Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
Anzeigerhochhaus | Städt. Badeanstalt | Nikolai-Kapelle | Hölty-Denkmal
http://www.postkarten-archiv.de/anzeigerhochhaus-staedt-badeanstalt-nikolai-kapelle-hoelty-denkmal.html

© Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017

Anzeiger-Hochhaus | Städt. Badeanstalt (Goseriedebad) | Nikolai-Kapelle | Hölty-Denkmal

Um das Anzeiger-Hochhaus-Archiv anzuschauen - bitte den Archiv-Link öffnen.
Archiv - Anzeiger-Hochhaus | Städt. Badeanstalt | Nikolai-Kapelle | Hölty-Denkmal und Gänseliesel-Brunnen

Anzeiger-Hochhaus

Das Anzeiger-Hochhaus wurde von 1927 bis 1928 errichtet. Das Gebäude ist mit seiner 12 m hohen, grünen Dachkuppel ein Wahrzeichen der Stadt Hannover und war eines der ersten Hochhäuser Deutschlands. Das Hochhaus gehört zu den wenigen repräsentativen Großgebäuden Hannovers, die den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt überstanden haben.

Der 51 m hohe Stahlskelettbau mit dunkelroter und teilweise goldglasierter Klinkerfassade entstand nach einem Entwurf von Fritz Höger (1877-1949). Die Fassade ist mit dekorativen Elementen an gotisierenden und expressionistischen Detailformen versehen. Das Anzeiger-Hochhaus wird der Stilrichtung der expressionistischen Architektur („Backstein-Expressionismus“) zugerechnet.

Weitere Gebäude dieser Art und Epoche in Hannover sind das 1926 fertiggestellte Franzius-Institut (damals: Institut für Bauingenieurwesen) an der Nienburger Straße, das 1929 bis 1930 errichtete Capitol-Hochhaus am Schwarzen Bären und der 1931 nach Plänen von Prof. Karl Elkart (1880-1959) fertiggestellte Neubau der Stadtbibliothek Hannover an der Hildesheimer Straße (erstes Bibliotheks-Hochhaus in Europa).

Goseriede mit Anzeiger Hochhaus | 15.06.1954

Erbaut wurde das zehngeschossige Hochhaus als Verlagshaus der Hannoverschen Verlagsgesellschaft Madsack, Herausgeberin des Hannoverschen Anzeiger, vorläufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) und der Neuen Presse (NP). Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien hier erstmals die von Rudolf Augstein (1923-2002) herausgegebene Zeitschrift DER SPIEGEL, die Redaktion verlegte aber bereits 1949 ihren Sitz nach Hamburg. 1962 waren in dem als Pressehaus genutzten Anzeiger-Hochhaus über 800 Mitarbeiter beschäftigt. Ab 1974 verließ Madsack das Gebäude.

Cafe-Restaurant Hochhaus | 15.05.1943

Hochhaus mit Planetarium a.d. Goseriede | 17.02.1928

Hochhaus mit Planetarium a.d. Goseriede | 18.06.1930

Heute befindet sich in dem Gebäude die HIS Hochschul-Informations-System GmbH. Das Anzeiger-Hochhaus ist Teil des Medienzentrums Hannover. TV-Sender wie RTL und Sat.1, sowie Radio ffn und Hitradio Antenne haben hier Abteilungen oder Lokalredaktionen untergebracht.

Unter der grünen, weithin sichtbaren Kuppel, in der einst ein modernes Planetarium untergebracht war, befindet sich heute das Hochaus-Programm-Kino.

Nordöstlich schließt sich der Gebäudekomplex des 1905 fertiggestellten Goseriedebades an, der heute von der Kestnergesellschaft (Kestner-Museum) genutzt wird.

Im Erdgeschoss befindet sich auch noch eine Geschäftsstelle der Madsack Verlagsgesellschaft.

Die Geschäftsräume im Erdgeschoss weisen eine sehenswerte Deckenkonstruktion mit Licht- und Dekorelementen auf, die nach dem Architekten Fritz Höger als das „Högersche Auge“ bezeichnet wird.

