Postkarten-Archiv | Andreas-Andrew Bornemann | Hannover-Linden | 2002-2010
Ahlem | Badenstedt | Davenstedt | Körtingsdorf
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Hannover-Ahlem | Badenstedt | Davenstedt | Körtingsdorf

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Hannover-Ahlem

Ahlem liegt im Westen Hannovers. Das Dorf Ahlem wird urkundlich erstmalig 1272 erwähnt. Das Dorf war trotz der Vorstadt-Nähe zu Hannover und Linden immer ländlich geprägt. Wirtschaftsgrundlage der Dorfbewohner war die Holz, Land- und Weidewirtschaft sowie das Mühlenhandwerk; die Siedlungslage an der Leine hatte die Errichtung von Wassermühlen begünstigt. Später wurde hier auch die Leineweberei betrieben. 1730 wurde asphalthaltiges Gestein gefunden, dass aber erst Mitte des 19. Jhs. wirtschaftlich genutzt werden konnte. 1895 hatte Ahlem rund 500 Einwohner. Da Ahlem eine überwiegend ländlich geprägte Gemeinde war, war dies auch ausschlaggebend für die Errichtung von bürgerlichen Häusern, die man in den 1920er und 1930er Jahren erbaute. Als Ausflugslokal wurde 1897 der Ahlemer Turm errichtet. Unweit des Ahlemer Turmes war 1893 die Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem entstanden, die 1919 in Israelitische Gartenbauschule Ahlem umbenannt wurde. Um das Schwefel-Solebad zwischen Ahlem und Limmer, am Limmer-Holz waren Ende des 19. Jhs. Kuranlagen aufgebaut worden. Das Dorf Ahlem hatte kein eigenes Postamt, sodass, das Postamt in Limmer für die Post aus Ahlem zuständig war.

      

             Gruss vom Ahlemer Thurm | 10.06.1898                                     Ahlem | 12.05.1953

Im November 1938 wurden in Hannover 16 sogenannte Judenhäuser eingerichtet, eines davon befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem, ab November 1919 umbenannt in Israelitische Gartenbauschule Ahlem. Die Erziehungsanstalt wurde am 1. April 1893 vom jüdischen Bankier Alexander Moritz Simon (1837-1905) gegründet. Ab September 1941 wurden mehr als 1000 Juden von der Stadtverwaltung Hannover gezwungen, in eines der Judenhäuser zu ziehen. Später wurden die hier internierten Juden in Konzentrationslager nach Osteuropa deportiert. Gegen Ende 1944 wurde in Ahlem ein Außenlager des KZ-Neuengamme eingerichtet, in das Insassen des Außenlagers der Continental AG in Hannover-Stöcken verbracht wurden. Das Lager befand sich in der heutigen Petit-Couronne-Straße nahe der Ahlemer Höhe. Ein Großteil der Häftlinge, baute in einem Stollen unterirdisch Asphalt ab. Seit 1994 erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Lagers. Ahlem war bis 1974 eine eigenständige Gemeinde und wurde dann in die Stadt Hannover eingemeindet.

      

           Düngeversuch mit Prunus triloba 1908 von            Reservelazarett - Israelitische Erziehungsanstalt
                 Wasem & Lobermeier | 12.03.1909                                        Ahlem | 28.10.1914

Hannover-Badenstedt

Badenstedt liegt im Süden Hannovers. Das Dorf, dass am Osthang des Benther Berges liegt, kommt Anfang des 14. Jhs. als Badenstede in Urkunden vor. Mit der Förderung und der Verarbeitung von Bodenschätzen hatte sich im 18. und frühen 19. Jhs. zunächst die Rohstoffindustrie entwickelt; dies war ein entscheidender Wegbereiter der Industrialisierung. In der Gemarkung wurde 1831 eine Saline angelegt, die bis in die 1960er Jahre des 19. Jhs. bestand. Badenstedt wurde 1909 nach Linden eingemeindet und, 1920 zusammen mit der Stadt Linden, der damaligen preußischen Provinzhauptstadt Hannover einverleibt.

