Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Capitol-Hochhaus | Ihme-Brücke-Zentrum | Lindener Gesellschaftshaus | Lindenhof

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Capitol-Hochhaus

Das turmartige Gebäude des Capitol-Hochhauses am Schwarzen Bären, das von 1929 bis 1930 errichtet wurde, wird der Stilrichtung der expressionistischen Architektur (Backstein-Expressionismus) zugerechnet. Es entstand nach Plänen des Architekten Friedrich Hartjenstein (1881-1941). Weitere Gebäude dieser Art und Epoche in Hannover sind das 1926 fertiggestellte Franzius-Institut (damals: Institut für Bauingenieurwesen) an der Nienburger Straße, der 1931 nach Plänen von Prof. Karl Elkart (1880-1959) fertiggestellte Neubau der Stadtbibliothek Hannover an der Hildesheimer Straße (war das erste Bibliotheks-Hochhaus Europas) und das 1927 bis 1928 erbaute Anzeiger-Hochhaus. Das Anzeiger-Hochhaus wurde als Verlagshaus der Verlagsgesellschaft Madsack nach einem Entwurf von Fritz Höger (1877-1949) errichtet.

Das Capitol-Hochhaus wurde auf dem Grundstück Schwarzer Bär 2 (früher: Deisterstraße 2) errichtet. Der Hofarchitekten Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) kaufte am 3. Oktober 1819 dem Unternehmer Johann Hinrich Egestorff (1772-1834) das Grundstück ab um sich ein Wohnhaus zu bauen. Kurze Zeit später, 1823/24 verkaufte er die klassizistische Villa an den Sohn Georg Egestorff (1802-1868), der die Villa als Wohnhaus für seine Familie nutzte. Anfang 1913 wurde das Gebäude abgerissen und das Grundstück bis zum Bau des Capitol-Hochhauses in den Jahren 1929/30 als Lagerplatz genutzt.

Hochhaus an der Ihme-Brücke | 08.09.1931

Hochhaus an der Ihmebrücke (Capitol) | 08.05.1950

Am 3. November 1930 eröffneten im Capitol-Hochhaus die "Capitol-Lichtspiele". Dass 1100 Plätze Kino wurde von dem Lindener Kinounternehmer Max Scharnofske und seinem Sohn Erich Scharnofske gegründete. Vater und Sohn betrieben noch weitere Kinos in Hannover-Linden, Hannover und Niedersachsen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in der Deisterstraße 2., in Linden-Mitte und ab 1932 in der Limmerstraße 31. in Linden-Nord. Privat wohnte Max Scharnofske laut Adressbuch von 1925 in der Haasemannstraße 11. in Linden-Mitte.

Nach dem Krieg wurde im Kinosaal des Capitols ein internationales Theater-Programm zusammengestellt, das sich großer Resonanz erfreute. Auch die englischen Besatzungstruppen nutzten das Capitol für ihre Soldaten. Zunächst waren von der britischen Militärregierung alle Kinos in Hannover geschlossen worden. Aber bald war man auch seitens der Besatzer daran interessiert, den Hannoveranern Abwechslung vom Alltag zu ermöglichen. Der Varieté-Unternehmer Alex Guidos hatte 1945 im Capitol die erste Varieté-Vorstellung Hannovers nach dem Krieg zusammengestellt. Am 25. Dezember 1948 gastierte Lale Andersen (1905-1972) und am 20. Januar 1949 Cläre Waldoff (1884-1957) im Capitol. 1966 wurde das Capitol geschlossen.

In den 1980er-Jahren wurde das Capitol-Kino zur Diskothek mit Live-Bühne umgebaut und dient seitdem als Auftrittsort in einer Größenordnung von bis zu 2.500 Zuschauern. Gelegentlich werden auch Filme auf einer Großbildleinwand gezeigt.

