Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Ehemalige Bauernhäuser und Höfe in Linden

In Hannover-Linden ist heute vom ehemaligen Bauerndorf Linden nicht mehr viel zu sehen. Um 1821 wurden in Linden neun Vollmeier, zwei Halbmeier, 23 Kötner, 13 Beibauern und 14 Kirchhöfer gezählt. Es gab neben einigen Vierständerhäusern auch zwei Kübbungshäuser auf dem von Altenschem Besitz. Um 1900 verschwanden nach und nach alle Höfe.

Hof der Familie Haasemann (eigentlich Hasemann)

Die Familie Hasemann betrieb eine Kötnerstelle, No. 15 an der Ecke Dieckbornstraße mit einer Schafmeisterei, die bis zum Küchengarten reichte. Besitzer war Carl Heinz Hasemann. Sein Bruder Georg Haasemann (1820-1901), Besitzer einer Schmiede, später auch Fabrikant, und verheiratet mit Pauline Haasemann, geb. Schaussburg (1821-1885), fügte im 19. Jh. seinem Nachnamen ein weiteres a hinzu, so wurde aus Hasemann schließlich Haasemann mit zwei a. Johann Carl Friedrich Christian Haasemann (1822-1894), ein weiterer Bruder gründete die "Maschinenfabrik Carl Haasemann & Söhne", zeitweilig auch "Haasemanns Wagenfabrik" genannt. Sein Sohn Georg Haasemann (1853-1928), verheiratet mit Anna Haasemann, geb. Rischmüller (1866-1908), war wie sein Vater Fabrikant und ist auf dem Lindener Bergfiedhof beerdigt worden. Die Gräber der Familie Haasemann sind noch vorhanden. Von 1900 bis 1912 wurden auf dem Gelände der ehemaligen Schafmeisterei mehrere viergeschossige Wohnbauten errichtet. Die Haasemannstraße in Linden-Mitte wurde 1909 nach der Familie benannt.

Mehr über die Familie Haasemann | Haasemannstraße

Hof der Familie Hartmann

Der Vollmeierhof der Familie Hartmann befand sich an der heutigen Davenstedter Straße 24, Egestorff- und Kirchstraße. Johann Heinrich Hartmann war laut Adressbuch von 1849, 1866 und 1868 der Hofbesitzer. Im Adressbuch von 1872 wird dann als Hofbesitzer Christian Hartmann (1831-1899) aufgeführt. Anfang 1900 wurde der Betrieb verkauft und mit dem Erlös das Gut Adolphshof in Lehrte-Hämelnerwald durch Heinrich Hartmann (1875-1931) erworben. Der Hofbesitzer Christian Hartmann, seine Frau Lina Hartmann, geb. Ewig (1849-1920), sowie Sophie Hartmann (1834-1907) und der Sohn Heinrich Hartmann (1875-1931), Käufer des Guts Adolphshof, wurden auf dem Lindener Bergfriedhof beerdigt. Die Gräber sind noch vorhanden.

Hof der Familie Hemme

Der Hof der Familie Hemme befand sich an der Davenstedter Straße 19. Im Hauptgebäude, ein Vierständerhaus war die Stube im vorne gelegenen früheren Wirtschaftsraum eingebaut. Die Stube hatte keine Fenster zur Straße hin, weil das Lindener Bauamt dies untersagte. Der Hof der Familie Hemme war ein Kötnerhof, noch bis etwa Anfang 1880 wurde die Landwirtschaft betrieben. Das große Fachwerkgebäude bestand nachweislich noch bis nach 1897.

Hof des Bauern Dietrich Lampe

Der Hof befand sich an der Beethovenstraße/Ecke Davenstedter Straße (heute: Beethovenstraße 2). Das Hauptgebäude war ein Vierständerhaus des späten 18. Jh. Am Anfang des 19. Jh. war Bauer Dietrich Lampe ein Halbmeier und betrieb den Bauernhof als Halbmeierhof bis ca. 1870. Danach übernahm sein Sohn Carl Lampe (1837-1904), von Beruf Kürschner, er wurde später Senator in Linden den Bauernhof. Nach Carl Lampe ist 1910 die Lampestraße in Linden-Süd benannt worden.

