Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2017
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Hannover-Anderten | Hainholz | Misburg | Vahrenwald

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Hannover-Anderten

Das Dorf Anderten wurde erstmals im Jahr 985 urkundlich erwähnt. Anderten liegt, als einziger Stadtteil Hannovers, im historischen Siedlungsraum des Großen Freien. Daher rührt bis heute eine enge Verbundenheit mit Einrichtungen und Vereinen der heutigen Städte Sehnde und Lehrte. Um 1600 bestand Anderten aus rund 60 Höfen. 1641 und 1661 wurde Anderten von Bränden heimgesucht, die das halbe Dorf zerstörten.

Der Bahnhof Anderten-Misburg entstand 1906, als die Strecke Tiergarten–Lehrte zur Entlastung des Misburger Bahnhofs eröffnet wurde, der dann für den Personenverkehr geschlossen wurde. Im Jahr 1897 erreichte die Straßenbahn Anderten auf dem Weg nach Sehnde, ab 1901 gab es auch eine Zweiglinie durch den Ort nach Misburg. 1951 wurde letztere eingestellt, die Strecke nach Sehnde wurde 1960 stillgelegt. Seit 2002 fährt auf gleicher Strecke die Stadtbahn der Üstra AG.

Hindenburg Schleuse bei Anderten Hannover | 03.03.1939

Anderten bei Hannover. Restauration u. Kaffeegarten
Zur grünen Aue. | 04.07.1924

Am Mittellandkanal begann 1919 der Bau der größten Binnenschleuse Europas. Am 20. Juni 1928 wurde die Hindenburg-Schleuse durch Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) ihrer Bestimmung übergeben. Zur gleichen Zeit wurde der Verkehr auf dem Mittellandkanal bis Peine und Hildesheim freigegeben.

1969 begründeten Anderten und die französische Gemeinde Oissel in der Normandie eine Partnerschaft, die bis heute weitergeführt wird. Die alte Anderter Gartenstraße wurde in Oisseler Straße umbenannt; im Gegenzug existiert in Oissel eine Avenue d'Anderten. Mit der Kommunalreform im Jahr 1974 wurde das bis dahin eigenständige Dorf am 1. März 1974 als Stadtteil nach Hannover eingemeindet. 1985 fand die 1000-Jahr-Feier Andertens mit einem Straßenfest im alten Dorfkern und einem historischen Festumzug statt.

Hannover-Hainholz

Der Stadtteil Hannover-Hainholz, welcher nördlich der Bahnlinie Hannover–Wunstorf an den Stadtteil Nordstadt angrenzt, wurde im Jahr 1891 in die Stadt Hannover eingemeindet.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Heynholtz datiert aus dem Jahr 1425. Grabungsfunde weisen auf eine frühe Besiedelung der Gegend hin. Der Name Heynholtz wird dabei als Hinweis gedeutet, dass hier in vorchristlicher Zeit eine heilige Stätte zur Verehrung heidnischer Götter existierte.

Im Zuge der Christianisierung entstand eine Kapelle mit einem steinernen Marienbild, dass im Jahr 1394, in einer Urkunde des Herzogs Otto von Braunschweig und Lüneburg erstmals erwähnt wurde. Das Marienbild ging jedoch verloren, Reste des aus der gleichen Zeit stammenden Kirchenchors sind bis heute erhalten geblieben.

Zwischen 1933 und 1940 befand sich in Hannover-Hainholz der Rundfunksender Hainholz, von dem noch ein Sendemast steht.

Gruss aus Heinrich Schmedes Restaurant
Hainholz Hann. | 14.02.1904

Hannover-Misburg

noch Baustelle!!!

Das erstmalig 1365 urkundlich erwähnte Dorf entwickelte sich im 19. Jhr. durch die sich hier ansiedelnde Zementindustrie von einem kleinen Dorf zu einer industriell geprägten Gemeinde. Misburg besteht heute aus den Stadtteilen Misburg-Nord und Süd.

Einer Legende zufolge ist Misburg nach der Burg des Ritters Miß benannt. Diese Burg soll einst an der Stelle gestanden haben, an der heute die Straße „Hinter der Alten Burg“ liegt. Bis 1947 waren dort zum Teil noch Sandwälle vorhanden. Der eigentliche Standort der Burg wird auf dem Gelände der jetzigen St.-Anna-Kirche vermutet, da bei deren Bau in den 1950er Jahren nicht nur wuchtige Grundmauerreste, sondern auch große und behauene Sandsteinquader freigelegt wurden. Wegen des schnell fortschreitenden Baus der Kirche konnte das Gelände jedoch nicht weiter untersucht werden. Anderen Quellen zufolge entstammt das Wort „Mis“ einem inzwischen verschwundenen, durch das Hochdeutsche verdrängten, lokalen Dialekt und bedeutet schlicht „Moor“. Dadurch wird Misburg zur Burg im Moor.