Ihme-Brücke

Erstmals wurde die Ihme-Brücke 1493 schriftlich erwähnt, sie war lange Zeit die einzige Verbindung zwischen Hannover und der späteren Stadt Linden. Die alte Holbrücke wurde 1603 durch eine neue, hölzerne Brücke mit einem Tor, durch den Zimmermann Hans Behnsen und den Maurermeister Hans Behre ersetzt. Zu dieser Zeit war der Fluss nicht sehr breit und tief. Erst mit dem Bau des „Schnellen Grabens“, ein Verbindungskanal zwischen dem Leine-Fluss und der Ihme, wurde durch die Wasserzufuhr aus der Leine, die Ihme zu einem großen und schiffbaren Fluss. Den neuen Gegebenheiten war die Brücke aus dem Jahr 1603 nun nicht mehr gewachsen und so wurde sie 1658 durch starken Eisgang zerstört und musste durch ein Provisorium aus Holz ersetzt werden. Bezahlt wurde der Unterhalt der Brücke von der Stadt Hannover, da die Brücke immer wieder beschädigt wurde, beschloss der Magistrat der Stadt Hannover nun eine Brücke aus Stein zu errichten.

Neue Ihmebrücke | 13.11.1913

Am Schnellengraben | 08.06.1903

Die Steinbrücke

Der Mechanikus Georg Sigismund Schmid wurde 1695 mit der Planung und dem Bau einer Steinbrücke beauftragt. Der Bau dauerte wegen Verzögerungen bei der Anlieferung von Baumaterial fünf Jahre. Die neue, 14 m lange, 10 m breite und auf vier Pfeilern gebaute Steinbrücke war 1700 fertig. Sie war die erste größere Steinbrücke Hannovers. Zur Verteidigung wurden zwischen den Pfeilern Stauwehre angebracht und Postamentvasen zierten am Anfang und Ende die Brücke.

Ihmebrücke | 23.06.1916

 

Alte Ihmebrücke - Neue Ihmebrücke | 16.10.1917

Stahlbau-Steinbrücke

Das Hochwasser von 1909 beschädigte die Ihme-Brücke so schwer, sodass sie erneuert werden musste. Die Abrissarbeiten an der Steinbrücke aus dem Jahr 1700 gegangen 1910 um dann 1911/12 nochmals eine neue Brücke, in Stahlbaukonstruktion zu errichten. Ende 1912 war sie dann fertig. Mit dem Bau der Stadtbahn wurde die Brücke in den 1970er-Jahren verbreitert. 1992 ist die Brücke nach dem Hannoverschen Studenten Benno Ohnesorg (1940-1967), der bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien, Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980), am 2. Juni 1967 erschossen wurde, benannt worden.

Ihmebrücke | 26.10.1921

Ihmebrücke m. Hochhaus | 19.05.1939

Hochwasserschutz und Brückenneubau

Die Ihme-Brücke wurde seit 2007 durch einen ein 67,0 Meter langen Neubau ersetzt. Dieser wurde mit einem Hochbahnsteig für die Stadtbahn ausgestattet und im September 2013 fertiggestellt. Im September 2012 wurden bei den Abschlussarbeiten zum Brückenneubau die Fundamente des ehemaligen Gebäude Ihmebrückstraße 5. freigelegt und dann abgetragen. Nötig wurde der Neubau, um den Hochwasserschutz am Schwarzen Bären zu verbessern.

