Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Ev.-luth. St. Martinskirche

Die St. Martinskirche ist die älteste Kirche Lindens, wobei nur der Kirchturm den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden hat. Laut Urkunden ist 1285 das Pfarramt errichtet worden. Es ist wahrscheinlich, das schon vor diesem Zeitpunkt eine kleine Kapelle vorhanden war. Ab 1328 stand die Kirche unter dem Patronat des Klosters Marienwerder. In einer Urkunde von 1333 wurde die feierliche Begehung des Martinstages angeordnet. Diese Erwähnung des Heiligen Martin wurde zum Auslöser für die Namensgebung. Das älteste Kirchensiegel zeigt dagegen den hl. Petrus, die größte Glocke Petrus und Paulus.

Ab 1728 ersetzte eine neue Kirche den ersten Kirchenbau. Die alte Lindener Kirche, die der gesamten Gemeinde ein halbes Jahrtausend gedient hatte, wurde wegen Baufälligkeit und Enge abgerissen, und danach durch einen barocken Saalbau ersetzt. Aus dem alten Kirchengebäude wurden nur der Taufstein von 1647, zwei Ölgemälde sowie die beiden Glocken übernommen.

St. Martinskirche

Der letzte Gemeindevorsteher des Dorfes Linden und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Heinrich Niemeyer (1818-1890) war 1851 einer der Vorsteher der St. Martins Kirchengemeinde. Nach Heinrich Niemeyer wurde 1874 die Niemeyerstraße in Linden-Mitte benannt.

Im Stil der von ihm begründeten Hannoverschen Schule begann der Baumeister Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) im Herbst 1853 den neogotischen Turmaufsatz für die Kirche, den unter anderem Johann Georg Heinrich Egestorff (1802-1868) finanzierte umzubauen. Der Sockel darunter wurde nur ausgebessert, die Galerie am Aufsatz ist von einem Eisengitter umgeben. Am 27. Juli 1854 wurde der Turmaufsatz eingeweiht.

Die St. Martinskirche wurde in der Nacht zum 22. September 1943 bei einem Luftangriff durch eine Luftmine zerstört, nur der Kirchturm blieb dabei unbeschädigt. Von dem ehemaligen Dorffriedhof um die Kirche sind nur noch die beiden Gräber von Johann Hinrich Egestorff (1772-1834) sowie von Johann Georg Heinrich Egestorff erhalten. Der heutige Neubau des Kirchen-Langhauses wurde 1953 unter der Leitung des Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994) begonnen und 1957 fertiggestellt.

Die Martinskirche | 08.08.1941

Ev.-luth. Hoffnungskirche in Westrhauderfehn

Kopie des St. Martinskirchturms

In Westrhauderfehn (Ostfriesland Landkreis Leer/Niedersachsen) steht eine Kopie des Lindener St. Martinskirchturms. Die Ev.-luth. Hoffnungskirche in Westrhauderfehn wurde 1848 eingeweiht, allerdings hatte sie zunächst noch keinen Turm. Dieser wurde erst 1886 fertig gestellt, mit seinen 52 m ist der Westrhauderfehn-Kirchturm, der höchste Kirchturm in Ostfriesland.

Pastor Ernst August Hermann Wilhelm Nolte (1805-1872)

Ernst August Hermann Wilhelm Nolte wurde am 26. September 1805 in Parensen (Ortsteil des Fleckens Nörten-Hardenberg im Landkreis Northeim in Niedersachsen) geboren. Nachdem er als Hilfsgeistlicher in Pöhlde, in Herzberg am Harz, bei seinem Vater, dem Pastor Johann Friedrich Nolte, gearbeitet hatte, trat er dort dessen Nachfolge an. 1859 wurde er dann Pastor an der St. Martinskirche in Linden und blieb dort bis zu seinem Tode 1872 als Pastor tätig. Er sorgte für die Einrichtung einer Diakonissenstation in Linden und war Mitbegründer einer Warteschule für Kinder. Am 9. November 1872 starb Ernst August Hermann Wilhelm Nolte im Alter von 67 Jahren in Linden. 1903 wurde die Noltestraße in Linden-Nord nach dem Pastor benannt.

