Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010
Der Lindener Marktplatz
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© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010

Die Geschichte des Lindener Marktplatz

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Archiv - Lindener Marktplatz | Neues Rathaus

Der Lindener Marktplatz ist das lebendige Herz der ehemaligen Stadt Linden.

Die Lindener fühlten sich schon lange vor dem Jahr 1885 als Städter und nicht unbedingt als Dorfbewohner, hatte der Ort Linden zwischen dem Lindener Berg und dem Fluss Ihme gelegen, doch stets seinen eigenen Charakter, der sich zuweilen doch deutlich von den Bauerndörfern in seiner Umgebung abhob. Das Dorf hatte zwar pünktlich zur Stadterhebung am 1. April 1885 ein Rathaus an der Ricklinger- Ecke Deisterstraße erhalten, so fehlte aber der Stadt Linden doch ein richtiger Mittelpunkt, eben ein Marktplatz. Ein Jahrzehnt später legte man den „Marktplatz" (Abb. 1), zu dieser Zeit hieß der „Lindener Marktplatz" nur „Marktplatz" zwischen Falken- und Davenstedter Straße, allerdings gegen den größten Widerstand der dort ansässigen Bauern an. Die Anlage war im dicht bebauten Kern des alten Dorfes geplant. Nur durch ein Enteignungsverfahren gelang es den Bebauungsplan durchzuführen. Große Teile des Dorfes wurden abgerissen und damit veränderte sich das Bild Lindens stark.

   

         Marktplatz | 31.12.1899 (Abb. 1)                                Neues Rathaus | 31.12.1912 (Abb. 2)

Da das Rathaus in der Ricklinger Straße zu klein geworden war, Linden hatte nun schon fast 50.000 Einwohner schrieb der Lindener Magistrat 1896 einen Wettbewerb für ein „neues Rathaus" (Abb. 2) aus. Dieses neue Rathaus sollte ein echter Mittelpunkt Lindens am neuen Marktplatz werden. Bis zum 31. Oktober 1896 lagen 35 Entwürfe für das neue neogotische Rathaus vor. Da man sich nicht zu einem ersten Preis entschließen konnte, vergab man zwei zweite Preise an Emil Seydel aus Halle an der Saale und Emil Lorenz aus Hannover. Emil Seydel entwarf die Pläne, da man der Meinung war, dass Seydels Entwurf den Charakter des „Norddeutschen Rathauses" am besten zum Ausdruck bringe. Der Architekt Emil Seydel starb mit 27 Jahren am 18. Mai 1898 an einem Gehirnschlag. Das Lindener Stadtbauamt unter der Leitung des Stadtbaumeisters Georg Fröhlich (1853-1927) führte bis 1899 für 495.000.00 Mark den Neubau aus.

An der Ecke Niemeyer- und Posthornstraße stand das prunkvolle „kaiserliche Reichspostamt", (Abb. 3), das große Backsteingebäude wurde ebenfalls in der Zeit von 1897 bis 1898 erbaut. Den ersten Entwurf für das Postamt in Linden lehnte Kaiser Wilhelm II (1859-1941) mit der Begründung ab: Die Front des Gebäudes sieht ihm nicht gotisch genug aus und sticht ab gegen den schön, streng gehaltenen Giebel. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und später abgebrochen. Heute steht dort das Postgebäude der Deutschen Post aus dem Jahr 1962.

   

                  Postamt | 26.08.1918 (Abb. 3)                      Hannah Arendts Geburtshaus | 09.05.1917 (Abb. 4)

Die meisten Häuser am Lindener Marktplatz sind Backsteinbauten aus den Jahren um 1900. Im Eckhaus Lindener Marktplatz 2 (Abb. 4) wurde am 14. Oktober 1906 die jüdische Schriftstellerin Hannah Arendt geboren. Eine Hinweistafel erinnert dort an die berühmte Lindenerin. 1933 musste Hannah Arendt vor den Nationalsozialisten über Frankreich nach New York in die USA flüchten, seit 1937 war sie staatenlos und bekam erst 1951 die Staatsbürgerschaft der USA. Hannah Arendt war unter anderem als Historikerin, Journalistin und Hochschullehrerin tätig, außerdem veröffentlichte sie wichtige Beiträge zur politischen Philosophie. Gleichwohl lehnte sie es stets ab, als eine „Philosophin” bezeichnet zu werden; auch der Begriff „politische Philosophie” gefiel ihr nicht, sie bevorzugte „politische Theorie“. Hannah Arendt starb am 4. Dezember 1975 in New York, USA.