Der Hof und das Grundstück wurden um 1895 vom Kornbrennereibesitzer Christian Niemeyer (1842-1904), später wurde auch er Senator in Linden - gekauft. Auf dem Grundstück wurden 18 Baugrundstücke parzelliert. Diese Grundstücke lagen an der heutigen Beethoven-, Davenstedter, Wittekind- und Diekbornstraße. 1898 wurde die neu errichtete Beethovenstraße, die von Christian Niemeyer finanziert wurde, eingeweiht. Man errichtete 1902 auf einem der Grundstücke die Humboldtschule.

Hof des Bauern Hans Dietrich Niemeyer

Mitte des 18. Jh. erwarb der Kötner Hans Dietrich Niemeyer einen kleinen Kötnerhof an der Lindenerstraße, später Falkenstraße, heute Davenstedter Straße 29-33. Sein Sohn Christian Niemeyer übernahm später den Hof und die 1788 gegründete Kornbranntweinbrennerei Niemeyer. Die Brennerei war die älteste bestehende industrielle Anlage in Linden und ist mit einem kleinen Hinterhofgebäude noch heute erhalten. Das bekannteste Produkt, der "Chateau Niemeyer", war weit über Lindens Grenzen hinaus bekannt. Danach übernahmen Christian Niemeyers Söhne Carl und Heinrich Niemeyer (1815-1890) die Unternehmungen ihres Vaters. Die Brüder Niemeyer betrieben auch die von ihrem Vater 1838/40 gegründete Essigfabrik und Kornmühle Niemeyer sowie die 1851/52 von ihnen gegründete Saline Neuhall bei Davenstedt. Heinrich Niemeyer war der letzte Gemeindevorsteher des Dorfes Linden und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. 1851 war er einer der Vorsteher der Kirchengemeinde St. Martin. Nach Heinrich Niemeyer wurde 1874 die Niemeyerstraße in Linden-Mitte benannt.

Heinrich Niemeyers Sohn, der spätere Lindener Senator Christian Niemeyer (1842-1903), übernahm 1876 den Hof und die Kornbrennerei von seinem Vater Heinrich Niemeyer, und kaufte die Grundstücke bis zur Brauhofstraße 9 hinzu. Neben seinem Landwirtschaftlichen Betrieb,, betrieb Christian Niemeyer noch die Gastwirtschaft "Fortune" an der heutigen Davenstedter Straße. 1891 baute sich Senator Niemeyer auf seinem Grundstück an der Davenstedter Straße sein prunkvolles, im Volksmund auch Delfinhaus genanntes Wohnhaus. Das Haus in der Davenstedter Straße 31 ist heute noch weitgehend erhalten. Um 1890 kaufte Christian Niemeyer den vom Bauern Dietrich Lampe ca. 1870 aufgegebenen Bauernhof. Es wurden dann von ihm 18 Baugrundstücke parzelliert. Diese Grundstücke lagen an der heutigen Beethoven-, Davenstedter-, Wittekind-, sowie an der Diekbornstraße. 1898 wurde die neu errichtete Beethovenstraße, die von ihm finanziert wurde, eingeweiht. Man errichtete 1902 auf einem der Grundstücke die Humboldtschule. Der Senator stiftete der Schule mehrere Bildfenster und eine Bibliothek.

Christian Niemeyer war mit Anna Niemeyer verheiratet, ihre Tochter Elsa Niemeyer heiratete am 26. September 1903 Hermann Schaaffhausen in Linden. 1904 starb Christian Niemeyer im alter von 62 Jahren. Beerdigt wurde der Fabrikant, auf dem Lindener Bergfriedhof, sein Grabstein ist, heute noch vorhanden. Sein Sohn Christian Niemeyer jun. heiratete 1906 und wohnte von 1904 bis 1909 im vom Vater erworbenen Haus Beethovenstraße 8, im Erdgeschoss. Er besaß bis 1909 in Badenstedt eine Himbeerplantage, nach ihr soll die Plantagenstraße in Hannover-Badenstedt benannt worden sein. Christian Niemeyer jun. verschuldete sich durch Bürgschaften so sehr, dass das Erbe seines Vaters mit samt der Kornbrennerei verloren ging. Danach entstand aus der Branntweinbrennerei Niemeyer die Deutsche Wein und Spirituosen GmbH (DEUWUS).