Gertrud-Marien-Heim

Das Gertrud-Marien-Heim wurde von 1910 bis 1911 an der Badenstedter Straße 37., in Linden-Mitte nach Plänen des hannoverschen Architekten und Fürstlich Lippischen Hofbaurats Wilhelm Mackensen (1869-1955) errichtet. Das Vereinshaus für den "Evangelischen Arbeiterinnenverein", diente als Abendheim, als Ersatz für das 1898/99 in Linden gegründete "Abendheim für Fabrikarbeiterinnen zu Linden". Später kam noch eine Diakoniestation hinzu. Die St. Martinsgemeinde unterstütze die Kinderbetreuung. Der Name Gertrud-Marien-Heim geht auf die beiden Gründerinnen Gertrude Kühnemann und Marie Körting zurück. Der Verein nahm junge, vom Land kommende, alleinstehende Fabrikarbeiterinnen und Mütter mit ihren Kindern auf, um ihnen die christlichen Werte zu vermitteln. Im 1. Stock befanden sich die Vereinsräume für gemeinsame Mahlzeiten, Näh- und Kochkurse, sowie die Bibelarbeit. Im Erdgeschoss wurden in einer Warteschule rund 100 Kinder betreut.

Den Ersten Weltkrieg überstand der Verein gut. Ab 1920 übernahm die St. Martins Kirchengemeinde, die Mitträgerschaft für das Heim und den Verein. Die Weltwirtschaftskrise überstand der Verein leider nicht. Das Gebäude wurde deshalb der St. Martins Kirchengemeinde geschenkt. Die anderen Kinderbetreuungseinrichtungen in Linden wurden aus Geldmangel geschlossen. Die Gemeinde führte den Kinderhort jedoch weiter. Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb die Einrichtung, im Gegensatz zu vielen anderen Kindergärten und Schulen in Linden, von Verstaatlichungsbemühungen der Nationalsozialisten verschont. Nach Kriegsende setzte der Kindergarten im zum Großteil zerstörten Gertrud-Marien-Heim, in Trägerschaft der St. Martins Gemeinde seine Arbeit fort.

Am 28. November 1946 zog das Johann Strauß-Theater in den provisorischen Gemeindesaal der St. Martins Kirchengemeinde, im Gertrud-Marien-Heim ein und führte dort Operetten auf.

Am 8. September 1946 trat hier, im Rahmen einer Tournee, erstmalig Heinz Erhardt (1909-1979) in Hannover auf. Am 30. Juli 1948 lief der Pachtvertrag mit dem Gertrud-Marien-Heim aus. Es wurde aber noch bis zum 31. März 1949 weiter gespielt.

Arbeiterinnenheim und Kinderhort, Linden

Ev.-luth. Erlöserkirche (ehemals Zionskirche)

Die Gemeinde wurde als Tochtergemeinde der St. Martins Kirchengemeinde für Linden-Süd gegründet. Das Baugrundstück wurde 1866 an der Charlottenstraße neben dem "Klemmeschen Grundstück" von König Georg V. (1819-1878) der Gemeinde geschenkt. Man begann aber erst 1878 mit dem Bau der dreischiffigen, neugotischen Hallenkirche, nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase (1818-1902). An der Grundsteinlegung, am 31. Oktober 1878 nahmen mehr als 1000 Lindener teil.

Unter der Bezeichnung "Zionskirche" wurde die Kirche 1880 mit ihren 800 Sitzplätzen eingeweiht. Als Gemeindepfarrer wurde Gustav Heinrich Karl Tovote (1843-1919), er war seit 1874 mit Louise Henriette Emilie Tovote (1850-1934), geb. Westphalen verheiratet, eingestellt. Er blieb drei Jahre in der Gemeinde.

Die Kirchenorgel wurde 1881 von der Orgelbaufirma Philipp Furtwängler & Söhne gebaut, 1927 grundlegend umgebaut und 1979 wurde die Orgel erneuert. Erst durch Spenden des neu gegründeten "Turmbauvereins" wurde 1882 der imposante Kirchturm vollendet. Das Pfarrhaus wurde 1893 fertiggestellt und wurde 1980 infolge von Verkehrsplanungen abgetragen.

