Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Lindener Gewerbe- Handel und Industriebetriebe

1890-1990 Bettfedernfabrik Werner & Ehlers

Die Firmengeschichte der Bettfedernfabrik Werner & Ehlers begann in der Hannover-List. Der Kaufmann Wilhelm Theodor Werner (1835-1876) gründete 1861 die Firma für den Handel mit Bettfedern, bereits nach einem Jahr tat er sich mit dem Kaufmann Johannes Ehlers (1923-1867) zusammen.

Zum Handel mit Bettfedern kam die Reinigung und Veredelung der Federn hinzu. Es wurden importierte Rohfedern mechanisch von Staub und Schmutz gesäubert, nach Qualität sortiert und dann gedämpft. Ab 1875 übernahm Wilhelm Theodor Werners Neffe, der Kaufmann August Werner (1845-1916) die Fabrik.

Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen und führte die Nassreinigung ein. Für die neuen Waschmaschinen reichte das vorhandene Gelände in der Kirchwenderstraße 6. nicht mehr aus, zudem wurden erhebliche Mengen an frisch Wasser benötigt. Der Betrieb wurde an das Ihme-Ufer, in die spätere Gummistraße 8.-12. nach Linden-Nord verlegt. Die Fabrik nahm 1890 mit einer 120-PS-Dampfmaschine die Produktion auf.

 

Blick von der Ihmebrücke | 11.03.1899

August Werner wurde 1896 erst zum Vize-Präsident der Handelskammer in Hannover gewählt, führte diese ab 1900 dann als Präsident und wurde 1913 zum Ehrenpräsident ernannt. 1903 wurde er zum Senator in den Magistrat der Stadt Hannover gewählt und 1904 wurde er Kommerzienrat. Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) ernannte ihn bei dessen Besuch am 30. Juni 1913 zur Einweihung des Neuen Rathauses, als Dank für eine Spende für den Rathausneubau, zum Geheimen Kommerzienrat. August Werner schenkte der Stadt Linden im Sommer 1913 das Berggasthaus (heute Theater und Jazz Club Hannover) auf dem Lindener Berg.

Neue Dampfmaschine und Tod August Werners

Eine neue Dampfmaschine wurde 1914 von der Firma Gebr. Sulzer AG aus Winterthur, Schweiz gekauft. Die 700-PS starke Dampfmaschine war eine moderne Tandem-Verbund-Gleichstrommaschine, für Seiltrieb und hatte einen automatischen Regler für die Zwischendampfentnahme. Zu dieser Zeit wurden mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. August Werner starb am 13. März 1916 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabmal, er hat es 1888 erworben, mit einem Engels-Mosaik (Friedensengel) des Künstlers Hermann Schaper (1853-1911), befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in der Hannover-Südstadt. Nach dem Tod August Werners übernahm dessen Sohn August Werner jun. (1879-1932) die Geschäftsleitung der Bettfedernfabrik.

Der acht Meter hohe "Drei-Trommel-Steilrohrkessel" der Firma Möller aus Brackwede bei Bielefeld in Nordrhein-Westfalen wurde 1927 in Betrieb genommen. Er trieb bis Ende der 1930er-Jahre die Turbinen für den Maschinenpark der Fabrik an.

Der Umsatz übersprang 1929 die 10 Mio. Reichsmark (RM) Grenze. Nach dem Tod von August Werner jun. übernahm sein Neffe Werner Frucht (1908-1985) die Leitung. Während der Weltwirtschaftskrise von 1928 bis 1930 halbierte sich der Umsatz.

Werner & Ehlers, Hannover-Linden | 19.10.1931

Werner & Ehlers, Hannover-Linden | 05.11.1932

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg

Von den Luftangriffen auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs war der Betrieb dreimal betroffen. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 1941 trafen mehr als 30 Brandbomben die Fabrikgebäude. Der Schaden blieb jedoch gering. Am 8. und 9. Oktober 1943 wurde die Fabrik doch schwer getroffen, weitere Zerstörungen brachte ein Angriff am 18. Oktober 1943. Nur die Wasseraufbereitung, das Pförtnerhaus und das Kesselhaus mit mit seinem 51,0 Meter hohen Schornstein blieben erhalten.

Man verfügte 1948 bereits wieder über 12 Sortiermaschinen und plante den Neubau von Expedition und Verwaltungsgebäuden. Die Verwaltung und Warenannahme wurde 1948/49 fertiggestellt. 1954 wurde der Bau einer zweistöckigen Versand- und Lagerhalle realisiert. Die Lagerhalle steht heute ebenso wie das Kesselhaus mit Schornstein und die Fabrikmauer an der Leinaustraße unter Denkmalschutz. Mit dem Konkurs 1990 endete die 129-jährige Tradition der Federnveredelung in Hannover und Hannover-Linden. Der noch vorhandene Maschinenpark wurde vom Insolvenzverwalter an eine ungarische Firma verkauft.

Kulturzentrum FAUST e.V

Seit 1991 befindet sich auf dem ehemaligen Werksgelände das Kulturzentrum FAUST e.V. Das Kesselhaus und der Kessel der Bettfedernfabrik stehen wie auch weitere Gebäude des Kulturzentrums FAUST e.V. unter Denkmalschutz. Der 51,0 Meter hohe Schornstein des Kesselhauses wurde 1997 aufwendig restauriert. Zur Erinnerung an die ehemalige Bettfedernfabrik Werner & Ehlers wurde 1997 eine Straße, die früher über das Fabrikgelände führte, in "Zur Bettfedernfabrik" umbenannt.

Kesselhaus-Initiative

Die Kesselhaus-Initiative gründet sich 2013. Die Initiative setzt sich für die Sanierung des Kesselhauses ein. Sie knüpft an die Arbeit einer Gruppe an, die sich bereits vor 25 Jahren für den Erhalt eingesetzt hatte. Die Gruppe entwickelte damals eine Vision eines Museums der Industrie- und Arbeiterkultur. Am 17. Juni 2015 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Förderung der Sanierung des Kesselhauses mit 125.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm beschlossen.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarte / Text

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| Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Hannover, Die Grosstadt im Grünen | Fr. Stadelmann | Verkehrs-Verein Hannover e.V., Hannover | 1927
Hannover, Kunst-Lexikon und Kultur-Lexikon | Helmut Knocke, Hugo Thielen | Schäfer Verlag Hannover | 1994
Hannoversche Geschichtsblätter | Verlag Th. Schäfer 2. Heft, Hannover | 1910
Linden - Ein Führer für Fremde und Einheimische | Rektor Haase II | H. Ellermann-Verlag Hannover | 1906
Linden - Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert | Walter Buschmann | August Lax Verlagsbuchhandlung Hildesheim | 1981
Nicht die Zeit, um auszuruhen. Dokumente und Bilder zur Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung 1814-1949 | Peter Schulz | Verlag Buchdruckwerkstätten Hannover GmbH | 1990
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