Erstmals erwähnt wurde Meßborg 1365 in einer Urkunde, in welcher, Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg (1300-1369) der Stadt Hannover ein Privileg erteilte. Im Originalwortlaut der Urkunde wird das Altwarmbüchener Moor, das zwischen Altwarmbüchen, dem Misburger (Mudzborgher) Holz und Lahe liegt, zum Torfstechen für die Stadt Hannover und seine Bürger freigegeben. In einem Brief Bischof Gerhards von Hildesheim aus dem Jahre 1373 wird Misburg abermals erwähnt. Die Schreibweise änderte sich von Mudzburg über Meßborg/Mißborg über Mißburg (1740) und schließlich in Misburg.

Misburg war 1525 eine Bauernsiedlung mit etwa 25 Einwohnern, deren Höfe sich auf dem Gebiet der heutigen Anderter Straße befanden, zwischen der heutigen Waldstraße und der Kreisstraße. In dieser Zeit wurde die "Mudzborch" aufgegeben und verfiel. 1585 hatte das Dorf sieben Hofstellen, die sich bis 1800 auf 18 erweiterten. Ein enormer Wachstumsschub durch die Industrialisierung setzte ab dem Jahr 1870 durch die sich ansiedelnde Zementindustrie ein. Der hier im Untergrund entdeckte Grundstoff Mergel wurde in Kalköfen gebrannt und zu Zement verarbeitet. Bis 1900 entstanden vier Fabriken:

Hannoversche Portland Cementfabrik (1873–1986/90), Portland Cementfabrik Germania (1881–1976), Teutonia Zementwerk (1887), seit 2004 HeidelbergCement und die Norddeutsche Portland-Cementfabriken (1898), (heute Holcim).

Misburgs Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jhs. wurde entscheidend durch den Sozialdemokraten Gustav Bratke (1878-1952) geprägt. Der gelernte Lithograph kam 1910 nach Misburg und arbeitete hier zunächst als Lagerhalter im Konsumverein, bald gemeinsam mit seiner Ehefrau als dessen Geschäftsführer. Seit 1912 gehörte er für die SPD dem Misburger Gemeinderat an. 1919 wurde er Gemeindevorsteher von Misburg und 1920 SPD-Abgeordneter im Provinziallandtag der preußischen Provinz Hannover; 1926 außerdem Vorsitzender der Provinzialverwaltung. Gustav Bratkes Kommunal- und Sozialpolitik war durch eine Verbindung von Industrieansiedlung und kommunalen Investitionen gekennzeichnet. Er ließ die Gemeinde Bauland ankaufen, so dass es ihm gelang, 1931 die Ansiedlung der Erdöl-Raffinerie Deurag-Nerag in Misburg zu bewirken. Er ließ 154 gemeindeeigene Wohnhäuser sowie 250 Wohnungen bauen und förderte den Eigenheimbau. 1925/26 folgte der Bau des eigenen Wasserwerks durch den Architekten Friedrich Fischer (1879-1944), der ersten Kanalisation und von zwei Kläranlagen, 1926 des Jugendheims ebenfalls durch Friedrich Fischer. Während der Weltwirtschaftskrise sorgte er für die Einrichtung einer Volksküche in der damaligen Turnhalle. Zu dieser Zeit waren von den damals ca. 7.000 Einwohnern Misburgs rund 2.000 arbeitslos. 1933 musste Gustav Bratke alle politischen Ämter aufgeben.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Misburg bei fast 45 alliierten Bombenangriffen von ungefähr 40.000 Spreng- und Brandbomben getroffen, 60% der Wohnhäuser wurden vernichtet oder beschädigt. Die Angriffe galten kriegswichtigen Betrieben, wie sie die Raffinerie Deurag-Nerag und die Zementfabriken Misburgs darstellten. Nur 2 % der Bomben trafen jedoch die Raffinerie als Ziel der alliierten Luftoffensive gegen die deutsche Mineralölindustrie. Im Jahre 1944 erfolgte vom Umspannwerk Ahlten der Aufbau einer Versuchsanlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nach Misburg.

Der bekannte Schriftsteller und Weltkriegsveteran Ernst Jünger (1895-1998), der ab September 1944 im nahen Kirchhorst bei Hannover lebte, hat in mehreren Tagebuchaufzeichnungen "Kirchhorster Blätter" zu den Luftangriffen vermerkt:

"16. September 1944. Zahlreiche Überfliegungen. Misburg, das Hauptziel in der näheren Umgebung, wurde wieder getroffen, und große Ölvorräte brannten jenseits des Moores unter bleigrauen Rauchwolken ab..."

Am 15. März 1945, dem Tag des schwersten Luftangriffs auf Hannover-Misburg, notierte er: "Abends, während dieser Eintragungen, einer der schwersten Angriffe auf Misburg. Kundschafterflugzeuge säten zuerst eine wahre Allee von orangegelben Leuchtzeichen, sodann folgten die Abwürfe."