Pfarrer Heinrich Adolph Otto Armknecht (1853-1908)

Nachdem der erste Pfarrer die Gemeinde verlassen hatte, folgte ihm 1883 Heinrich Adolph Otto Armknecht (1853-1908), der sich in 25 Amtsjahren als "Armenpfarrer von Linden" einen Namen machte. Er verfasste zahlreiche sehr kurze Andachten in volkstümlicher Sprache, die später von seiner Witwe aus seinem Nachlass ausgewählt wurden und zu gebundenen Predigtsammlungen zusammengefasst, veröffentlicht wurden.

Heinrich Adolph Otto Armknecht starb 1908 in Linden und wurde auf dem Stadtfriedhof Ricklingen bestattet. Er erhielt das erste Ehrengrab der Stadt Hannover auf dem Stadtfriedhof.

Zions-Kirche u. Pfarre | 08.03.1912

Letzte Predigt des Pastors Otto Armknecht
in der Zionskirche zu Linden - vom 18.10.1908

Der Unternehmer Fritz Ahrberg (1866-1959) spendete 1921 zusammen mit der Familie Laporte die Kirchenglocken für die Zionskirche. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spendete er, da die Glocken nach Kriegdeinwirkungen ersetzt werden müssten.

Durch die Nationalsozialisten erfolgte 1943 die Umbenennung in Erlöserkirche. Während der Luftangriffe auf Hannover, blieb das Kirchengebäude von größeren Schäden verschont. Nur das Kirchendach wurde abgedeckt und Fensterscheiben beschädigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten britische Besatzungssoldaten in der Kirche ihre Militärgottesdienste ab. Einem Antrag des Kirchenvorstandes auf Rückbenennung der Erlöserkirche in Zionskirche vom 31. Januar 1950 beim Landeskirchenamt in Hannover wurde nicht entsprochen. So ist der Name Erlöserkirche bis heute geblieben.

Die Erlöserkirche gehört heute zu den am besten erhaltenen Kirchenbauten der Landeshauptstadt Hannover. Insbesondere ist die originale Innenausstattung (Kanzel aus Eichenholz mit Evangelistenbildern des Malers und Innenarchitekten Hermann Schaper (1853-1911), neugotischer Altar aus Sollinger Sandstein) weitgehend erhalten. So wurde, im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Kirchenbauten Hannovers, der ursprüngliche historische Raumeindruck nicht durch moderne Einbauten zerstört. Bei einer Renovierung des Chorraumes wurden 1990 im Gewölbe Rankenornamente von 1881 und Malereien von 1901 freigelegt und restauriert. Seit 2002 trägt die Erlöserkirche den Titel "Gospelkirche". Die Kirchengemeinde pflegt ein kirchenmusikalisches Schwerpunktprogramm mit regelmäßigen Gospel-Gottesdiensten. 2011 wurde die mechanische Kirchturmuhr durch ein elektronisches Uhrwerk ersetzt. Das historische Uhrwerk steht seitdem in der Kirche.

Kath. St. Godehard-Kirche (St. Godehardikirche)

Vom Bistum Hildesheim in Niedersachsen wurde 1872 festgelegt, dass in Linden eine katholische Kirche gebaut werden sollte. Durch den im selben Jahr gegründeten St. Bonifatius-Verein wurde der Bau der katholischen St. Godehardi-Kirche an der Posthornstraße ermöglicht. Die Familie von Alten überlies der Diözese Hildesheim einen Morgen Land ihres Von-Alten-Gartens für den Bau der Kirche. Als ausführender Architekt wurde ein Schüler Conrad Wilhelm Hases namens Christoph Hehl (1847-1911) beauftragt. Er baute eine Kopie, einer schon in Neuss am Rhein/Nordrhein-Westfalen stehenden Kirche nach. Nach nur zwei Jahren waren die Baumaßnahmen abgeschlossen, und die Kirche konnte am 4. Oktober 1874 eingeweiht werden.

Kaplan Ignaz Dietrich (1841-1881)

Erster Pfarrer wurde der Kaplan, der katholischen Hauptkirche St. Clemens in der Calenberger-Neustadt, Kaplan Ignaz Diedrich (1841-1881). Er wurde schon am 17. Juni 1873 angewiesen nach Linden zu ziehen und dort den katholischen Gottesdienst in einem Gasthaus zu leiten, und gilt somit als Begründer der katholischen Gemeinde in Linden. Kaplan Ignaz Diedrich starb mit nur 40 Jahren 1881 in Linden. Sein Grab, auf dem Lindener Bergfriedhof ist noch vorhanden und wird von der St. Godehard Gemeinde gepflegt. Die 1874 angelegte Kaplanstraße wurde nach ihm benannt.