Ihme-Zentrum

Von 1971 bis 1976 entstand, gegen den Widerstand der Geschäftsleute vom Lindener Marktplatz und von der Limmerstraße das "Ihme-Zentrum". Bereits in den späten 1960er-Jahren wurde mit den Planungen für den Gebäudekomplex begonnen. 1972 fingen die Arbeiten auf Europas größter Baustelle an. Das übergroße Gebäude entstand bis 1975 auf dem Gelände der ehemaligen Mechanischen Weberei (Lindener Samt/Velvet) und war mit zwei Kaufhäusern, ca. 50 Einzelhandelsgeschäften, vier Banken, 11 Gaststätten, einer Bowlingbahn, dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke AG, 860 Wohnungen, einem Studentenwohnheim und im unteren Parkdeck mit 2.300 Parkplätzen eine eigene Stadt im Stadtteil. Leben, arbeiten und einkaufen in einem zusammenhängenden Komplex war zu dieser Zeit groß in Mode, doch das hielt nicht lange an, Mitte der 1980er-Jahre standen viele Geschäftsräume leer und das Ihme-Zentrum wurde zu einem Problemfall.

Die Landeshauptstadt Hannover mietete Ende der 1990er-Jahre Büroflächen von über 5.000 m². Unter anderem wurde seinerzeit das Hochbauamt der Stadt aus Innenstadtbüros in das Ihme-Zentrum verlegt. 2002 wurden nach Auszug der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) von der Stadt Hannover weitere 5000 m² Büroflächen für städtische Ämter gemietet, in Verbindung mit der Verpflichtung des Vermieters zu einer zügigen Revitalisierung des gesamten Komplexes.

Unter dem Namen Linden-Park sollte ab Anfang 2011 aus dem Ihme-Zentrum ein neues Einkaufszentrum auf zwei Ebenen werden. Das Projekt sollte im 3. Quartal 2009 fertiggestellt werden. Infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise an den Kapitalmärkten geriet der US-Investor, die Carlyle Group mit Sitz in Washington, D.C., USA unter finanziellen Druck.

Im Januar 2009 kam es dann zu einem Baustopp als Folge von Nichtbezahlung von Baufirmen und Dienstleistern. Aufgrund von Brandschutzmängeln wurde ein Teil der Tiefgaragen gesperrt. Am 23. Februar 2009 hat der Investor für seine am Umbau beteiligten Projektgesellschaften Insolvenz beantragt.

Die Landesbank Berlin (LBB) als Co-Finanzierer des Linden-Park-Projekts war wohl weiterhin an einer Lösung des Problems interessiert. Die Bank setzte einen Zwangsverwalter ein.

Hannover-Linden | Das Ihmezentrum

Die Landesbank Berlin (LBB) hat Mitte 2010 den US-amerikanischen Bauträger Hines mit einer Konzeptfindung beauftragt. Außerdem wird eine Änderung der Teilungserklärung sowie der Gemeinschaftsordnung angestrebt mit dem Ziel, die Wohn- und Gewerbebereiche stärker rechtlich voneinander zu trennen, wodurch das Objekt für Investoren interessanter werden soll. Dafür ist die Zustimmung aller 543 Wohnungsbesitzer nötig. Im Dezember 2011 haben dem etwa 84% zugestimmt. Die Unterschriftensammlung dazu begann im Januar 2011. Am 5. August 2014 wurde beim Amtsgericht Hannover eine erste Zwangsversteigerung der Carlyle Group-Anteile des Ihme-Zentrums durchgeführt. Es fand sich kein Käufer, da das geforderte Mindestgebot von knapp 25 Mio. Euro nicht erreicht wurde. Am 25. Februar 2015 fand ein weiterer Termin statt. Die Carlyle Group-Anteile wurden dabei für 16,5 Mio. Euro an die Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH verkauft.

Blick auf das Ihme-Zentrum

Blick auf das Fernheizwerk und Teilansicht des Ihme-Zentrums

Lindener Gesellschaftshaus | Lindenhof

Das "Lindener Gesellschaftshaus" wurde 1893 eröffnet und ab 1900 in "Lindenhof" umbenannt. Es befand sich laut Adressbuch von 1897 in der Deisterstraße 15., in Linden-Mitte, am Schwarzen Bären. Otto Heise war zu dieser Zeit Geschäftsführer des Gesellschaftshauses, er wohnte auch in der Deisterstraße 15., im III. Seitenflügel. Der "Lindenhof" besaß zehn Kegelbahnen und einen Theatersaal. Im Theatersaal wurden regelmäßig Theateraufführungen des 1892 gegründeten "Lindener Volkstheaters" aufgeführt.

