Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2013
Barnum and Bailey Circus | Ringling Brothers Circus
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Barnum and Bailey Limited Circus | Ringling Brothers Circus | Die Zirkuspolka | Der Clown Lou Jacobs

Phineas Taylor Barnum

Phineas Taylor Barnum (1810-1891) wurde am 5. Juli 1810 in Bethel, Connecticut/USA als ältestes von fünf Kindern geboren, schon mit 12 Jahren startete er den Verkauf von Lotterielosen. Mit 25 Jahren investierte er 1.000 US-Dollar für die Vermarktungsrechte an der angeblich 161 Jahre alten Joice Heth (1756-1836), sie behauptete, die Amme von George Washington (1732-1799) gewesen zu sein. Die erfolgreiche Vermarktung dieser “Sensation” war sein Start ins Showbusiness.

Barnum and Bailey Limited | 02.04.1891

1834/35 zog Phineas Taylor Barnum nach New York City und übernahm im Jahr 1841 das American Museum. Er präsentierte neben ausgestopften Vögeln, einen Flohzirkus, Kleinwüchsige und Menschen mit Albinismus. Er baute das Museum zu einem der größten Unterhaltungsspektakel des 19. Jh. aus.

Neben den Ausstellungen, die eine Ansammlung von allem, was irgendwie interessant sein konnte, darstellten, half ihm dabei sein Talent zur Inszenierung und Öffentlichkeitsarbeit. Jeder neue Programmpunkt wurde mit Plakaten und in Zeitungen als „Sensation“ beworben. Dazu schrieb er Artikel und Leserbriefe, um seine Ausstellung immer wieder zum Gesprächsthema zu machen. Auch vor Bluffs, inszenierten Konkurrenzen und Betrügereien schreckte Phineas Taylor Barnum nicht zurück. So gab sich einer seiner Mitarbeiter als Doktor aus London aus, um eine "Fidschi-Meerjungfrau" zu propagieren. Diese bestand aus dem Oberköper eines Affen, der geschickt auf einem Fischleib angebracht war, und wurde so 1842 zur Sensation.

Barnum and Bailey Limited | 15.09.1900

Barnum and Bailey Limited | 24.10.1900

Grosser Parade-Umzug von Barnum und Bailey
23.08.1900

Barnum and Bailey Limited | 20.06.1901

Museumsbrand | Jumbo, genannt der „König der Elefanten“ stirbt.

Als das Museum unter mysteriösen Umständen abbrannte, vermutlich war Brandstiftung die Ursache, verlegte sich Phineas Taylor Barnum mehr und mehr auf das Zirkusgewerbe. Mit 60 Jahren gründete er Phineas Taylors Barnum’s Grand Travelling Museum, Menagerie, Caravan and Circus - zu dieser Zeit das größte Zirkusunternehmen der amerikanischen Geschichte. Im Jahr 1885 verband er sich mit James Anthony Bailey (1847-1906) zum “Barnum London Circus”.

Im gleichen Jahr, am 15. September 1885, ereignete sich ein schlimmer Unfall. Vermutlich aufgrund eines Weichenfehlers wird der Zirkuselefant Jumbo beim Umladen im Bahnhof von St. Thomas, Ontario/Kanada von der Lokomotive eines Güterzuges erfasst. Die Lokomotive und zwei weitere Wagen entgleisten. Der Lokomotivführer und der Elefant kommen dabei ums Leben.

Jumbo, genannt der „König der Elefanten“, war ein afrikanischer Elefantenbulle, der infolge einer intensiven und bis dahin für ein Zootier beispiellosen Presseberichterstattung als Publikumsmagnet weltberühmt wurde. 1861 gelangte er zunächst nach Paris, dann nach London, wo er von 1865 bis 1882 eine der Hauptattraktionen des Londoner Zoos war. 1882 erwarb ihn dann Phineas Taylor Barnum und präsentierte ihn in den folgenden Jahren gewinnbringend in den USA. Bereits zu Lebzeiten und über seinen Tod hinaus wurde Jumbo zur Legende; sein Name ist bis heute weltweit ein Synonym für Größe.