Ab jetzt hatte Linden eine katholische Kirche. Benannt zu Ehren des heiligen Bischofs von Hildesheim - Godehard von Hildesheim (960-1038) - in St. Godehard-Kirche. In der Kaplanstraße 26 wird 1878 die Volksschule Kaplanstraße (katholische Godehardischule) eröffnet und 1887 wird die katholische öffentliche Bücherei im Gemeindehaus als Borromäus-Bibliothek in der Posthornstraße, zu der damals rund 4000 Katholiken gehörten, gegründet. Die St.-Godehard-Gemeinde war noch eine Filialgemeinde von St. Clemens in der Calenberger-Neustadt, und wurde am 13. März 1891 selbstständig. Seit 1893 gab es das St. Godehardstift am Allerweg 7-9. Heute befindet sich hier der Treffpunkt Allerweg, seit 1977 im Besitz der Stadt Hannover ist.

Gruss aus Linden St. Godehardikirche | 28.07.1902

Das neue Kathol. Arbeitervereinshaus | 29.12.1915

Katholischer Arbeiterverein - "Katholischer Bahnhof"

In der St.-Godehard-Gemeinde wurde am 29. Januar 1879 der Katholische Arbeiterverein gegründet. Dieser entwickelte sich aus einem Gesangsverein und wurde unter dem Namen St.-Godehards-Verein ins Leben gerufen. Der Verein erbaute 1904 das neue Katholische Arbeitervereinshaus mit den "Konkordia-Sälen", im Volksmund "Katholischer Bahnhof" genannt, in der Konkordiastraße 14 b., im Hinterhof, in Linden-Mitte. Nach dem die St.-Godehard-Gemeinde das Gebäude nach dem Ersten Weltkrieg aufgab, wurde aus dem Katholischen Arbeitervereinshaus die Gaststätte "Konkordia" mit einer Kegelbahn.

In der Gaststätte mit großer Bühne, gründete Hans-Günther von Klöden (1907-1986) kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Hannoversche Schauspielschule. Sie fand bald ein neues Zuhause im Edelhof, in Hannover-Ricklingen. Die Schauspielschule, bei der namhafte spätere Schauspielstars in der Ausbildung waren, bespielte auch die Bühne der Kammerspiele Hannover, in der Kurt-Schumacher-Straße 10., in Hannover-Mitte, ehemals Mellini-Theater. 1946 wurde im "Katholischen Bahnhof" eine Konferenz zur Gründung der Einheitsgewerkschaft - Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) abgehalten.

St. Godehard-Stift (Allerweg 7-9.) | 1926

Krankensaal d. Inneren Station | 08.11.1928

Erster Weltkrieg | Zweiter Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Während des Ersten Weltkriegs wurde am 29. Juni 1917 die große Glocke der St.-Godehard-Kirche eingezogen. Die Glocke wurde dann zur Herstellung von Kriegsmaterial nach Hamburg gebracht und dort eingeschmolzen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde bei einem Bombenangriff am 8. Oktober 1943 das Kirchengebäude bis auf die Grundmauern zerstört, dabei fiel auch das Gemeindehaus mit der Bücherei den Bomben zum Opfer. Der Katholische Arbeiterverein und die Schule waren schon 1939 von den Nationalsozialisten verboten und aufgelöst worden. Nach dem Krieg begann sofort der Wiederaufbau. Die Kirchweihe und die Neugründung der "Katholischen Arbeiterbewegung" in Linden fanden am 13. August 1950 statt. Die Karnevalsgesellschaft "Blau-Weiß Linden" von 1965 e.V., die "Lindener Narren", wurden 1965 in der St.-Godehard-Gemeinde gegründet und sind einer der populärsten Karnevalsvereine im norddeutschen Raum.