Hof des Bauern Johann Friedrich Konrad Nieschlag

Der Bauer Johann Friedrich Konrad Nieschlag (1813-1873) war ein Vollmeier. Sein Hof befand sich an der Lindener Straße 39., später Falkenstraße und heute Davenstedter Straße 28., in Linden-Mitte. Über sein Grundstück wurde 1871, zwei Jahre vor seinem Tod, die Nieschlagstraße angelegt. In geradliniger Verlängerung bergab führte schon ab 1807 der seinerzeitige Kötner-Holz-Weg. Der Bauer besaß auch Grundstücke im Auefeld - zwischen der späteren Hannoverschen Maschinenbau-Actien-Gesellschaft (HANOMAG AG) an der Göttinger Straße und der Ihme, in Linden-Süd. Der Kornhändler, Ölmüller und spätere Essigfabrikant Johann Heinrich Julius Behnsen (?-1857) hatte um 1845 die Grundstücke für seine Unternehmungen erworben.

Das Vierständerhaus des Bauern Johann Friedrich Konrad Nieschlag mit zweistöckigem Wohnteil wurde vermutlich um 1898 abgerissen. Das restliche Hofgelände wurde noch vor 1880 als Baugrund parzelliert. Das neue Wohnhaus der Familie wurde auf dem Fundament des Vorgängerbaus errichtet und steht noch heute an der gleichen Stelle - Davenstedter Straße 28. Von 2011 bis Anfang 2015 wurde es komplett renoviert.

Davenstedterstrasse 28. (Ecke Nieschlagstraße) - 28.08.1908

Davenstedterstraße - 05.05.1916

Hof der Familie Plinke

Schon seit 1585 wurde der Vollmeierhof der Familie Plinke in Urkunden erwähnt. Der Bauernhof befand sich am Hohenweg / Hoherweg 67, in Linden-Mitte/Süd, später in Hohe Straße 21, 26 und 1 umbenannt. Laut Adressbuch von 1849 war die Witwe Plinke die Hofbesitzerin. Ihr Sohn Friedrich Christoph Plinke, verheiratet mit Luise Plinke ist laut Adressbuch von 1855 bis 1875 dann Hofbesitzer in der Hohe Straße 21. Im Adressbuch von 1888 bis 1897 wird seine Witwe Luise Plinke nun in der Hohe Straße 26 als Hofbesitzerin geführt. Die Plinkestraße in Linden-Süd wurde 1910 nach dem Hof der Familie Plinke benannt.

Der Rusten- oder Rüstehof

Der Rusten- oder Rüstehof lag an der Kirchstraße - Ecke Badenstedter Straße und bestand wahrscheinlich schon vor 1550. Das kleine Hofgrundstück gehörte ab 1688 zum von Altenschen Gut (gräfliche Familie von Platen).

Das Haupthaus war ein eher kleines Vierständerhaus aus dem 18./19. Jh. Nachträglich wurde ein Stall angebaut. Bis 1891 lautete die Adresse des Hofes Kirchstraße 1-2. Der Hof wurde in den Jahren 1899/1900 abgebrochen und das Grundstück parzelliert. Ein Teil des Grundstücks wurde zum Bau der Friederikenschule (heute Ihmeschule) genutzt.

Friederiken-Schule - 14.11.1914

 

Volksschule - Friederikenschule
(Badenstedter Straße 14.) | 03.12.1917

Hof des Bauern Struckmeyer

Der Struckmeyerhof, des Vollmeiers Johann Heinrich Struckmeyer (1800-1877) und seiner Frau Sophie Struckmeyer, geb. Lampe (1811-1891) befand sich an der Badenstedter Straße Ecke Kirchstraße. Das Ehepaar wurde auf dem Lindener Bergfriedhof, die Gräber sind noch vorhanden, begraben. Das Vierständerhaus mit zweistöckigem abgezimmerten Wohnteil war ein großes Gebäude. Es hatte ein angehobenes Dach und einen Steilgiebel mit vorkragenden Schwellen und einer schmückenden Langstreben-Zimmerung im Giebelfachwerk..