Circus Barnum & Bailey
Musikwagen und Reitdamen | 06.07.1900

Barnum and Bailey Limited | 07.08.1900

ErsteTournee der "Greatest Show on Earth" durch die USA | Phineas Taylor Barnum stirbt.

1888 tourte die “Barnum & Bailey Greatest Show on Earth” erstmals durch die USA. Der Zirkus behandelte die ausgestellten Tiere wie sonstige Ausstellungsstücke; in den 1880er Jahren geriet Phineas Taylor Barnum in einen langwierigen Rechtsstreit mit dem US-amerikanischen Tierschutzverein ASPCA. Phineas Taylor Barnum starb am 7. April 1891, doch James A. Bailey führte die Show zu neuen Höhen: 85 Güterwagen benötigte der Tross, mehr als 1000 Mitarbeiter waren im Zirkus beschäftigt, fünf Bühnen und Menagen wurde unterhalten. Der Zirkus reiste um 1895 mit einem eigenen Sonderzug durch Europa. Von 1900 bis 1901 gab der Zirkus in Wien/Österreich ein Gastspiel, der Zirkus bot Sitzgelegenheiten für über 8000 Besucher.

Barnum and Bailey Limited | 25.08.1900

Cirkus Barnum & Bailey
Gruss aus Braunschweig bei Schöppenstedt | 04.08.1900

Die Ringling Brothers

1870 starteten die Ringling Brothers: Albert Charles "Al" (1852-1916), Alfred Theodore "Alf T." (1862-1919), Charles Edward "Charley" (1863-1926), John Nicholas (1866-1936), er war seit 1905 mit Mable Ringling, geb. Burton (1875-1929) verheiratet und William Henry Otto (1858-1911), später kamen noch Augustus Gustav “Gus” (1854-1907) und Henry William George (1869-1918) dazu in Baraboo, Wisconsin/USA ihren ersten Zirkus und waren bald als “Kings of the Circus World” bekannt.

Die Ringling Brothers tourten unter dem offiziellen Namen “The Ringling Brothers United Monster Shows, Great Double Circus, Royal European Menagerie, Museum, Caravan, and Congress of Trained Animals”, ab November 1882 als "The Ringling Brothers Classic and Comic Concert Company" und seit 1884 als The Ringling Brothers Circus durch die USA. Seit 1888 hatte man auch zwei Elefanten und ein Zirkusorchester zu bieten. Es wurde ein Jahresumsatz von rund 15,000 US-Dollar erzielt.

Das Familienoberhaupt stammte ursprünglich aus Deutschland. August Ruengling wanderte in die USA aus und heiratete in Milwaukee, Wisconsin/USA Marie Salomé Juliar. Später änderte August Ruengling seinen Familiennamen in Ringling um. Das Ehepaar hatte sieben Söhne und eine Tochter, Ida Loraina Wilhelmina Ringling (1874-1950). Erst wohnten die Ringlings in Chicago, Illinois/USA, zogen dann nach Baraboo, Wisconsin/USA und nach dem Bürgerkrieg 1865 nach McGregor, Iowa/USA.

Die Ringling Brothers übernehmen den Barnum and Bailey Limited Circus

1907, James A. Bailey war im Frühjahr 1906 in Mount Vernon, New York/USA gestorben, übernahmen die Ringling Brothers für 410,000 US-Dollar ihren größten Konkurrenten, den Barnum and Bailey Limited Circus. Der Zirkus blieb unter gleichem Namen und selbstständigem Programm unabhängig. Nur die Geschäftsführung wurde durch die Ringling Brothers übernommen.

Zu dieser Zeit waren auch die sogenannten Sideshows beim Publikum sehr beliebt. Manager der Barnum and Bailey Sideshows war der bekannte Sideshow-Manager Clyde Nigalls (1876-1940). Eine Sideshow war ein spektakuläres Beiprogramm von Zirkusveranstaltungen für ein Publikum aus einfachen Verhältnissen. Die Sideshow konnte eine Abnormitätenschau, eine Art Völkerschau, ein Varieté-Programm wie das US-Vaudeville (eine Mischung aus Varieté und Zirkusprogramm) oder eine erotische Darbietung wie die Burlesque sein. Zu den letzten regelmäßigen Sideshows mit humorvollhistoristischem Anstrich gehören die Sideshows by the Seashore auf Coney Island/Brooklyn, bei New York City, in den USA.

