Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Conrad Veidt
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Conrad Veidt (1893-1943)

Hans Walter Conrad Veidt wurde am 22. Januar 1893 in Berlin geboren. Er war ein deutscher Schauspieler.

Portrait und Szenenkarten

Conrad Veidt wurde er in der Tieckstraße in Berlin geboren, wo er in Berlin-Schöneberg das Sophiengymnasium besuchte. Ohne Abitur verließ er es aufgrund schlechter Leistungen. Im Jahr 1913 begann er als Schauspielvolontär an Max Reinhardts (1873-1943) Deutschem Theater und trat in kleinen und mittleren Rollen auf. Der Erste Weltkrieg verhinderte allerdings, dass er seine Ausbildung vollenden konnte. An der Ostfront spielte er dann aber schnell beim Fronttheater und übte sich in klassischen Rollen. Noch während des Krieges erhielt er seine ersten Filmrollen und galt schon 1918 als Kinostar. Er trat hauptsächlich neben Werner Krauß (1884-1959), Anita Berber (1899-1928) und Reinhold Schünzel (1888-1954) in Richard Oswalds (1880-1963) Aufklärungs- und Sittenfilmen auf, so in dem Zweiteiler Die Prostitution und in Anders als die Andern (1919), in dem er – bemerkenswert für damalige Zeit – einen homosexuellen Geiger verkörperte. 1919 gründete er eine Produktionsfirma, um selbst Hauptrollen für sich auszusuchen.

Noch heute ist seine Leistung im Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) des Regisseurs Robert Wiene (1873-1938) beeindruckend. Conrad Veidt spielte mit expressionistischer Körpersprache das willenlos mordende Medium Cesare neben Werner Krauß als Dr. Caligari. Diese Rolle sollte sein Image als dämonischer Schauspieler festlegen, und zahlreiche weitere Rollen machten ihn zu einem der bestbezahlten Stars der Universum Film AG (Ufa) der 1920er Jahre. Zwischen 1926 und 1929 bekam er die Chance, vier Filme in den USA zu drehen, darunter 1928 die Hauptrolle in Der Mann, der lacht (1928), von Paul Leni (1885-1929).

Der Beginn des Tonfilms konnte der Popularität Conrad Veidts nichts anhaben. Da seine Stimme durch seine Tätigkeit als Theaterschauspieler geschult war, spielte er weiterhin in herausragenden Filmproduktionen mit. Vor seiner Emigration nach England spielte er 1931 die Rolle des Fürsten Metternich in Der Kongreß tanzt (1931), 1933 den Marquis de Pontignac in Ich und die Kaiserin (1933) unter der Regie des Komponisten Friedrich Hollaender (1896-1976). Conrad Veidts letzte Rolle vor der Auswanderung war die des Gessler, dem Gegenspieler von Wilhelm Tell in der gleichnamigen Verfilmung der Geschichte des Schweizer Nationalhelden.

Im Jahr 1933 ging er zunächst nach England. Dort übernahm er 1934 die Titelrolle in Jew Süss (1934), einer Verfilmung des Romans Jud Süß aus dem Jahr 1925 von Lion Feuchtwanger (1884-1958) durch Regisseur Lothar Mendes (1894-1974). Conrad Veidt nahm 1938 die britische Staatsbürgerschaft an und setzte seine Karriere auch in englischer Sprache erfolgreich fort. Schon die Idee von Universal-Pictures-Besitzer Carl Laemmle (1867-1939), ihn für die Titelrolle des ersten Dracula-Films (1931) zu besetzen, sprach für seine Internationalität. Letztendlich spielte jedoch Bela Lugosi (1882-1956) diese Rolle und wurde damit weltberühmt.

Conrad Veidt trat auch an der Seite von Valerie Hobson (1917-1998) in Der Dieb von Bagdad (1940) auf. Kurz darauf verließ er England und ging in die USA. Neben Norma Shearer (1902-1983) trat er 1940 als boshafter deutscher General in Escape (1940) auf, einem der ersten Streifen, die sich mit den Verhältnissen in Deutschland kritisch auseinandersetzten.