Die zweitälteste katholische Kirche in Hannover wurde bis August 2008 renoviert. Die Sanierungsarbeiten des Kircheninnenraumes beliefen sich auf 120.000,- €. Im November 2011 wurde das 125-jährige bestehen der Borromäus-Bibliothek gefeiert und am 4. Oktober 2014 das 140-jährige bestehen Pfarrkirche St. Godehard in Linden.

Ev.-luth. Bethlehemkirche

Am Kötnerholzweg wurde 1892 ein Stück Bauland, der heutige "Schmuckplatz" bereitgestellt und am 23. August 1899 auf Antrag des Pastors Crusius (St. Martinskirche) beschlossen, das die neue Kirche den Namen Ev.-luth. Bethlehemkirche bekommen soll. Bei der Bebauung der anliegenden Straßen stellte sich der Bauplatz als ungeeignet dar. Die Stadtplaner sahen deshalb vor: Am Ende der Noltestraße / Weckenstraße, (beide Straßen sind nach alten Lindener Pastoren benannt), mitten im sumpfigen Fössefeld, die Bethlehemkirche zu bauen. Vor der Kirche sollten fünf Straßen sternförmig in einen vorgesehenen runden Platz einmünden. Die Kirche sollte zentral im Mittelpunkt der Gemeinde stehen. Der Lindener Magistrat stellte deshalb 30.000,- Mark zur Gestaltung der Westfassade mit den drei kupferbedeckten Türmen zur Verfügung.

Die Noltestraße wurde 1903 nach Pastor Ernst August Hermann Wilhelm Nolte (1805-1872) und die Weckenstraße 1904 nach Pastor Ernst Franz Wilhelm Eduard Wecken (1836-1907), in Linden-Nord benannt. Pastor Wecken war auch Vorstandsmitglied der vor 1905 gegründeten Georg-Egestorff-Stiftung.

Bethlehemskirche | 15.07.1929

Bethlehemstraße | 07.04.1916

Nachdem die Gemeinde bereits am 7. November 1899 ein Antrag auf Überlassung des Bauplatzes gestellt hatte, wurde dieser von der Abteilung für direkte Steuern, der königlichen Regierung am 24. Januar 1901, der Gemeinde für 13.770,- Mark überlassen. Die Kosten wurden durch den Verkauf des ursprünglich zur Errichtung vorgesehenen Grundstückes bestritten. Im Winter 1902/03 begannen die Arbeiten für den Bau. Die Bauausführung wurde Professor Dr. Karl Mohrmann (1857-1927), Konsistorial-Baumeister und Rektor der Technischen Hochschule Hannover (heute: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover) übertragen. Die Entwürfe für die Ostfront des Bethlehemplatzes stammen vom Architekten Carl Arend (1870-1938). Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1903. Am 12. Mai 1904, am Himmelfahrtstag, wurde der Grundstein gelegt und am 11. November 1906 wurde die Bethlehemkirche mit rund 1000 Sitzplätzen eingeweiht. Die Baukosten betrugen laut Baukommission 300.000.- Mark, zzgl. 12.900.- Mark für die Bauleitung. Der Pfarrhof wurde 1914/15 errichtet, dieser schließt sich südlich an die Kirche an und gruppiert sich mit dem östlich gelagerten Gemeindehaus, dem südlich liegenden Pfarrhaus um einen Hof, der im Westen von einer Mauer geschlossen wurde. Das Grundstück wurde für 7.300,- Mark erworben.

Von 1938 bis 1945 wurde der Bethlehemplatz in Ernst-vom-Rath Platz umbenannt. Ernst Eduard vom Rath (1909-1938) war deutscher Diplomat und Botschaftssekretär in Paris/Frankreich. Das Attentat, das Herschel Grynszpan (1921-1942) aus Hannover, am 7. November 1938 auf ihn verübte, diente den Nationalsozialisten als Vorwand für die Novemberpogrome 1938.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nur gering beschädigt. Eine Schadensmeldung vom November 1943 gibt an, dass sämtliche Bleiverglasungen zerstört, das bronzebeschlagene Portal verbogen und fast alle Türen gerissen sind. Insgesamt erhielt die Kirche im Verlauf des Krieges acht Treffer von Brandbomben, die das Dach und ein Gewölbe durchschlugen, aber trotzdem nur geringe Schäden anrichteten.