             

                     Gruss aus Badenstedt | 10.12.1911                               Hannover-Badenstedt - 10.10.1968
                         (Restaurant von H. Heerhorst)

Die Einwohnerschaft war aufgrund der Nähe zu den großen Industriegebieten Lindens und Limmers durch ein rein traditionelles Arbeitermilieu geprägt, deshalb befinden sich hier auch viele Genossenschaftswohnungen. Badenstedt zählte bereits 1895 - 1280 Einwohner. Das Wohngebiet nordöstlich des Bornumer Holzes (östlich der Güterumgehungsbahn) wird auch als Körtingsdorf bezeichnet. Vorgänger der Siedlung nahe der Firma Gebr. Körting ist eine heute nicht mehr vorhandene Arbeitersiedlung - errichtet gegen Ende des 19. Jhs. Es konnten lediglich zwei der alten Arbeiterhäuser gerettet werden. Da Badenstedt nach 1945 weitgehend unbeschädigt war, haben viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten, in Hannover-Badenstedt eine neue Unterkunft gefunden.

Hannover-Davenstedt

Erstmals erwähnt wird Davenstedt als Davenstide im Marstemgau, im Jahr 1022 in einer von Kaiser Heinrich II. (973/978-1024) ausgestellten Stiftungsurkunde des Hildesheimer Michaelisklosters, deren Echtheit angezweifelt wird. Eine zweite Erwähnung in Kirchenbüchern als Davenstede Bistum 1280 ist dagegen unstrittig. 1770 lebten in Davenstedt 120 Einwohner. 1902 wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Das Dorf wird 1909 in die damalige Stadt Linden eingemeindet. Im Jahr 1920 wird der Sportverein TUS Davenstedt gegründet.

Im alten Dorfkern befindet sich die St. Johannes Kapelle, eine der zwei erhaltenen Fachwerk-Kapellen Hannovers. In der Nähe steht der Backstein-Neubau, der St. Johannes Kirche, in einem parkähnlichen Gelände, verbunden mit Kindergarten, Gemeinde-Saal, Küster- und Pastoren-Haus. Vom Davenstedter Holz (ehemaliger Gemeindewald), am Geveker Kamp ist außer der gleichnamigen Straße und einer Bus-Station nur ein kurzer Bachverlauf mit Baumbestand übrig geblieben.

Gartenbaubetrieb Paul Tagmann
(Davenstedter Straße 240) | 12.07.1913

Körtingsdorf bei Linden

Körtingsdorf war eine Ende des 19. Jhs. entstandene Arbeitersiedlung der Firma Gebr. Körting in der einstigen Industriestadt Linden. Heute bestehen aus der Arbeitersiedlung nur noch zwei Gebäude, die sorgfältig restauriert sind und inmitten eines modernen Wohngebietes im Stadtteil Hannover-Badenstedt liegen.

Die Siedlung Körtingsdorf ließ das namensgebende Unternehmen Körting ab dem Jahr 1890 dorfähnlich auf einer freien Fläche errichten. Dies erfolgte zeitgleich mit dem Bau einer neuen Fabrik der Firma Gebr. Körting. Unweit des Fabrikgeländes erwarb das Unternehmen von Landwirten aus Bornum an der Badenstedter Straße ein etwa 33 Hektar großes Grundstück, auf dem entstanden die Siedlungshäuser für die Körting-Arbeiter.

           

          Grüsse aus dem Beamtenspeisehaus Körtingsdorf                              Gruss aus Körtingsdorf - Fabrik
                                        20.08.1908                   

Es waren Doppelhäuser mit Stallungen und Gärten, jeweils ca. 800 m² groß. Jedes Doppelhaus verfügte über zwei geräumige Wohnungen. Die Firma Körting wollte ihren Arbeitnehmern gesunde Lebensverhältnisse bieten, die es in den lichtarmen und engen Wohnungen der Stadt Linden nicht gab. Durch diesen Wohnungsbau band das Unternehmen auch einen festen Arbeiternehmerstamm an das Werk. Ursprünglich waren weit mehr als 100 Doppelhäuser geplant, tatsächlich realisiert wurden jedoch nur rund 50 Häuser. Es gab gerichtliche Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Badenstedt, die die Baugenehmigung zurückgezogen hatte. Badenstedt fürchtete Folgekosten für Wegebau, Verwaltung und Anstellungen von Lehrern. Daraufhin verpflichtete sich Körting für eine Verwaltung zu sorgen, die Wege instand zu halten sowie eine Schule einzurichten. Im Jahr 1893 entstand die Schule für 120 Kinder. Außerdem waren kleine Geschäfte sowie eine Gastwirtschaft vorhanden.   

Mehr zur Firma Körting und der Siedlungsgeschichte.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Andreas-Andrew Bornemann / Postkarten / Text

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Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart | Dr. Klaus Mlynek,
Dr. Waldemar R. Röhrbein | Schlütersche GmbH & Co. KG Verlag und Druckerei 2009
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