An der Nordspitze, Davenstedter Straße 4 befindet sich noch die Villa des Senators Heinrich Stephanus aus dem Jahre 1863, nach dem Fabrikant und Senator Stephanus wurde, auch die Stephanusstraße, gleich nebenan benannt.

Der erste regelmäßige Wochenmarkt in Linden fand am 18. August 1883 neben dem alten „Alten Rathaus" (Abb. 5) an der Ricklinger- Ecke Deisterstraße statt. Der heutige Wochenmarkt, der jeden Dienstag und Samstag in der Zeit von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr stattfindet, wird vom „Lindener Nachtwächter" (Abb. 6) bewacht, ausgestattet mit einer Hellebarde, Laterne und Signalhorn, zu seinen Füßen ein treuer Hund. Eigentlich sollte die Bronzestatue des Berliner Bildhauers Hans Dammann (1857-1942) auf dem Holzmarkt in der Altstadt Hannovers aufgestellt werden. Dort entschied man sich aber für ein anderes Modell. Der Lindener Magistrat erwarb auf Anraten des Senators Stephanus die Figur, mit Hilfe des Lindener Bürgerverein von 1883 und einer Spende des Senators in Höhe von 5000 RM konnte die Bronzestatue den Hannoveranern abgekauft werden.

   

        Altes Rathaus Ricklinger- Deisterstraße | 27.07.1917 (Abb. 5)                 Marktplatz| 23.01.1915 (Abb. 6)

Am 20. September 1896 wurde das Denkmal feierlich enthüllt. Zwei Jahre später, 1898 wurde die Laterne elektrisch beleuchtete und 1914 die Brunnenanlage nochmals um einige Meter in Richtung neues Rathaus verschoben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Statur des Nachtwächters eingezogen und sollte eingeschmolzen werden. 1949 kehrte die Figur jedoch unbeschadet aus Hamburg zurück und wurde am 25. Mai 1950, allerdings war der Sockel abhanden gekommen, ohne die Symbole der Nacht, wie Kater und Fledermaus auf einem Sockel aus rotbraunem Granit wieder aufgestellt.

In einem hannoverschen Stadtführer aus dem Jahr 1909 wird der Marktbrunnen wie folgt beschrieben: "In einem Becken aus grauem Granit erhebt sich eine gedrungene gotische Säule aus rotem Granit; auf dieser steht, den wachsamen Hund zu seinen Füßen, der Wächter der Stadt, breitbeinig und hochgereckt, ein Urbild selbstbewussten, auf sich selbst gestellten Bürgertums, in der Rechten das Horn zum hineinblasen ansetzend, die Linke erhoben, den Spieß und die Laterne haltend. Als Wasserspeier sind an dem Säulensockel vier den Buckel krümmende Katzen und vier Fledermäuse angebracht."

Am 1. April 1910 feierte die Lindener Bürgerschaft auf dem Marktplatz „25 Jahre Stadt Linden" (Abb. 7) nur zehn Jahre später am 1. Januar 1920 ist Linden ein Stadtteil von Hannover. Ein im Lindener Rat einstimmig angenommener Eingemeindungsbeschluss erhielt in Hannover eine knappe Mehrheit, so war es vorbei mit der Selbstständigkeit.

    

   Altes Rathaus 1885 1 April 1910 Neues Rathaus           Pestalozzi Schule | Grundschule am Lindener Markt
      25 Jahre Stadt Linden | 03.04.1910 (Abb. 7)                   (Abb. 8) © Jürgen Wessel | Hannover-Linden 

Zum Lindener Marktplatz gehören natürlich auch die „Eleonorenschule", in der sich heute das ELO18 Dienstleistungs- und Gewerbezentrum befindet, sowie die „Pestalozzi Schule" heute Grundschule am Lindener Marktplatz. (Abb. 8)