Die Denkmalbehörden bescheinigen der Kirche eine architekturgeschichtliche Sonderstellung, sie war als erste Kirche der Region elektrifiziert und im Keller befindet sich eine Kegelbahn. Seit 2004 wurde die Bethlehemkirche nach und nach Restauriert. Geplant war die Restaurierung nach vier Bauabschnitten 2013 abgeschlossen zu haben. Im Juni 2009 wurden weitere 400.000,- Euro für die Restaurierung bewilligt.

Nach der Fusion der Ev.-luth. Bethlehemkirchengemeinde mit der Ev.-luth. Gerhard-Uhlhorn-Gemeinde nennt sich die Kirchengemeinde seit dem 1. Januar 2009 Ev.-luth. Kirchengemeinde Linden-Nord in Hannover. Das rund 90 Jahre alte Gemeindehaus der Gerhard-Uhlhorn-Gemeinde wurde zu einem Wohn- und Gemeinschaftshaus umgebaut.

Kirchweihe (11. November 1906) | 22.11.1906

Kath. St. Benno-Kirche

Die katholische St. Benno-Kirche wurde in den Jahren 1901/02 an der heutigen Offensteinstraße in Linden-Nord errichtet und am 28. Oktober 1906 durch den Bischof und späteren Kardinal von Hildesheim Adolf Johannes Bertram (1859-1945) geweiht. Die Offensteinstraße ist nach dem Theologen und Politiker der Deutschen Zentrumspartei (DZP) Wilhelm Offenstein (1889-1964) benannt. Wilhelm Offenstein war von 1928 bis 1936 Pfarrer in St. Benno.

Als Architekt wurde ebenfalls Christoph Hehl beauftragt. Die Kirche wurde als dreischiffige Gewölbebasilika in frühgotischer Form entworfen. Auffällig ist die statt eines Turms aufgeführte Ostfassade, mit Eingangshalle, die die Formen von Westwerk und Dachreiter vereinigt.

Da der katholische Bevölkerungsteil der Stadt Linden seinen kirchlichen Mittelpunkt in der Pfarrei St. Benno (St. Benno-Kirche) hatte, wurde, um das Gemeindeleben intensiver zu gestalten, bald der Wunsch laut, eine Schwesternstation mit Altersheim, Kinderbewahrschule und eine Nähstube einzurichten. Die Ausführung des Planes übernehmen die Schwestern des hl. Vincenz von Paul. Ihr Mutterhaus im Bistum Hildesheim, in Niedersachsen, erwirbt neben der neuen Kirche ein Grundstück, dessen Bebauung im März 1903 beginnt. Schon 1904 ist das Gebäude fertig und bekommt den Namen St. Josephstift.

St. Bennokirche und Schule | 30.06.1938

Eine Konfessionsschule (katholische Bürgerschule) wurde 1908 in der St. Benno Pfarrei eingerichtet. Für die während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 gefallenen Gemeindemitglieder wurde ein Ehrenaltar errichtet. Fortan wurde jedes Jahr in einer Andachtsfeier der Gefallenen gedacht.

Zur Erinnerung an die Haus u. Kapellenmission in der St. Bennogemeinde Hannover-Linden vom 23. April bis 5. Juli 1925

St. Benno-Kirche, Hannover-Linden

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das linke Seitenschiff am 18. Oktober 1943 durch einen Bombentreffer zerstört und am 17. März 1945 die Kirche und das Pfarrhaus erneut beschädigt. Noch während des Krieges wurden die Schäden notdürftig behoben. Im Sommer 1951 begann eine weitgehend originalgetreue Wiederherstellung des Kirchegebäudes, die am 26. Oktober 1952 beendet wurde.

Im September 2010 wurden die Gemeinden Christkönig in Badenstedt, Maria Trost in Ahlem, St. Benno in Linden-Nord und St. Godehard in Linden-Mitte/Süd zu einer Großgemeinde fusioniert mit über 10.000 Gemeindemitgliedern.