Löwenjagd in Leipzig 1913

Am 19. Oktober 1913 sind bei einem Gastspiel in Leipzig/Sachsen acht Löwen des Barnum and Bailey Limited Circus aus ihrem Wagen, mit dem sie durch die Stadt gefahren wurden, entkommen. Nach der Abendvorstellung des 19. Oktober wurden die Tiere (Löwen und Bären) per Pferdewagen zur Verladung zum Güterbahnhof gebracht. Die Pferde des hinteren Wagens mit den Bären wurden unruhig und durchstießen mit der Wagendeichsel die Rückwand des Löwenwagens, worauf acht der zehn Löwen ins Freie entkamen. Da es neblig war, stieß auch noch eine elektrische Straßenbahn mit dem Löwentransport zusammen. Nur zwei der acht Löwen wurden wieder eingefangen, sechs Löwen wurden von Polizisten der 8. Polizeiwache erschossen.

Moderne Löwenjagd in Leipzig am 19. Oct. 1913 | 28.12.1913

Löwenjagd in Leipzig | 00.00.1913

Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus

Als der Barnum and Bailey Limited Circus und der Ringling Brothers Circus im Jahr 1919 fusionierten, entstand das größte Zirkusunternehmen der Welt, der Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus. Das neue Zirkusunternehmen hatte sein Winterquartier in Sarasota, Florida/USA. 1925 heuerte Lou Jacobs, eigentlich Johann Ludwig Jakob, gebürtig aus Bremerhaven, als Clown und Entertainer beim Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus an, dem er bis 1985 angehörte.

Siehe auch: Der Clown Lou Jacobs weiter unten

Ringling Bros. and Barnum & Bailey Combined Shows.
Winter Quarters - Saratota, Fla.

Main Entrance - Ringling Bros. and Barnum & Bailey
Winter Quarters Sarasota Fla. | 13.12.1948

Das John und Mable Ringling Museum of the Arts

1928 wurde der Grundstein für das John und Mable Ringling Museum of the Arts in Sarasota, Florida/USA gelegt. Zuvor hatte das Ehepaar Ringling 1911 ein 20 ha großes Anwesen erworben und wohnte dann ab 1912 auch privat in Sarasota. John Nicolas Ringling war nicht nur Partner des Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus, sondern auch als Kunstliebhaber mit großer Sammelleidenschaft bekannt. In Sarasota erwarb sein Zirkusunternehmen nicht nur Grundbesitz, um dort seine Winterresidenz und das Winterquartier für den Zirkus zu errichten, sondern auch um sein Museum zubauen.

The Ringling Art Museum, Sarasota, Florida | 30.01.1941

View in partio of John and Mable Ringling Museum of the Arts, between Sarasota and Bradenton... | 26.01.1956

Die Kunstsammlungen befinden sich heute unter anderem in der ehemaligen Villa Cà d'Zan. Das Gebäude wurde in den Jahren 1924 bis 1926 im Renaissance-Stil für 1,5 Mio. US-Dollar mit Friesen, Brunnen, Gewölben und Säulen durch den New Yorker Architekten Dwight James Baum (1886-1939), im Auftrag von John und Mable Ringling errichtet. Die Sammlungen umfassen insbesondere die Kunstgalerie (darunter Gemälde von Peter Paul Rubens, Velázquez, Poussin, van Dyck und anderen barocken Meistern, sowie seltene Antiquitäten aus Zypern) und ein Zirkusmuseum, umgeben von einem wunderschönen Garten.

John Nicolas Ringling vermachte nach seinem Tod 1936, seine Kunstsammlung und sein Anwesen den Bürgern Floridas.

Brand in Hartford (Connecticut, USA) | The Greatest Show on Earth

Am 6. Juli 1944 kam es zu einem verheerenden Brand, als der Zirkus in Hartford, Connecticut/USA niederbrannte.

Bei dem Brand wurden 168 Menschen getötet und ca. 700 Menschen verletzt (die Zahlen differieren, je nach Quelle). Insgesamt explodierten durch eine weggeworfene Zigarette etwa 800 kg Paraffin und rund 6.000 Gallonen (25 m³) Gas.