Die ehemalige Eleonorenschule steht nur 50 Meter vom Lindener Markt entfernt in der Eleonorenstraße 18. Das sehr schöne Backsteingebäude wurde 1883 vom Maurermeister Heinrich Köhler entworfen und hatte als Volksschule 14 Klassen, bis zum Sommer 2002 wurde in dem Gebäude noch unterrichtet. Die Pestalozzi Schule (heute: Grundschule am Lindener Markt) liegt auch nur etwa 50 Meter vom Marktplatz entfernt in der Davenstedter Straße 14. Das Backsteingebäude wurde 1884 von Fritz Knust mit 24 Klassen und einer Turnhalle errichtete. 2007 wurde die Schule komplett saniert. Außerdem gab es da noch die „Volksschule" an der Badenstedter Straße 14, später Friederikenschule (Abb. 9), heute Ihmeschule und das 1884 erbaute „Kaiserin Auguste-Viktoria Gymnasium" in der Falkenstraße 19 (Abb. 10), heute: Helene Lange Schule, Gymnasium.

   

            Volksschule - Badenstedter Straße (Abb. 9)     Kaiserin Auguste-Viktoria Gymnasium | 07.07.1901 (Abb. 10)

 

Auch die Zeit des Nationalsozialismus ging nicht spurlos an Linden und dem Lindener Marktplatz vorbei. Obwohl sich das „Rote Linden" immer gegen die Nazipropaganda gewehrt hatte wurde am 24. März 1936 um 20.00 Uhr auf dem Marktplatz, auf einer rund 100 qm großen Leinwand der Propagandafilm FRIESENNOT (Regie: Peter Hagen/1935) gezeigt.

Die Lindener Bevölkerung war zu diesem "ungewöhnlichen" Ereignis eingeladen worden. Damit "alle Volksgenossen der kostenlosen Vorführung beiwohnen" konnten, wurde sie um 22.00 Uhr wiederholt. Wie viele Lindener dieser Einladung gefolgt sind, lässt sich nur schwer recherchieren, weshalb über die Massenwirksamkeit bei den Lindenern nur spekuliert werden kann. Da aber der Großteil der Lindener, viele waren wie zum Beispiel Wilhelm Bluhm (1898-1942) Mitglied der Sozialistischen Front, die als eine der größten Widerstands- bewegungen des dritten Reiches gilt, den Nationalsozialismus ablehnte werden es wohl nicht viele gewesen sein.

Ab Oktober 1943 wurde auch Hannover bombardiert. Auch Linden und der Marktplatz blieben von Bomben nicht verschont. Es fielen aber bei weitem nicht so viele Bomben wie in der Innenstadt Hannovers, dadurch blieben die meisten Wohnhäuser am Marktplatz stehen.

Das Rathaus aber wurde stark beschädigt und erst 1955 zogen wieder Dienststellen der Verwaltung und die Stadtbibliothek Linden in das, in den Jahren 1954/55 wiederaufgebaute Rathaus mit seinem „modernen Marktflügel" ein (Abb. 11).

Am 10. April 1945 rückten die amerikanischen US-Truppen von Limmer kommend, über die Limmerstraße in Linden ein. Am Marktplatz wurde ein amerikanischer Militärposten eingerichtet.

Lindener Marktplatz ca. 1935

Lindener Marktplatz | 29.06.1965 (Abb. 11)

Jacobsstrasse | 22.07.1916 (Abb. 12)

Nicht weit vom Lindener Marktplatz entfernt, in der „Jacobstraße 10", (Abb. 12) befand sich das Büro von
Dr. Kurt Schumacher (1895-1952).

Der Sozialdemokrat Schumacher musste die meiste Zeit des Nationalsozialismus im KZ verbringen.

Am 16. März 1943 wird Dr. Kurt Schuhmacher als schwerkranker Mann nach Hannover entlassen, von hier aus beginnt Kurt Schumacher mit dem Wiederaufbau der neuen SPD für die Westzonen, er meldet die SPD wieder als Partei an und übernimmt schnell ihre Leitung.

Kurt Schuhmachers frühe Mitstreiter, Annemarie Renger (1919-2008) und Egon Franke (1913-1995), wurden später bundesweit einflussreiche Politiker.

