Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Ehemalige Bauernhäuser und Höfe in Linden
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Ehemalige Bauernhäuser und Höfe in Linden

In Hannover-Linden ist heute vom ehemaligen Bauerndorf Linden nicht mehr viel zu sehen. Um 1821 wurden in Linden neun Vollmeier, zwei Halbmeier, 23 Kötner, 13 Beibauern und 14 Kirchhöfer gezählt. Es gab neben einigen Vierständerhäusern auch zwei Kübbungshäuser auf dem von Altenschem Besitz. Um 1900 verschwanden nach und nach alle Höfe.

Hof der Familie Haasemann (eigentlich Hasemann):

Die Familie Hasemann betrieb eine Kötnerstelle, No. 15 an der Ecke Dieckbornstraße mit einer Schafmeisterei, die bis zum Küchengarten reichte. Besitzer war Carl Heinz Hasemann. Sein Bruder Georg Haasemann (1820-1901), Besitzer einer Schmiede, später auch Fabrikant, und verheiratet mit Pauline Haasemann, geb. Schaussburg (1821-1885), fügte im 19. Jhs. seinem Nachnamen ein weiteres a hinzu, so wurde aus Hasemann schließlich Haasemann mit zwei a. Johann Carl Friedrich Christian Haasemann (1822-1894), ein weiterer Bruder gründete die Landmaschinenfabrik C. Haasemann & Söhne. Sein Sohn Georg Haasemann (1853-1928), verheiratet mit Anna Haasemann, geb. Rischmüller (1866-1908), war ebenso, wie sein Vater Fabrikant und ist auf dem Lindener Bergfiedhof beerdigt worden. Die Gräber der Familie Haasemann sind noch vorhanden.

Von 1900 bis 1912 wurden auf dem Gelände der ehemaligen Schafmeisterei mehrere viergeschossige Wohnbauten errichtet. Im Jahr 1909 wurde die Haasemannstraße nach der Familie benannt.

Mehr über die Familie Haasemann | Haasemannstraße

Hof der Familie Hartmann

Der Vollmeierhof der Familie Hartmann befand sich an der heutigen Davenstedter Straße 24, Egestorff- und Kirchstraße. Der Hofbesitzer Christian Hartmann (1831-1899) und seine Frau Lina Hartmann, geb. Ewig (1849-1920), sowie Sophie Hartmann (1834-1907) und Sohn Heinrich Hartmann (1875-1931) wurden auf dem Lindener Bergfriedhof beerdigt, Gräber vorhanden.

Hof der Familie Hemme:

Der Bauernhof befand sich an der Davenstedter Straße 19. Im Hauptgebäude, ein Vierständerhaus war die Stube im vorne gelegenen früheren Wirtschaftsraum eingebaut, die Stube hatte keine Fenster zur Straße hin, weil das Lindener Bauamt dies untersagte. Der Hof der Familie Hemme war ein Kötnerhof, noch bis etwa Anfang 1880 wurde die Landwirtschaft betrieben.

Hof des Bauern Dietrich Lampe:

Der Hof des Bauern Dietrich Lampe befand sich an der Beethovenstraße/Ecke Davenstedter Straße (heute: Beethovenstraße 2). Das Hauptgebäude war ein Vierständerhaus des späten 18. Jhs. Am Anfang des 19. Jhs. wurde Bauer Dietrich Lampe ein Halbmeier und der Hof als Halbmeierhof bis ca. 1870 betrieben. Der Bauernhof und das Grundstück wurden um 1890 vom Kornbrennereibesitzer Christian Niemeyer (1842-1904) – später wurde er Senator in Linden – gekauft. Auf dem Grundstück wurden 18 Baugrundstücke parzelliert. Diese Grundstücke lagen an der heutigen Beethoven-, Davenstedter, Wittekind- und Diekbornstraße. 1898 wurde die neu errichtete Beethovenstraße, die von Christian Niemeyer finanziert wurde, eingeweiht. Im Janr 1902 errichtete man auf einem Grundstück die Humboldtschule (Einweihung: 14. Oktober 1902). Carl Lampe (1837-1904), der Sohn Dietrich Lampes und wurde später auch Senator in Linden.

Hof des Bauern Hans Dietrich Niemeyer:

Mitte des 18. Jhs. erwarb Hans Dietrich Niemeyer einen kleinen Kötnerhof an der Lindenerstraße, später Falkenstraße, heute Davenstedter Straße 29-33 Hans Dietrichs Sohn, Christian Niemeyer kaufte die Grundstücke bis zur Brauhofstraße 9 hinzu und gründete 1788 eine Kornbranntweinbrennerei. Diese war die älteste bestehende industrielle Anlage in Linden und ist mit einem kleinen Hinterhofgebäude noch heute erhalten. Das bekannteste Produkt "Chateau Niemeyer" war weit über Lindens Grenzen hinaus bekannt. Aus der Branntweinbrennerei entstand später die Deutsche Wein und Spirituosen GmbH (DEUWUS). Neben seinem Landwirtschaftlichen Betrieb, betrieb er noch die Gastwirtschaft "Fortune" an der heutigen Davenstedter Straße.