Die Städt. Badeanstalt (Goseriedebad)

Das Goseriedebad, wurde von 1902 bis 1905 von dem damaligen Stadtbaurat und späteren Abgeordneten des Provinziallandtages Carl Wolff (1860-1929), als ein im Jugendstil gestaltetes Warmwasserbad, erbaut.

Städtische Badeanstalt | 23.12.1907

Das Goseriedebad wurde am 24. September 1905 eröffnet. Die Badeanstalt war mit einer Frauenschwimmhalle, zwei Männerschwimmbecken (1. und 2. Klasse), 40 Wannenbädern sowie Räumen für Massage, Dampf- und Heißluftbäder eine der modernsten und teuersten öffentlichen Badeanstalten in Deutschland. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad stark beschädigt. Nach der Wiedereröffnung des Goseriedebades Anfang der 1950er Jahre und dem immer geringer werdenden Bedarf an öffentlich zugänglichen Wasch- und/sowie Baderäumen verschob sich der Schwerpunkt der Nutzung mehr und mehr auf die Schwimmhalle. Da der Betrieb des Goseriedebades zunehmend zu einer starken Belastung für die Stadt Hannover wurde, entschloss sich die Stadtverwaltung, entgegen aller Proteste 1982 zur Schließung des Bades.

Städtische Badeanstalt | 11.12.1907

Neue Hannoversche Badeanstalt
Herrenschwimmbad I. Klasse | 28.06.1912

Städtische Badeanstalt | 28.07.1913

Neue Hannoversche Badeanstalt - Männerbad | 05.11.1926

Die Verlagsgesellschaft Madsack erwarb 1990 das Gebäude und bot Teile (des Damenbades und die Eingangshalle mit sämtlichen Nebenräumen) der Kestnergesellschaft (Kestner-Museum) zur Nutzung an. Das Herrenschwimmbad wurde vom Rundfunksender Radio ffn übernommen. Nach einem international besetzten Architektenwettbewerb mit Unterstützung der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB) wurde das Haus von den hannoverschen Architekten Kai-Michael Koch, Anna Panse und Andreas Christian Hühn in Zusammenarbeit mit der Kestnergesellschaft bis 1997 umgebaut und im gleichen Jahr mit dem Bund Deutscher Architekten - BDA-Preis ausgezeichnet. Das Kestner-Museum verfügt mit fünf Hallen auf zwei Ebenen über 1500 m² Ausstellungsfläche. Ausserdem gehört zum Museum eine Bibliothek, eine Buchhandlung und ein Bistro-Restaurant.

Die Nikolai-Kapelle

Die Nikolaikapelle wurde nach dem hl. Nikolaus von Myra benannt. Die Kirche wurde 1284 erstmals als "capella leprosorum extra muros" (Leprosenkapelle vor der Stadtmauer) erwähnt. Sie diente als Gotteshaus für das Nikolaistift, das vor der Stadtmauer an der Pest erkrankte Menschen, Lepra-Aussätzige und Arme pflegte. Nach der Reformation im 16. Jh. diente das Kirchengebäude als Friedhofskapelle des St.-Nikolai-Friedhofes, auf dessen Gelände sie sich befand, heute ein Parkgelände. Der St. Nikolai-Friedhof wurde im 13. Jh. außerhalb der Stadtmauer zwischen Klagesmarkt und Goseriede/Steintor angelegt.

Engl. Kirche | 29.06.1903

Nicolai-Capelle (Englische Kirche) | 22.08.1903

Während der 5-jährigen Bauzeit der Christuskirche von 1859 bis 1864 diente die Nikolai-Kapelle als Gotteshaus für die neu gegründete Gemeinde in der Hannover-Nordstadt.

Nach der Eröffnung des Neuen St.-Nikolai-Friedhof in der Hannover-Nordstadt, An der Strangriede, wurde 1866 der Alte St.-Nikolai-Friedhof geschlossen. Von 1896 bis 1902 wurde der Friedhof vom Landschaftsarchitekten und Stadtgartendirektor Julius Trip (1857-1907) zum Park umgestaltet.

