Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010
Döhrener Turm | Lister Turm | Pferdeturm
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Döhrener Turm | Lister Turm | Pferdeturm

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Archiv - Döhrener Turm | Lister Turm und Pferdeturm

Döhrener Turm

Der Döhrener Turm wurde 1382 südlich von Hannover als Teil der Hannoverschen Landwehr mit circa 17.000 Mauer- und Dachsteinen errichtet. Der Turm wurde mit drei Geschossen erbaut, die einen Innendurchmesser von rund vier Meter haben. In den etwa 1,3 Meter starken Wänden wurden Schießscharten eingelassen. Wie auch die anderen Warttürme und Warthäuser des Landwehrsystems diente auch dieses Bauwerk seit dem Mittelalter mehreren Zwecken. Der Turm war lange Zeit Teil der militärischen Vorfeldverteidigung der Stadt, Grenz- und Zollstation mit Schlagbaum und Wirtshaus sowie Posten zur Überwachung des Holzdiebstahls aus der Eilenriede. Im Jahr 1486 verzögerte die Turmbesatzung angeblich einen Überfall auf die Stadt Hannover. Die Angreifer errichteten Scheiterhaufen, brannten den Turm nieder und töteten die Turmbesatzung.

1488 wurde der Döhrener Turm auf dem Grundriss des alten Turms neu errichtet, was die Inschrift eines Steins bezeugt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor er seine militärische Bedeutung. Bis 1650 war der Turm mit einem Turmwächter besetzt. Danach diente er als Zollstation. Ende des 16. Jhs. wurde bereits eine Schänke mit Wohngebäude am Turm eingerichtet. In späterer Zeit entwickelte sich daraus eine Waldwirtschaft die, die Bürger gerne bei Ausflügen in die Eilenriede besuchten.

     

              Gruss vom Döhrener Thurm | 03.02.1900                               Döhrener Turm | 20.05.1928

Im 19. Jh. nutzten die Städter für Sonntagsausflüge eine Pferdebahn von der Stadt zum Turm. Im Jahr 1888 wurde der Turm umgebaut. Dabei wurde auf die drei Geschosse ein achteckiges Fachwerkgeschoss mit Spitzdach aufgesetzt. An der Nordseite wurde ein Reliefbild eines Knappen mit städtischem Wappen angebracht. In dieser Zeit befanden sich noch Wohngebäude und Stallungen am Turm, die wahrscheinlich um 1930 abgerissen wurden. 1890 führte am Turm die Straßenbahnlinie von Hannover nach Laatzen vorbei. Bei der Eingemeindung von Döhren und Wülfel in die Stadt Hannover 1907, wurden die Grenzsteine nahe dem Döhrener Turm weiter stadtauswärts verlagert. Die Bombenangriffe auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs schädigten die Bausubstanz des Turms. Obwohl nicht direkt von Bomben getroffen, gab es Risse in den Deckengewölben und auch das Dach war abgedeckt worden. Die Schäden am Turm wurden nur notdürftig ausgebessert. Erst 1975 wurde von der Stadt Hannover mit Hilfe von Spenden durch Bürger restauriert. Dabei entstanden ein Kaminzimmer und der repräsentative Ausbau des oberen Holzgeschosses. 1982 wurde das 600-jährige bestehen des Turms mit einem Fest gefeiert.

Tödlicher Streit am Döhrener Turm: Gast stach den Wirt mit einem Degen nieder!

Zu den Gästen in der Schankwirtschaft am Döhrener Turm, am 3. August 1670 zählte eine Gruppe hannoverscher Reiter.
Der Wirt bedient seine Gäste. Nichts deutet daraufhin, dass dieser Abend für ihn anders verlaufen sollte, als bisher. Ohne ersichtlichen Grund entsteht ein Streit unter den vornehm gekleideten Gästen. Nach heftigem Wortwechsel zieht einer der Reiter seinen Degen und verletzt einen Kameraden an der Brust. Voll Zorn zückt der Angegriffene ebenfalls seine Waffe und wirft sie nach dem Gegner. Der Degen verfehlt sein Ziel, der Angreifer kann aus der Schenke entkommen. Der Wirt aber, der wohl in guter Absicht dazwischen gekommen ist, wird von dem Wurfgeschoss getroffen. schwer verletzt bricht er zusammen. Die Spitze hatte sich nahe seinem Herzen in den Leib gebohrt. Zwei Tage später, an einem Sonnabend gegen vier Uhr, stirbt der Wirt im Kreise seiner Familie. Auch sein Mörder ist durch die Brustverletzung arg mitgenommen. Noch in derselben Nacht erhält er - von Soldaten streng bewacht - vom Döhrener Pastor das Heilige Abendmahl. Am nächsten Morgen transportieren die Soldaten den Verletzten auf einem Schlitten nach Wülfel, wo er im Hause des Vogts inhaftiert wird. Pastor Mauritius Feseke, der diese Vorfälle im Döhrener Kirchenbuch übermittelte, schließt seinen Bericht mit den Worten: „Wie es nun mit selben nach diesem ablauffen wird, lehret die Zeit“. Und Zeit soll auch vergehen. Erst am 14. März 1671 findet sich im Kirchenbuch zu Döhren eine weitere Eintragung. Nach 30 Wochen Arrest im Hause des Wülfeler Vogts wurde der inzwischen genesende hannoversche Reiter freigelassen. Auch die Witwe des unglücklichen Wirtes fand ein neues Glück. Sie hat „in dieser vorhergehenden Fastnachtswochen mit Berend Krakke sich wieder verheyrathet.“