 

Conrad Veidt als Lord Nelson in Lady Hamilton

Später war er als gnadenloser Impresario von Loretta Young (1913-2000) in The Men in Her Life zu sehen. In dem Film Die Frau mit der Narbe (1941) nutzte er Joan Crawford (1905-1977) emotional aus und stiftet sie zum Mord an einem kleinen Jungen an. Zu seinen bekanntesten Rollen gehörte der Auftritt in Michael Curtiz (1888-1962) - Casablanca (1942).

Conrad Veidts letzte Rolle war 1943 der Auftritt neben Joan Crawford in Gefährliche Flitterwochen (1943). Der passionierte Golfspieler Veidt, starb an einem Herzschlag, am 3. April 1943 auf dem Golfplatz des Riviera Country Clubs in Hollywood, Kalifornien. Er spielte gerade mit seinem Freund und MGM-Mitarbeiter Arthur Field und seinem Leibarzt Dr. Bergman, der allerdings nur noch den Tod feststellen konnte. Conrad Veidt war dreimal verheiratet: von 1918 bis 1922 mit der Schauspielerin Gussy Holl (1888-1966), die nach der Trennung Emil Jannings (1884-1950) heiratete, von 1923 bis 1933 mit der Schauspielerin Felicitas Radke und von 1933 bis zu seinem Tode mit der Ungarin Ilona Preger (geb. Barta), genannt Lily, die gleichzeitig auch seine Agentin war. Aus der Ehe mit Felicitas Radke ging Tochter Viola Vera Veidt (1925–2004) hervor.

Es existieren über eine eventuelle Homosexualität Conrad Veidts keine autobiografischen Zeugnisse, aber Angaben von Zeitzeugen. So kannte zum Beispiel Christopher Isherwood (1904-1986) den Schauspieler aus der Berliner Schwulenszene, wo er ihm unter anderem auf dem Tuntenball 1929 begegnete. Ein kurzzeitiger Besuch muss allerdings nichts bedeuten, seine persönlichen Freunde Maria und Fritz Tarbuk von Sensenhorst (1896-1976) stellten eine Homosexualität Veidts in Abrede.

Filmografie (Auswahl | Fettdruck = im Archiv)

  • 1917: Der Spion
  • 1919: Anders als die Andern
  • 1919: Die Prostitution
  • 1919: Nocturno der Liebe
  • 1919: Unheimliche Geschichten
  • 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari
  • 1920: Der Reigen
  • 1921: Lady Hamilton
  • 1921: Das indische Grabmal
  • 1922: Lucrezia Borgia
  • 1923: Paganini
  • 1924: Nju
  • 1924: Das Wachsfigurenkabinett
  • 1924: Orlacs Hände
  • 1926:Die Brüder Schellenberg
  • 1926: Der Student von Prag
  • 1928: Der Mann, der lacht
  • 1930: Die letzte Kompagnie
  • 1931: Der Kongreß tanzt

 

  • 1932: Der schwarze Husar
  • 1933: Wilhelm Tell
  • 1933: Ich und die Kaiserin
  • 1934: Jew Süss
  • 1939: Der Spion in Schwarz
  • 1940: Escape
  • 1941: Die Frau mit der Narbe
  • 1942: Agenten der Nacht
  • 1940: Der Dieb von Bagdad
  • 1942: Casablanca
  • 1943: Gefährliche Flitterwochen
  • 1928: Die Dame und ihr Chauffeur
  • 1928: Abwege
  • 1928: Liebeskarneval
  • 1929: Nachtgestalten
  • 1929: Fräulein Else
  • 1929: Die weißen Rosen von Ravensberg
  • 1930: Die große Sehnsucht
  • 1931: Das Lied der Nationen

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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