1952 wurde unter der Regie von Cecil B. DeMille (1881-1959) der US-amerikanische, halbdokumentarische Spielfilm "Die größte Schau der Welt" (Originaltitel: The Greatest Show on Earth) gedreht. Die Hollywood-Schauspieler Charlton Heston (1923-2008), Betty Hutton (1921-2007), Dorothy Lamour (1914-1996) und James Stewart (1908-1997) spielten mit.

 

“The Greatest Show on Earth”
hat bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus World Showcase,
Barnum City, Florida

Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus
Unloading at Winter Quarters Sarasota Fla.

Single and Double Humped Camels at Ringling Bros.
Winter Quarters Sarasota Fla. | 24.03.1945

Die Zirkuspolka

Die Zirkuspolka (Originaltitel: Circus Polka: For a Young Elephant) ist ein Instrumentalstück des russisch-französisch-US-amerikanischen Komponisten Igor Strawinski (1882-1971), das ursprünglich im Jahr 1942 für eine Ballettproduktion des Choreografen George Balanchine (1904-1983) für den Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus komponiert wurde. Aufgeführt wurde die Zirkuspolka von einem aus je 50 Elefanten und Ballerinen bestehenden Ballett. 1944 veröffentlichte Igor Strawinski eine Orchesterfassung der Zirkuspolka, die seitdem zum Standardprogramm vieler Orchester zählt.

Souvenir de Barnum et Bailey - Un des group d'Éléphants
de Barnum & Bailey en file indienne | 27.10.1910

Circus Barnum & Bailey Elephantengruppe | 19.09.1900

Der Clown Lou Jacobs (1903-1992)

Lou Jacobs, eigentlich Johann Ludwig Jakob war ein US-amerikanischer Clown und Entertainer deutsch-jüdischer Herkunft. Lou Jacobs wurde am 1. Januar 1903 in Bremerhaven geboren. Er sammelte bereits als Kind Bühnenerfahrung.

1923 wanderte er in die USA aus, wo er in den New Yorker Vaudeville-Shows unter dem Namen Lou Jacobs auftrat. 1925 heuerte er beim Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus an, dem er bis 1985 angehörte. 1948 spielte er für Kinder, die die Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebt hatten.

1952 hatte Lou Jacobs einen Auftritt in dem Cecil B. DeMilles (1881-1959) Film “The Greatest Show on Earth” an der Seite von James Stewart (1908-1997). 1953 heiratete er Jean Rockwell, ein ehemaliges Showgirl des Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus, aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Lou Ann wurde Luftakrobatin und Elefanten-Trainerin, Dolly Jean wurde ebenfalls Luftakrobatin. 1966 wurde Lou Jacobs mit einer Briefmarke in den USA geehrt.

Barnum and Bailey Limited | 30.08.1901

Lou Jacobs | Johann Ludwig Jakob

In den 1970er Jahren war Lou Jacobs einer der Gründer des Ringling Bros. and Barnum & Bailey Clown College, an dem er bis 1991 die Meisterklasse unterrichtete. 1987 erhielt er den Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus Lifetime Achievement Award. Ein Jahr später wurde sein Stern im Sarasota's Circus Ring of Fame enthüllt. 1989 wurde Lou in die Circus Hall of Fame in Peru, Indiana, und in die Clown Hall of Fame in Delavan, Wisconsin aufgenommen.

Lou wurde auch auf dem Internationalen Circus Festival in Monte Carlo, Monaco geehrt.

Lou Jacobs starb am 13. September 1992 im Alter von 89 Jahren in Sarasota, Florida/USA, an Herzversagen.

                            

 Elephant and Clown (Lou Jacobs) at Ringling    Giraffe and Clown at Ringling Bros.
  Bros. and Barnum & Bailey Winter Quaters,  and Barnum & Bailey Winter Quaters,
                         Sarasota, Fla.                            Sarasota, Fla. | 23.01.1948

Clowning at Ringling Bros. and Barnum & Bailey Winter Quarters, Sarasota, Fla.

At the Circus, Ringling Bros. and Barnum & Bailey Winter Quarters, Sarasota, Fla.

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Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Die große Trommel. P. T. Barnum der Meister der Reklame. | Otto Ernst Sutter | Verlag Otto Wigand Leipzig | 1924
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