Literatur- und Quellenverzeichnis:
Region entdecken - www.region-erleben.de

Lister Turm

Ursprünglich war der Lister Turm ein Wartturm der mittelalterlichen Hannoverschen Landwehr, im Jahr 1387 erstmals erwähnt. Das alte Gebäude, sowie das zugehörige Forsthaus und der Turm wurden Mitte des 19. Jhs. abgebrochen und durch eine romantisierende Nachbildung 1895 vom Architekten Hermann Schaedtler (1857-1931) ersetzt. Der angeschlossene Bier- und Kaffeegarten mit immerhin fast 3000 Sitzplätzen war und ist ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner. Auf dem Freigelände fanden regelmäßig große Garten-Konzerte statt.

              

            Listerturm | 17.08.1903                      Listerturm | 16.06.1905                               Listerthurm
                                                                                                                    Inhaber Franz Kasten | 30.08.1903

Die Gebäude überstanden den Zweiten Weltkrieg unversehrt, da sie am Rand der Eilenriede, dem Stadtwald von Hannover stehen. Der Lister Turm beherbergte auch zeitweise die Hochschule für Musik und Theater. Heute dient der Lister Turm als Freizeitheim der Landeshauptstadt Hannover für die Stadtteile List und Oststadt.

      

                  Gruss vom Listerturm | 01.08.1898                                          Listerturm | 08.05.1910

Pferdeturm

Der Pferdeturm wurde im Jahr 1387 als Wartturm, der Hannoverschen Landwehr am Teilstück zwischen der Stadt Hannover und dem Dorf Misburg errichtet. Südlich und nördlich des Pferdeturms finden sich in der Eilenriede heute noch gut erhaltende Abschnitte der Landwehr mit Graben und Wall. 1404 wurde der Turm als Hardenbergstorn erstmals urkundlich erwähnt. Die ausgebaute Landwehr schützte als vorgeschobenes Grenzsicherungs- und Befestigungssystem das mittelalterliche Hannover.

     

                  Gruss vom Pfredethurm | 25.03.1900                         Waldrestauration Pferdeturm | 07.02.1905

Wie die anderen Landwehrtürme (Lister- und Döhrener Turm) wurde der Pferdeturm als Durchgangsstation an einer Straße errichtet. Eine Wartstation mit Schlagbaum überwachte den Verkehr zur Stadt. Der Name Pferdeturm ergab sich erst später durch einen Pferde- und Fohlenstall, den der Stadtrat an dieser Stelle hatte einrichten lassen. Nachdem die Landwehr, als Sicherung der Stadt an Bedeutung verloren hatte, diente der Pferdeturm als Forstamt, um den massiven Holzdiebstahl in der Eilenriede einzudämmen. Im Jahr 1890 zerstörte ein Brand das Forsthaus. Danach wurde ein zweistöckiges Gebäude direkt am Turm errichtet. Das Haus diente bis zum Zweiten Weltkrieg als Ausflugscafe und wurde danach leider abgerissen.

     

 Waldwirtschaft Pferdeturm, Inh. Eduard Bock | 05.08.1905        Städt. Waldwirtschaft Pferdeturm | 14.04.1912

1892 erhielt der Pferdeturm ein Fachwerkgeschoss mit spitzem Dach. Der Turm hat einen nahezu quadratischen Grundriss von etwa vier Meter Seitenlänge. Der untere Bereich des Turms besteht bis in 3,8 Meter Höhe aus Bruchsteinen. Darüber sind weitere Geschosse in Ziegelbauweise aufgesetzt. 1965 erfolgten weitere Renovierungsarbeiten, auf die ein Ziegelstein hinweist.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Region entdecken - www.region-erleben.de
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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