Der Pfarrer Wilhelm Offenstein (1889-1964)

Der Pfarrer Wilhelm Offenstein wurde am 2. Juli 1889 in Linden geboren. Während der Zeit der Weimarer Republik begann er sich verstärkt politisch zu betätigten. Als Forum diente ihm dabei die katholisch geprägte Deutsche Zentrumspartei (DZP). 1928 wechselte er auf Wunsch seiner Bistumsleitung als Pfarrer für die Industriearbeitergemeinde St. Benno nach Linden, wo sein besonderes Interesse der Bildungs- und sozialkaritativen Arbeit galt. Er war von 1928 bis 1936 Gemeindepfarrer in St. Benno.

Mit der Reichstagswahl vom 14. September 1930 zog Wilhelm Offenstein als Kandidat der Deutschen Zentrumspartei (DZP) für den Wahlkreis 16 (Südhannover-Braunschweig) für knapp drei Jahre in den Reichstag ein. Nachdem sein Mandat bei den folgenden drei Reichstagswahlen bestätigt wurde, gehörte er dem Reichstag drei Jahre lang bis 1933 an. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung geriet Wilhelm Offenstein aufgrund seiner früheren Tätigkeit in der Deutschen Zentrumspartei (DZP), sowie aufgrund der anonymen Diffamierung jüdischer Abstammung zu sein, in die Schusslinie der Nazis. Er galt als entschiedener Hitler-Gegner, was auch aus seinen Predigten deutlich herauszuhören gewesen sein soll. In den Jahren bis 1945 sah er sich anhaltender Gängelungen und Schikanen ausgesetzt. Seine Ernennung zum Regens des Priesterseminars 1935 wurde infolgedessen von staatlicher Seite verhindert. Als Nachfolger des wegen angeblicher Devisenvergehen verhafteten Otto Seelmeyers (1877-1942) wurde Wilhelm Offenstein vom Bischof Joseph Machens (1886-1956) am 14. März 1936 zum Generalvikar der Diasporadiözese Hildesheim ernannt. Im selben Jahr wurde er außerdem zum Domvikar in Hildesheim berufen.

In Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1942 mit dem Titel eines Ehrendomherren bedacht und von Papst Pius XII. (1876-1958) zum päpstlichen Hausprälaten ernannt – die Ernennung zum Domkapitular war zuvor, 1940, von der deutschen Regierung verhindert worden. Wilhelm Offenstein wurde für seine Lebensleistung unter anderem mit der Medaille des Landes Niedersachsen und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach seinem Tod am 26. Februar 1964 wurde er auf dem St. Annen-Friedhof am Dom zu Hildesheim beigesetzt. Die Offensteinstraße wurde nach ihm benannt.

Der Pfarrer Otto Bank (1900-1983)

Otto Bank wurde am 22. August 1900 in Achtum bei Hildesheim geboren. Er war von September 1943 bis 1968 Pfarrer in der katholischen St. Benno Kirchengemeinde. Otto Bank wurde am 17. März 1938 in seiner damaligen Gemeinde St. Godehard in Hildesheim aufgrund einer Denunziation von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) Hildesheim verhaftet. Danach wurde er in das Gerichtsgefängnis Hildesheim, wo er bis Oktober 1938 in Untersuchungshaft blieb gebracht. Nach weiterer U-Haft im Polizeigefängnis Hannover verurteilt ihn das Sondergericht Hannover im Sommer 1939 wegen Vergehens gegen das sog. Heimtückegesetz, da er sich gegen den Anschluss Österreichs geäußert hatte, zu einer einjährigen Gefängnisstrafe. Die Haft verbüßte Otto Bank im Gerichtsgefängnis Hannover. Nach seiner Haftentlassung im September 1940 setzte sich die Gestapoüberwachung gegen ihn über mehrere Jahre mit schikanösen Freiheitseinschränkungen fort.

Nach dem Krieg baute Otto Bank unter Aufsicht der Britischen Militärregierung eine Caritas-Hilfs-Organisation auf und integriert freie Wohlfahrtsverbände. Als Unitas-Mitglied gelang es ihm finanzielle Hilfen, aber auch Unterkünfte und freie Verpflegung in seiner Gemeinde zu organisieren. Im Februar 1947 wird ihm das Bundesverdienstkreuzes II. Klasse verliehen. Am 15. Januar 1959 wird er zum ersten Dechanten des neu errichteten Dekanates Hannover-Linden ernannt, das er ab Februar 1959 leitet. Am 30. September 1968 verlässt Dechant Otto Bank die St. Bennogemeinde und geht in den Ruhestand. Am 12. Oktober 1983 stirbt Otto Bank. Er wird in Wesseln bei Bad Salzdetfurth beigesetzt.