Kneipen und Wirtshäuser gab und gibt es natürlich auch heute noch am Lindener Marktplatz.

Neben dem „Neuen Lindener Ratskeller" (Abb. 13 u. 14), heute „GIG", den wohl jedes Rathaus in Deutschland beherbergte befand sich an der Ecke Eleonoren- und Heesestraße unweit des Marktplatzes der Gasthof zur „Sonne" dieser Gasthof soll Lindens älteste Gaststätte gewesen sein, stand hier doch schon 1563 der „Dorfkrug" und auch die „Goldene Sonne" wird bereits 1833 erwähnt. Seit 1996 befindet sich an gleicher Stelle, wenn auch in einem Mehrfamilienhaus aus den 1950er Jahren das Wirtshaus „...und der böse Wolf". Eine andere Traditionsgaststätte hieß „Zum Holländer" Lindener Marktplatz 5 (allerdings damals noch unter Falkenstraße 59 Ecke Todtengang, da es den Lindener Marktplatz ja noch nicht gab), danach bis April 2006 „Centrum", dann „Bar Central" und nach einem Umbau heißt das Lokal nun wieder „Centrum", hier trafen sich schon lange vor dem bau des Neuen Rathauses bei einem gewissen Herrn Gustav Probst (bereits 1866 erwähnt) die niederländischen Flussschiffer, die regelmäßig am Ihme-Ufer ihre Schiffe festmachten. Nach Gustav Probst kam der Gastwirt Rabe und nach Wirt Rabe war 45 Jahre lang der Lindener Gastwirt Heinrich Piepho hinter der Theke für das Bier zuständig.

      

       Gruss vom Lindener Ratskeller Inh. Henri Vodegel          Neuer Lindener Ratskeller | 20.08.1926 (Abb. 14)
                              21.04.1900 (Abb. 13)

Die bekannteste und letzte Holländerwirtin bei der sich dienstags und samstags auch die Marktleute mit den Lindenern zum Bier trafen war Hella Jacobsen. Frau Jacobsen hatte den Holländer 15 Jahre lang betrieben. In dem ehemaligen Vereinslokal der Freihand Schützengesellschaft Linden von 1906 e.V. gab es Hellas berühmte, hausgemachte Bratkartoffeln. Als sie bedingt durch Krankheit im Januar 1999 in den Ruhestand gehen musste, war man am Lindener Marktplatz sehr traurig. Danach ging's aber unter anderer Bewirtschaftung noch mal weiter. Bis dann doch für den Holländer endgültig Schluss war. In der Stephanus- straße 3 (Abb. 15) befindet sich seit über 50 Jahren, obwohl in keinem Telefonbuch zu finden, eine typische Kneipe für Linden. Das „Stephanus Stübchen", es hat sich in den vielen Jahren nicht verändert und doch, oder gerade deshalb immer seine Gäste gefunden. Am Lindener Marktplatz 2 ist auch seit vielen Jahren das Spanische Restaurant „El Mercado" Treffpunkt der Lindener.

      

      Stephanusstr. und Rathaus | 11.12.1910 (Abb. 15)                       Lindener Marktplatz | 30.07.1961

Am 25. September 1954 zogen 282 Mitglieder, zum 50-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft Linden e.V. von 1904 mit Fackeln durch unseren Stadtteil, anschließend fand unter sehr großer Anteilnahme der Lindener ein Großer Zapfenstreich auf dem Marktplatz statt. Im gleichen Jahr trafen sich die Vorsitzenden der Lindener Schützenvereine und beschlossen, in Zukunft den gemeinsamen Marsch der Lindener Schützenvereine, vom Marktplatz zum Neuen Rathaus in Hannover, um dort am alljährlichen Hannoverschen Schützenausmarsch teilzunehmen. Im Jahr 1957 wurde der „Marktplatz" in „Lindener Marktplatz" umbenannt, denn bis dahin hieß der Platz offiziell nur Marktplatz.

Wer hat etwas aus den 1960er Jahren zuberichten?