Gruss aus Misburg i. H. | 17.07.1962

 

Misburg b. Hannover - Johanneskirche | 26.07.1941

Nahe dem Werkgelände der Erdöl-Raffinerie befand sich von Juni 1944 bis April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Bei den ersten Häftlingen handelte es sich um belgische und französische Widerstandskämpfer. Sie wurden bei Aufräumarbeiten auf dem durch Bombenangriffe beschädigten Raffineriegelände der Deurag-Nerag eingesetzt. Durchschnittlich 1.000 Häftlinge waren in dem Lager untergebracht; etwa 55 sollen während seines Bestehens zu Tode gekommen sein. Gegen Ende des Krieges wurden die Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Norden in Richtung Neuengamme durchgeführt, der am 8. April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen bei Celle endete. Auf dem früheren Lagergelände an der Hannoverschen Straße in Höhe des Mittellandkanals wurde 1989 als Mahnmal eine Skulptur von Eugène Dodeigne aufgestellt.

         

              Misburg i. H. Pestalozzi-Schule | 05.04.1958                                  Misburg i. H. | 27.06.1962 

Am 29. Juli 1963 wurde Misburg zur Stadt erklärt und am 1. März 1974 in die Stadt Hannover eingemeindet. 1975 bekam Misburg vom Europarat als Dank für seine Bemühungen um die Völkerverständigung die Ehrenflagge verliehen. Im Zuge der Konzentrationen in der Zementherstellung wurden die meisten Zementwerke gegen Ende des 20. Jhs. stillgelegt. Auch die Erdölraffinerie DEURAG-NERAG wurde 1986 stillgelegt. Ende 2010 erhielt Misburg Anschluss an die Stadtbahn. Von 1901 bis 1955 war Misburg bereits an das Straßenbahnnetz der Stadt Hannover angeschlossen.

Hannover-Vahrenwald

Vahrenwald wurde 1183 erstmals urkundlich als Vorenwalde bekannt. Einer weiteren Urkunde von 1266 zufolge, vermachte ein Prediger der hannoverschen Marktkirche einen Teil seiner Güter in Vorenwalde einer anderen Kirche. Der Name Vahrenwald ist wahrscheinlich aus Vor-dem-Wolde (vor dem Walde) abgeleitet. Am heutigen Kolonnenweg begann damals das Waldstück De grote Wald, das sich auf 30 km Länge in Richtung Westen in Höhe des heutigen Mittellandkanals bis weit nach Neustadt am Rübenberge ausdehnte.

Das damalige Dorf lag im Bereich der heutigen Rotermund-, Melanchthon- und Vahrenwalder Straße. Schon früh passierte eine Nord-Süd Heerstraße von Hamburg über Hannover nach Mainz den Ort. Damals hieß sie Stader Chaussee, heute ist es die Vahrenwalder Straße. Auf ihr zogen im Mittelalter Pilger aus Skandinavien in die Heilige Stadt Rom. Nach Norden gab es die großen Heideflächen (unfruchtbares Land) der Mecklenheide, auf denen später der Stadtteil Vahrenheide entstand. Im Jahr 1689 zählte Vahrenwald 103 Bewohner. Mitte des 19. Jhs. standen 17 Bauernhöfe in Vahrenwald. Um 1860 gab es insgesamt 80 Gebäude und 308 Bewohner. Davon sind bis heute nur zwei Gebäude erhalten. 1876 hatte Vahrenwald schon fast 1.000 Bewohner. Zu dieser Zeit setzte die Ausdehnung Hannovers durch den Bau von Kasernen ein, darunter eine Kaserne mit der preußischen Kavalleriereitschule. Heute sind davon noch einzelne rote Backsteinbauten an der Dragonerstraße vorhanden, die sich in einem renovierten Zustand befinden. Darunter ist die vom Architekten, Bauunternehmer, Politiker und Senator Ferdinand Wallbrecht (1940-1905) errichtete Königliche Reithalle. In der Kaserne war im Anschluss an die militärische Nutzung ab 1950 bis 1994 das Kraftwagenbetriebswerk der Deutschen Bundesbahn (Kbw Hannover) beheimatet.

Gruss aus Hannover - Vahrenwalder Thurm
Besitzer F. Schirmer | 07.11.1898

Königl. Militär-Reit-Institut (Vahrenwalder Straße)
23.06.1907

Industriebetriebe folgten bald den Kasernenbauten, wie 1871 die Continental Gummiwerke. 1880 verkehrte eine Pferdebahn von Hannover über Vahrenwald nach Langenhagen. 1897 wurde die Strecke elektrifiziert. 1891 erfolgte die Eingemeindung nach Hannover. Im Zweiten Weltkrieg war Vahrenwald ein bevorzugtes Angriffsziel für alliierte Bomberverbände. Ziel waren die Continental-Werke als Rüstungsbetrieb. Außerdem lag das Unternehmen an einer kriegswichtigen Eisenbahnstrecke. Durch den letzten großen Luftangriff auf Hannover Ende März 1945 entstanden hier große Zerstörungen.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Geschichte der Stadt Hannover I/II | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche Verlag | 1994
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Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek, Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei | 2009
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