Mehr über Otto Bank: Dem Nationalsozialismus widerstanden - von Heide Kramer

Ev.-luth. Gerhard-Uhlhorn-Kirche

Der Kirchenbau wurde nach dem ev.-luth. Theologen, Abt von Loccum und Oberkonsistorialrat Johann Gerhard Wilhelm Uhlhorn (1826-1901) benannt. Die vom Architekten Reinhard Riemerschmid (1914-1996) entworfene Kirche wurde 1963 fertiggestellt. Bis dahin feierte die 1955 entstandene Kirchengemeinde ihre Gottesdienste im Bootshaus der Rudergesellschaft Hannover-Linden von 1899 e. V. in der Salzmannstraße, in Linden-Nord.

Der Kirchebau ist ein typischer Bau der 1960er-Jahre mit durchbrochenen Strukturbetonwänden und einem steilen, offenen Walmdach mit Kupferbedeckung. Der Glockenturm ist frei stehend und schlank gehalten. Die vier zur Krone vereinten Kreuze symbolisieren eine Kornähre. Der Bau am Leine-Ufer gelegen, ist ein städtebauliches Denkmal. Der Innenraum der Kirche ist klar gegliedert und kommt ohne Stützen aus; so erschließt sich der Sakralraum in voller Größe. Bauausführende Firmen waren unter anderem die Beton- und Monierbau AG aus Hannover, das Lehrgerüst wurde von der Schmiedag AG aus Hagen in Westf. geliefert. Die vorgefertigten Rahmenbinder für das Kirchenschiff wurden mithilfe des Lehrgerüstes erstellt

Bootshaus der Rudergesellschaft Hannover-Linden
von 1899 e.V. (Salzmannstraße) | 28.05.1926

Neubau der Gerhard-Uhlhorn-Kirche, Hannover-Linden

Seit 2009 ist die Gerhard-Uhlhorn Kirchengemeinde mit der Kirchengemeinde der Bethlehemkirche fusioniert und bildet mit ihr die ev.-luth. Kirchengemeinde Linden-Nord. Seit Ostern 2012 fand der Gottesdienst nur noch in der Bethlehemkirche statt, wo sich auch das Gemeindebüro befindet. Am 18. November 2012 wurde das Gotteshaus entwidmet und danach verkauft.

Weitere Lindener Gemeinden

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Linden

Die Anfänge der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Linden (Baptistengemeinde Linden) reichen bis in das Jahr 1880 zurück. Am 1. August 1897 fassten die Mitglieder der Gemeinde Linden schließlich den Entschluss, eine selbständige Gemeinde im Bund der Baptistengemeinden Deutschlands zu werden. Die eigentliche Gemeindegründung erfolgte am 24. Oktober 1897.

Die Lindener Synagoge

Bis 1892 trafen sich die Lindener Juden in der Hohe Straße 14 a. Dort gab es einen Saal der ihnen als Synagoge diente. Die Vereinigung mit der Synagogengemeinde Hannover erfolgte nach einjähriger Vorbereitung. Am 30. April 1892 wurde mit der Übergabe der Thorarollen an die Gemeinde in Hannover der Zusammenschluß vollzogen. Nach einem Umbau wurde der Saal am 22. Mai 1892 durch die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Linden übernommen und eingeweiht. Auf dem Grundstück in der Hohe Straße steht das heutige Gemeindehaus der Baptistengemeinde Linden.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
100 Jahre Erlöserkirche Hannover-Linden. Zionskirche zu Linden 1880-1980
Diakonie und Diakonisse: Beiträge zur Rolle der Frauen in kirchlicher sozialer Arbeit | Christine Stichternath | Blumhardt Verlag | 1995
Form und Stil. Neuromanik in Hannover und ihre mittelalterlichen Vorbilder | Stefanie Lieb und Dr. Stefan Amt | Wissenschaftliche Buchgesellschaft | 2001
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II. | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nach dem Krieg war immer Theater | Horst Deuker | Projekt - www.lebensraum-linden.de | 2010
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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