*** 1960

In den frühen 1970er Jahren war der wirtschaftliche Niedergang Lindens nicht zu übersehen, und auch die Geschäfte am Marktplatz spürten dies. Von 1971 bis 1976 entstand, gegen den Widerstand der Geschäftsleute vom Lindener Marktplatz und der Limmerstraße das „Ihme-Zentrum" (Abb. 16). Bereits in den späten 60er Jahren wurde mit den Planungen für das Ihme-Zentrum begonnen. 1972 fingen die Arbeiten auf Europas größter Baustelle an. Der riesige Gebäudekomplex (Abb. 17 u. 18) entstand auf dem Gelände der ehemaligen Mechanischen Weberei (Lindener Samt) und war mit zwei Kaufhäusern, ca. 50 Einzelhandelsgeschäften, vier Banken, 11 Gaststätten, einer Bowlingbahn, dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke AG, 800 Wohnungen, einem Studentenwohnheim und im unteren Parkdeck mit 2.300 Parkplätzen eine eigene Stadt im Stadtteil. Leben, arbeiten und einkaufen in einem zusammenhängenden Komplex war zu dieser Zeit groß in Mode, doch das hielt nicht lange an, Mitte der 1980er Jahre standen viele Geschäftsräume leer und das Ihme-Zentrum wurde zu einem Problemfall. Unter dem Namen Linden-Park sollte ab 2011 aus dem Ihme-Zentrum ein neues Einkaufszentrum auf zwei Ebenen werden.

      

     Hannover-Linden | Das Ihmezentrum (Abb. 16)                    Blick auf das Ihme-Zentrum (Abb. 17)

Das Projekt sollte im 3. Quartal 2009 fertiggestellt werden. Infolge der allgemeinen Krise an den Kapitalmärkten geriet der US-Investor, die Carlyle Group unter finanziellen Druck. Im Januar 2009 kam es zu einem Baustopp als Folge von Nichtbezahlung von Baufirmen. Aufgrund von Brandschutzmängeln wurde der größte Teil der Tiefgarage gesperrt. Am 23. Februar 2009 hat der Investor für seine am Umbau beteiligten Projektgesellschaften Insolvenz beantragt. Die Landesbank Berlin (LBB) als Co-Finanzierer ist weiterhin an einer Lösung interessiert. Sie hat zunächst einen Zwangsverwalter eingesetzt.

    

           Blick auf das Fernheizwerk und Teilansicht                            Moderne Wohnblocks in der Limmer-
                     des Ihme-Zentrums (Abb. 18)                                      Ecke Fortunastraße | 20.05.1983

Im Jahr 1973 beginnt die Sanierung Lindens. Als erstes wird Linden-Süd und danach, im Jahr 1976 auch Linden-Nord zum Sanierungsgebiet erklärt. Linden-Mitte mit seinem Lindener Marktplatz gehört nicht dazu. Es gibt am Marktplatz ja nur sehr wenig Arbeiterhäuser, und fast keine Bauten in städtischem Besitz, die es zusanieren gab.

Wer hat etwas aus den 1980er Jahren zuberichten?

Am 1. April 1985 jährt sich zum 100-mal die Verleihung der Stadtrechte an Linden. Ohne die Eingemeindung Lindens nach Hannover hätte es auf dem Marktplatz bestimmt eine große Party gegeben. Im Juli 1985 wurde das Rathaus renoviert.

Da Mitte der 1950er Jahre das Gebäude auf dem noch vorhandenen Sockel, im gleichen Grundriss wieder aufgebaut wurde und die Not der Nachkriegsjahre im Neubau an der Marktplatzseite besonders sichtbar sind, die Rasterarchitektur steht im krassen Gegensatz zu den alten Gebäudeteilen, bemühte man sich durch ornamentale Holzarbeiten an den erhaltenen großen Fenstern, das Rathaus optisch ein wenig aufzuwerten, um so etwas vom ursprünglichen neugotischen Charakter des alten Gebäudes zurück Zugewinnen.

Hannover-Linden | 07.06.1982

Der Verein Lebendiges Linden e.V. und zahlreiche Geschäftsleute aus Linden-Mitte veranstalteten 1993 auf dem Lindener Marktplatz einen Weihnachtsmarkt. Diese Veranstaltung von Lindenern für Lindener wurde auch im Dezember 1994 wiederholt. Nach der Eröffnung durch die ehemalige Bezirksbürgermeisterin Hiltrud Grote gab es neben Weihnachtsschmuck, Musik vom Posaunen-Chor der St. Martinskirche auch einige Gastronomiestände. Am 20 September 1996 ist die vom Berliner Bildhauer Hans Dammann (1857-1942) entworfene Bronzestatue des Lindener Nachtwächters auf dem Brunnen 100 Jahre alt.

