Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Photographisches Atelier der Familie Wunder

Friedrich Karl Wunder (1815-1893)

Friedrich Karl Wunder wurde am 27. Oktober 1815 in Bayreuth/Bayern geboren. Er war einer der bekanntesten Litho- und Fotografen Hannovers im 19. Jhs. Er hinterließ zahlreiche Portraits namhafter Persönlichkeiten und wichtige topografische Bild-Dokumente zur hannoverschen Stadtgeschichte. Sein Großvater, Friedrich Wilhelm Wunder (1742–1828) war ein bekannter Maler, Zeichner und Naturwissenschaftler. Sein Vater Johann Friedrich Wilhelm Wunder (1778–1842) war Jurist (Landrichter), Kammerregistrator und Aufseher der Naturaliensammlung am Hof des Markgrafen in Bayreuth.

Über die Kindheit Friedrich Karl Wunders ist wenig bekannt. Man vermutet eine Ausbildung mit künstlerischem Schwerpunkt, vermutlich eine Lehre als Lithograf. Denn seit 1835 arbeitete er als solcher in der Baumgart’schen Druckerei, und übernahm 1840/41 die Leitung des Betriebes, nachdem der Inhaber Georg Friedrich Baumgarte (1809-1839) verstorben war.

F. Wunders Photographische Anstalt

Am 21. November 1841 erwarb Friedrich Karl Wunder die Bürgerrechte der Stadt Hannover und ging am 22. Januar 1842 die Ehe mit Luise Margarete Wunder, geb. Baumgarte, der Tochter Georg Friedrich Baumgartes ein. Mit seiner Ehefrau hatte er insgesamt sechs Kinder. Die beiden Zwillingsschwestern Ida Wunder (1842-?) und Dora Wunder (1842-?), Otto Wunder (1844-1921), Carl Ludolph Ferdinand Wunder (1849-?), Karl Friedrich Wunder (1849-1924) und Hermann Wunder (1853-?). Seine Söhne Otto, Karl Friedrich und Hermann wurden ebenfalls Fotografen. Dora Wunder blieb unverheiratet und wohnte ihr gesamtes Leben lang, bis zu ihrem Tod um 1930, im Neuen Weg 5, in der Hannoverschen Altstadt.

Ab 1841 unternahm er die ersten Versuche auf dem Gebiet der Daguerreotypie (Dago), um 1844 gründete er ein eigenes photographisches Atelier in der Hannover-Altstadt (Marktstraße 440, ab 1845 in Hausnummer 24 umbenannt). 1856 erwarb Friedrich Karl Wunder das Haus Billet 3 am Neuen Weg 4, ebenfalls in der Hannoverschen Altstadt und Anfang 1859 wurde die Druckerei verkauft. Kurz nachdem sich 1863 der Photographische Verein zu Berlin gegründet hatte, wurde er von 1864 bis 1868 dessen Mitglied. 1868 erhielt er die bronzene Medaille auf der 2. Ausstellung photographischer Arbeiten in Hamburg.

Königstrasse Hannover | F. Wunder | CDV

Zu Friedrich Karl Wunders bekanntesten Bildern gehören: Eine Daguerreotypie des 16-jährigen Heinrich Christian Wilhelm Busch (1832-1908) von 1848 und zwei Visitenkarten-Porträts von Karl Marx (1818-1883) von 1867, als Karl Marx bei seinem Freund, dem jüdischen Arzt und Gynäkologen Louis Kugelmann (1828-1902), in Hannover die ersten Korrekturbogen des Kapitals las. Im Oktober 1899 war auch der Sozialdemokrat Ferdinand August Bebel (1840-1913) bei Louis Kugelmann zu gast.

Am 30. Dezember 1893 starb Friedrich Karl Wunder im Alter von 78 Jahren in Hannover. Er wurde in einem 1869 erworbenen Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof beerdigt.

Otto Wunder (1844-1921) - 1. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Otto Wunder wurde am 28. September 1844 in Hannover geboren. Er gründete 1870 sein eigene Photographische Anstalt (Fotoatelier) in der Schillerstraße 24, in der Nähe des Hauptbahnhofs in Hannover-Mitte, unter dem Namen Firma F. Wunder Sohn. Er wohnte laut Adressbuch von 1872 auch Privat dort. Otto Wunder wurde 1878 für seine Leistung auf der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover ausgezeichnet. Um 1885 erhielt er den Ehrenpreis des Deutschen Photographen-Vereins. Um 1885/86 befand sich der Firmensitz am Ernst-August-Platz 6, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof.

Otto Wunder nahm 1888, ebenso wie sein Bruder Karl Friedrich Wunder, an der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover teil. Um 1890 zog die Firma in die Königstraße 52 um. Laut Adressbuch von 1897 wohnte Otto Wunder auch privat in der Königstraße 52. Der Betrieb überlebte die Deutsche Inflation von 1914 bis 1923 nicht.

Otto Wunder starb 1921 in Hannover und wurde wie sein Bruder Karl Friedrich Wunder im Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof neben seinen Eltern beerdigt.

Karl Friedrich Wunder (1849-1924) - 3. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Karl Friedrich Wunder wurde 1849 in Hannover geboren und war über Hannover hinaus als Fotograf, Ansichtskarten- und Fotobuchverleger bekannt. Er war der drittälteste Sohn des Fotografen Friedrich Karl Wunder. Karl Friedrich Wunder erlernte das Fotografieren bei seinem Vater am Neuen Weg in Hannover. 1875 übernahm er den väterlichen Betrieb.

Durch die Übernahme des Betriebes und der dort vorhandenen Glasnegative sind nicht alle – später datierten - Fotos Karl Friedrich Wunder zuzuschreiben, sondern zum Teil noch seinem Vater. Die fortschreitende Fototechnik ermöglichte kürzere Belichtungen und ganze Serien von Moment-Aufnahmen, auf denen auch bewegte Gegenstände noch deutlich zu erkennen sind. Karl Friedrich Wunder produzierte zahllose Visitenkarten, diverse Fotobücher und Foto-Illustrationen und mehr als 1500 mittels Lichtdruck hergestellte Foto-Postkarten aus Niedersachsen und Hannover, hauptsächlich vor und um 1900.

Von 1878 bis 1879 ließ sich Karl Friedrich Wunder durch den Architekten Christoph Hehl (1847-1911) einen Wohn- und Geschäftssitz in Hannover errichten. Siehe weiter unten: Das Wohn- und Geschäftshaus Wunder, Friedrichstraße 8 b.

Anfang der 1880er-Jahre war er Mitglied im Vorstand des Deutschen Photographen-Vereins, der ersten gesamtdeutschen Interessenvertretung der professionell mit der Fotografie Beschäftigten. Um 1897 eröffnete Karl Friedrich Wunder eine Filiale in Leipzig/Sachsen unter der Firmenbezeichnung Georg Brokesch. Von 1886 bis 1889 bildete er den später sehr bekannten Fotografen Waldemar F. H. Titzenthaler (1869-1937) in seinem Atelier, in Hannover aus.

Georgstr. mit Karmarschstr. Ecke | 30.10.1898
Verlag Karl Friedrich Wunder

Atelier Karl F. Wunder Hannover | 1885

Karl Friedrich Wunder nahm 1888, ebenso wie sein Bruder Otto Wunder, an der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover teil. Er wurde mehrfach ausgezeichnet: 1878 in Coburg/Bayern und Hannover und 1881 nochmals in Hamburg. Der Betrieb überlebte die Deutsche Inflation von 1914 bis 1923 nicht. Karl Friedrich Wunder starb 1924 in Hannover und wurde wie sein Bruder Otto Wunder im Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof neben seinen Eltern beerdigt.

Misburgerdamm | 08.01.1905
Photo- und Verlag Karl Friedrich Wunder

Clementinenhaus | Atelier Karl F. Wunder | 1906 | CDV

Herrmann Wunder (1853-?) - 4. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Hermann Wunder wurde 1853 in Hannover geboren. Am 29. September 1874 ist er mit 20 Jahren nach Philadelphia in die USA auswandert. Es gibt Visitenkartenporträts mit der Bezeichnung Hermann Wunder, Brooklyn, New York, 722 Fulton Street. Es ist aber nicht klar, ob es sich tatsächlich dabei um Friedrich Karl Wunders Sohn handelt. Wann und wo er starb ist nicht bekannt.

Das Wohn- und Geschäftshaus Wunder

Von 1878 bis 1879 ließ sich Karl Friedrich Wunder durch den Architekten Christoph Hehl (1847-1911) einen Wohn- und Geschäftssitz in Hannover errichten. Das Gebäude entstand an der Friedrichstraße 8 b (heute Friedrichswall 17), die damals als erste Adresse galt. Das rote Backsteingebäude in gotisierender Form war der erste bürgerliche, viergeschossige Bau in diesem Straßenabschnitt, der von aristokratischen Palaisbauten dominiert war. Im Erdgeschoss befanden sich die Empfangsräume, in der ersten, in der "Bel-Etage" wohnte die Familie Wunder, und im zweiten Stock lagen die Ateliers des Fotografen.

Atelier Karl F. Wunder Hannover - Friedrichstrasse | 1885 | CDV

Friedrich Karl Wunder sen. Konnte 1887 noch die Einführung des Telefons erleben: Das Atelier seines Sohns erhielt mit der Telefonnummer 407 einen der ersten Anschlüsse an das Fernsprechnetz der Stadt Hannover. Das Gebäude gegenüber dem Neuen Rathaus wurde durch Luftangriffe, von amerikanischen B-17 Bombern auf Hannover im Zweiten Weltkrieg, im Inneren beschädigt, die Fassade blieb jedoch unbeschädigt erhalten. Das Haus steht unter Denkmalschutz.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / CDV / KAB / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900
| Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dirk Böttcher, Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2002
Hannover in frühen Photographien 1848–1910 | Ludwig Hoerner | Verlag: Schirmer/Mosel | 1979
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Wikipedia - Bernd Schwabe in Hannover