Hof des Bauern Johann Friedrich Konrad Nieschlag:

Der Bauer Johann Friedrich Konrad Nieschlag (1813-1873) war ein Vollmeier. Sein Hof befand sich an der Lindener Straße 39, später Falkenstraße und heute Davenstedter Straße 28. Über sein Grundstück wurde 1871, zwei Jahre vor seinem Tod, die Nieschlagstraße angelegt. In geradliniger Verlängerung bergab führte schon ab 1807 der seinerzeitige Kötner-Holz-Weg.

     

Davenstedterstrasse 28. (Ecke Nieschlagstraße) - 28.08.1908                  Davenstedterstraße - 05.05.1916

Das Vierständerhaus mit zweistöckigem Wohnteil wurde vermutlich 1898 abgerissen. Das restliche Hofgelände wurde noch vor 1880 als Baugrund parzelliert. Das neue Wohnhaus des Bauern Nieschlag wurde auf dem Fundament des Vorgängerbaus errichtet und steht noch heute an der gleichen Stelle - Davenstedter Straße 28. Im Jahr 2011/12 wurde es komplett renoviert.

Der Rusten- oder Rüstehof:

Der Rüstehof lag an der Kirch- Ecke Badenstedter Straße und bestand wahrscheinlich schon vor dem Jahr 1550. Das kleine Hofgrundstück gehörte ab 1688 zum von Altenschen Gut.

Das Haupthaus war ein eher kleines Vierständerhaus aus dem 18. / 19. Jhs. Nachträglich wurde ein Stall angebaut. Der Hof wurde in den Jahren 1899/1900 abgebrochen und das Grundstück parzelliert. Ein Teil des Grundstücks wurde zum Bau der Friederikenschule (heute Ihmeschule) genutzt.

Friederiken-Schule - 14.11.1914

Volksschule - Friederikenschule
(Badenstedter Straße 14.) | 03.12.1917

Hof der Familie Plinke:

Schon seit dem Jahr 1585 wurde der Vollmeierhof der Familie Plinke in Urkunden erwähnt. Die Plinkestraße in Linden-Süd wurde 1910 nach dem Hof der Familie Plinke benannt.

Hof des Bauern Struckmeyer:

Der Struckmeyerhof, des Vollmeiers Heinrich Friedrich Karl Struckmeyer (1876-1902) befand sich an der Badenstedter Straße / Ecke Kirchstraße. Seine Großeltern waren der Hofbesitzer Heinrich Struckmeyer (1800-1877) und Sophie Struckmeyer, geb. Lampe (1811-1891), beide sind auf dem Lindener Bergfriedhof, die Gräber sind noch vorhanden, begraben.

Das Vierständerhaus mit zweistöckigem abgezimmerten Wohnteil war ein großes Gebäude. Es hatte ein angehobenes Dach und einen Steilgiebel mit vorkragenden Schwellen und einer schmückenden Langstreben-Zimmerung im Giebelfachwerk. Die Familie Struckmeyer stiftete der Stadt Linden 1902 einen hohen Geldbetrag für bedürftige Lindener Waisenkinder. Der Hof wurde 1911 an die Stadt Linden verkauft und bald darauf mit Wohnhäusern die noch heute stehen bebaut. Auch eine Straße, die Struckmeyerstraße ist im Jahr 1903 nach der Bauernfamilie benannt worden.

Häuser am Steinberge:

Die Straße Am Steinberge hieß später Bergstraße und danach bis heute Am Lindener Berge. Hier stand das vor 1700 erbaute Kalkbrenner- und Kontorhaus von Georg Egestorff (1802-1868). 1969 wurde das Haus abgerissen und heute steht hier die Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden (IGS Linden). Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Haus Am Lindener Berge 16. Dieses alte Fachwerkhaus, wurde im 19. Jhs. erbaut. Das Gebäude hinter dem Haus ist im Jahr 1698 erbaut worden und somit eines der ältesten Gebäude Lindens, es steht heute unter Denkmalschutz.

      

Am Lindener Berge | 11.05.1911                                            Lindener Berg | 14.02.1909

Das große Schäferhaus:

Das Schäferhaus lag an der Bergstraße 2, heute Am Lindener Berge. Das große Zweiständerhaus mit hohem Steilgiebel wurde ca. 1700 erbaut. Daneben stand das alte Schäferhaus, ein Zweiständerhaus mit Kübbungsausbau auf der rechten Seite das vermutlich im Jahr 1897 abgerissen wurde. Beide Schäferhäuser gehörten zum von-Altschen-Gut.

Weitere Höfe:

Daniel Blume - Kirchhöfer | Rettemann - Vollmeierhof | Schilling - Vollmeierhof

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V. Hannover | 1927
Linden, Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906