Seit 1999 findet im September das Lindener Marktfest statt. Eine Interessengemeinschaft aus Bürgern, Geschäftsleuten, Vereinen, und Künstlern, überwiegend aus Linden-Mitte, präsentieren in Eigenregie ein großes Unterhaltungsprogramm mit Gastronomie, Musik und Attraktionen. Der Besuch des Marktfestes ist kostenlos.

Im Jahr 2000 wird die „Lindener Gilde Brauerei", ehemals Lindener Aktien-Brauerei (LAB), die bereits ab 1891 mit 80 Mitarbeitern 130 000 hl. Bier jährlich produzierte, nicht weit vom Lindener Markt, in der Blumenauer- und Stephanusstraße geschlossen und komplett abgerissen.

Email Schild der LAB - Lindener Flaschenbiere

Nach Jahren der Brache baut die Hannoversche Ostland Wohnungsbaugen. eG. das „Gilde Carre" mit Einfamilien- häusern, Geschosswohnungen für Betreutes Wohnen, zwei Büro- und Geschäftsgebäude und einem eigenen Kinderspiel- platz. 2003 ziehen die ersten Mieter und Hausbesitzer ins Gilde Carre ein. Im Frühjahr 2009 ist dann das Gilde Carre fertig.

Einen „Nachtwächter" ( Abb. 19) hat Linden nun schon mehr als 100 Jahre, nur verschwand eines Tages seine Laterne. Wann und wie die Laterne verschwand, ist nicht bekannt. Einen letzten Hinweis auf die Laterne ist einem Zeitungsartikel von 1956 zu entnehmen, in dem über ihre Zerstörung berichtet wird. Da aber nun ein Nachtwächter ohne seine Laterne kein richtiger Nachtwächter ist, hat der Lindener Bürgerverein von 1883 e.V., der bereits jährlich die Hälfte der Betriebskosten für den Brunnen übernimmt, eine neue Laterne gespendet.

Es gab da aber noch ein kleines Problem mit dem Strom- anschluss für die Glühbirne in der Laterne. Zwar gab es 1898, zwei Jahre nach Fertigstellung des Brunnens, schon eine beleuchtete Laterne, aber damals stand die Figur noch auf ihrem Ursprungssockel, der während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit der Figur zu Rüstungszwecken eingeschmolzen werden sollte. Nur die Nachtwächterfigur und sein treuer Hund kehrten 1949 aus Hamburg, wie in dem Hannoverschen Brunnenbuch zu lesen ist, zurück. Da man glaubte, dass auch die Figur des „Gutenbergdenkmals" (Abb. 20) in Hamburg geblieben war, erhielt der Nachtwächter einfach dessen Sockel.

Marktbrunnen | 21.09.1914 (Abb. 19)

Gutenbergbrunnen | 10.04.1904 (Abb. 20)

Am 29. März 2001, war es dann endlich soweit. Im Beisein des damaligen Kulturdezernenten Harald Böhlmann und dem Schlossermeister Ewald Linke der die neue Laterne, in seiner Werkstatt herstellte, bekam der Nachtwächter nach Jahren der Dunkelheit wieder eine Laterne in die linke Hand. Seit diesem Tage leuchtet er wieder seinen Bürgern heim.

Viele Anlieger und Lindener empfanden die Standard-Straßenlaternen am Marktplatz als sehr hässlich und wollten die Wiedereinsetzung der so genannten „Bischofsstäbe". Die vier eisernen Bogenlampen stammen aus dem frühen 19. Jh. und waren Bestandteil der Gasbeleuchtung, einst an mehreren Stellen der Stadt Hannover vorhanden, standen die letzten Laternen am Bonifatiusplatz, an der Lindener Schleuse und an der Richard Wagner Straße.