Gruss aus Linden-Hannover
Lindener Gesellschaftshaus | 17.12.1899

Gruss aus dem Lindenhof | 20.04.1901

Am 24. August 1906 wurde die "Bürger-Schützen-Gesellschaft zu Linden von 1906 e.V. (BSchL)" im "Lindenhof" gegründet. Im Saal fand am 23. Januar 1907 die Gründungsfeier statt. Der "Lindenhof" wurde auch das Vereinsheim der Bürger-Schützen, dort konnte mit Zimmerstutzen geschossen werden. Am 27. Februar 1911 wurde ebenfalls der "Ruderverein Linden von 1911 e.V." als Arbeitersportverein im "Lindenhof" gegründet. Eine Kegelbahn im "Lindenhof" diente als Bootshaus für das erste Ruderboot des Rudervereins. 1913 war der Gastronom und Hotelier Theodor Kreimeier Inhaber des Lindenhofes.

Gruss vom Lindenhof ! | 01.02.1903

Lindenhof | 03.02.1913
Besitzer: Theodor Kreimeier

Reserve-Lazarett Abt. Lindenhof

Der "Lindenhof" diente im Ersten Weltkrieg (1914-1918), wie auch zahlreiche andere Gebäude in Linden und Hannover als Reserve-Lazarett. Betrieben wurde das Lazarett durch Diakonissen des Henriettenstiftes. Der spätere Generalmajor Jens-Peter Petersen (1893-1971) wurde während des Krieges vom 22. Oktober 1914 bis zum 12. Januar 1915 im Reserve-Lazarett Abt. Lindenhof behandelt. Die Stadt Linden hatte nach Kriegsende mehr als 2000 Kriegsopfer zu verzeichnen.

Reserve-Lazarett Hannover-Linden,
Abt. Lindenhof | 15.04.1915

Reserve-Lazarett Hannover-Linden,
Abt. Lindenhof | 09.02.1917

Reserve-Lazarett Hannover-Linden,
Abt. Lindenhof | 11.1914

 

Reserve-Lazarett Hannover-Linden,
Abt. Lindenhof | 10.02.1917

Erste Deutsche Daunendeckenfabrik KG im Lindenhof

Die Unternehmer Eduard Kirchner und Etty Griebe übernahmen 1915 die 1879 gegründete "Deutsche Patent-Daunen-Steppdecken-Fabrik" von Eduard Frankenberg. Er betrieb vor der Übernahme, seine Fabrik, in der Nordmannstraße 15, in Hannover-Mitte. Man änderte den Namen in "Erste Deutsche Daunendeckenfabrik KG" um, und zog in die Deisterstraße 15, in Linden-Mitte, ins Haus des Lindenhofs um. Eduard Kirchner und Etty Griebe kauften 1923 den "Lindenhof" und bauten diesen aus. Durch Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs wurde die Daunendeckenfabrik im September 1943 mit dem gesamten Inventar vollständig zerstört.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Ausstellungskatalog: Lichtspielträume - Kino in Hannover 1896-1991 | Rolf Aurich, Susanne Fuhrmann, Pamela Müller | Gesellschaft für Filmstudien e.V. (GFS) | 1991
Der Schwarze Bär: Verkehrsknoten und Eingangstor nach Linden | Torsten Bachmann - Freier Journalist | Lindener Geschichte | 2012
Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Heimatfront Hannover - Kriegsalltag 1914-1918 | Schriften des Historischen Museums Hannover (HMH) | 2014
Linden - Der Charakter eines Arbeiterviertels vor Hannover | Bernd Rabe - Fackelträger-Verlag GmbH | 1984
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II. | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart
| Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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