Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden
http://www.postkarten-archiv.de/cdv-kab-stereofotos-aus-hannover-und-linden.html

© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

CDV (Carte-de-Visite) | KAB (Kabinettfotos) | Stereofotos

Visitenkartenporträt

Als Visitenkartenportrait, Visitenkartenfoto, oder Carte-de-Visite bezeichnet man einfache Portraitfotografien, die Mitte des 19. Jhs. im international quasi-standardisierten Format von 6,0 × 9,0 cm, also etwa in der Größe einer Visitenkarte der damaligen Zeit verbreitet und in Alben gesammelt wurden. Das Verfahren wurde vorwiegend zwischen 1857 bis 1866 genutzt und hielt sich danach noch etwa bis 1900. Bei einigen deutschen Studentenverbindungen wurden die Bilder noch bis in die frühen 1920er-Jahre als Erinnerungsstücke verschenkt. Bedeutung erlangten die Visitenkartenporträts als erster fotografischer Massenartikel, der sowohl in Massenproduktion gefertigt wie auch in Massen verbreitet wurde. Vergleichsweise gering ist dagegen der künstlerische Wert. Bei den Visitenkartenporträts handelte es sich um auf Karton aufgezogene Papierkopien von Kollodium Nassplatten Negativen, die mit Spezialkameras belichtet wurden. Dabei wurden nicht kleine Negative vergrößert, die große Problematik bestand vielmehr darin, überhaupt ein entsprechend kleines Aufnahmeformat zu erreichen; um 1850 lagen die Plattengrößen zwischen 16,5 × 21,6 cm = Ganzplatte und 5,1 × 6,4 cm = Neuntelplatte.

         

André Adolphe-Eugène Disdéris (1819-1889) Spezialkamera verfügte daher über vier Objektive und eine verschiebbare Plattenkassette. Mithilfe der Mehrfachoptik konnten auf jeder Hälfte der Glasplatte jeweils vier Belichtungen aufgenommen werden; dann wurde die Platte mit Hilfe der Kassette verschoben, und die nächsten vier Belichtungen konnten auf der zweiten Hälfte festgehalten werden. Anschließend wurden auf Albuminpapier Abzüge im Negativformat von 8 × 10 Zoll angefertigt, die in das Visitenkartenformat zerschnitten wurden. Die einzelnen Mini-Portraits waren dann etwa 5,5 × 8 cm bis 6 × 9 cm groß und wurden auf Karton mit Abmessungen von etwa 6,3 × 10 cm montiert. Die Visitenkartenportraits entwickelten sich zu einem enormen Erfolg; allein in England wurden im Zeitraum von 1861 bis 1867 zwischen 300 und 400 Millionen Cartes-de-Visite jährlich hergestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. war es üblich, Visitenkartenportraits zu verschenken und in Fotoalben zu sammeln. Auch von vielen Prominenten wurden Visitenkartenporträts angefertigt, verkauft und gesammelt.

Eine erste Notiz über die Einführung des Visitportraits findet man in der französischen Zeitschrift "La Lumiere" vom 28. Oktober 1854, wo es heißt: "Eine originelle Idee hatten E. Dellesert und Graf Aguado bezüglich der Verwendung kleiner Portraits. Bis jetzt trugen die Visitkarten Namen, Adresse und zuweilen den Titel der Personen, welche sie vorstellten. Weshalb sollte man nicht den Namen durch das Bildnis ersetzen können?". Nach einer anderen Version soll der Herzog von Parma als Erfinder der Visitportraits gelten. Der Herzog hatte 1857 den Einfall auf seine Visitenkarte ein Foto zu kleben. Den wirklichen Aufschwung für die Visitkartenphotographie gab es durch den Pariser Fotografen und "Erfinder" des Visitenkartenportraits André Adolphe-Eugène Disdéri (1819-1889), der im Jahr 1854 auf diese Anwendung des Kollodiumverfahrens in Frankreich ein Patent angemeldet hatte. Um das Jahr 1866 wurde das Visitenkartenformat durch das Kabinettformat aus England abgelöst.

Kabinettformat

Als Kabinettformat (KAB, Cabinetformat oder Cabinet; engl. Cabinet Portrait) bezeichnet man ein um 1866 aufkommendes Format von Abzügen, das etwas größer war als das Visitformat der Visitenkartenportraits. Bei dem fotografischen KAB-Format handelte es sich um Hochglanzabzüge im Format 14 × 10,5 cm, die auf Karton im Format 16,5 × 11,5 cm aufgezogen wurden. Das fotografische Cabinet-Kartenformat wurde erstmals 1862 von den Fotografen George W. Simpson (1825–1880) und George W. Wilson (1823–1893) für Landschaftsaufnahmen genutzt; es verbreitete sich, aus England kommend und durch die Verwendung durch den Londoner Fotografen Frederick Richard Window, auch für Portraitaufnahmen. Zu Beginn des 20. Jhs. verlor das Kabinettformat zugunsten der Fotopostkarte / Fotoansichtskarte an Bedeutung.

   

Stereofotografie

Als Stereofotografie oder auch Stereophotographie (griech. stereo räumlich, graphein schreiben) bezeichnet man ein Aufzeichnungsverfahren, um dreidimensional erscheinende Bilder zu erzeugen. Hierzu werden zwei Bilder von demselben Objekt aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen. Der Blickwinkelunterschied entspricht dabei meistens dem Abstand der menschlichen Augen und nennt sich in der Stereophotographie auch Basis, durch deren Variation sich verschiedene Effekte erzielen lassen. Zur Wiedergabe werden die beiden Bilder übereinandergelegt und es muss dafür gesorgt werden, dass jedes einzelne Bild nur für das Auge des Betrachters sichtbar ist, für das es bestimmt ist. Dies kann beispielsweise erreicht werden, indem das eine Schwarzweißbild rot, das andere grün eingefärbt wird und der Betrachter sich das Resultat durch eine Brille mit einem roten und einem grünen Glas ansieht (Anaglyph). In besserer Bildqualität, jedoch mit höherem technischen Aufwand ist der Effekt durch unterschiedliche Polarisation des Lichtes und eine Brille mit Polarisationsfiltern zu erzielen.

   

Das Polarisationsverfahren wird oft in 3D-Lichtspielhäusern (Kinos) verwendet. Bei einem älteren Verfahren werden die beiden Bilder nebeneinander auf eine Karte gedruckt und durch eine Spezialbrille betrachtet, die die Karte in einem festen Abstand vor den Augen fixiert und durch Speziallinsen den Blick jedes Auges auf jeweils eines der Bilder fokussiert. Eine interessante Variante ist die Random Dot Stereographie, auch bekannt durch die Bücher der "Magic Eye"-Serie.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / CDV / KAB / Stereofotos

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

Wikipedia - Die freie Enzyklopädie