutzzellen (im Volksmund: 1-Mann-Bunker) sollen auf dem Bahnhofsgelände-Fischerhof gestanden haben.

Zum Schluß

Ich übernehme keinerlei Gewähr für die Korrektheit der gemachten Angaben. Für Rückfragen, Kritik, Ergänzungen und Hinweise stehe ich jederzeit zur Verfügung. - www.luftschutzbunker-hannover.de

Literatur- und Quellenverzeichnis

Guido Janthor / Fotos / Text

Sämtliche Fotos stammen vom Autor und unterliegen dem Copyright (Urheberrecht).

111 Jahre Gymnasium in Linden | Helene-Lange-Schule Hannover | Gerstenberg Druck GmbH Hildesheim | 1995
Archiv Guido Janthor
Bunkerwelten: Luftschutzanlagen in Norddeutschland | Michael Foedrowitz | Dörfler Zeitgeschichte | 1998
Homepage (Privat) Guido Janthor - http://www.luftschutzbunker-hannover.de/

Tabellarische Auflistung:
Amt für Zivilschutz | 1991
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben | 2005
Stadt Hannover | 2005

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. | 11/2009