Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Der Einmarsch der US-amerikanischen Truppen von Ahlem über Limmer nach Linden am 10. April 1945

Zur Befreiung Hannovers von Nazi-Deutschland durch die US-amerikanischen Truppen gibt, es sehr unterschiedliche Berichte. Ich habe versucht das Ereignis vom 10. April 1945, aus mehreren Quellen zusammen zugetragen. Alle Angaben sind ohne Gewähr, hinsichtlich der Richtigkeit der Informationen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Ende März 1945 überschritten britische und amerikanische Truppen in breiter Front den Rhein. Nach Einkesselung der 300.000 Mann starken Heeresgruppe B im Ruhrgebiet stießen die Alliierten weiter nach Osten vor. Zur Verteidigung der Stadt Hannover standen ein Genesenen-Bataillon, ca. 700 Mann, 400 schlecht ausgerüstete Feuerwehrleute, 25 Volkssturm-Bataillone, die nicht eingesetzt wurden und das Flak-Regiment 25 mit ca. 258 Rohren bereit.

Fast 200, zumeist kranke Konzentrationslager-Häftlinge wurden am Dienstag den 10. April 1945 gegen etwa 03:00 Uhr am Morgen von US-amerikanischen Truppen (84. US-Infanterie-Division / Panzerjägerverband) in Hannover-Ahlem befreit. Das Konzentrationslager in Ahlem war ein Außenlager des KZ-Neuengamme und bestand vom 30. November 1944 bis 10. April 1945. Das Lager befand sich in der heutigen Petit-Couronne-Straße nahe der Ahlemer Höhe. Es bestand aus fünf Gebäuden, zwei für die Unterkunft, eines sowohl für Unterkünfte und Küche, eines für die Wäscherei und Krankenrevier und ein weiteres für Toilette und Waschräume (siehe auch: Hannoversches Geschichtsbuch - Konzentrationslager in Hannover).

Der Einmarsch der Amerikaner in Limmer begann gegen 5.00 Uhr morgens bei dichtem Nebel. Die Amerikaner trafen kaum noch auf Widerstand. Die letzten Toten des Krieges waren 23 junge Marinesoldaten, die am 7. April 1945 an der Hardenberger Straße in Stellung gegangen waren und offenbar von ihren Offizieren im Stich gelassen wurden. Die Munition, die man bei den jungen Soldaten fand, bestand aus Platzpatronen. Ein Teil der Einheit blieb bis in die Nachmittagsstunden in Limmer. Es wurde nach Waffen und NS-Funktionären gesucht. Der Weg, der US-Truppen führte über die Harenberger Straße, die Wunstorfer Landstraße, und Limmerstraße zum Küchengarten. Auf dem Lindener Marktplatz wurde ein Militärposten eingerichtet. Weitere Fahrzeuge fuhren in Richtung Schwarzer Bär und in Richtung Hauptbahnhof (Hbf) in Hannover-Mitte.

Vor dem Küchengarten in Höhe Limmerstraße Ecke- Albertstraße soll es noch einen Zwischenfall gegeben haben. Eine Frau hatte versucht, aus einem Fenster im ersten Stock einen M4 Sherman (Kampfpanzer) mit einer Panzerfaust zu beschießen. Die Rakete ging daneben und explodierte im Haus gegenüber. Die Amerikaner durchsuchten das Haus und stellten die Bewohner im Hinterhof auf. Es wurde angedroht, einen nach dem anderen zu erschießen, wenn sich der Schütze nicht sofort meldet. Die Hausbewohner zeigten auf die Frau, die dann an Ort und Stelle hingerichtet wurde. Eine andere Quelle sagt: Das ein Mann aus dem Kepa Kaufhaus (heute Rossmann) am Küchengarten auf die Amerikaner geschossen hätte. Der Angreifer wurde danach von den amerikanischen Soldaten festgenommen. Was aus ihm wurde ist unbekannt.

Um 7.30 Uhr erfolgt der letzte Appell der Verteidigungstruppen vor dem Gaubefehlsstand am Schützenplatz. Den Soldaten wurde es vom Stadtkommandanten von Hannover, Generalmajor Paul Loehning (1889-1971), freigestellt, sich zu ergeben oder sich in Richtung Celle abzusetzen. Am späten Vormittag drangen die Amerikaner in das Neue Rathaus am Trammplatz ein und verhafteten den Oberbürgermeister. Für Hannover war damit der Zweite Weltkrieg beendet.

Als die drei US-amerikanischen Regimenter der 84. US-Infanterie-Division die Besetzung Hannovers abgeschlossen hatten, waren von den etwa 4.800 Juden, die Hannover 1938 zählte, nur noch rund 100 jüdische Bürger in der Stadt. Heute erinnern an die Verfolgung, in Hannover und Linden, Mahnmale an die Opfergruppen der Nationalsozialisten.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Text

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