Die Nikolai-Kapelle wurde 1869 an die in Hannover ansässige "Englische Gemeinde" für 50 Jahre vermietet, nachdem sich die Gemeinde "gegen Gewährleistung" gegenüber der Stadt erboten hatte, für die Kosten einer Erweiterung und des Ausbaus der Kapelle aufzukommen. Als Architekt wurde der Architekt und Hochschullehrer Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) gewonnen, der 1883/84 das Kirchenschiff zur Saalkirche umbaute und das Langhaus verlängerte.

 

Nicolai-Kapelle (Engl. Kirche)

Die Nikolai-Kapelle gelang 1890 in städtischen Besitz, die "Englische Gemeinde" verließ die Kapelle jedoch schon vor Ablauf der vertraglich festgelegten Nutzungsdauer: Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Gemeinde 1914 aufgelöst.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Alten St.-Nikolai-Friedhof, wie auch auf anderen öffentlichen Plätzen mit Grünanlagen in Hannover, sogenannte Splittergräben angelegt. Die Mitglieder der Technischen Nothilfe (TN) legten die zwei Meter tiefen Splittergräben im Zickzack an, um Passanten während der Luftangriffe auf Hannover schnellen Schutz zu bieten. 1943 erlitt die Kapelle schwere Schäden bei einem alliierten Bombenangriff. Es blieben nur die Außenmauern erhalten.

                     

         Nicolai-Kapelle | 31.12.1899             Nicolai-Capelle - Englische Kirche
                                                                     (Rückseite) | 05.03.1905

Ab 1953 wurde der größere Gebäudeteil, das Kirchenschiff, aus verkehrsplanerischen Gründen abgerissen. Dies hielt die Bauverwaltung für notwendig, um eine vierspurige Fahrbahn und einen Verkehrskreisel in diesem Bereich zu bauen.

In den Jahren 2006/07 wurde der Kapellengrund saniert und 2012 kam es im Rahmen des Umbau-Konzeptes Hannover City 2020+ zu städtebaulichen Veränderungen rund um die Nikolai-Kapelle. Dabei wurde ab Juni 2012, teilweise eine Verkleinerung der über den Friedhof geführten Straßenzüge Goseriede und Celler Straße vorgenommen.

Die Ruine erinnert heute als "Mahnmal" an den Zweiten Weltkrieg. Die vorhandenen Ruinenreste sind der vordere gotische Chorraum der ehemals größeren Kapelle. Das Gebäude aus Kalkbruchsteinen wird auf 1325 datiert. Heute stehen die Ruinenreste der Kapelle, umgeben von alten Grabsteinen, auf dem Alten St.-Nikolai-Friedhof-Gelände, das bis 1866 der St.-Nikolai-Friedhof war. An den Außenwänden sind gut erhaltene Grabsteine aus dem 16. Jh. bis 18. Jh. zu sehen.

Hölty-Denkmal

Das Hölty-Denkmal wurde 1901 zur Erinnerung an den deutschen Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776) auf dem Alten St. Nikolai-Friedhof auf gestellt.

Die Bronzefigur eines Jünglings, an einem Steinsockel mit dem Porträt lehnend wurde von Otto Lüer (1865-1947), das Porträt-Medaillon von Karl Gundelach (1856-1920), geschaffen. Die genaue Lage des Grabs auf dem Friedhof ist heute unbekannt.

Höltydenkmal | 23.10.1903

Die Gedenkverse stammen von Nikolaus Lenau (1802-1850):

"Hölty, Dein Freund der Frühling ist gekommen. Klagend irrt er im Hause, Dich zu finden. Doch umsonst, sein klagender Ruf verhallt in einsamen Schatten."

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1771) vertonte das Hölty Gedicht "Der alte Landmann an seinen Sohn" mit der Zeile "Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an Dein kühles Grab".

Hölty-Denkmal | 06.05.1902

Höltydenkmal | 30.11.1904

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

Wer etwas zu berichten oder zu berichtigen hat kann sich gerne beteiligen.
Einfach eine E-Mail an mich senden und mitmachen.

Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
Stadtarchiv Hannover
Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie