Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2012
Atelier Fam. Wunder
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Photographisches Atelier der Familie Wunder

Friedrich Karl Wunder (1815-1893)

Friedrich Karl Wunder wurde am 27. Oktober 1815 in Bayreuth geboren. Er war einer der bekanntesten Litho- und Photograph Hannovers im 19. Jhs. Er hinterließ zahlreiche Portraits namhafter Persönlichkeiten und wichtige topografische Bild-Dokumente zur hannoverschen Stadtgeschichte. Sein Großvater, Friedrich Wilhelm Wunder (1742–1828) war ein bekannter Maler, Zeichner und Naturwissenschaftler. Friedrich Karls Vater war Jurist, Kammerregistrator und Aufseher der Naturaliensammlung am Hof des Markgrafen in Bayreuth.

Über die Kindheit Friedrich Karls ist wenig bekannt. Man vermutet eine Ausbildung mit künstlerischem Schwerpunkt, vermutlich eine Lehre als Lithograf. Denn seit dem Jahr 1835 arbeitete er als solcher in der Baumgart’schen Druckerei, und übernahm 1840 die Leitung des Betriebes, nachdem der Inhaber Georg Friedrich Baumgarte verstorben war.

Königstrasse Hannover | F. Wunder | CDV

Am 21. November 1841 erwarb Friedrich Karl Wunder die Bürgerrechte der Stadt Hannover und ging am 22. Januar 1842 die Ehe mit Luise Margarete Baumgarte ein. Ab 1841 unternahm er die ersten Versuche auf dem Gebiet der Daguerreotypie, um 1842 gründete er ein eigenes photographisches Atelier in einer Druckerei in der Altstadt (Marktstraße 440, ab 1845 dann in Hausnummer 24 umbenannt). Im Jahr 1856 erwarb Friedrich Karl das Haus Billet 3 am Neuen Weg 4 und 1859 wurde die Druckerei verkauft. Kurz nachdem sich 1863 der Photographische Verein zu Berlin gegründet hatte, wurde Friedrich Karl von 1864 bis 1868 deren Mitglied. Im Jahr 1868 erhielt er die bronzene Medaille auf der 2. Ausstellung photographischer Arbeiten in Hamburg.

Zu seinen bekanntesten Bildern gehören: eine Daguerreotypie des 16-jährigen Wilhelm Busch (1832-1908) von 1848 (Original im Besitz des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch) in Hannover und zwei Visitenkarten-Portraits von Karl Marx (1818-1883) aus dem Jahr 1867 (Originalabzug im Besitz der Friedrich-Ebert-Stiftung, Karl-Marx-Haus in Trier), als Marx bei seinem Freund, dem Gynäkologen Louis Kugelmann (1828-1902), in Hannover die ersten Korrekturbogen des Kapitals las.

Karl Friedrich Wunder hatte mit seiner Ehefrau Sophie Luise Margarete insgesamt sechs Kinder. Die Zwillingsschwestern Ida und Dora (1842-?), Otto (1844-1921), Carl Ludolph Ferdinand (1849-?), Karl Friedrich (1849-1924) und Hermann (1853-?). Seine Söhne Otto, Karl Friedrich und Hermann wurden ebenfalls Fotografen. Dora Wunder, geb. 1842, blieb unverheiratet und wohnte fast ihr gesamtes Leben lang, bis zu ihrem Tod um 1930, im Neuen Weg 5.

Am 30. Dezember 1893 starb Friedrich Karl Wunder im Alter von 78 Jahren in Hannover. Er wurde auf einem 1869 erworbenen Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof beerdigt.

Otto Wunder (1844-1921) - 1. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Otto Wunder wurde am 28. September 1844 in Hannover geboren. Er gründete 1870 sein Fotoatelier in der Schillerstraße 24, in der Nähe des Hauptbahnhofs, unter dem Namen Firma F. Wunder Sohn. Er wohnte laut Adressbuch von 1872 auch Privat dort.

Otto Wunder wurde 1878 für seine gewerbliche Leistung auf der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover ausgezeichnet. Um 1885 erhielt er den Ehrenpreis für seine Leistungen in der Fotografie, des Deutschen Photographen-Vereins. Um 1885/86 befand sich der Firmensitz am Ernst-August-Platz 6, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof.

Im Jahr 1888 nahm Otto, ebenso wie sein Bruder Karl Friedrich, an der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover teil. Um 1890 zog die Firma in die Königstraße 52 um. Laut Adressbuch von 1897 wohnte Otto auch Privat in der Königstraße 52. Der Betrieb überlebte die Deutsche Inflation von 1914 bis 1923 nicht.

Otto Wunder starb 1921 in Hannover und wurde wie sein Bruder Karl Friedrich Wunder im Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof neben seinen Eltern begraben.

Karl Friedrich Wunder (1849-1924) - 2. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Karl Friedrich Wunder wurde 1849 in Hannover geboren und war ein über Hannover hinaus bekannter Fotograf, Ansichtskarten- und Fotobuchverleger. Karl Friedrich war der zweitälteste Sohn des Fotografen Friedrich Karl Wunder. Karl Friedrich erlernte das Fotografieren bei seinem Vater am Neuen Weg in Hannover. Im Jahr 1875 übernahm er den väterlichen Betrieb.

Durch die Übernahme des väterlichen Betriebes und der dort vorhandenen Glasnegative sind nicht alle – später datierten – Fotos Karl Friedrich zuzuschreiben, sondern zum Teil noch seinem Vater. Die fortschreitende Fototechnik ermöglichte kürzere Belichtungen und ganze Serien von Moment-Aufnahmen, auf denen auch bewegte Gegenstände noch deutlich zu erkennen sind. Karl Friedrich produzierte zahllose Visitenkarten, diverse Fotobücher und Foto-Illustrationen und mehr als 1500 mittels Lichtdruck hergestellte Foto-Postkarten aus Niedersachsen und Hannover, hauptsächlich vor und um das Jahr 1900.

Georgstr. mit Karmarschstr. Ecke | 30.10.1898
Verlag Karl Friedrich Wunder

Misburgerdamm | 08.01.1905 - Verlag Karl Friedrich Wunder

Von 1878 bis 1879 ließ sich Karl Friedrich Wunder durch den Architekten Christoph Hehl (1847-1911) einen Wohn- und Geschäftssitz in Hannover errichten. Siehe weiter unten: Das Wohn- und Geschäftshaus Wunder - Friedrichstraße 8 b.

Anfang der 1880er Jahre war Karl Friedrich Wunder Mitglied im Vorstand des Deutschen Photographen-Vereins, der ersten gesamtdeutschen Interessenvertretung der professionell mit der Fotografie Beschäftigten. Um 1897 eröffnete er eine Filiale in Leipzig unter der Firmenbezeichnung Georg Brokesch. Von 1886 bis 1889 bildete er den später sehr bekannten Fotografen Waldemar Franz Hermann Titzenthaler (1869-1937) in Hannover aus.

1888 nahm Karl Friedrich, ebenso wie sein Bruder Otto, an der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover teil. Er wurde mehrfach Ausgezeichnet: 1868 in Hamburg, 1878 in Hannover, 1878 in Coburg und 1881 nochmals in Hamburg.

Der Betrieb überlebte die Deutsche Inflation von 1914 bis 1923 nicht. Karl Friedrich Wunder starb 1924 in Hannover und wurde wie sein Bruder Otto Wunder im Familiengrab auf dem Engesohder Friedhof neben seinen Eltern begraben.

Clementinenhaus | Atelier Karl F. Wunder | 1906 | CDV

Herrmann Wunder (1853-?) - 4. Sohn von Friedrich Karl Wunder

Hermann Wunder wurde 1853 in Hannover geboren. Am 29. September 1874 ist er mit 20 Jahren nach Philadelphia, in die USA auswandert. Es gibt Visitenkartenporträts mit der Bezeichnung Herman Wunder, Brooklyn, New York, 722 Fulton Street. Es ist aber nicht klar, ob es sich tatsächlich dabei um Karl Friedrichs Sohn Hermann handelt.

Das Wohn- und Geschäftshaus Wunder

Von 1878 bis 1879 ließ sich Karl Friedrich Wunder durch den Architekten Christoph Hehl (1847-1911) einen Wohn- und Geschäftssitz in Hannover errichten. Das Gebäude entstand an der Friedrichstraße 8 b (heute Friedrichswall 17), die damals als erste Adresse galt. Das rote Backsteingebäude in gotisierender Form war der erste bürgerliche, viergeschossige Bau in diesem Straßenabschnitt, der von aristokratischen Palaisbauten dominiert war. Im Erdgeschoss befanden sich die Empfangsräume, in der ersten, in der "Bel-Etage" wohnte die Familie Wunder, und im zweiten Stock lagen die Ateliers des Fotografen.

Im Jahr 1887 konnte Friedrich Karl Wunder sen. noch die Einführung des Telefons erleben: Das Atelier seines Sohns Karl Friedrich erhielt mit der Telefonnummer 407 einen der ersten Anschlüsse an das Fernsprechnetz der Stadt Hannover.

Das Gebäude gegenüber dem Neuen Rathaus wurde durch Luftangriffe, von amerikanischen B 17-Bombern auf Hannover im Zweiten Weltkrieg, im Inneren beschädigt, die Fassade blieb jedoch unbeschädigt erhalten.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / CDV / KAB / Text

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Adress- und Fernsprechbücher der Stadt Hannover
Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe- ABC 1800-1900
| Ludwig Hoerner | Reichold Verlag | 1995
Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dirk Böttcher, Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2002
Hannover in frühen Photographien 1848–1910 | Ludwig Hoerner | 1979
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Wikipedia - Bernd Schwabe in Hannover