Johann Heinrich und Sophie Struckmeyer hatten zwei Kinder, Heinrich Struckmeyer jun. und eine Tochter namens Eleonore Elise Sophie Struckmeyer (1847-?). Heinrich Struckmeyer jun. und seine Frau Minna, geb. Dohmeyer übernahmen den Hof der Eltern. Auch ihr Sohn Heinrich Friedrich Karl Struckmeyer (1876-1902) übernahm den elterlichen Hof.

Heinrich Friedrich Karl Struckmeyer starb im Mai 1902, im Alter von nur 26 Jahren. Seine Mutter Minna tätigte noch im gleichen Jahr die „Heinrich-Struckmeyer-Schenkung“ mit einem Startkapital von 10.000 Mark zugunsten mittelloser Waisenkinder aus Linden. Aus den Zinserträgen der Stiftung sollten Kinder unterstützt werden, die einen oder beide Elternteile verloren hatten.

Der Struckmeyerhof wurde 1911 an die Stadt Linden verkauft und bald darauf mit Wohnhäusern die noch heute bestehen bebaut. Minna Struckmeyer zog um 1910 von Linden nach Hannover und bot ihrer neuen Heimatstadt die Schenkung eines Brunnens an. In einer öffentlichen Ratssitzung nahm die Stadt Hannover die Schenkung an. Der damalige Stadtdirektor Heinrich Tramm (1854-1932) verlieh dem Wunsch Ausdruck ", „... dass im Interesse der Verschönerung der Stadt dieses gute Beispiel noch häufige Nachfolge finden möge". Der hannoversche Bildhauer Roland Engelhard (1868-1951) schuf daraufhin das Becken und den Brunnenschaft mit einem Relief aus bayerischem Muschelkalk. In der an der Beckenrandung herausgemeißelten Inschrift wurde „Struckmeier“ aber mit einem „i“ geschrieben. Am 30. Juni 1911 wurde der Brunnen an seinem heutigen Standort, an der Sallstraße Ecke Kleine Düwelstraße in der Hannover-Südstadt eingeweiht.

Struckmeyerstraße

Auch eine Straße, die Struckmeyerstraße wurde 1903 nach der Bauernfamilie benannt worden. Die Struckmeyerstraße war 1902 ursprünglich als Hartmannstraße vom Magistrat der Stadt Linden geplant worden. Nach der großzügigen Schenkung an die Stadt Linden wurde die Straße dann aber doch nach der Familie Struckmeyer benannt.

Häuser am Steinberge

Die Straße Am Steinberge hieß später Bergstraße und danach bis heute Am Lindener Berge. Hier stand das vor 1700 erbaute Kalkbrenner- und Kontorhaus von Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868). Das Haus wurde 1969 abgerissen und heute steht hier die Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden (IGS Linden). Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Haus Am Lindener Berge 16. Dieses alte Fachwerkhaus, wurde im 19. Jh. erbaut. Das Gebäude hinter dem Haus ist 1698 erbaut worden und somit eines der ältesten Gebäude Lindens, es steht heute unter Denkmalschutz.

Am Lindener Berge | 11.05.1911  

Lindener Berg | 14.02.1909

Das große Schäferhaus

Das Schäferhaus lag an der Bergstraße 2, heute Am Lindener Berge. Das große Zweiständerhaus mit hohem Steilgiebel wurde ca. 1700 erbaut. Daneben stand das alte Schäferhaus, ein Zweiständerhaus mit Kübbungsausbau auf der rechten Seite das vermutlich 1897 abgerissen wurde. Beide Schäferhäuser gehörten zum von-Altschen-Gut.

Weitere Höfe:

Daniel Blume - Kirchhöfer | Rettemann - Vollmeierhof | Schilling - Vollmeierhof

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V. Hannover | 1927
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906