1977 wurden die vier letzten Laternen auf Veranlassung des Stadtbaurates Hanns Adrian (1931-2003) zusammengeführt und an der Ostseite des Marktplatzes aufgestellt. Im August 2000 mussten die Laternen jedoch aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. Bei einer Kontrolle war festgestellt worden, dass sich die Masten in einem sehr bedenklichen Zustand befanden. Wasser und Wind hatten Zierelemente abgelöst. Um die Sicherheit der Passanten und Autofahrer zu gewährleisten, wurden die Bischofsstäbe demontiert, eingelagert und durch einfache, neue Standardlaternen ersetzt.

Die Anwohner des Lindener Marktplatzes waren über den Verlust der historischen Laternen jedoch sehr enttäuscht und baten die Stadt, die alten Bischofsstäbe zu erhalten. So übergab Dr. Ingeburg Mannherz, vom Lindener Bürgerverein dem Bezirksrat „Linden-Limmer" eine Liste mit mehr als 1640 Unterschriften. Eine Überprüfung der Stadtwerke Hannover AG ergab, dass die Laternen in den letzten hundert Jahren zwar sehr gelitten hatten, doch mit viel Liebe zum Detail und in langer Kleinarbeit ließen sich die „Bischofsstäbe" wieder instand setzen. Hierzu wurden sie sandgestrahlt und um einige Schmuckelemente ergänzt. Danach bekamen die Masten noch einen neuen Schutzanstrich. Die Leuchten wurden ebenfalls erneuert und erhellen den Platz jetzt noch wirtschaftlicher.

Gekostet hat das gesamte Projekt, vom Abtransport über die Restaurierung bis hin zur Wiederaufstellung (Abb. 21) rund 100.000 DM. Verbunden wurde die Rückkehr der vier historischen Straßenlaternen am 2. August 2001 mit einer kleinen Zeremonie. Aus diesem Grund wurde bereits ab 9.00 Uhr der Lindener Marktplatz sowie die Stephanusstraße komplett gesperrt. Um 12.00 Uhr bestückte der damalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg den ersten Bischofsstab mit einer neuen Glühlampe (Abb. 22).

Linden-Mitte bekommt einen neuen Platz, und zwar den „Pariser Platz" (Abb. 23). Am 27. August 2004 enthüllte unsere Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke (Abb. 24) zur Platzbenennung das neue Straßenschild. Der Ort, auf den die Straßen Dieckborn-, Egestorff-, Teich-, Kirch- und Davenstedter Straße zulaufen, wurde im Volksmund schon lange Pariser Platz genannt.

Diekborn- Ecke Teich-Strasse | 28.02.1907 (Abb. 23)

 

Das Scilla Blütenfest „Das Blaue Wunder" (Abb. 25) eine Veranstaltung des Vereins „Quartier e.V." vom Küchengarten Pavillon auf dem Lindener Bergfriedhof, wurde am 25. März 2006, am Marktplatz für einen verkaufsoffenen Sonntag genutzt. Viele Geschäftsleute vom Lindener Marktplatz, der Egestorff-, Falken- und Stephanusstraße beteiligten sich an dieser tollen Aktion. In den nächsten Jahren wird das Scilla Blütenfest auch weiterhin regelmäßig gefeiert.

Scilla Blütenfest „Das Blaue Wunder" (Abb. 25)

Im Mai 2007 wird der Verein Lindengut e.V. gegründet. Der Verein ist eine Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden des Lindener Marktplatzes und Linden-Mitte. Lindengut e.V. plant in den nächsten Jahren mehrere Veranstaltungen am Lindener Marktplatz und in Linden-Mitte durchzuführen.

Hannover | Lister-Platz mit einem Bischofsstab
28.03.1911

Wiedereinsetzung der Bischofsstäbe (Laternen) im August 2001. (Abb. 21) © Jürgen Wessel

Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg in der Luft.
(Abb. 22) © Jürgen Wessel | Hannover-Linden 

Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke bei der
Enthüllung (Abb. 24 © hallolindenlimmer.de)

Am 9. und 10. September 2006 feierte man gleichzeitig mit dem Lindener Marktfest das 110-jährige bestehen des Wochenmarktes. Der damalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (Abb. 26) hielt um 10.00 Uhr eine kurze Rede, der Landesverband der Marktbetriebe Niedersachsen und die Lindener Marktfestfreunde sorgten für ein abwechslungs- reiches Programm. Am Sonntag wurde weiter gefeiert. Außerdem gab es in der Rathaus Apotheke eine kleine Ausstellung mit historischen Postkarten und Bildern des Marktplatzes zusehen. Das Fest war ein voller Erfolg.

Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und
OB Kandidat Stephan Weil (Abb. 26)

Die extrem tiefen Temperaturen im Dezember 2009 haben den Heizungsanlagen und Wasserleitungen im Lindener Rathaus erheblich zugesetzt. Durch geplatzte Rohre kam es zu Wasserschäden. Durch ein geplatztes Heizungsrohr im vierten Obergeschoss lief Wasser aus und verursachte einen Sachschaden in Höhe von 20.000 bis 30.000 Euro.

Das Lindener Rathaus soll zu einem Bildungszentrum umgebaut werden, an dem bürgernahes Lernen möglich wird. Im Frühjahr 2010 stellte die Stadtverwaltung ihre Pläne für den Umbau des Rathauses vor. Der Bezirksrat Linden-Limmer befürchtete angesichts höherer Kosten eine abgespeckte Lösung. Die Stadtverwaltung wollte nach wie vor an ihrem Vorhaben festhalten. Die kalkulierten Kosten waren innerhalb weniger Monate von acht auf 12,6 Mio. Euro gestiegen. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Stephan Weil angekündigt, die Kosten auf maximal 9,5 Mio. Euro begrenzen zu wollen.

Die Stadt Hannover plant: Die beiden Lindener Büchereien im Schwalenberger Flügel des Rathauses unterzubringen. Durch die Zusammenlegung der Büchereien sollen Personalkosten eingespart werden. Da die Stadtbücherei im Freizeitheim Linden, an der Limmerstraße dann geschlossen werden sollte, startete die "Bürgerinitiative gegen die Schließung der Stadtbibliothek Limmerstraße" eine Protestaktion und sammelte 25.000 Unterschriften gegen den Plan der Stadtverwaltung.

Das Bürgeramt soll Räume im Erdgeschoss bekommen. Im Egestorff-Flügel, an der Egestorffstraße, wo die Bücherei Linden derzeit untergebracht ist, soll ein Lernzentrum mit 35 Arbeitsplätzen entstehen, die mit Computern ausgestattet sind. Die Volkshochschule Hannover soll mit einer Außenstelle in den Egestorff-Flügel einziehen. Die Stadt möchte auch externe Partner wie das Jobcenter oder Lindener Bildungsvereine ins Boot holen, um Weiterbildungskurse und Qualifizierungen anzubieten. Bis zu fünf städtische Angestellte sollen das neue Lernzentrum betreuen, weitere sechs Mitarbeiter soll es in der Bibliothek geben. Bislang ist von der Stadt Hannover geplant, mit den Umbauarbeiten noch 2010 zu beginnen.

Der Bezirksrat Linden-Limmer hat am 26. Mai 2010 der Sanierung zugestimmt und vorgeschlagen, zudem einen Multifunktionsraum für seine Sitzungen einzurichten. Der Kulturausschuss der Stadt Hannover folgte dem Antrag.

Nachtwächterbrunnen auf dem Markt | 18.04.1985

Seit mehr als 110-Jahren ist der Lindener Marktplatz über alle Krisen und Veränderungen hinweg
das lebendige Herz Lindens geblieben.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

Mitgearbeitet haben bis jetzt:

Andreas-Andrew Bornemann / Fotos / Postkarten / Text
Julia Klasen / Text
Jürgen Wessel / Abb. 8., 21., 22. / Presse-Archiv
Rita Werner / Presse-Archiv

Brunnen in Hannover | Cartoon Agentur Verlag GmbH Hannover | 1998
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
hallolindenlimmer.de | Stadtteilportal
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V. Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th.Schäfer 2. Heft Hannover | 1910
Linden, Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden vom Bauerndorf zum Ihmezentrum | Helmut Zimmermann - Verlag Ellen Harenberg-Labs | 1986
Linden - Der Charakter eines Arbeiterviertels vor Hannover | Bernd Rabe - Fackelträger-Verlag GmbH | 1984
Stadtarchiv Hannover
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